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Full text of "Gerhard von Minden"

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Niederdeutsche 


DENKMÄLER, 


Herausgegeben 


vom 
Verein für niederdeutsche Sprachforschung. 


Band I. 


BREMEN, 18738. 


Verlag von J. Kühtmann’s Buchhandlung. 
U, L, Fr, Kirchhof 4. 


GERHARD VON MINDEN. 


Von 


W. Seelmann. 


NINE ENNINNANLINIIIINLIENING 


BREMEN, 1878. 
Verlag von J, Kühtmann’s Buchhandlung. 
UV. L, Fr. Kirchhof 4, 


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Druck von Diedr, Soltau in Norden, 


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Inhalt. 
Seite 
. Einleitung. 
I. Die entstehung der mnd. litteratur .....ceeeeeeeccseneneeeenennnn IX 
II. Ist Gerhard von Minden der verfasser® .......uccceaneeeeuenen. XIX 

III. Die lateinischen fabelbücher .............. ee en XXI 

IV. Die quellen Gerhards ................ SUR EEE xXV 
V. Heimat, alter und stand des verfassers .......cceeeaeccaeeneensen XXX 

VL Die handschrift ..........ennnen: EU RIMARITREN ARE XXX 

VL: Wiggeris ausgabe ei er XXXIll 

VIII. Die überlieferung des textes ...un.cenceeeneeeneeeneeeneenen XXYIV 

IX. Der reim ee IUCN REN IE RSEHIE UNIFEER XXXIX 
X. Der versbau nn ekeeemnenensmenennennen XL 

KT. "Schlussn Nessie XLVI 

Nachwort anerkennen XLVII 
Text, 

Fab: > VOLWOLL ee ee een, 1 
I. Hahn und edelstein ........cceceeaeseeeeneeneseenennnneennneeenen een 2 
II. Lamm und wolf am bache ....... cc. Re 3 

II]: Brosch und maus. une 5 

IV. Hund und schaf vor gericht ........ccccceeeeeeeeeeneeaeeeeeeeene nn 8 
V. Hund und käse (schatten) ......ecceeneeeaeesesneenenenensnnnerser nenn 9 
Vi: Böwenanlel run ea 10 
VII, Dieb und sonne wollen heiraten "....ccaceeeeeeeneessnennnnnnnenennen 11 
VIIE. Wolf und kranieh uch erkenne 12 
IX. Guter und schlechter hund .........cceeaeeeseeaneennenneensneren nn 14 
3. -Dorf-:und Feldmass nee 15 


XXX. 
XXXL 
XXXI. 
XXXIL 
XXXIV. 
XXXV. 
XXXVl 
XXXVL. 
XXXVIL 
XXXIX. 
XL. 
XLI 
XLI. 
XLIII 
XLIV. 
XLV. 
XLVI. 
XLVU. 
XLVII 
XLIX. 


Adler raubt junge füchse ..........c.ccccceeeeseeeeeesensnnnnnennennn 
Adler, krähe und schnecke 
Rabe und käse 


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Proschkönige ac nee 
Habicht, schutzherr der tauben 
Dieb und hund 


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Wolf und kluges lamm 

Hirt und dankbarer löwe 
Lowerund perl sent en ee 
Fledermaus .............. Re ee 


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Untreue wittwe 
Widerspänstiges weib ohne zunge 
Widerspänstiges weib ertrinkt 
Schmeichelnde buhlerin 
Nachtigal und habicht 
Schafe den wölten die hunde überliefernd 
Axt und bäume 


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Magen und glieder 
Dieb und käfer 
Mann von der frau betrogen 
Einäugiger schätzt ein pferd 
Teufel und dieb 


Ungenügsamer beter ......ccecasseesessanensenensnneeneennnnenenn en 
Missgünstiger beter 
Fuchs und mond 
Fuchs und hahn 
Fuchs und taube 
Habicht und tauben 
Tier- nnd käferfehde 


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Fab, Seite 

L.. „Ellege und: Kaklkopf „20er 75 

LI. Berg eine maus gebärend ........cessensseneenesnennsnnennensenne nenn 76 

LIT. ‚Bund m. alter. 2.2.02. eeeewaissensen 77 
LIT. Bock und Wo here 78 
LIV.. Rabe: in pfauenteden. ua. ak 8l 
LV. Fuchs, wolf und kranker löwe ......cceccsnesuenensuesseeneneeane nenn 82 
LVI. Ameise und fliege........cesseonaseneeeonensennenennenssnnnen rennen ou 86 
LVI. Affe will den fuchsschwanz teilen nennen 87 
JY2ll.: Krähe: und schafer unse 89 
BIN. Pferd und.esel 1 ee a 
LX, Fuchs und saure trauben ....cceeeneeesesseesnneneesnsnesnnneenneenenn 92 
ST. ‚Hirsch und plerd „ae 3 
LXII. Ameise und heimchen .....ucceeaseasensnsennennenerennenenn rennen 96 
LXI. Esel wünscht den tod ....ecsesseesnessneseeaseenoneonenonsnsun nun 97 
.LXIV. Alter und junger wolf bei der IMEE enaannennneeneenenenennenn 98 
LXV. Wolf als reichsverweser .......ceeceeseaesenesensersenerensensenenenenen 99 
EXVL. Wo und raber a... seele 102 
LXVIL Eselsgeschrei und löwe ......uccceeceneeseseneeeneneneeeennenenennne en 105 
LXVII. Fussspuren in der löwenhöhle .........ecueesecseesenesseeseneeseaesen 104 

_ LXIX. Der gemalte löwe .....cnnneennenesemeenseenenenene nennen 105 
LXX. Altes wiosel aeannenennennunnennennnnnenennennnneenenennennenn 106 
LXXI. Rache des panters ...........cceecsneesnusnnnneneenennnesnnnnennenen 107 
LXXI Kranker igel und wolf .......cceeeeeeeseaesseeeesnenenennsenenenerenen 109 
LXXII. Schmied und schwert ....cceeneeaenessnenennennnnsnnnenunennenn anne 110 
LXXIV.- ‚Der vogellängen: „es... See 111 
LXXV. Frosch bläst sich auf .......cccceaeeeeeesenennenesnsnene nennen 112 
LXXVI. Kranich beim fuchs zu gaste .......c.ccceeeeeecenennennenenerenn 113 
LXXVI. Kranke elle ................. WERE, SAT ONE EEE NEST HUREN 114 
LXXVII. Wolf und fuchs vor dem richter ke 115 
LXXIX. Unzufriedener pfau ........ccceecseseeeenenesnnnnnsnensnenneennen nenn 115 
 LXXX. Das gegessene herz .........cccceeeennecuenasnnnnesnenensaneneenenennn 116 
LXXXI Wolf und igel verbündet .......cceeeneesennsenunnenennnnenenennnenen 118 
LXXXIU. Mann und ochse ......ceeeecaeeensneennannsnnenrenennennnnennneneenen 120 
LXXXII, Hasen wollen sich ertränken ken 121 
LXXXIV. Hase mit hirschgeweih ......ccaccceeeeenaenensnenenennenenennennnnense 122 
LXXXV. Löwe und affenjunges .ucceeeeeeeeneennenenenennneennnnen nenn 123 
LXXXVI Der athem wärmend und kühlend .. cn 124 
LXXXVII. Die beim turnier abfallende perrücke .ueenen 127 
 LXXXVII. Eichbaum und rohr .....uaeeessenensnaenensesenennennenesennenn 129 


VI 


Fab, 


LXXXIX. 
XC. 
xXCl. 
XCH, 
XCII. 
XCIV. 
XCV. 
XCVL 
XCVLI. 
XCVIM. 
XCHX. 
C. 

Cl 

CH. 


CI. 


Lesarten und anmerkungen 
Vorbemerkung 


Adler und falke,....occceeecsee 


Katze und fuchs 


Wolf und nistende tauben 


Krebsgang 
siehe zu fab. LXXV 
Der gierige und missgünstige 
Beichte des wolfes, fuchses und esels 
Die königswahl der bäume 
Affe als könig 


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siehe zu fab, XX 000er 


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188 
146 
188 
147 
150 
157 
161 


168 
165 
191 
206 


De a a 


Einleitung. 


I. 


Die entstehung der mnd. litteratur. 


Die strömungen des geistigen lebens, die der mittelniederdeutschen 
litteratur inhalt und richtung geben, laufen jahrhunderte lang neben 
denen her, welche die mittelhochdeutsche dichtung erfüllen, ohne dass 
die einen auf die anderen einwirken. 
Die mhd. dichtung ist emporgeblüht, indem die ober- und mittel- 
deutschen landschaften sie in gemeinsamer teilnahme entwickelten. 
War in Schwaben eine dichtung von hervorragender bedeutung ge- 
schaffen, so wurde sie dem bairischen dichter vorbild und spiegel 
eigenen werkes, und umgekehrt konnte dieser auch unter Allemannen 
und Franken dankbare leser und wetteifernde nachahmer finden. Die 
dichtung der einzelnen landschaften ward durch den allgemeinen 
aufschwung der mhd. litteratur gehoben und verstärkte ihn ihrerseits. 
Ohne anteil an der entwicklung der süddeutschen schwester, 
sie nicht fördernd, von ihr nicht gefördert, entstand und erwuchs die 


mnd. litteratur. Vollständig unabhängig von einander stehen sich 


beide wie litteraturen verschiedener völker gegenüber. 

Zwar an gegenseitigem stoffaustausch hat es nicht gefehlt. Als 
die mhd. dichtung ihren höhepunkt bereits erreicht hatte, war für 
die prosaische litteratur in Süddeutschland fast noch nichts geschehen, 
und ihm in rechts- und geschichtsschreibung Sachsen weit überlegen. 
Dorthin richtete man deshalb den blick, als das bedürfnis nach zu- 
sammenhängender darstellung der geschichte und des rechtes sich 
fühlbar machte. Die sächsische weltchronik fand bairische bearbeiter 
und fortsetzer. Ebenso wurde der Sachsenspiegel als Spiegel deutscher 
leute und in fernerer gestaltung als Schwabenspiegel hochdeutsch 
bearbeitet. | 

Umgekehrt sind die sprüche Freidanks, bruder Philipps Marien- 
leben, eine legende Barthel Regenbogens, Ottos von Diemeringen be- 
arbeitung der orientreise Mandevilles u. a. in die niederdeutsche 
mundart umgeschrieben worden. Aber wenn man auch aus der mhd. 
litteratur herübernahm, was der eigenen richtung entsprach, so wurde 
diese selbst doch nicht im geringsten durch oberdeutsche einflüsse 


b 


x Einleitung. 


bestimmt. Gerade die hauptwerke der mhd. litteratur widersprachen 
ihr zumeist, und bekanntschaft mit ihnen findet sich, wenn wir von 
einem besonderen fall absehen, der später seine erklärung finden wird, 
nur in einer einzigen mınd. dichtung, in der ein bezug auf Wolframs 
Parcival enthalten ist. Aber auch diese einzige ausnahme erledigt 
sich dadurch, dass jener bezug allem anscheine nach aus der hoch- 
deutschen quelle des gedichtes in die nd. bearbeitung hineinge- 
flossen ist!). 

Im gegensatz zu dem leichtlebigeren Süddeutschen legt der 
Niedersachse die empfindung des herzens ungern auf die zunge, ab- 
gehalten durch ein gefühl wie scham, als ob laute kundgebung inner- 
licher stimmung diese entweihe und seiner ernsten würde abbruch 
tue, und ebensowenig wie der wechsel ist ihm das schnelle auf- 
schwellen des gefühls eigen, jene trunkenheit des herzens, von der der 
mund überfliesst. 

Die zurückhaltung bei gefühlsäusserungen, die hervorkehrung 
verstandesmässiger betrachtung kann erklären, dass die lyrik nicht 
gedeihen mochte, wie sehr auch die weiche innige klangfarbe’ der nd. 
mundart dazu hätte einladen können. Dass aber auch die erzählende 
dichtung der mhd. litteratur keinen einfluss auf die mittelnieder- 
deutsche gewinnen konnte, bewirkten weniger eigentümlichkeiten des 
volkscharakters als äussere umstände Für die mhd. dichtung sind 
die anschauungen des ritterstandes, für die mnd. die des bürgertums 
massgebend gewesen. 

Die mhd. epen feiern helden, welche gelegenheit zu kämpfen 
aufsuchen und durch einzelkraft wundertaten verrichten. Der nord- 
deutsche bürger kann sich für den ruhm eines standes, der ihn hasst 
und den auch er zu hassen reichlich ursache hat, nicht erwärmen. 
Sein historisches lied singt schadenfroh, wie die bürgergemeinde den 
fehde- und beutelustigen ritter zu fall bringt, und die liebste unter- 
haltung ist ihm zu hören, wie der schwache durch kluge listen und 
behende reden über den mächtigen triumphirt. 

Der gegensatz von ritter- und bürgertum bestand freilich auch 
in Süddeutschland, aber hier, wo die kastenartige trennung der stände, 
wie sie in Norddeutschland besteht, hinter der heiteren geselligkeit 
des persönlichen verkehrs zurücktritt, wurde er weniger schroff em- 


 pfunden, und der bürgerliche dichter konnte den rittern erst ein 


nachahmender genosse, dann ihr litterarischer erbe werden, unter 
dessen händen die mhd. diehtung zwar ihre vorzüge, aber auch die 
einseitige richtung auf verherrlichung des rittertums verlor und so 
für den späteren übergang zur gemeindeutschen dichtung vorbereitet 


wurde. 


Eine wenigstens zum teil selbständige stellung behauptet die 


1) In einem noch ungedruckten gedichte heisst es Ik enweyt nicht yfft du 
hest gelesen Van dem werden Gamereth Wo dene de leue betwungen het Dat 
siner, eyn morinne hadde gewalt Unde dat durch se de helt balt Maniger node syk 
bewach (ms. germ. berol. oct. 186 bl. 48). 


Kinleitung, | | | | x 


geistlichkeit. Sie vermittelt der nationalen litteratur, was aus latei- 
nischen büchern zu lernen ist, und gibt ihren sonderbestrebungen 
durch behandlung ascetischer und legendarischer stoffe ausdruck. Im 
übrigen lässt sie sich durch persönliche beziehungen zu litterarischer 
tätigkeit bestimmen und durch die herrschende geschmacksrichtung 
leiten. Am Rhein ist sie ritterlich gestimmt, in Sachsen zeigt wenig- 
stens der niedere klerus vollständige gesinnungsgleichheit mit dem 
bürgerstande, dem er entstammt. | | 

Wir haben im einzelnen nachzuweisen, warum nur bürgerstand 
und geistlichkeit die richtungen bestimmt haben, welche die mnd. 
_ litteratur eingeschlagen hat. 

In Süddeutschland galt von altersher der sächsische ritter 
als roh und wild). Kreuzzüge und turniere führten ihn endlich in 
die feineren kreise der fränkischen und bairischen standesgenossen, 
der verkehr mit diesen erzeugte das bestreben ihnen nachzueifern, 
zunächst in den formen des höfischen anstandes, dann auch in der 
pflege höfischer poesie. Dichter und spielleute ziehen aus Süd- 
deutschland bis an die küsten der Nord- und Ostsee, gern gesehene 
gäste in dortigen schlössern?). Die lust am hören und der eigene 
reiz, den der dichterlorber ausübt, wecken bald die lust zu eigenen 
versuchen. Aber nicht in heimischer mundart, sondern in der hö- 
fischen, fremden beginnt man zu dichten. Ist doch nicht allein die 
dichtung der lehrer vorbild, auch ihre mundart dünkt feiner, vor- 
nehmer zu sein, und gar zu gern mengt man oberdeutsche formen 
unter die heimischen. Wer urkundensammlungen westfälischer und 
niedersächsischer städte durchblättert, wird auf reichliche belege für 
_ die ausgesprochene behauptung stossen. In schriftstücken, welche aus 
den städtischen kanzleien hervorgegangen sind, pflegt man die mundart 
rein zu finden, in ritterlichen urkunden dagegen verrät sich mehr und 
mehr, und zunächst im binnenlande, das streben zum oberdeutschen?). 


t) Vgl. Scherer, gesch. d. dtsch. dicht. im 11. u. 12. jh. s. 23. 

?) Beziehungen mhd. dichter zu nordelbischen herren behandelt Müllenhoff, 
Nordalbingische studien III (1846), s. 91--102. 

®) Dabei ist jedoch n:cht ausser acht zu lassen, dass unter den urkunden, 
welche städte ausgestellt haben, diesen gewiss eine grosse anzahl fertig geschrieben 
von seiten der ritter zur unterschrift und zur untersiegelung vorgelegt war. Darüber 
dass urkunden schon in alter zeit von den empfängern geschrieben und von den aus- 
stellern nur untersiegeit sind, vergl. den aufsatz von Foltz über die siegel der 
deutschen könige und kaiser im Neuen Archiv d, Ges. für ält, dtsch. Geschichts- 
kunde III s. 15, wo es heisst “in gewissen perioden Ottos I. und vielleicht auch noch 
später — die untersuchungen hierüber sind noch nicht zum abschluss gekommen — 
gibt es originale, an denen auch nicht der kleinste teil von einem kanzleibeamten 
geschrieben ist.’ Bemerkenswert ist ferner, dass an einer urkunde oft mehr wie 
ein schreiber tätig gewesen sein kaun, einen fall aus späterer zeit erzählt Laurent 
Aachener stadtrechnungen s. 43, für ältere zeit vgl. Sickel, acta karolinorum I, 
s. 300. Auch der einfluss der formelbücher — der briefsteller des mittelalters — 
anf den sprachlichen ausdruck der urkunden ist ebenso zu beachten wie der gewiss 
häufige fall, dass die verschiedenen bei einer urkunde beteiligten parteien concepte 
‘ mitbrachten und auf grundlage derselben über den wortlaut der aufzusetzenden ur- 
kunde verhandelt wurde. | 


b* 


xo Einleitung. 


So wurdo der mnd. dichtung die teilnahme fast des gesammten nord- 
deutschen adels und die kraft einer anzahl männer ontrissen, welche 
mit der fromden mundart ringend und anders gearteten dichtern 
nachahmend sicher nicht das geleistet haben, was sie in heimischer 
mundart, aus eigenor eigenart heraus, hätten schaffen können. So 
Berthold von Holle, der im bistum Hildesheim zu hause war, und 
sein älterer landsmann Eilhart von Oberge, Albrecht von Halberstadt, 
Brun von Sconebeck, Eberhard Cersno aus Minden, der sachse Rume- 
land, Herman der Damen, der westfale Johan von Soest!) u. a. 

Soweit die geistlichkeit den rittern nahe stand, schloss auch 
sie sich deren anschauungen an. Der dichter der für fürstlichen ge- 
brauch verfassten braunschweigischen reimchronik ist in der höfischen 
litteratur bewandert, er kennt Wolfram, den pfaffen Kunrad, vielleicht 
auch die Encit?). Nehmen wir nun aber auch an, dass die sprache 
des dichters wesentlich niederdeutsch gewesen sei und nur in wenigen 
fällen oberdeutsche cintlüsse zeige, so ist cs doch bemerkenswert, 
dass von den zwei handschriften, welche erhalten sind, die ältere — 
nach Weilands ansicht dem dichter gleichzeitig und vielleicht hand- 
exemplar eines braunschweigischen prinzen — hochdeutsch ist und 
cine grosse zalıl formen enthält, welche wie das irrtümlich verschobene 
werzscaph für wertscaph, zost für Yjost nur durch das erfolglose streben 
die eigne mundart zu verläugnen entstanden sein können?). Hin- 
widerum ist die jüngere hs., welche für bürgerliche Leser geschrieben 
ist, niederdeutsch, trotzdem ihre vorlage hochdeutsch wart). 

Das fahrende volk der spielleute, welche in der mhd. littera- 
turgeschichte so bedeutungsvoll auftreten, wanderte auch in der nord- 
deutschen tiefebene, der eine von ritter zu ritter, der andere in die 
städte und mit den hansischen schifien zu den stapelplätzen des 
deutschen handels. Wie sie sich von burg zu burg singen, schildert 
das gedicht von Namelos, dass sie ‘gut für ehre’ nehmen, weiss auch 
Gerhard’); zwei derselben, beflissen durch närrische nachahmung 
ritterlichen tjostes heiterkeit zu erregen, sind in der livländischen 
sammlung abgebildet‘). Als vorleser und bearbeiter mancher mnd. 
dichtungen verrät sie die sich oft findende forderung, dem vorleser 
einen frischen trunk zu reichen, besonders häufig im Flos der Wolfen- 


i) Vgl. über ihn J. Grimm, kl, schriften V, s.468 und Martin in Zuchers 
zeitschrift I, 3. 177. — 

2) Vgl. Kohlmann, Die Braunschw. reimchronik auf ihre quellen geprüft. 
Kiel, dissert., 1876 s. 12 und 3. — | 
| 3) Vgl. die einleitung Weilands, Deutsche chroniken II, s. 457 f. — 

*#) Ebds. s. 454 f. 

5) Vgl. fab. 100. — 

6) Auf bl. 66, der eine unbekleidet, der andere in gewändern, welche zur 
hälfte rot, zur hälfte grün sind, beide auf steckenpferden und mit lanzen, welche an 
der spitze anstatt fähnchen kleine windmülhlchen tragen, wie sie kinder sich aus 
papier oder brettstückchen zu machen pflegen, um damit gegen den wiud zu laufen 
und sie so in bewegung zu seizen. Eine andere zeichnung, auf bl. 67, enthält zwei 
leute in bürgerlicher kleilung. Vgl. ferner mnd. wörterb. u. löispreker. 


Einleitung. XIII 


büttler sammlung, dessen schreiber und vorleser den durch die 
erzählung in spannung versetzten zuhörern seinen durst in immer 
kürzeren pausen kundtut, das erste mal, nachdem er über 500 verse 
gelesen hatte, dann ertönt schon nach 400 We dit wil horen vortlesen 
De schal dem leser drinken geven, dann dasselbe nach 300, 200 und 
schliesslich nach 100 versen'). Manche schreiber haben dergleichen 
die erzählung unterbrechende trunkforderungen in ihren abschriften 
ausgelassen und nur zu schluss der einzelnen gedichte beibehalten, 
wie z. b. der schreiber der Stockholmer sammlung, der jedoch, einmal 
unachtsam abschreibend, mitten im Namelos v. 667 Me schenke und 
geve uns drinken dan Ick wil ein ander heven an belassen hat. 

Spielleute, welche aus Franken oder Baiern kamen, mögen man- 
ches mhd. gedicht nach Sachsen mitgebracht haben. Aber weil für 
die wahl dessen, was sie in nd. mundart sangen und sagten, nicht 
ihre eigene neigung entschied, sondern der geschmack derer, von 
denen sie ‘gabe gehrten’, so wurden nur solche stoffe von ihnen mnd. 
bearbeitet, welche dem norddeutschen städter zusagten. Dafür durften 
sie, oft weithergewandert, auf nachsicht rechnen, wenn formen fremder 
mundart sich in ihr niederdeutsch mischten. Denn der häufige ver- 
kehr mit verschieden redenden leuten hatte in jener zeit das ohr ge- 
wöhnt, keinen anstoss an mundartlichen eigentümlichkeiten zu nehmen 
und das verständnis dafür geschärft. 

Wie die mnd. dichtung auf die gönnerschaft und mitwirkung 
der edlen geschlechter hat verzichten müssen, so ist sie auch des 
erbes der vorzeit, der deutschen heldensage, verlustig gegangen. 

In mnd. gedichten fehlt es fast gänzlich an zeugnissen für die- 
selbe. Gerhard 41,5 und Wolfenb. Esop 104,5 kennen alte sagen, 
in denen schätze von drachen gehütet werden, und im Reineke Vos 
wird an drei stellen Ermenrichs schatzes gedacht. 

Mehr ausbeute gewähren die chroniken. Der Quedlinburger 


annalist weiss im 11. jh. von Ermanerich zu erzählen und gedenkt' 


der lieder, welche die bauern von Dietrich von Bern sangen. Ähn- 
lich heisst es in einer Halberstädter chronik späterer zeit darumme 
wart he geheten Diderik van Derne, unde is de Diderik, dar de bur 
van singhet. Die sächsische weltchronik 135, 1 sagt zu der geschichte 
Dietrichs i2 wirt vun eme manich logentale gedan?).. Was diese u. a. 
stellen andeuten, dass die Dietrichssage in Norddeutschland überall 
bekannt war, das versichert der verfasser der in nordischer sprache 
niedergeschriebenen Thidrekssaga ausdrücklich’), Derselbe hat im 
13. jh. von kaufleuten aus Bremen, Münster und Soest, welche nach 


.) Genau gezählt vs. 589. 954. 1266. 1467. 1576. 
Vgl. W. Grimm, deutsche heldensage, n. 18, 4. 48b. 124. 129. 1306, 1304, 
166, Mullenhoff zeugnisse und exc. n. 30h. in Haupts zeitschr. 12, s. 373. — 
®) Die auf die gewährsleute des verfassers bezüglichen stellen sind von W. 
Grimm, heldensage n. 81, und Raszmann, deutsche heldensage II, s. V f. ge- 
saınmelt, von Dörin g in Zachers zeitschr. II, s.3 ff. und bei Raszmann Nitlunga- 
saga besprochen, 


XIV Einleitung. 


seiner heimat gekommen waren, sich die sage erzählen und ihre alten 
gesänge mitteilen lassen. 

‘Und wonn du’ sagt die vorrede ‘einen mann aus jeder stadt 
im ganzen Sachsenlande nimnist, so werden alle diese sage auf die-. 
selbe weise erzählen. Das bewirken ihre alten licder.’ 

Wie jene oben mitgeteilten stellen voraussetzen lassen, kannten 
mönch und bürger diese sagen auch noch in späterer zeit, aber sie 
sahen auf sie horab wie auf ammenmährchen, — logentale sagt eine 
der chronikon — und die spielleute durfton die allbekannten ge- 
schichten um so weniger zum vortrage bringen, als auch sie das 
rittortum verhorrlichen halfen. 

Nur der landmann hatto seino freude an den alten liedern. 
Aber er hatte weder das bedürfnis noch die fähigkeit niederzuschreiben, 
was er fost im gedächtnis besass, so dass wir nur einem günstigen 
zufalle das erhaltene bruchstück eines Rosengartens, dessen sprache 
nach Westfalen weist, verdanken können!). Die übrigen nd. gedichte, 
welche stoffe der heldensage behandeln, stammen aus spätester zeit 
und was von allen übrigen feststcht, dass sie nach hochdeutscher 
vorlage gearbeitet sind, das wird wol auch von dem drucke von 
1560 gelten, welcher als Ermanrikes dot neuerdings wieder ahge- 
druckt ist?). 

Zwei ständo also, die bürger und der niedere clerus, haben 
allein die richtungen bestimmt, welche die mnd. litteratur einge- 
schlagen hat. Wie beide stände für diesolbe wirksam gewesen sind, 
bleibt uns darzulegen übrig. 

Die norddeutschen kaufleute, welche mit dem auslande han- 
delten, führten ihre schiffe zu günstig gelegenen landesstellen der 
fremden küste, ebendahin brachten die einheimischen, was sie zum 
austausche zu bieten hatten. Der verkehr centralisirte sich bald auf 
bestimmte orte. Hier lagen stets in grosser anzahl schiffe der ver- 
schiedensten deutschen see- und stromstädte vor anker. Die gemein- 
samkeit des interesses führte vereinbarungen zu gegenseitiger förde- 
rung, zu gegenseitigem schutze und zur errichtung eigener lagerräume 
und wohngebäude herbei, und so entstanden die hansen in Wisby, 
Bergen, London, Nowgorod, Reval usw., deren ausgedehnte höfe winter 
wie sommer eine grosse anzahl deutscher kaufleute in sich vereinigten. 

Das bedürfnis, die langeweile der winterabende, welche mit spiel 
hinzubringen die hausordnung der hansen nicht immer gestattete?), zu 
verkürzen, hiess jeden willkommen sein, der erzählungen vorlesen konnte, 
wenn der unterhaltungsstoff, welchen gegenseitige mitteilung eigener 
erlebnisse bot, erschöpft war. 


!) Vgl. Haupts zeitschr. 5, s. 869 und Müllenhoff zur gesch der Nibelunge 
not. s. 13 — 

2) Konince Ermenrikes döt hg. von. K. Goedeke, Hannover 1851. Ueber je 
ein nd, lied von Sigenot, Laurin und Siegfrid vgl. Goedeke, dtsch. dichtung im 
mittelalter, s. 452. 522. 553. 

®) Lappenberg urkundl. gesch. des stahlhofes in London s. 26. 


Einleitung. | i XV 


Die meisten erzählenden gedichte der mnd. litteratur sind zu 
sammlungen vereinigt auf uns gekommen. Von der mehrzahl der 
letzteren lässt sich beweisen, dass sie zur vorlesung bestimmte nieder- 
schriften für im auslande weilende, also für hansische kaufleute 
sind'). 

Das hartebok, eine jener sammlungen, ist, wie sichere über- 
lieferung besagt, eigentum einer -kaufmannsgilde, deren mitglieder 
nach den Niederlanden handelten, der Flanderfahrer gewesen, und 
wie es scheint nach niederländischen quellen von einem geistlichen 
gearbeitet, vielleicht von dem priester irgend eines hansischen 
hofes?). 

In der Stockholmer sammlung hat ein früherer besitzer an- 
gemerkt, was er auf einer reise von ‘den schegen orde’ über Anclam 
bis ‘to polstze’ für zehrung verausgabt hat?). Geschrieben aber soll 
die hs. in Dänemark sein, denn für o ist mitunter das auch heute 
noch im dänischen gebräuchliche o verwendet. Da es nun in Kopen- 
hagen, Helsingör, Roskild auf Seeland, Swineborg (jetzt Svendborg) 
auf Fühnen, Borlem und Aalborg auf Jütland deutsche kaufleute 
gab, welche dort ansässig geworden?) und an den gebrauch der dä- 
nischen sprache und schrift gewöhnt waren, so ist es immerhin mög- 
lich, dass einer dieser kaufleute jene buchstabenformen sich auch in 
einem deutschen buche hat entschlüpfen lassen. Doch kann der 
schreiber auch ein Däne gewesen sein. Denn das niederdeutsche war 
an den küsten des baltischen meeres allentlhalben bekannt, solange 
der hansische städtebund durch handel und äussere machtstellung 
dort herrschte. Zwischen den skandinavischen reichen und den deutschen 
städten werden nd. briefe gewechselt, der dänische könig Waldemar IV. 
hat nd. spottverse auf die hansa verfasst), dichtungen der in frage 
stehenden hs., nämlich Flos und Namelos, sind in das schwedische 
übersetzt worden?). 

Die livländische sammlung”), jetzt in er königlichen biblio- 
thek zu Berlin, ist wie mehrfache subscriptionen besagen i. j. 1431 
in Livonia per manus Johannis geschrieben. ‘In Livonia’ — so hat 
sicher kein eingeborner Livländer geschrieben, ebenso wenig wie ein 
Stettiner oder Wolliner ein brief aus ‘in Pommern’ ohne angabe der 
stadt, wo er schreibt, datiren würde. Wol aber konnte, wer zu 


1) Den inhalt der einzelnen sammlungen verzeichnen Goedeke grundrisz 
$ 99, wo jedoch die jütische und die Stockholmer zusammengeworfen sind, und 
Oeste rley niederdeutsche dichtung s. II, IV. — 

”) Abgedruckt in Staphorst, Hamburg. kirchengesch, I, 4, 175 ft, vgl. 
Lappenberg in der zeitschr. für Hamburg. gesch. II (1847), s. 617. — 

®) Vgl. Haupts zeitschr. 5, s. 405. 
*) Beer geschichte des welthandels I, s. 258. — 
5) Siehe Dahlmann, gesch. von Dännemark II, s. 12 — 


e) @ findet sich auch in urkunden deutscher Ostseestädte, sein vorkommen allein 
ist also noch nicht beweis für die dän. heimat der hs. 
u N Beschrieben in Bibliotheca Hoffmanni Fallerslebensis, Leipzig 1846, 
5 R ZEN 


Pa. er Kr ze er a 3 


XVI | Einleitung. 


schiff von Deutschland nach Riga oder Reval gekommen war, sich so 
ausdrücken. 

Der schreiber der Wolfonbüttler sammlung gehört anscheinend 
in die nachbarschaft des harzes, aber ihren zusammenhang mit den 
übrigen sammlungen beweist der umstand, dass sie die gedichte 
Kranichhals und Frauenlob!) mit dem Hartebok, Flos mit der Stock- 
holmer und livländischen, den Theophilus zun teil mit der Stockholmer 
sammlung gemeinsam hat. 

Die erfahrung, welche man im auslande gemacht hatte, dass der 
einzelne, welcher auf sich allein angewiesen allen gefahren preisgegeben 
war, im verbande mit anderen schutz und förderung finde, wurde für die 
heimatlichen verhältnisse fruchtbar. Die sächsichen, westfälischen 
und die von ihnen colonisirten wendischen städte begannen sich in 
engeren und weiteren verbänden zu einigen, stark durch gegenseitigen 
schutz konnten sie den angriffen des adels ohne angst entgegensehen 
und ihren blick auf die entwicklung ihrer gemeinwesen richten. 
Rechtsbücher und chroniken?), gereimte und ungereimte, ent- 
standen in einer fülle, die erstaunlich ist, aber während diese zweige 
der prosalitteratur üppig emporschossen, trieb in den bürgerlichen 


kreisen die poesie nur kümmerliche sprossen. Das historische lied?) ' 


ist fast das einzige, was sie vor der reformation hervorgebracht hat, 
und auch in diesem kommt ausser selbstbewusstem gemeindesinn selten 
anderes als der höhnende spott zum ausdruck, der über die feinde der 
stadt ergossen wird. Daneben begegnet nur noch die gnomik, eine 
dichtungsart, welche mehr dem intellectuellen als dem aesthetischen 
genusse dient und welche in gleicher weise von weltlichen wie reli- 
giösen dichtern gepflegt eine ansehnliche litteratur aufzuweisen hat. 

Die handelsverbindung mit Flandern und die leichtigkeit, aus 
der verwandten mundart in die heimische zu übertragen, veranlassten 
vielfache bearbeitungen niederländischer werke. Mehr aber als die 
weltliche entlehnte, wie wir sehen werden, die religiöse litteratur den 
Niederlanden. 

Bei weitem mehr denkmäler, als die bedürfnisse der bürger- 
lichen kreise erzeugt haben, verdankt die mnd. litteratur den bestre- 
bungen der religiösen vereine und besonders der brüderschaften des 
gemeinsamen lebens, welche sich von Holland aus, wo sie im 14. jh. 
entstanden waren, ziemlich schnell über Norddeutschland verbreiteten. 

Der klerus hat zwar das grosse verdienst, dass mönche -und 
priester die ersten gewesen sind, welche sich der mnd. volkssprache 
zu umfangreichen werken bedienten, aber es waren doch nur aus- 


nahmefälle, wenn sie dieselbe der lateinischen sprache vorzogen. Sie 


schrieben deutsch, weil gönner es so wünschten oder weil ihre aus- 
arbeitungen für religiöse genossenschaften, denen laien angehörten, 
bestimmt waren. 


1) Vgl. Vruwenlof etc. hg. von C. Schröder, Erlangen 1869, s. 3. 
2) Eine übersicht der nd. reimchroniken bei Mone, quellen I, s. 218. — 
®) Einen teil derselben verzeichnet Goedeke grundrisz $ 98. 


Einleitung. | | | XVII 


Im gegensatz dazu bedienten sich die brüderschaften des ge- 
gemeinsamen lebens vorzugsweise der heimischen mundart‘). Sie 
hatten es sich zur aufgabe gemacht, das religiöse leben der laien 
“zu heben, und glaubten, dass belehrung in religiösen dingen am 
ehesten dazu beitrage. Um diese geben zu können, trachteten sie 
mit erfolg darnach, den gesammten unterricht in den städten, wo sie 
sich niedergelassen hatten, in ihre hand zu bringen, und ein nicht 
minderes gewicht wie auf den mündlichen unterricht legten sie auf 
die belehrung durch bücher. Doch nicht nur die entstehung deut- 
scher bücher veranlassten sie, in grossartiger weise sorgten sie auch 
für ihre verbreitung. Gewerbsmässig wurde in den brüderhäusern das 
abschreiben von büchern betrieben; als die kunst des buchdrucks 
erfunden war, musste auch sie den bestrebungen der brüderschaften 
dienen, und wo es nur angieng, setzten sie die presse in tätigkeit?). 

Nachdem im schnellen aufschwunge sich die norddeutschen 
städte reichtum und macht erworben hatten, begannen in dem neuen 
geschlechte, das den kampf ums dasein nicht mehr zu kämpfen 
hatte, sich bedürfnisse des geistes und herzens machtvoll geltend zu 
‚machen, vor allem die des letztern. Denn als von der zweiten hälfte 
des 14. jh. an wie strafgerichte gottes pest, erdbeben, überschwem- 
mungen, teurungen Deutschland heimsuchten, der tod in schrecklicher 
gestalt iiberall drohte, wuchs das verlangen das heil der seele zu 
sichern, und wie man sich in dieser zeit zu jedwedem in zünften 
und gilden zusammentat, trieb es männer wie frauen religiöse 
vereinigungen zu bilden, um in gemeinsamer andacht trost zu 
suchen?). | 

Dem allgemeinen bedürfnis kamen die brüderschaften entgegen, 
und weil der klerus dem bürger wolwollte und gegen dessen beleh- 
rung nicht eingenommen war, litt er, dass jene übernahmen, wozu 
er in seiner abgeschlossenheit selten neigung verspürte. 

Das nächste ergebnis davon, dass die brüderschaften ihre 
- litterarische wirksamkeit begonnen hatten, war die entstehung zahl- 
loser erbauungsbücher in deutscher sprache, denn nach ihnen ver- 
langte das religiöse bedürfnis der laien und man bedurfte ihrer auch 
bei den andachten, zu denen sich in den brüderhäusern die mit- 
glieder derselben mit laien vereinigten, welche der lateinischen spra- 
che unkundig waren. | 


1) Ueber die brüderschaften im allgemeinen ist besonders zu vergleichen 
Delprat Verhandeling over de Broederschap van G. Grote ete. Utrecht 1830, 
deutsch von Monike Leipzig 1840 und C. Ullmann Johann Wessel, Hamburg 
1834 s. 389—448, über ihre anwendnng der volkssprache letzterer s. 428 ff. 

?) Götze, ältere gesch. der buchdruckerkunst in Magdeburg. I (1872)s. 12 f.; 
Lisch geschichte d. buchdruckerkunst in Mecklenburg, im 4. jahrg. der Jahrbücher 
des vereins für mekl. gesch. (1839). — 
®) Vgl. Wackernagel in Haupts zeitschr. 9, s. 302. Die litteratur über 
die religiösen vereine verzeichnet Ullmann s. 391. Unter ihnen treten am bedeutend- 
sten die beguinenvereine hervor, welche schon, bevor die brüderschaften ihre wirk- 
samkeit begannen, nach gründung von schulen strebten. | | 


XVIUI Einleitung. 


Besonderer erwähnung verdienen ihrer zahlreichen handschriften 
und drucke wegen die nd. bearbeitungen der horae canonicae. 
Das regelmässige gebet aus derselben war den klerikern zur pflicht 
gemacht, hohen himmlischen lohn sicherten sie sich dadurch, während 
auf der anderen seite unterlassung auch nur einer hore für tot- 
sünde galt. Die religiösen vereine suchten das mönchtum in freier 
weise nachzuahmen, um gleich ihm höhere anrechte auf dereinstige 
seligkeit zu besitzen, sie nahmen deshalb die horenandacht auf und 
beteten sie, weil ihnen die kenntnis der lateinischen bücher abgieng, 
aus deutschen büchern. 

Nachhaltigere wirkungen versprachen sich die brüderschaften 
von der belehrenden litteratur. Verdeutschungen der bibel und ein- 
zelner bücher derselben, legenden und heiligenleben, welche vorbilder 
für das eigene leben zeigen sollten, abhandlungen über die sünden, 
anweisungen zu christlichem leben und zur beobachtung guter sitten!) 
udgl. wurden in rascher folge veröffentlicht. Bemerkenswert ist 
dabei, dass die moralische litteratur die dogmatische überwiegt. Es 
entspricht dies vollständig dem wesen der brüderschaften, welche von 
der im klerus gern gepflogenen dialektik über dogmatische streit- 
fragen und von kasteiender ascese gleich weit entfernt den schwer- 
punkt des religiösen zusammenlebens nicht in eine speculative, son- 
dern praktische tätigkeit verlegen. 

Die brüderschaften waren von Holland über Emmerich Münster 
Köln usw. in Deutschland eingewandert, so komnit es, dass einer an- 
zahl mnd. dichtungen rheinische, anderen holländische quellen zu 
grunde liegen, und umgekehrt die verbindungen zwischen den ein- 
zelnen brüderhäusern bewirken, dass nd. bücher an den Rhein und 
nach Holland gelangen. 

Noch bedeutungsvoller als ihre eigenen leistungen sind die fol- 
gen ihres wirkens. Die stadt- und domschulen Norddeutschlands, 
ohnehin des hohen schulgeldes wegen nur für wenige zugänglich, be- 
fanden sich in trauriger verfassung. Die brüderschaften dagegen 
lehrten unentgeltlich, ihre unterrichtsanstalten wurden von viel hun- 
derten besucht und ein lebendiges streben herrschte unter ihren 
schülern, so dass auch diese träger der bestrebungen wurden, welche 
die lehrer beseelten, und belehrung in weiten kreisen verbreiteten. 
Viele errangen auch die weihen, traten zu dem geistlichen stande 
über und trugen in ihn mannigfache anregung hinein, durch deutsche 
schriften für die belehrung des volkes zu wirken. 
| Die nd. werke, welche die vereinigte tätigkeit geistlicher und 
bürgerlicher schriftsteller in den letzten fünfzig jahren vor der re- 
formation geschaffen hat, können durch ihre menge staunen erregen. 
Der oberdeutschen litteratur derselben zeit stehen sie nach durch 


1) und äusseren anstandes, weshalb auch tischzuchten udgl. litteratur die 
brüderschaften förderten. Bei ihren mahlzeiten war jedesmal einer corrector errorum 
in mensa, der die unziemlichkeiten zu rügen hatte, die bei tische vorfielen. Ull- 
mann 8, 424, 


Einleitung. XIX 


den mangel selbständiger dichterischer leistungen wie überhaupt durch 
die vornachlässigung eigener stofferfindung. Dagegen gebührt ihnen 
der vorzug in stilistischer beziehung. Der sprachliche ausdruck ist 
treffend und ungesucht, die perioden sind durchsichtig, die ganze rede 
fliessend und, wo nicht der stoff zur trockenheit zwingt, munter und 
lebendig. Auch das ist bemerkenswert, dass von Westfalen bis 
Livland eine ziemlich reine und einheitliche mundart herrscht, wäh- 
rend bei den hochdeutschen schriftstellern jener zeit sich starke dia- 
lektische abweichungen geltend machen. 

Die trennung der mnd. litteraturentwicklung von der süd- und 
mitteldeutschen , welche der gegensatz von ritter- und bürgertum 
verschuldet hatte, wurde durch einen höheren gegensatz aufgehoben. 

Dieser gegensatz war der religiöse, der gegensatz von prote- 
stantismus und katholicismus.. In ihm geht das geistige leben 
Norddeutschlands im 16. jh. auf, nicht weniger als etwa 117 von 
188 nd. druckwerken der jahre 1520—1530 sind durch ihn hervor- 
gerufen!), er hat zur folge, dass die norddeutschen städte von der 
Wittenberger universität ihre prediger und rektoren erhalten, und die 
sprache derselben in der schule, der kirche, den kanzleien und weiter 
sich einbürgert. | 

Von da ab vereinigt die gemeinsame schriftsprache die litteratur- 
bestrebungen von Nord- und Süddeutschland, und ersteres erhält, 
zumeist durch kritik und doktrin, entscheidenden einfluss auf die 
entwicklung unserer nationallitteratur. 

Von dem umrisse, den wir gezeichnet haben, waren für das 
verständnis und die würdigung Gerhards vou Minden nur einzelne 
züge notwendig, aber wir gaben auch die übrigen, weil sie nur im 
zusammenhange mit diesen verständlich sind. : Ehe wir jedoch auf 
die stellung, welche Gerhard in der mnd. litteratur einnimmt, unseren 
blick richten, sind noch die fragen zu erledigen, welche uns in den 
nächsten abschnitten beschäftigen werden. 


IL, 


Ist Gerhard von Minden der verfasser ? 


Die beiden grossen fabelwerke, die uns in mnd. sprache erhalten 
sind, ein in einer Wolfenbüttler handschrift überlieferter Esop und der 
in dem vorliegenden bande herausgegebene dichter, stehen in einem 
nahen verhältnisse zu einander. Denn wie an späterer stelle gezeigt 
werden wird, kann es keinem zweifel unterliegen, dass der letztere den 
ersteren an vielen stellen benutzt, an manchen geradezu ausgeschrieben 
hat, dass also der Wolfenbüttler Esop von beiden der ältere, wahr- 
scheinlich derjenige ist, der zuerst einen mnd. Esop dichtete. 


1) Meiner zählung liegen die angaben in Schellers bücherkunde zu grunde, 


XX Einleitung. 


Als dichter des anderen, jüngeren gilt nach der allgemeinen 
und wie ich glaubo irrtümlichen ansicht der Decan Gerhard, dessen 
das vorwort gedenkt. In diesem wird erzählt, dass Acsop der erste 
gowesen sei, der fabeln geschrieben habe, später seien diese in das 
lateinische übersetzt und nach England hin gelangt, vs. 33 fährt dann 
der dichter fort 

Sint heft an dudesch ök ein here 
ein del bracht dusser besten mere. 
Gerard heit he unde was deken 
to Minden. So we ök spreken 
wolde dat al sunder wän, 

dat vun Godes bort do weren gän 
dusent unde drehundert jär 

unde seventich, de hedde wär. 

(enau genommen ist in diesen versen nur gesagt, dass ein ge- 
wisser Gerhard, der in Minden decan war, einen deutschen Esop 
nach lateinischer vorlage gedichtet und denselben im jahre 1370 ent- 
weder verfasst oder beendet hat. Ob dieser Esop aber der vorliegende 
oder ein anderer sei, ist aus der angeführten stelle nicht mit sicher- 
heit zu entnehmen. 
| Die seitherige ansicht, dass der verfasser, wie das sonst in an- 
deren dichtungen nicht selten ist, in dritter person von sich berichtet 
habe und der genannte Gerhard sei, zu widerlegen wird möglich sein, 
wenn der nachweis geführt werden kann, dass das ihm zugeschriebene 
werk weder nach Minden weist noch ums jahr 1370 sondern bedeutend 
später verfasst ist. 

- Gegen Minden als entstehungsort der dichtung lässt sich nur 
zweierlei anführen, zwar unbedeutende sächelchen, aber der art, dass 
sie-nicht dadurch sich erklären, dass der dichter, in anderer gegend 
geboren, sich in Minden seines heimischen dialektes bedient habe. 

Fab. 94 erzählt der dichter, wie ein frosch sich für einen arzt 
ausgegeben habe, und gebraucht für frosch das nd. pogye, hält es je- 
doch für notwendig das genannte wort seinen lesern zu erläutern, 
denen es also unbekannt gewesen sein muss, was auch dadurch be- 
stätigt wird, dass ein abschreiber sich veranlasst gesehen hat, g»ogge 
durch ein beigeschriebenes ufse zu erklären, ein glossem, das später 
in den text geraten ist. In der tat gibt es nd. gegenden, wo das 
wort pogge gänzlich unbekannt ist, zu diesen gehört aber nicht das 
bistum Minden. Vergl. zu fab. 94, 1—3. 

Fab. 13, 1—9 fühlt sich der dichter ferner veranlasst, seine 
erzählung, dass ein rabe einen käse im schnabel fortgetragen habe, 
durch die versicherung glaubhaft zu machen — dat men spreke nicht 
von mi sagt er dat dut bök al ein logene si -—— dass es gegenden gäbe, 
wo man aus der milch einer kuh nicht wie in Friesland einen ein- 
zigen, sondern viele, in Thüringen und Hessen an hundert kleine 
käse bereite. Diese auslassung zwingt zu der annahme, dass in der 
gegend, wo Gerhard seine leser dachte, nur käse wie die holländischen 


Einleitung. | xxi 


von grossen gewichte bekannt waren. Im mindenschen werden, wie 


ich höre, von den bauren kleinere käse bereitet, und so weist auch 


dieses — denn die zähigkeit des niederdeutschen landmanns in be- 
wahrung alter gewohnheiten ist bekannt — auf eine andere heimat 
der dichtung hin, oder aber man müsste annehmen, dass Gerhard in 
Minden dichtete, der herr aber (vgl. fab. 76, 1) für den er schrieb, 
weit davon entfernt wohnte, und Gerhard auf ihn rücksicht nahm. 

Vollständig beweisend ist der nachweis, dass die dichtung nicht 
in das jahr 1370, sondern in das erste jahrzchnt des 15. jahrhunderts 
und wahrscheinlich in die jahre 1402—1404 gehört. 

Der verfasser versichert unmittelbar aus den munde des königs 
Waldemar von Dänemark und zwar vor etwa fünfzig jahren die er- 
zählung, welche fab. 89 zu grunde liegt, dereinst gehört zu haben, 
was also, wenn der verfasser um 1370 dichtete, ums jahr 1320 ge- 
schehen sein müsste. Gemeint kann aber nur Waldemar IV. sein, 
der erst 1340 zur regierung kam und 1375 starb. Nun wäre aller- 
dings, wie Wiggert annimmt, denkbar, dass Waldemar als prinz die 
fabel erzählt hätte und von dem dichter mit dem nachmaligen titel 
genannt würde, wenn nicht folgende tatsache diese annahme wider- 
legte. | | 

Der dichter hat dies erzählte begebnis von könig Waldemar an 
demselben orte vernommen, wo es sich ereignet hatte, an einer stelle 
der dänischen küste. Nach Dänemark ist aber Waldemar, der seine 
jugend am hofe Karls IV. in Böhmen verlebt hat, erst nach dem tode 
seines ihm feindlichen vorgängers zurückgekehrt, um den thron in 
anspruch zu nehmen, die fabel kann also, da das im j. 1340 geschah, 
nicht vor 1390 gedichtet sein. 

Befreit von dem zwange die erklärung der historischen bezüge, 
welche sich in den fabeln finden, in der geschichte der zeit vor 1370 
zu suchen, werden zwei stellen der fab. 102 verständlich und geben 
hinwiederum genaueren aufschluss über die zeit, in der die dichtung 
entstanden ist. | 

Fab. 102, 65 sagt der nussbaum: ‘lieber will ich starke schläge 
erdulden, als ein böhmischer könig in Dänemark sein, denn dann 
müsste ich bald sterben.” In diesen worten liegt eine anspielung auf 
eine begebenheit, welche, weil sie ohne einfluss auf den gang der 
geschichte geblieben ist, in den geschichtsbüchern kaum berührt ist, 
dio aber der umstände wegen, unter denen sie vor sich gieng, in 
ganz Norddeutschland seiner zeit grosses aufsehen gemacht hat und 
überall bekannt geworden war. 

Der erbe der gesammten skandinavischen reiche, der junge 
könig Oluf, war i. j. 1397 schnell und plötzlich gestorben, vergiftet 
von seiner herrschsüchtigen mutter Margarete, wie einige glaubten, 
andere behaupteten dagegen, er sei nur verschwunden, eines tages 
werde er wıiederkehren, um sein erbe anzutreten. Ein böhme, der 
sohn eines bauern in Eger, dem verstorbenen Oluf aufs täuschendste 
ähnlich und von norwegischen kauflouten, die ihn in Thorn sahen, 


xx / Einleitung. 


für jenen gehalten, gab sich für ihn aus und gieng unter zusicherung 
freien geleites und dem versprechen, wenn er wirklich könig Oluf 
wäre, in seine rechte eingesetzt zu werden, nach Dänemark. Bei der 
angestellten untersuchung stellte sich dann freilich, wie es heisst, 
heraus, dass er nicht cinmal der sprache seiner vorgeblichen heimat 
mächtig war, und auf befehl der königin Margarete ward er zu 
Michaelis 1402 zwischen Skansr und Falsterbode verbrannt. Bei 
Skanor befand sich das fischerlager der hansen, die dorthin jährlich 
zwischen Johannis und Martini aus allen küstenstädten ihre schiffe 
schickten. Unter den augen der hansischen fischer fand also die 
verbrennung des unglücklichen statt, und wenig wochen später 
musste die kunde davon an den küsten und die ströme Deutschlands 
hinauf sich verbreiten, so dass frühestens zu ende des jahres 1402 
Gerhard auf den böhmischen kronprätendenten, der in Dänemark an- 
statt eines thrones einen schnollen tod gefunden hatte, den nussbaum, 
der die königliche ehre ausschlug, anspielen lassen konnte!). 

In dieselbe zeit verweist eine andere stelle, welche auf die i. 
j. 1400 erfolgte wahl Ruprechts von der Pfalz zum deutschen könige 
bezug nimmt. Fab. 102, 135 heisst es: 

De van den schopen is genomen 
de is nu to dem konninkrike komen. 

Im gegensatze zu seinen vorgängern war Ruprecht, kurfürst 
von der Pfalz, nicht aus königlichem geschlechte und auf seino wahl 
zum könige kann der bramber, dem der vorwurf gemacht wird, den 
bäumen nicht ebenbürtig zu sein, in der fabel wol hinweisen. Mit 
schopen sind die rheinischen kurfürsten gemeint, welche (der erz- 
bischof von Mainz als vorsitzender, die übrigen drei als beisitzer oder 
schöffen) am 20. august 1400 über könig Wenzel ‘in gerichtes stad’ 
erkannt und ihn durch ihr ‘urteil und sententie’ für abgesetzt erklärt 
haben. Die richterliche bedeutung tritt ausserdem noch gerade bei den 
kurfürsten von der Pfalz (pfalzgrafen vom Rhein) darin hervor, dass 
der kaiser nur bei ihnen gerichtlich belangt werden konnte und sie 
reichsvicare d. i. vertreter des kaisers im falle seiner abwesenheit 
oder einer sedisvacanz innerhalb der lande fränkischen rechtes sind. 

Fassen wir zusammen, was sich ergeben hat. Wenn Gerhard 
der verfasser des ihm beigelegten werkes wäre, so müsste dieses in 
Minden 1370 gedichtet sein. Es zeigte sich aber, dass der dichter 
andere leser als Mindensche voraussetzte, ferner dass die fabeln nicht 

1370, sondern viel später gedichtet sind. 
| Gerhard von Minden kann also nicht der verfasser der ihm bis- 
her zugeschriebenen fabeln sein, sondern muss ein anderes, älteres 
'fabelwerk verfasst haben. Es kann nach dem oben gesagten nicht 
zweifelhaft sein, dass dieses werk in dem Wolfenbüttler Esop erhalten 


1) Jahrbücher Johannes Lindenblatts heraus. von Voigt und Schubert, 
Königsberg 1823, s. 153. 154; Grautoff Lübeckische chron. II, s. 468; Jahn 
Danmarks historie under unionskongerne, Kjobenhavn 1835, s. 39; Dahlmann, 
 gesch, Dännemarks III, s. 150. 


Einleitung. | | XXIn 


ist, denn wenn der dichter in dem vorworte sich nicht selbst genannt 
hat, so kann er nur die absicht gehabt haben, wenigstens durch 
lobende erwähnung den von ihm oft geplünderten verfasser des äl- 
teren werkes zu entschädigen, oder, wenn er nach dem vorgange der 
lateinischen fabelschreiber daran keinen anstoss nahm, der wahrheit 
gemäss zu bekennen, dass nicht er, sondern jener Gerhard von Minden 
der erste (ihm bekannte) deutsche fabelschreiber sei. 

Ich habe in der vorstehenden untersuchung eine möglichkeit 
ausser acht gelassen, welche für die frage nicht ohne bedeutung ist, 
nämlich den fall, dass der dichter das vorwort i. j. 1370 verfasst und 
zu der ausarbeitung der fabeln mehr wie dreissig jahre gebraucht hat. 
Ich glaube nicht, dass man dieser möglichkeit auch nur geringe 
wahrscheinlichkeit beilegen wird, aber ich kann mich irren und habe 
mich deshalb gescheut auf dem titel dieses bandes Gerhards namen 
fortzulassen und etwa ‘Magdeburger Esop’ zu setzen, wie ich mich 
auch in einleitung und anmerkungen Gerhards namen in hergebrachter 
weise bedient habe. 


II. 


Die lateinischen fabelbücher. 


Der nächste abschnitt wird von den quellen Gerhards handeln, 
grösstenteils lateinischen fabelbüchern, und es wird die kenntnis des 
verhältnisses, in dem diese zu einander stehen, bei unserer unter- 
suchung vorausgesetzt werden müssen, weshalb ich das wesentliche 
darüber berichte. 

Das mittelalter hat nur wenige fabeln selbständig erfunden und 
sich begnügt, die ihm durch eine prosaparaphrase des Phaedrus 
bekannt gewordenen aesopischen fabeln sowie die des Avianus 
immer von neuem in geänderter form zu erzählen, prosa ward versi- 
ficiert, verse wurden wieder zu prosa, der eine bearbeiter kürzt, der 
andere schmückt aus, und auch die zahl und auswahl der fabeln 
schafft verschiedenheiten zwischen den einzelnen sammlungen. 

Aesopus selbst und Phaedrus waren verschollene bücher, für 
unseren zweck kommen also nur ihre mittelalterlichen bearbeitungen 
in betracht. 

Der sog. Romulus ist die älteste derselben, eine sammlung von 
80 in prosa erzählten fabeln, welche, wie ein das vorwort vertretender 
brief sagt, ein gewisser Romulus zum gebrauch für seinen sohn ver- 
anstaltet hat. Die erzählung in denselben ist verhältnissmässig 
knapp und schliesst sich in inhalt und wendungen an Phaedrus an. 

Anonymus Neveleti. Aus den fabeln des Romulus entstand, 
wahrscheinlich im 12. jh., eine sammlung von 60 fabeln in ele- 
gischen versen, deren dichter unbekannt ist und welche nach Nevelet, 
von dem sie in seiner Mythologia aesopica 1610 von neuem zum 


xXXIV Einleitung, 


abdruck gebracht waren, benannt sind. Die erzählung tritt in ihnen 
hinter rhetorischen wendungen zurück, so dass oft nur wenig von ihr 
übrig bleibt. 

Aesopus moralisatus. Die schwierigkeit die erzählung in den 
fabeln des Nevelet, welche sich durch ihre form und sprache für 
memorirübungen in den schulen!) empfohlen und deswegen grosse 
verbreitung gefunden hatten, im richtigen zusammenhange zu ver- 
stehen, führte dazu die erzählung hinter einer jeden fabel in prosa 
zu wiederholen, und schon in einer der ältesten handschriften, dem 
Berliner cod. ms. lat. 8° n. 87. finden sich solche kurze inhaltsan- 
gaben, bei deren anfertigung die paraphrase des Romulus benutzt 
und dessen prologus entlehnt ist. Später gewann die prosa an aus- 
dehnung, sie gieng auf einzelheiten der erzählung näher ein, auch 
die moralische nutzanwendung wurde als moralitas utilitas allegoria 
erweitert, ebenso der prolog des Romulus, der hier zum römischen 
kaiser wird und dessen fabeln der könig Alfred in das englische soll 
haben übersetzen lassen. Diese bearbeitung erfreute sich grosser 
verbreitung, als Aesopus moralisatus, Arsopus cum commento usw. ist 
sie bis 1500 in nicht weniger als etwa 40 ausgaben gedruckt worden, 
von denen ein grosser teil auf Köln und die Niederlande kommt, 11 
allein aus Deventer stammen, dem hauptsitze der brüderschaften des 
gemeinsamen lebens, welche hier eine berühmte und stark besuchte 
lateinische schule besassen, in der ohne zweifel nach dem Aesopus 
moralisatus unterrichtet wurde. Zu bemerken ist, dass die ver- 
schiedenen drucke häufig dadurch von einander abweichen, dass worte 
und sätze, die sich in dem einen finden, in dem anderen fehlen. 
Besonders ist das der fall innerhalb der moralischen anwendungen, 
es müssen also diese für die drucke erweitert sein und in den hand- 
schriften der zeit, in welcher der sogen. Gerhard von Minden lebte, 
einfachere gestalt gehabt haben. 

-  Erweiterter Romulus (Aomulus Gottingensis, Romulus Roberti). 
Lesern, welche in den fabeln nur unterhaltung suchten, konnte nichts 
daran liegen in ihren exemplaren die verse des anonymus neben der 


. allein gelesenen paraphrase und mit dieser verbunden lange morali- 


sationen zu finden, dagegen musste sich ihr bestreben auf eine mög- 
lichst reichhaltige sammlung richten. Der Romulus hatte den vor- 
zug mehr fabeln zu bieten als der anonymus, er stand ihm in der 
als Aesopus moralisatus bekannten bearbeitung aber darin nach, dass 
seine erzählungen zu knapp gehalten waren. Es wurden deshalb die 
fabeln des Romulus mit benutzung und nach dem vorbilde der para- 
phrase im Aesopus moral. umgearbeitet, und ihnen eine anzahl 
fabeln aus z. t. unbekannten quellen hinzugefügt. So entstand ein 


1) Schon in Eberhardi Bethuniensis (a. 1212) verzeichnisse von schulautoren 
wird der anonymus unter der benennung Aesopus aufgeführt, und noch Lilius Gy- 
raldus, geboren 1479, nennt diese fuabeln das gemeinste schulbuch zur zeit seiner 
jugend. Both in s, aufsatze Die mittelalterl. sammlungen lat, tierfabeln. Philologus 
I, (1846) s. 526, 0 Ä ja | 


_ Einleitung. Eh m: xxV 


neuer Romulus, der sowol durch die zalıl seiner fabeln als auch durch 
breitere ausführung der einzelnen erzählungen von dem alten wesent- 
lich abweicht, und von dem bis jetzt drei handschriften bekannt 
sind, zwei Pariser, aus welchen Robert in seinen Fables inedites 
des XIIe XIIIe et XIVe siöcles et fables de La Fontaine, Paris 1825, 
tom. II, 547—562 eine anzahl fabeln veröffentlicht hat, und eine 
Göttinger, cod. theol. 140 fol., über welche Oesterley in seinem 
Romulus s. XXXI ff. und s. 102—121 mitteilungen gemacht hat. 
Dieser erweiterte Romulus stimmt stellenweise mit der paraphrase 
des Aesopus moral. wörtlich überein, eine benutzung des einen durch 
den anderen hat also sicher stattgefunden, und zwar hat, wie ich. 
glaube, der compilator, welchem wir den erweiterten Romulus ver- 
danken, entlehnt, selbstverständlich nicht aus einem texte, wie ihn 
die drucke des Aesopus moral. bieten, aber doch aus einer älteren 
handschrift, welche den drucken sehr ähnlich war. Bei dem mangel 
einer grösseren zahl von handschriften bin ich ausser stande meine 
ansicht beweisen zu können, aber ich möchte wenigstens auf einen 
punkt hinweisen. Die erste fabel des Romulus Gotting. handelt 
ebenso wie der ursprüngliche Romulus fab. 1 von hahn und perle, 
trotzdem ist sie de gallo et iaspide überschrieben, was nur zum ano- 
nymus stimmt und deshalb wol auch aus ihm stammt. 

Avianus. Der zweite der römischen dichter, aus welchen die 
mittelalterlichen fabelerzähler schöpfen, war Avianus, dessen werk 
zwar in zahlreichen handschriften verbreitet war, daneben aber auch 
ähnliche bearbeitungen erfahren hat wie die fabeln des Phaedrus. 

Avianus paraphrase. Das gleiche bedürfnis wie beim anonymus 
Neveleti rief prosaische inhaltsangaben der avianischen fabeln hervor. 
Dieselben sind in den handschriften, aus welchen Fröhner in seiner 
ausgabe des Avianus, Leipzig 1862, beispiele mitgeteilt hat, noch 
kurz, in dem drucke Apologus Aviani, (Daventriae) 1494. 4° dagegen 
ganz in der weise des Aesopus moral. ausgeführt. 

Ein Prosaavianus ist endlich im unmittelbaren anschluss an 
den erweiterten Romulus in der oben erwähnten Göttinger handschrift 
enthalten. 


IV. 
Die quellen Gerhards. 


In der einleitung zum Romulus hat Oesterley s. XXIX. die 
behauptung aufgestellt, die quelle Gerhards wie des Wolfenbüttler 
Esops sei ein vermehrter Romulus der art gewesen, wie er in der 
Göttinger fassung vorliege, die annahme einer oder mehrerer quellen 
anderer art erscheine völlig ausgeschlossen, und giebt als grund zu 
dieser annahme grosse übereinstimmung in der reihenfolge der fabeln 
und augenscheinliche benutzung des im Romulus Gotting. sich findenden 
prologus an. 


c 


Ten 


XXVI Einleitung. 


Was den Wolfenbüttler Esop betrifft, so ist die annahme einer 
einzigen quelle und zwar der genannten art richtig, er stimmt im 
gange und in den zügen der erzählung mit dem Romulus Gotting. 
durchweg überein und bietet nichts, was auf benutzung anderer 
quellen deutet, wenn von dem prolog und drei fabeln abgesehen 
wird. Letztere finden sich im Romulus Gotting. nicht und ersteren 
hat der prolog in derselben form als quelle vorgelegen, in welcher 
ihn der ursprüngliche Romulus bietet. Wir werden demzufolge als 
quelle des. Wolfenbüttler Esops einen Romulus anzunehmen haben, 
der im allgemeinen dem Romulus Gotting. ganz gleich war, aber 
einige in ihm fehlende fabeln und den prologus in aiter fassung 
enthielt. 

Weniger einfach ist die frage nach den quellen, welche Gerhard 
benutzt hat, und nicht eine einzige, sondern eine ganze reihe derselben 
wird ihm die untersuchung nachweisen können. 

1. Aesopus moralisatus. Die behauptung, dass dem dichter als 
er sein vorwort schrieb der prologus des Romulus Gotting. vorgelegen 
habe, ist insofern richtig, als man nicht wie Oesterley die weitere 
folgerung daraus zieht, dass er diesen prologus eben aus einem er- 
weiterten Romulus kennen gelernt haben müsse. Andernfalls müsste 
der nachweis geführt werden können, dass dem dichter ein anderes 
fabelwerk, welches denselben prologus enthält, der Aesopus moralisatus 
unbekannt gewesen sei. Ganz im gegenteil ergiebt sich gerade 
dieser als quelle für das vorwort zu erkennen. In ihm schliesst 
sich, was im Romulus nicht der fall ist, an den prosaischen prologus 
mit historischen angaben eine aus dem anonymus Neveleti stammende 
auseinandersetzung in elegischen versen über das vergnügen und den 
nutzen, welchen die leser aus den fabeln schöpfen können. Dieses 
im Romulus fehlende stück hat Gerhard augenscheinlich benutzt, wie 
die vergleichung mit dem in den anmerkungen abgedruckten latei- 
nischen texte und besonders der schluss zeigt: 

Verborum lenitas morum fert pondus honestum, 
et nucleum celat arıda testa bonum. 
De lichten wort an lichter mere 
de dreget dicke doget unde ere. 
An dorrer schellen schulet gerne 
wolsmeckende unde sote kerne. 

Es ist in den anmerkungen zu den einzelnen fabeln nachge- 
wiesen wie oft Gerhard aus dem Aesopus moralisatus geschöpft hat 
und es erübrigt hier nur zu bemerken, dass besonders die prosaische 
paraphrase und zumeist ihre moralisationen herangezogen sind. Die 
an erzählungsstoff armen distichen sind eigentlich nur im vorwort 
stark benutzt, in den fabeln nur selten z. b. zu fab. 30, 34 ff. 

Sis meu simque tuus, nos decet aequus amor, 
Vivere non vellem, nist mecum vivere velles 
Tu mihi sola salus, tu mihi sola quies. 

Du bist min unde ik bin din 


Einleitung. XXVo 


nicht ane di wil ik wesen 

nicht ane di mach ik nesen — 

du bist mi lef also min l,if 

du bist min tröst unde al min raste —- 

2. Wolfenbüttler Esop. Bei sonstiger grosser verschiedenheit 
stimmen stellenweise Gerhard und der Wolfenb. Esop so wörtlich mit 
einander überein, dass an eine zufällige durch benutzung derselben 
quelle etwa erklärliche gleichheit nicht zu denken ist, und eine ent- 
lehnung vorliegen muss, die sich, abgesehen von dem erzählungsstoff, 
im allgemeinen nur auf einzelne verse erstreckt, vereinzelt aber auch 
grössere ausdehnung annimmt, man vergleiche nur Gerhard fab. 37 
mit dem in den anmerkungen abgedruckten entsprechenden stücke 
aus dem Wolfenb. Esop. Noch mehr stimmen Gerhard fab. 96 und 
Wolfenb. Esop. fab. 88, wo die abweichungen — sie sind in den an- 
merkungen mitgeteilt — nicht bedeutender sind als in verschiedenen 
handschriften manches alten dichters. 

Darüber kann kein zweifel sein, dass Gorhard entlebnt hat und 
der Wolfenb. Esop der ältere ist. Gerhard beginnt fab. 102, 63 die 
moral 

Men secht dat de bräm bedude 

de snoden dunkelguden lude. 
der Wolfenb. Esop fab. 93, 85 

By dissem brame ik bedude 

Valsche dunkelgude lude. 
Mehr beweist noch eine vergleichung beider mit den quellen. Wäh- 
rend, wie schon oben bemerkt ist, nirgends sich im Wolfenb. Esop 
sachen finden, die aus anderer quelle wie dem Romulus Gotting. 
stammen, ist Gerhard voll von solchen, und wo das auch immer der 
fall ist, weichen beide von einander ab. Auch enthält der Wolfenb. 
Esop. gemeinsam mit dem Romulus Gotting. eine anzahl fabeln, die 
bei Gerhard fehlen, also nicht von ihm entlehnt sein können. 

3. Erweiterter Romulus. Bei dem abhängigkeitsverhältnisse 
Gerhards zum Wolfenb. Esop ist es kein wunder, wenn eine ver- 
gleichung der niederdeutschen dichter mit dem Romulus Gotting., 
angestellt zu dem zwecke, zu sammeln, was von den angaben des 
Romulus sich nur in einem der deutschen dichter findet, viele stellen 
aus dem Wolfenb. Esop ergiebt, im Gerhard im allgemeinen nur 
solche, die aus dem mit dem Romulus Gotting. oft gleichlautenden 
Aesopus moral. geschöpft sind oder sein können. Daneben findet 
sich jedoch, dass Gerhard und der erweiterte Romulus einigemal 
übereintreffen, wo weder der Wolfenb. Esop noch der Aesopus moral. 
vermittelt haben können, eine übereinstimmung, welche beweist, dass 
der lateinische text eines erweiterten Romulus Gerhard zur Hand 
war und hin und wieder benutzt worden ist. Fab. 38 z. b. ist von 
Gerhard nach Wolfenb. Esop. fab. 101 bearbeitet, wie die herüber- 
nahme mancher wendung beweist. Dagegen zeigt v. 60 :k mane di 
bi dem hagedorne darbi etc. unverkennbar die benutzung von Romulus 


c* 


XXVIl Einleitung. 


app. 35 moneo te per albam spinam quae nostri foederis est testis et 
obses. Der Wolfenb. Eosp 101, 47 hat Ik mane dik diner stolten 
wort, De ık van diık hän gehört. | 

Fab. 80 behauptet der fuchs, als er beschuldigt wird, das herz 
des hirsches gefressen zu haben, letzterer hätte überhaupt kein herz, 
denn sonst wäre derselbe, da er dreimal gelegenheit zur überlegung 
gehabt hätte, sicher nicht zum löwen gekommen (Gt hebbet dit vil 
wol gehört, Do me den hert nu tastede an Wo he berät jo dries wan 
Unde hedde vor uns jo wol genesen Hedde an om 5j0o hertes icht ge- 
wesen). Worin diese dreimalige gelegenheit bestand, ist nicht er- 
zählt, und da die betreffende äusserung des fuchses im Wolfenb. 
Esop fehlt, wird die ganze stelle erst durch die vergleichung des 
erweiterten Romulus verständlich, den Gerhard hier benutzt. haben 
muss. Vergl. zu fab. 80, 55. 

Die drei genannten quellen sind mit einander nah verwandt 
und enthalten z. t. ‘dieselben fabeln. Gerhard hat nun bei der be- 
arbeitung dieser fabeln sich nicht auf die bonutzung einer einzigen 
quelle und die getreue wiedergabe der überlieferten erzählung be- 
schränkt, sondern hat in freister weise aus jeder vorlage ausgewählt, 
in contaminirendem verfahren teile und züge der verschiedenen ihm 
vorliegenden fassungen mit einander verbunden und nicht selten nach 
eigener erfindung geändert und zugetan. 

Gerhards eigener art zu erzählen steht die paraphrase des Ae- 
sopus moral. am nächsten und ihr folgt er besonders gern. Nächst- 
dem, und in der mitte und zu ende seinos werkes mehr als zu anfang, 
hat er den Wolfenb. Esop fleissig benutzt, der als eine ziemlich treue 
nacherzählung des erweiterten Romulus diesen entbehrlich machte. 

Dass letzterer aber trotzdem stellenweise verglichen wurde, haben 
wir eben gesehen. 

Ehe ich zu den übrigen quellen Gerhards übergehe, gebe ich 
noch nachstehende zusammenstellung, welche trotz ihrer kürze das 
verhältnis der niederdeutschen dichter zu ihren quellen veranschau- 
lichen und die art und weise zeigen kann, wie Gerhard unter den 
quellen auswählt, bald diese bald jene bevorzugt, contaminirt und ändert. 


fab. 1. 
Romulus hahn und perle. - Aesopus mor. hahn und edelstein. 
Wrb. Esop hahn und perle. Gerhard hahn und edelstein. 
Ä fab, 4. 
Fomulus hund wolf geier. Aesopus mor. hund wolf weihe geier. 
Wfb. Esop hund wolf geier. Gerhard hund wolf weihe. 
fab. 5. 
Romulus hund und käse. Aesopus mor. hund und fleisch. 
Wfb. Esop hund und käse. Gerhard hund und käse. 
fab. 6. 
JLomulus löwe ochse wolf. Aesopus mor. bock widder kuh. 


Wfb. Esop löwe ochse wolf. Gerhard bock widder kuh. 


Einleitung. er u XXIX 


Tab. 16. 
Romulus löwe in der grube. Aesopus mor. löwo im netz. 
Wfb. Esop löwe in der grube. Gerhard löwe im netz. 


4. Avianıus. Nächst Wolfenb. Esop und Aesopus moral. sind am 
meisten die fabeln Avians benutzt worden, nämlich zu fab. 85. 86. 
87. 88. 93. 94. 98. 100 und es scheint, als wenn auch dieser latei- 
nische dichter in einem mit paraphrase versehenen exemplare vor- 
gelegen hat. Wenigstens erklärt sich die ähnlichkeit von fab. 88. 
mit der in den anmerkungen abgedruckten fassung des Apologus 
Aviani am leichtesten durch die annahme, dass zu beiden dieselbe 
ältere paraphrase benutzt worden ist. Bemerkenswert ist die grosse 
freiheit, mit der Gerhard die Avian entnommenen erzählungen um- 
gestaltet hat, so dass sie nach anlage, ausführung im einzelnen und 
moral oft wesentlich andere geworden sind (vergl. besonders fab. 88 
mit Aviani fab. 10). Es erklärt sich dieser umstand dadurch, dass 
die aesopische fabeln schulbuch waren und der dichter deshalb be- 
denken trug wesentliche änderungen mit ihnen vorzunehmen, bei 
Avianus dagegen dieses bedenken fortfiel. 

5. Poenitentiarius._ Die quelle von fabel 101 ist der Poeniten- 
tiarius sive Asinarius, eine längere lateinische dichtung in distichen, 
welche zuerst von Flacius Illyricus (varia de corrupto ecclesiae statu 
poemata, Basileae 1557. s. 199), dann von J. Grimm im Reinhart 
s. 397 und zuletzt von Kritz in einem Erfurter nn (de 
codicibus bibliothecae amplonianae Erfurtensis. Erf. 1850. s. 31) 
herausgegeben ist. Vergl. Goedeke deutsche dicht. im mittel- 
alter, s. 617. 

6. Freidank. Die sprüche Freidanks waren mehrfach in die 
niederdeutsche mundart umgeschrieben und viele mnd. dichtungen 
zeigen bekanntschaft mit denselben. Gerhard hat aus ihnen den stoff 
zu fab. 95 und zweimal, Vw. 52 und fab. 24, 51 einige verse ent- 
lehnt. Vergl. auch fab. 46, 77 mit Freidank 60, 23. 

7. Mündliche erzählung. Den inhalt von fab. 89 berichtet der 
dichter von könig Waldemar von Dänemark vernommen zu haben, 
der augenzeuge des erzählten begebnisses gewesen sei. 

8. Unbekannte quelle. Bei zwei fabeln, 91 und 92, ist es mir 
nicht gelungen die unmittelbare quelle Gerhards zu entdecken. An- 
dere fassungen derselben erzählungen sind dagegen i in den anmerkungen 

angegeben. 

Es erübrigt schliesslich noch die werke zu nennen, aus denen 
Gerhard zwar keinen erzählungsstoff, wol aber eine sentenz oder eine 
notiz entlehnte, um sie in seinen fabeln zu verwerten. Oato hater 
nach einer eigenen aussage Vw. 49 und vielleicht auch Vw. 54 be- 
‘nutzt, auf kenntnis des Facetus deutet Vw. 57, auf kenntnis irgend 
eines Physiologus die lange auseinandersetzung über den panther, 
welche fab. 71 einleitet. 


XXX Einleitung. 


V 
Heimat, alter und stand des verfassers. 


Mit dem worte Dörde, mnd. borde benennt man gewisse ebeno 
. und meist fruchtbare landstrecken im linkselbischen Norddeutschland, 
und zwar pflegt man mit dieser benennung nicht schlechthin die 
ebene zu bezeichnen, sondern sie haftet an ganz bestimmten länd- 
lichen bezirken, die Wanzleber börde bei Magdeburg z. b. ist rings 
von flachem lande umgeben, ohne dass dieses an der benennung teil 
nimmt. Aus guten gründen nimmt ferner Lübben mnd. wörterb. I, 
s. 390 an, dass borde ursprünglich einen jurisdictionsbezirk bezeichne, 
und erklärt Klöntrup ‘borde ist eine abgesetzte bezirkte sache und 
xr7 'e&oyiv ein adelicher oder herr(schaft)licher befang.’ 

Gerhard gebraucht dieses wort sehr gern, auch an solchen 
stellen, wo andere schriftsteller dafür gegend odor land gesagt hätten, 
vgl. 27,41. 35,15. 39,3. 40,47. 41,58. 48,20. 60,50. 92,5. 101,147. 
Diese verallgemeinerung des begriffes von börde, sowie der häufige ge- 
brauch des wortes sind im munde eines bördebewohners leicht er- 
klärlich, und wir müssen den dichter für einen solchen halten. Hierzu 
stimmt sehr gut, dass in den moralisationen auf städtische verhält- 
nisse nie, auf ländliche sehr oft, auf die ammechtleute und vogede, 
die obersten gewalthaber innerhalb der borde, mehrfach bezug ge- 
nommen ist. 

Die börde Gerhards hat sicher westlich der weser und nicht 
allzufern von dem rheinisch-holländischen sprachgebiete, also in dem 
westlichen teile Westfalens oder Hannovers gelegen, denn hier be- 
ginnt das wort pogye (vgl. $ II) unbekannt zu werden und nieder- 
ländische worte mischen sich in die niederdeutsche mundart. 

Von solchen wörtern gebraucht Gerhard dilde und fer, wie die 
diesen band schliessende wortlese ausweist, besonders häufig. 

dilde findet sich sonst bei keinem einzigen mnd. schriftsteller, 
auch dem schreiber der hs. scheint es unbekannt gewesen zu sein, 
65, 14 hat er tilde, 65, 129 dulde daraus gemacht. Ausser Gerhard 
ist es im mittelniederländ. belegt, wie J. Grimm Haupts zeitschr. 7, 467 
(vgl. auch Oudemans bijdrage s. v. deltheit, wo auf eine ‘belangrijke 
mededeeling van M. de Vries in A. de Jager’s Archief IV, bl. 204 
en VV’ verwiesen ist) bemerkt hat, der es ‘malus, malignus’ deutet. 
Ferner kommt es bei dem aus niederl. quellen compilirten Karlmeinet 
zweimal 12, 10 und 192, 24 vor. Wie aus den bis jetzt unbekannten 
stellen bei Gerhard hervorgeht, bezeichnet dilde den, der von niedri- 
ger herkunft oder gesinnung ist. 

Ähnlich steht es mit dem worte fer. Dasselbe ist in mnl. und 
niederrhein. gedichten ziemlich oft gebraucht, mnd. kommt es ausser 
Gerhard nur in übersetzungen aus dem mnl. in der form fyr vor. 
Der schreiber der fabeln scheint es nicht gekannt zu haben, denn os 
findet sich öfter ser dafür. Vgl. zu fab. 56, 17. 

In die nachbarschaft des Niederrheins verweist auch die fab. 


Einleitung. nn xxxI 


102, 70 gebrauchte form ek gein “ich sage. Vgl. Bruder Hansens 
Marienlieder 753 ich jehn; Anselm 49 bei Schade niederrh. ged. :ch 
beyein; W. Grimm Roseng. s. LXXXII; Weinhold mhd. gramm. 
Ss. 339. | 

Die zeit, in welcher Gerhard sein werk vollendet hat, haben wir 
in $ II. als frühestens das j. 1402, spätestens das j. 1410 nachge- 
wiesen und haben mit grosser wahrscheinlichkeit auf die jahre 1403 
bis etwa 1406 geschlossen. 

Damals muss Gerhard schon ein sehr hohes alter erreicht gehabt 
haben, schwerlich war er jünger wie 80 jahre. 

Denn nicht weniger als 50 jahre vorher (also um 1353--56) 
war er an den hof Waldemars von Dänemark gekommen, als ein 
mann von ansehen, als der gesandte eines deutschen fürsten, wie 
daraus hervorgeht, dass er mit dem dänischen könige zusammensass 
und dieser ihm eine geschichte, fab. 89, erzählt, deren politische 
tendenz nicht schwer zu erraten ist. Der adler ist Waldemar selbst, 
der falke, welcher sich zu tode stösst, Gerhards fürst. Letzterer hatte 
sich vielleicht der hoffnung hingegeben, dass der mit den vereinigten 
fürsten von Mecklenburg und Schweden damals drohende krieg!) 
Waldemar bestimmen könnte ein früher erobertes gebiet zurückzu- 
geben, um nicht einen feind mehr gegen sich zu haben. Diese zu- 
mutung scheint Gerhard im namen seines fürsten (eines der in Hol- 
stein regierenden grafen von Schaumburg?) ausgesprochen zu haben, 
Waldemar wies sie zurück und warnte in der fabel vor einem an- 
griffe, der für beide gleich gefährlich sei. 

Die sendung an den dänischen hof, mit welcher Gerhard be- 
traut wurde, lässt voraussetzen, dass dieser damals schon über die 
jünglingsjahre hinweg und nicht jünger als dreissig jahre war, und 
so rechnend schätzten wir oben Gerhards alter auf etwa achtzig. 

Zehn jahr später ist Gerhard in den geistlichen stand über- 
getreten. Vgl. 94, 99. Möglich, dass er zuerst in ein Mindensches 
kloster aufgenommen ist und dass er hier den decan Gerhard hat 
kennen lernen, dessen er im vorworte mit ausdrücken gedenkt, deren 
bestimmtheit auf eigene erinnerung, nicht auf kunde durch hören- 
sagen deutet. 

Als mönch hat er später sein fabelwerk verfasst, durch die bitte 
eines anderen dazu veranlasst, wie er fab. 76, 1 andeutet. 


!) Ich spreche dieses natürlich nur als vermutung aus, mit hinweis auf die 
geschichte der in betracht kommenden jahre (vgl. Dahlmann I, s. 505 ff. Suhm 
historie af Dann. XIII.) und auf die nachfolgenden spottreime Waldemars, in denen 
er die 77 hansischen städte, welche ihm den krieg erklärt hatten, gleichfalls mit 
vögeln (gänsen) vergleicht. ‘“Seeuen und seventigh hensen Hefft seeuen. und seuentigh 
gensen, Wo mi de gensen nich enbiten, Na der hensen vrage ick nich en schiten. 


XXXII Einleitung. 


VI 


Die handschrift. 


Die einzige bis jetzt bekannte handschrift der vorliegenden 
fabeln ist in cinem sammelbande in folio enthalten, welcher sich im 
besitze der stadtbibliothek zu Magdeburg befindet und das catalog- 
zeichen III fol. 209 quart 75 führt. Derselbe ist in pergament ge- 
bunden und trägt auf seinem Vorderdeckel eingepresst die buchstaben 
L V M und die jahreszahl 1617, auf dem hinterdeckel den mit tinte 
geschriebenen namen LVYDOLF VON MVNCHAVSEN. Von der- 
selben hand ist auf dem rücken des bandes sein inhalt angegeben, 
doch ist von den auf den handschriftlichen teil bezüglichen angaben 
nur noch Otten von Demeringen Reiss Buch Aesopus lesbar, 
das übrige ist verblichen. Die einzelnen stücke sind demnach i. j. 
1617 zusammengebunden worden und stammen aus der bibliothek 
Ludolfs von Münchhausen, herrn auf Oldendorf usw. in Westphalen, 
von dem Trouer, geschlechtshistorie der hh. von Münchhausen, 
Göttingen (1740) s. 60 ff berichtet, dass er (geb. 1570, gest. 1640), 
besonders durch reisen gebildet, die wissenschaften geliebt und be- 
fördert habe und deshalb von dem dichter J. Pet. Lotichius gefeiert 
worden sei. Seine grosse bibliothek wurde ‘nach seinem tode, weil 
man sich nicht darum vertragen konnte, veräussert und an die meist- 
bietenden vorkauft und finden sich daher in vielen öffentlichen und 
privatbibliotheken bücher, so den namen Ludolf von Münchhausen 
auf dor auswendigen seite führen, den cr selbst darauf zu schreiben 
pflegte’. 

Der in rede stehende sammolband enthält folgende drucko und 
handschriftliche stücke: 

I. Mariani Scoti — chronica. Adiec. Martini Poloni historiam 
— Basileae apud Joa. Oporinum (1559). 

IH. Stammbuch Oder Erzölung aller namhaffter vnnd inn Teut- 


schen Historien berümpter — Geschlechter — durch Andr. Hoppen- 
rod (Strassburg 1570). 
Ill. Ein Cronica von anfang der welt — Genant Fasciculus 


m Ein burdlin der zoyt (Strassburg 1482?). Wgl. Hain 
. 6940. 

IV. handschriftlich a) bl. 1—75 eine niederdeutsche bearbeitung 
der von Otto von Demeringen veranstalteten übersetzung der orient- 
reise des ritters Johannes von Mandeville. 

b) db. 76-124 (= U. 1—49 eigener zählung) die fabeln 
Gerhards. 

c) bl. 124—130 (= bl. 49—-55) die lateinischen sittensprüche 
des Facetus nebst niederdeutscher übersetzung. 

bl. 131. 152.sind unbeschrieben. 

Ä V. handschriftlich, bl. 1—28, die sprüche Freidanks, nieder- 
deutsch, geschrieben im j. 1460. Bei W. Grimm hs. Q. 


Einleitung, xXXXII 


VI. Das puch des edeln Ritters und landtfarers Marcho Polo. 
Nürnberg 1477. Vgl. Ebert, allgem. bibliogr. Texicon n. 17671. 

An dem handschriftlichen bestandteile des bandes sind drei 
vorschiedene hände tätig gewesen, die erste hat den Mandboville, die 
„weite die fabeln und den Facetus, die dritte den Vridank geschrieben. 
Ferner ist nachweisbar, dass letzterer ursprünglich eine besondere 
handschrift ausgemacht hat, während die übrigen stücke von anfang 
an zusammengehört haben. Es besteht nämlich der sie umfassende 
teil der hs. aus lagen zu je 6 bogen oder 12 blättern, und das ende 
des Mandeville und der anfang der fabeln folgen innerhalb derselben 
lage aufeinander. Die hs. dagegen, welche den Vridank enthält, hat 
andere lagen und ein etwas verschiedenes wasserzeichen, auch weichen 
* die heftlöcher der ursprünglichen einbände in beiden handschriften 
von einander ab. | | 

Die entstehungszeit der handschrift Gerhards lässt sich aus dem 
schriftcharacter als das 15. jh., aus dem papier als dessen zweites 
oder letztes drittel mit wahrscheinlichkeit bestimmen. 


vi. 
Wiggerts ausgabe. 


Das verdienst, zuerst kunde von dieser handschrift gegeben zu 
haben, gebührt Friedrich Wiggert. In dem XI. stücke der 
Pädagog. und litterar. mitteilungen herausg. von Matthias (programm 
des domgymnasiums zu Magdeburg auf d. j. 1836) und dann in be- 
sonderen abzügen, welche den titel ‘Zweytes Scherflein’ führen, hat 
er s. 29—70 ausser dem vorwort fab. 1—3. 5. 8. 13. 33. 41. 48. 
50. 63. 66. 70 (97) 73. 74. 76. 77. 84. 87. 89. 91. 96. 103 voll- 
ständig, fab. 26. 28. 29 im auszuge, von den übrigen die überschriften 
mitgeteilt. Wie.er selbst sagt, wollte er zunächst nur einen getreuen 
abdruck aus der hs. geben, doch hat er einer anzahl verderbten stellen 
seino meist glücklichen besserungen beigefügt, mitunter auch um 
reine reime oder einheitliche formen herzustellen stillschweigend 
geändert. | 

Die schwierigkeiten, welche der erste abdruck eines schwer 
lesbaren handschriftlichen textes bot, hat Wiggert, wenn auch ein- 
zelne verlesungen nicht fehlen, im allgemeinen glücklich überwunden 
und ebenso glücklich ist er in seinen worterklärungen. Dagegen 
fehlte es ihm an hülfsmitteln um die fragen, wer der verfasser und 
seine quellen seien, lösen zu können. 

Er hatte die absicht später eine kritische ausgabe sämmtlicher 
fabeln Gerhards zu veranstalten. In diesem vorhaben suchte ihn be- 
sonders J. Grimm zu bestärken, der nicht allein in einer höchst an- 
erkennenden recension in den Götting. gelehrt. anz. 1837. st. 54. 55., 
sondern auch sonst, in der grammatik IS, s. 263 und in Haupts 


XXXIV Einleitung. 


zeitschr. 7, 467, den wunsch aussprach, dass Gerhards werk bald 
vollständig herausgegeben werden möchte. 

Wiggert ist es nicht vergönnt gewesen diesen wunsch zu er- 
füllen, noch in seinen letzten lebensjahren beschäftigten ihn, wie mir 
herr director Paulsiek mitteilt, einzelne schwierigkeiten, welche die 
fabeln boten, aber zu einer gesammtausgabe liessen ihn seine amts- 
goschäfte und andere arbeiten nicht kommen. 

Wiggert spricht auf s. 29 seiner angeführten schrift von einer 
abschrift, die er von den gesammten fabeln angefertigt und an deren 
rande er vermutungen zur herstellung des ursprünglichen in worten 
und formen angemerkt habe. Meine versuche dieselbe zu erhalten 
sind vergebens gewesen, in Wiggerts nachlasse hat sie sich nicht vor- 
gefunden, und nur eine anzahl blättchen, auf denen aus etwa 10 bereits 
gedruckten fabeln zum behufe eines wörterbuches zu Gerhard nebst 
einer kleinen anzahl besserungen verzeichnet waren, konnten mir durch 
die güte des herrn director Paulsiek übermittelt werden. 


va. 


Die überlieferung des textes. 


a) Die handschrift enthält zwei fabeln in doppelter überlieferung, 
nämlich die fab. 20 und 75 noch einmal als n. 97 und 99. Es ist 
kein grund abzusehen, dass der verfasser selbst diese wiederholung 
gewollt hat, und wir haben deshalb zu untersuchen, wodurch sie ver- 
anlasst ist. Eine vergleichung der verschiedenen texte zeigt zunächst, 
dass der wortlaut an beiden stellen im allgemeinen derselbe, wo aber 
abweichungen cintreten, die fassung an früherer stelle die bessere ist, 
sowol was den sinn als den bau der versc betrifft, ganz abgesehen 
von verderbnissen wie 97, 4 beraken für geraken, 99, 8 des wert de 
mek für wert dat me mi, 99,11 wel’ für wol, 99, 13 mynen heren für 
mine ere. Und doch ist nicht ersichtlich, dass die minder gute 
fassung der willkühr irgend cines schreibers ihr dasein verdanke, 
denn die erzählung n. 97 entspricht vollständig der hauptquelle des 
dichters, dem Wolfenbüttler Esop, auch dieser erzählt, dass das wiesel, 
alt geworden, keine maus mehr (durch schnelligkeit) fangen konnte 
und deshalb die jungen und dummen mäuse zu beschleichen begann. 
In fab. n. 70 ist hinzugefügt, dass das wiesel sich im mehle versteckt 
gehalten und die über dasselbe laufenden mäuschen orhascht habe, 
ein zusatz, der aus der zweiten quelle Gerhards, dem erweiterten 
Romulus, stammt (vergl. anmerk. zu fab. 70). Wir haben also in 
fab. 70 die endgiltige fassung, in n. 97 gewissermassen das concept 
dazu vor uns. Bei dieser annahme erklären sich auch die verderb- 
nisse des textes in n. 97. Der dichter hatte die fabel nach dem 
Wolfenb. Esop bearbeitet, dann den Romulus nachgesehen und darauf 
in seinem concept änderungen angemerkt. Die von dem dichter an- 


Einleitung. | | xXXXV 


gefertigte reinschrift wurde von dem ersten abschreiber ohne mühe 
richtig gelesen, anders aber stand es mit dem concept, welches 
wahrscheinlich weniger gut geschrieben war und über und neben 
den oft durchstrichenen worten der ursprünglichen fassung eine menge 
änderungen hatte. Hier musste der schreiber oft nach eigenem gut- 
dünken den zusammenhang herzustellen suchen, kein wunder, wenn. 
er in die alte fassung worte mengte, die für die neue und für einen 
anderen zusammenhang berechnet waren, wie z.b. das oben erwähnte 
beraken ‘verstecken’, over se für darover (denn ersteres, dass die 
mäuse über das wiesel selbst laufen, dürfte sicher nicht von Gerhard 
herrühren), ferner v. 8 an dem mele, was zu beraken oder waken ge- 
hören sollte. 

b) Die annahme, dass der text der Magdeburger hs. zum teil 
auf die kladde des dichters zurückgehe, wird aus mehr wie einem 
gsrunde auf das letzte fünftel der ganzen fabelsammlung ausgedehnt 
werden müssen. Wie in einem besonderen abschnitt nachgewiesen 
werden soll, gilt bei@erhard die regel, dass jeder vers vier hebungen 
haben muss, dass die senkungen ein- oder zweisilbig sein können, 
dass im allgemeinen nur zwischen der zweiten und dritten oder der 
dritten und vierten hebung die senkung fehlen darf. An ausnahmen 
von dieser regel fehlt es nun zwar auch in den fabb. 1—80 nicht, 
aber sie kommen doch nur vereinzelt vor, und es bedarf nur ge- 
ringer und oft auch durch andere als metrische gründe befürworteter. 
änderungen, um die verse regelrecht herzustellen, so dass man ge- 
trost diese fälle der nachlässigkeit der schreiber zurechnen kann. Im 
letzten teile der dichtung treten dagegen die ausnahmen massenhaft 
ein, und besonders überwiegen unter ihnen die fälle, dass eine hebung . 
fehlt, ohne dass der sinn die ergänzung von etwa ausgelassenen 
worten heischt, dabei ist die dietion fliessend und zeichnet sich vor 
vielen der fabeln, welche von metrischen fehlern frei sind, durch den 
mangel von flick- und formwörtern vortheilhaft aus (vergl. besonders fab. 
84 und 93). Es liegt demnach der gedanke nah, dass Gerhard bei 
seinem ersten entwurfe die regel der vier hebungen nicht allzu 
ängstlich beobachtet und die metrische feile für die überarbeitung 
aufgespart hatte. 

c) Die unförtigkeit tritt jedoch nicht nur in metrischen dingen 
zu tage. Die verwirrung, welche der handschriftliche text an 
manchen stellen der letzten zwanzig fabeln zeigt (vgl. zu 83, 49. 
94,1. 92,55) könnte man allenfalls als verderbnisse der überlieferung 
auffassen, schwerlich aber annehmen, dass die längere auseinander- 
“ setzung, welche zur erklärung von fab. 80, 50 durchaus notwendig ist, 
von einem schreiber übersehen und ausgelassen ist (vgl. die anmerk. 
zu dieser stelle und oben s. XX VIII). Gerhards art ist es nicht, der 
phantasie seiner leser viel zu überlassen, er tut des guten in or 
klärung und ausführung nicht ganz deutlicher züge, wie wir 
später zeigen werden, lieber zu viel wie zu wenig. An dieser stelle 


XXXVI Einleitung. 


war aber eine ausführung um so nötiger, da sic ohne kenntnis von 
Gerhards quelle auch für uns ganz unverständlich wäre. 

d) Nach abzug der oben ‘erwähnten wiederholung von zweien 
fabeln enthält die handschrift genau 101 erzählungen. Bekanntlich 
liebte es die gelehrte diehtung des mittelalters den umfang ihrer 
werke durch gewisse runde zahlen zu bestimmen, namentlich pflegten 
die sammler von fabeln und erzählungen die zahl ihrer stücke gern 
auf ein mehrfaches von zwanzig, womöglich auf hundert zu bringen. 
Sollte Gerhard von dieser gewohnheit abgewichen sein, nur um davon 
abzuweichen? — denn die zahl 101 muss dem verfasser den ge- 
danken nahe gelegt haben, durch auslassung einer fabel das beliebte 
hundert zu wahren. Und in der tat hat Gerhard nachweislich sein 
werk auf hundert fabeln berechnet gehabt, denn fab. 76 hat er, wie 
er selbst berichtet, auf fremden wunsch hinzugedichtet und in seine 
sammlung eingereiht, vgl. fab. 76, 1—4. Wenn Gerhards werk gegen 
seine absicht, die er durch ausstossung einer anderen fabel gewiss 
durchgeführt hätte, in der handschrift 101 stücke enthält, so erklärt 
sich das am leichtesten durch folgende annahme: Gerhard war, wie 
wir $ V gesehen haben, schon sehr alt, vielleicht über 80 jahr, als 
er sein werk verfasste. Er hat dasselbe zunächst im entwurfe voll- 
endet, darauf eine überarbeitung begonnen, ist aber, ehe er letztere 
zu ende geführt hat, gestorben. Vielleicht auf anlass des herren, 
auf dessen anregung die fabeln gedichtet sind, hat ein schreiber einer 
vorhandenen reinschrift der bereits überarbeiteten fabeln die fehlenden 
aus der kladde des verfassers hinzugefügt und dabei übersehen, dass 
fab. 97 und 99 sich bereits an früherer stelle befanden, sie deshalb 
noch einmal in die sammlung hineingebracht. (Vgl. auch zu fab. 3, 
überschr.) 

e) Das ergebnis, zu dem die angestellte untersuchung geführt 
hat, dass der verfasser vor vollendeter überarbeitung seines werkes 
gestorben und der letzte teil desselben aus der kladde abgeschrieben 
sei, würde noch mehr anspruch auf wahrscheinlichkeit haben, wenn 
sich aus ihm eine folgerung ziehen und diese sich als zutreffend er- 
weisen liesse. Es würde das die probe für die richtige lösung der 
aufgabe sein, welche die in betracht gezogenen tatsachen stellen. 

Eine solche folgerung lässt sich aufstellen. Wenn unsere 
annahme richtig ist, muss bei Gerhards tode eine von ihm selbst- 
geschriebene reinschrift der überarbeiteten und eine kladde seiner 
sämmtlichen fabeln vorhanden gewesen sein. Jene erste oder 
eine abschrift derselben hat darauf jemand aus der kladde vervoll- 
ständigt und so die älteste hs. des werkes zustande gebracht, auf 
welche mittelbar oder unmittelbar die Magdeburger hs. zurückgeht. 
Dieser archetypus muss von zwei verschiedenen schreibern geschrieben 
sein, mindestens die ersten 70 fabeln von dem einen, der rest von 
dem andern. 

Eine mittelalterliche abschrift eines werkes in deutscher sprache 
kann zwar möglichenfalls ganz treu sein, meistens geraten aber in 


Kinleitune m OOXXXVU 


die hs. orthographische oder mundartliche eigentümlichkeiten des ab- 
schreibers hinein, um so eher, je mehr der letztere auf den gedanken- 
zusammenhang achtet. Denn indem sich die aufmerksamkeit des 
schreibers auf den sinn allein richtet, wird die gewohnheit der eigenen 
orthographie und mundart die buchstäbliche treue der abschrift mehr 
oder weniger beeinflussen. In die notwendigkeit auf den zusammen- 
hang achten zu müssen, um die gewiss nicht immer deutliche schrift 
der kladde enträtseln zu können, muss der zweite schreiber sehr oft 
versetzt gewesen sein. Spuren seiner mundart müssen sich, voraus- 
gesetzt, dass sie in der neuen abschrift nicht verwischt sind, in dem 
letzten teil des werkes also häufig finden. Die spuren des ersten 
schreibers werden dagegen voraussichtlich weniger zahlreich sein 
oder er müsste seiner mundart zu liebe mit absicht geändert 
haben. 

Die worte gein geschein sein tein vlein sind in der handschrift 
bald mit e oder ee, bald mit ei oder ey geschrieben, und zwar 
finden sich 

fab. 1— 70 neben 62 e 2 ei, also 31 e auf 1er. 

„ 41 8 ,„ 6,9 ” 1, „1-2 ” 

” 86—103 ” 4,16 „ ” 1,» „ 
die vorliebe für ei gegen e ist also, wenn man sie durch eine zahl 
bestimmen will, innerhalb der fab. 86-103 über hundertmal grösser 
als in den fab. 1—70. 

Noch augenscheinlicher tritt. die verschiedenheit der schreiber 
in folgendem hervor. Wie die reime beweisen, waren dem dichter 
die formen mi dt, nicht aber ihre mundartlichen nebenformen mik 
mcek dik dek eigen. Neben dem ursprünglichen und häufigen mi di 
bietet die Magdeburger fab. 1—70: nie mek, 2 mal mik, dagegen 
fab. 86—103: nie mik (98, 21 dich : mich), 71 mal mek. Letztere 
form kommt also fab. 1—70 gar nicht, in fab. 86 ff. sehr oft vor, 
und dabei ist beachtungswert, dass auch die doppelt in der handschrift 
vorhandenen fabeltexte die mundartliche verschiedenheit im gebrauche 
des pronomens zeigen, vergl. 99, 8. 12. 17 wo mek steht, während 
in fab. 20 mi sich findet. 

Ausser den erwähnten verschiedenheiten lässt sich noch an- 
führen, dass ek für ik, sek für sik, ot für « im letzten teile 
der fabelsammlung sehr häufig, im ersten nur vereinzelt vor- 
kommen. 

Die starken abweichungen im gebrauche der aufgezählten formen 
erklären sich nur durch die annahme, dass verschiedene schreiber 
am archetypus gearbeitet haben. Der zweite muss nach fab. 70 und 
vor fab. 86, wo mek sich zuerst findet, seine tätigkeit begonnen 
haben, ich glaube zwischen fab. 74 und 80, weil hier schon die en- 
dung -ein die nebenform auf -een überwiegt. Wenn meine vermutung 
richtig ist, würde sich aus dem umstande, dass mek erst fab. 86, 
metrische nebenheiten erst fab. 31 beginnen, folgendes folgern lassen : 
der zweite schreiber hat nicht die reinschrift des dichters, sondern 


XXXVII Einleitung. 


eine abschrift vervollständigt, die soweit reichte, als das werk dem 
gönner des dichters mitgeteilt war, also bis etwa fab. 75, vergl. 76, 
1—4. Vor seinem tode hat der verfasser noch einige weitere fabeln 
in seiner reinschrift nachgetragen, die der zweite schreiber zunächst 
abgeschrieben hat. Darauf erst schrieb er den inhalt der kladde ab 
und in erklärlicher weise konnten die gewohnten formen der cigenen 
mundart dabei leichter in die abschrift hineinkommen. 

f) In der Magdeburger handschrift sind die sämmtlichen fabeln 
von derselben hand geschrieben, schnell und flüchtig, so dass, wie 
die anmerkungen seite 165 ausweisen, öfter einzelne buchstaben oder 
ganze silben ausgelassen sind und manche stelle ganz sinnlos ge- 
worden ist. Wie die fehlenden reime zeigen, sind sogar ganze verse 
übersprungen, vgl. fab. 9, 31 und $ IX. Anderseits hat die eile, 
mit welcher die handschrift angefertigt ist, verhütet, dass der schreiber 
die in der vorlage vorgefundenen von seiner cigenen mundart ab- 
weichenden formen durchweg ändern konnte, dazu gebrach es ihm an 
zeit und ruhiger überlegung. 

Ganz anderer art war der schreiber, welchem wir dio in der- 
selben handschrift überlieferte niederdoutsche bearbeitung der reise 
Mandevilles verdanken. Sie ist in schönen und grossen buchstaben 
mit grosser sorgfalt geschrieben, fast ohne schreibfehler, und steht, 
was wahl des sprachlichen ausdruckes und satzgefüge betrifft, anderen 
von mir verglichenen niederdeutschen handschriften derselben reise- 
beschreibung selbständig gegenüber. Die sprache zeigt fast überall 
dieselben formen und nur selten hat der schreiber aus seiner vorlage 
etwas herübergenommen, was der eigenen mundart nicht entsprach. 
Jedesfalls wird man von der voraussetzung ausgehen dürfen, dass 
der mundart des schreibers die ohne abweichungen durchgeführten 
regeln angehörten. Ä 

Für die kritik der fabeln ist die kenntnis dieser mundart 
deshalb wertvoll, weil Mandeville und fabeln an demselben orte ge- 
schrieben sind, sie ermöglicht in einigen fällen zu erkennen, welche 
wortformen der Magdeburger handschrift auf deren schreiber zurück- 
zuführen sind. Im Mandbeville ist für e vor r mit folgendem con- 
sonanten, der nicht wieder r ist, a eingesetzt, also immer barch, 
warld geschrieben. In den fabeln ist diese regel nur einigemal zur 
anwendung gebracht, ohne zweifel erst durch den schreiber. So heisst 
der hirsch gewöhnlich Aert, dafür steht hart 6, 12. 61, 59; scharf 
vielleicht 100, 54 für scherf ; gearvet 90, 74 für geervet; warliken 54, 68 
für wer(lt)liken 54,68. Ferner istim Mandeville dem langen inlautenden 
o ein i oder y in gewissen fällen beigefügt, bei Gerhard findet sich 
dasselbe gleichfalls nur vereinzelt z. b. 3, 103 vloyt (: bot), während 
3, 93 vlot geschrieben ist; für das gewöhnliche hoden steht hoyden 
22, 32. 101, 315. 102, 101, ebenso 74, 20 goyde; 92, 118 armoyt. 
Ferner wird das e: des unbestimmten artikels bei Gerhard zu e, wenn 
es bei der declination in eine offene silbe tritt, wie z. b. in enes 
(aber eins), ener udgl. Die ausnahmen von dieser regel, welche auch 


Einleitung, j XXXIX 


durch den reim denen : enen bestätigt wird, sind zwar nicht selten, 
es sind in den ersten zehn fabeln 7 bei 36 in betracht kommenden 
stellen, aber wir dürfen sie gleichfalls auf die mundart dos schreibers, 
welche bei einem so häufigen worte die abschrift besonders beein- 
flusste, zurückführen, denn im Mandeville heisst es stets eynes 
eynem USW. | 


IX. 


Der reim. 


Gleich allen übrigen erzählenden gedichten der mnd. literatur 
sind die fabeln Gerhards in reimpaaren geschrieben. Nur einmal 
kreuzen sich die reime, fab. 58, 41 dat : wichte : begät : nichte, oft 
dagegen tritt reimhäufung ein, d. h. die wiederkehr desselben reimes 
bei drei und mehr auf einander folgenden versen. Vereinzelt und 
meist unbeabsichtigt kommt sie auch bei anderen mnd. dichtern vor, 
besonders im Sündenfall v. 202, 458, 864, 1063, 1135, 1187, wo vier 
verse durch denselben reim gebunden sind, ebd. 1894. 1905; Marien- 
klage 18. 148 bei drei versen. Ferner hat ein in einer Berliner hs. 
erhaltenes mnd. gedicht, ‘der seele und des leibes krieg’, durchweg 
vierfache reime. 

Gerhard verwendet die reimhäufung so oft und in einer solchen 
weise, dass es nicht zweifelhaft sein kann, dass er sich ihrer mit 
voller absicht bedient und sie für eine schönheit angesehen hat. Be- 
sonders gern wiederholt er vierfache reime zu anfang oder schluss 
der erzählungen und in den moralisationen, so vorw. 57—61. 65—68. 
69—72; Tab. 8, 61--64. 65—68. fab. 27, 7—10. 11—14. 15—18. 
133—136. 143-146. 153—156. 157—160. 161-164. 165—168. 
169—172; fab. 53, 1—4. 5—8. 9—12. 13—16. 17—20. 56—60. 
61—64. 71—74. 75—78. 83—86; fab. 55, 133—136. 137—140. 
141—144; fab. 74, 25—28. 29—33; fab. 86, 3—6. 47—50. 51—54. 
95—98. Aber auch sonst finden sie sich, zb. 1,5. 3, 74. 5, 7. 
6, 23. 9, 57. 61. 14, 27. 15, 11. 41. 57. 16, 7. 35. 20, 25. 21, 36. 
22, 21. 25. 23, 51. 67. 24, 7. 31. 25, 9. 49 usw. | 

Drei reime folgen aufeinander 3, 69. 4, 37. 10, 39. 38, 69. 
47, 81. 48, 17. 49, 19. 60, 43. 63, 15. 65, 83. 74, 33. 82, 35. 
83, 42. 94, 97. 101, 149. u. ö. 

Sechs verse reimen zusammen 21, 29 —35. 26, 33 — 38. 30, 19 — 24. 
36, 29 —34. 39, 65— 70; acht verse 26, 41—48. 36, 41—48. 54, 52 —59; 
einmal reicht der reim sogar über zwölf aufeinanderfolgende verse, 
nämlich 3, 33—44. 

Bemerkenswert ist ferner, dass 20, 29 das ende der erzählung 
und der anfang der moral zwischen die reime fallen. | 

Die reime sind bei Gerhard bald stumpf, bald klingend. Ein 
mn reim findet sich 92, 35 beklagede : jagede — 93, 25. levede 

evede 


XL | Einleitung. 


Von reimungenauigkeiten begegnen folgende, wobei jedoch nicht 
die stellen aufgezählt sind, wo ein langer vocal mit dem entsprechenden 
nn sobunden ist; (vergl. Lübben zum R. V. einleitung VIL) 

u — mochte : duchte 23, 3. 75, 27. — vorgulden : wolden 
55, 12 76, 15. 

u — döt : geschut 100, 67 dut 101, 164. 
; : ü. Dieser reim beschränkt sich ebenso wie im R. V. auf 
das wort gät und ist bei mnd. dichtern allgemein üblich. — yat : möt 
3, 136. 9, 35. 10, 39. 27, 13. 131. 29, 37. 30, 49. 47, 59. 49, 140. 
60, 9. 80, 11. 81, 29. 87, 118. 92, 27. 100, 33. 57. döt 16, 77. 
27, 13. 47, 87. 30, 3. 43, 19. 52, 33. 55. 64, 3. 65, 130. 78, 13. 
80, 31. 100, 147. 101, 59. 312. vöt 24, 25. 41. 55, 67. 61, 23. 
98, 24. 100, 147. böt 23, 69. — gude : mode 8,19. 79, 45. 17, 21. 
102, 171; vol. 16, 69. 

i:e — krich : wech 3, 69. — hen : wın 87, 89. — gingen : 
vengen 81, 33. — ginge : entfenge 55, 45. enge 92, 59. — schellen : 
willen 12, 7. — neste : wiste 31, 37. — ni : twe 101, 204. 


a: 6 — steden : gaden 60, 50. — slege : dage 102, 149. 

a:0— hd: al 49, 132. 

1:ü — twivel : duxel 28, 59. 38, 74. 40, 17. 103, 101. 

fl: ou —- ruwen : rouwen 91, 31. 37. vorvroumen 85, 15. — 
iruwel : entvrouwet 47, 15. — ruwen : schomren 27, 159. — rouwe : 
buwe 82, 9. 


MB 


& : ei — bereden : beiden 4, 31, wo jedoch wahrscheinlich be- 
reiden herzustellen ist. 
e : en. Diese reimfreiheit ist gleichfalls unanstössig. — gelde : 

3, 55. — bevere : weveren 81, 9. — were : deren 84, 5. — 
live : Lliven 55, 77. — mede : seden 102, 116. — kunde : begunden 
25, 43. — merken : werke 95, 28. 

Ss: st — sist : wis 67.7. pris 69, 47. — blivest : lives 81, 3. 

ch : cht — kracht : mach 102, 72. 

cht : kt — bericht : sprikt 29, 111. 

Ausserdem begegnen: erren : geweren 14, 13. —  bestricket 
(hs. bestriket) : wiket 67, 27. — Hide : wite (hs. mide) 76, 19. — 
kleden : ummescheten 15, 19. — late : Kato, vergl. zu vorw. 50. — 
bewarte : strate 91, 4. — vorquicket : spreket 94, 29. —vasten : lesten 
101, 1. — generest (wofür levest einzusetzen der zusammenhang nicht 


| gestattet) : hevest 101, 77. — (stokarn : hergevaren 84, 85 ist ein 


reiner reim, da das e der letzten silbe stumm ist, vgl. 64, 55 Mi, 
also richtiger hergevarn. geschrieben wäre). 

Unter den zuletzt aufgezählten unreinen reimen sind einige, 
91, 4. 94, 29. 101, 77., derartig, dass man sie vielleicht als beispiele 
reimloser verse anführen kann, jedesfalls ist es beachtungswert, 
dass sie sich im letzten teile des werkes finden, welcher aus den im 
vorigen abschnitte dargelegten gründen die letzte feile des verfassers 
nicht erhalten zu haben scheint. 

Des reimes entbehren folgende verse: 9, 31.32. 83, 25. 86, 7.8. 


Einleitung. i | : xu 


102, 5, 58. In fab. 9 und 86 deutet der zusammenhang auf den 
ausfall von vielleicht je zwei versen, welchen die flüchtigkeit des 
schreibers verschuldet hat, und wir können annehmen, dass diese 
verse die fehlenden reime enthalten haben. Für die übrigen drei 
verse (in fab. 83 und 102) bietet sich diese erklärung nicht, vielmehr 
könnten sie selbst recht gut fehlen, ohne dass der zusammenhang 
der erzählung dadurch gestört würde, weshalb auch diese stellen der | 
unfertigkeit der kladde zuzuschreiben sind. 

In dem handschriftlichen texte sind der unreinen reime freilich 
viel mehr als oben aufgezählt sind. Die einzelnen schreiber, welche 
bei der überlieferung tätig waren, haben die getreue wiedergabe der _ 
ursprünglichen reimformen sich wenig angelegen sein lassen, und so 
finden sich neben einander reime wie wedder : neder 5, 17; weder : 
nedder 8, 45; begunden : konden 25, 26; begonden : stunden 10, 111; 
hemelicheide : mede 47, 102; underschede : beyde Yw. 62; ben : vlein 
85, 26; seen : vlen 53, 69; heit : bet 86, 65; het : geit '86, 52 usw. 

Dem reime zu liebe änderungen an der überlieferung vorzu- 
nehmen, ist im allgemeinen bei mnd. dichtungen misslich, da in ihnen 
der reim selten allzu sorgfältig behandelt ist. Bei Gerhard darf man 
jedoch angesichts seiner aufmerksamkeit auf den reim, welche sich 
in der zwölffachen wiederholung desselben reimes 3, 33 ff. wie über- 
haupt in den vielen reimhäufungen zeigt, mehr sorgfalt voraussetzen, 
sicher nicht annehmen können, dass, wo doppelformen einzelner 
wörter vorhanden sind, er gerade die dem reimwort nicht entsprechenden 
in den reim gesetzt habe. Es kann also wedder : neder und weder : 
nedder nicht ursprünglich sein, sondern es ist entweder wedder : nedder 
oder weder : neder herzustellen. Das richtige scheint das letztere zu 
sein, denn dass dem schreiber das doppelte d geläufig war, geht 
daraus hervor, dass es sich auch im Mandeville findet. Ferner findet 
sich 3, 130. 9A, 39 der reim ende : vrunde, dagegen 81, 51 das 
letztere wort mit e für %. Das für den reim notwendige vrende darf 
eingesetzt werden, weil die urkunden westfälischer städte das wort 
sowol in der form vrunt als auch sehr häufig in der form vrent 
kennen. In dieser weise sind die meisten unreinen reime der hand- 
schrift verbessert worden, auch die häufigen infinitive auf — een — en 
der s. XXX VII genannten verba gein usw., wozu jedoch zu be- 
merken ist, dass das ei der endung schwerlich ebenso gelautet hat 
als das ei welches in diesen wörtern die zwischen den Wesergebirgen, 
Deister, Harz und weiter bis zur Elbe ansässigen sprechen, vielmehr 
hat man an die aussprache zu denken, welche sich in einigen land- 
strichen Westfalens und des Rheinlandes findet, wo ei fast wie ein 
zerdehnlaut, von & also wie & oder ©e lautet, weshalb auch in vielen 
urkunden dortiger gegend sich sein und seen, lein und leen dicht 
neben einander findet. 

Besonderer rechtfertigung bedarf, dass sämmtliche in der hand- 
schrift überlieferten mek, mik, dek, dik in mi, di verwandelt sind. 
Durch eine linie, die man sich von Barby nach Magdeburg und weiter 


d 


XLII . Einleitung. 


nach Celle, Minden, Medebach, Münden und von da wieder nach 
Barby gezogen denkt, wird ein gebiet umschlossen, welches in ge- 
wissen von C. Walther, niederd. jahrbuch I, 92 nachgewiesenen 
fällen silben zu schliessen liebt, die das übrige Niederdeutschland 
offen spricht. Besonders ist das bei den pronominalformen mik, mek 
und dik, dek der fall, neben denen in jener gegend die anderswo 


‚überall und ausschliesslich gebrauchten formen ms und di weder für 


den dativ noch für den accusativ angewendet werden. Von mnd. 
dichtungen, die gerade in den reimen die mundart ihrer bearbeiter 
am wenigsten treu zu wahren pflegen, braucht eine grosse anzahl 
neben mi, dı auch die formen auf A, weil letztere auf häufig ge- 
brauchte wörter reimen. Bei Gerhard sind diese formen jedoch durch 
keinen einzigen reim gestützt, während mi, di mit si, bi oft reimen, 
vgl. 10, 19. 13, 47. 24, 17. 27, 79. 30, 21. 41 u. 6. Es kann dar- 
nach keinem zweifel unterliegen, dass mek auf die mundart eines 
schreibers zurückzuführen ist, denn wenn Gerhard dic seiner eigenen 
mundart fremde form im reime, den zu finden sie sicher oft erleichtert 
hätte, vermieden hat, so hat er sie gewiss auch innerhalb des verses, 
wo nichts zu ihrem gebrauche drängte, nicht gebraucht. 


X. 
Der versbau. 


Die metrischen gesetze, denen die dichtungen in den dem mittel- 
niederdeutschen nächst verwandten mundarten unterliegen, sind bereits 
erforscht und dargestellt, die mitteldeutsche und altsächsische metrik 
ist von Amelung in Zachers zeitschrift 3, 253 ff., die mittelnieder- 
ländische in Jonckbloets werke Over middennederl. epischen vers- 
bouw, Amsterdam 1849, und kürzer in Martins Reinaert, Paderborn 
1874, s. 421—437 behandelt. Für die mnd. metrik ist dagegen noch 
nicht das geringste geschehen, und erst eine mehrere dichtungen um- 
fassende untersuchung kann es ermöglichen, über eine anzahl zweifel- 
hafter punkte licht zu verbreiten. Zu meinem versuche, die haupt- 
punkte aus den versen Gerhards zu gewinnen, habe ich zu bemerken, 
dass der gedruckte text frei ist von änderungen, welche der metrischen 
doktrin zu liebe vorgenommen sind. 

1. Die einzelnen verse Gerhards bestehen in der regel aus 
vier hebungen, zwischen denen sich gewöhnlich ein- oder zwei- 
silbige senkungen befinden. Den hebungen kann ein- oder zweisilbiger 
auftact vorangehen. 

Ein häne söchte na siner wise 
üppe dem messe sine spise. 
Do vänt he enen eEdelen stein, 
de lecht was ünde schöne. schein. 
2. Die hebungen sind stets einsilbig und ruhen entweder auf 


“ 


Einleitung. | XLIII 


'einsilbigen wörtern oder auf den hochtönigen silben mehrsilbiger 
wörter. Silben, welche den nebenton tragen, sind als hebung nur 
dann verwendbar, wenn auch die hochtonige silbe sowol desselben 
als auch des folgenden wortes zur hebung verwandt ist. 

Der hochton fällt in jedem worte auf die erste silbe desselben. 
Ausnahmen machen folgende fälle: 

a) Die mit den untrennbaren und stets tonlosen partikeln ge- 
vor- ver- to- be- unt- eni- ir- er- en- zusammengesetzten wörter haben 
den hochton auf der stammsilbe: gemak 10, 9; vorladen 2, 59; ver- 
klägede A, 3; tospleien 4, 49; bederven 1, 15; untwiken 9, 22; 
irbarmen 2, 57; ennöch 60, 49; enwech 41, 38; enbinnen 22, 15; 

enböven 49, 111. 
| Stehen die eben genannten partikeln jedoch in zusammensetzungen 
an zweiter stelle, so hat die vorangehende silbe den hochton, die 
folgende stammsilbe den nebenton: ungemak 8, 6; wmbereit 3, 831; 
äfgegän 52, 61; utirkorn 64, 56. 

b) Die mit al- und un- zusammengesetzten wörter sind bald 
auf dieser, bald auf der stammsilbe betont, nur in wenigen wörtern 
wie aldıüs, alse, allene (darnach auch nichein) ist der gebrauch fest: 
ünmacht 2,58; unmacht 14, 10; unsalige 25,16; unsalichliken 14, 43; 
ulso 30, 23. 

c) Die mit mis- vul- und einsilbigen präpositionen zusammen- 
gesetzten verba haben den hochton auf der stammsilbe ausser in dem 
unter a) vorgesehenen falle: smishägeden 26,'26; mishelde 51, 11; 
vulbringet 11, 55; afbreken 2, 61; afdele 37, 46; afsein 26, 20: 
ankliven 28, 65; anvechten 50, 31: anrep 26, 29; üttöch 58, 4. 

Die mit zweisilbigen präpositionalformen sowie die mit misse- 
und vullen- zusammengesetzten verba betonen dagegen sowol die erste 
als auch die stammsilbe, die eine mit dem hochton, die andere mit 
dem tiefton: misseprisen 7, 4, villenvören A, 16; vöredröch 10, 30; 
dwestan 65, 35; dnegeit A, 25. 

Die substantiva sind stets auf der ersten silbe betont; af- 
gunst 100, 121. 

d) Die dreisilbigen feminina auf -inne sind auf der zweiten, 
die viersilbigen auf der ersten und vierten silbe betont: vrundinne 
10, 15; apinne 85, 27, 38; könninginne 103, mesterinne 62, 9. 

e) Die fremdwörter sind der deutschen betonungsregel nicht 
unterworfen: kumpan 4, 42; kimpanie 90, 53, river 66, 125; aprille 
94, 17; panter 71, 2. 

f} In unorganischen zusammensetzungen, also solchen, welche 
wie darmede, darane, hirover, jodute, vorwär durch parataxe entstanden 
sind und auch getrennt geschrieben werden können, gelten die ein- 
zelnen bestandteile als selbständig. 

Der nebenton ruht bei zusammengesetzten hauptwörtern 
auf der stammsilbe des zweiten wortes und bei zusammensetzungen 
mit gewissen durch form und bedeutung hervortretenden bildungs- 
silben wie -heit, -hede, -ler, -ere, -lik u. a. auf diesen ; mölenbank 3,16; 


d* 


XLIV Einleitung. 


hüsvrouwe 10, 83, spelman 15, 33; höveschede 3, 13; vögeler 714, 5; 
drögeneren 22, 31; innichliker 7, 27. 

4. Die nach den angegebenen regeln betonten silben sind allein 
zur hebung tauglich, bei den übrigen, den tonlosen, kann jedoch 
in dem falle tonhöhung, welche für die hebung befähigt, eintreten, 
wenn sie einer anderen unbetonten folgen und das unmittelbar nach- 
folgende wort mit einer der unter 2 a) genannten partikeln oder 
einem tonlosen mis- oder un- beginnt: girige vorleset 5, 21; ovele 
bewende 20, 16; angeste gelöst 53, 92; eigeren gevrös 54, Al; emeten 
begunde 56, 1; etendes vortigen 29, 68; vogeld genere 79, 26; drogene 
misprisen 70, 21. 

Die handschriftliche überlieferung gestattet dem leser nur 
die elision eines auslautenden e vor vokalischem anlaute des folgenden 
wortes, alle übrigen metrisch notwendigen verkürzungen wie an- 
lehnung, synkope usw. sind in der regel bereits von dem schreiber 


| vollzogen. 


a) Die elision ist bei einsilbigen wörtern unzulässig, dagegen 
kann sie sowol von der hebung zur senkung als auch von der senkung 
zur hebung stattfinden : lemede ök 61, 106; sine exen 33, 17; ome al 
36, 3; unde in 60, 50; unde egen 62, 113; trostede on 27, 122; 
schande unde 28, 23; sere enen 23, 1. Bisweilen ist die elision schon 
in der handschrift vollzogen, es pflegt dann auslautende consonanz- 
gemination vereinfacht zu werden: schud it 14, 8; heb ik 10, 44; 
hebb ik 10, 20; um oren 29, 30; lat ik 27, 169. Wird nicht e, son- 
dern ein anderer vokal elidirt, so geschieht das stets schon in der 
handschrift, vgl. alt für alto 1, 8. 10, 118. 14, 30. 38, 44. 

b) Stummes e. Ein durch einfaches r von dem vorhergehen- 
den vokal getrenntes nicht betontes e kann verschwiegen werden, 
vgl. vuren 73, 23; gevaren 84, 85. Mitunter ist es schon von dem 
schreiber ausgelassen : geborn 64, 55; ütirkorn 64, 56; vorlorn 64,58 ; 
andern 23, 35. 43. 55, 134. 61, 8. 

c) Anlehnung. Mit’vorangehenden verben, präpositionen, 


_ pronominibus usw. werden einsilbige pronominalformen mit verlust 


des eigenen, vökalischen oder konsonantischen, anlautes in der hand- 
schrift oft zusammengezogen : bringet, voddet, woldet, dedet aus bringe 
it, vodde it usw. 8, 60. 22, 7. 28, 28. 29, 15; velt aus vel ıt 26, 1; 
quemestu aus quemest du 38, 22; ramedes aus ramede ıs 16, 14; 
mostes aus moste des 29, 19; behayedem aus behagede dem 6, 32; 
geldet aus gelden it 37, 1; uppet aus uppe dat 25, 32; wppen aus 
uppe den 3, 67, tom aus to dem 8, 11; tor aus to der 67, 25; gür 
aus 9% ir 13, 46; het aus he ıt 9, 65; men aus me on 65, 119; ses 
aus se des 15, 46; levet aus leve it 40, 33 usw. 

6. Die senkung bilden nebentonige und tonlose silben, sie 
kann ein- und zweisilbig sein, in letzterem falle jedoch im allge- 
meinen keine selbständigen zweisilbigen wörter umfassen, weil diese 
hochtonige silben enthalten: hane 1,1; nein vil 38,43; ein bok 53, 38; 
vrunt min 53, 55. — andere 10, 38; dogeden 1, 21; woninge 10,16; 


Einleitung. | XLV 


hüsvrouwe 10, 19; megentit 30, 40; spraken de 4, 29; unde de 2, 56; 
redet ein 2,27; wisheit he 1, 22; schude ök 25,5; wanne min 53,40; 
armen be- 2,65; ome ge- 3,19; wil ik af 25,14; om up dem 26,23; 
mit stummem e: borden unde (in) 60, 50; blift arm wunde (egen) 
61, 103. 

Zweisilbige wörter dürfen wie bereits bemerkt ist die doppel- 
senkung nicht füllen, nur pronomina, partikeln und das hilfszeitwort 
erscheinen zulässig: ome 11, 41. 23, 54. 77, 33, one 25, 43. 49, 48. 
53, 80; ene 49, 85; ore 10, 56. 42, 22; juwe 13, 43. 59, 71; enem, 
enen 3, 2. 21, 1. 18, 5; unde 10, 42. 23, 27. 25, 41. 27, 16. 50. 29, 
64 u. ö.; ane 16, 24. 28,21; uppe 25,51; over 16,11; umme 28,54; 
hinder 35, 6; danne 41,42 ; alse 41, 42 ; dare27, 48; were 4,50. Ausserdem 
finden sich als senkung vrouwe 31, 13. 62, 9. 85, 27 und here 4, 33 
wo vielleicht aber vrou und her zu lesen ist vgl. 13, 43. 16, 46. 

{. Fehlen der senkung. Die senkungen und mit be- 
merkbarer vorliebe die zwischen zweiter und dritter hebung sind von 
dem dichter sehr oft ausgelassen worden. Unzulässig scheint jedoch 
die auslassung von mehr wie einer einzigen senkung in demselben 
verse gewesen zu sein. 

a) Am häufigsten fehlt also die senkung zwischen zweiter und 
dritter hebung: Kra/leve 12, 11; möt/wol 53, 95; to/ore 56, 3; 
ne/man 49,106; hüslvrouwe 10, 83: "spelllude 15, 44: hast|liken 11, 27: 
wärlliken 36, 27; schent/liken 55, 62: 1, 20. 24. 2, 6. 40. 3, 22. 23. 
33. 123. 131. 4, 14. 5, 24. 6, 50. 10, 45. 63. 71. 75. 76. 83. 95. 97. 
113 usw. 

bh) Auch die dritte und vierte hebung folgen häufig ohne 
senkung auf einander: dit /schelden 3,46; mi /twinget 3, 70, denst | döt 
24, 48; dat! merke 49, 18; kerklhove. 27, "28: dur/vore 3, A: ar/mode 
10, 115: bilspele 1.1; ho/mode 59, 88; vor/ware 70, 24 u. d. 

c) Die auslassung der senkung zwischen erster und zweiter 
hebung scheint vermieden zu sein, wenigstens ist sie in den ersten 
achtzig fabeln nur wenige mal mit sicherheit anzusetzen: dus / handelde 
9, 58; mit/ schäpkese 10, 58; dut /ninges 28, 14; dat | ergeste 28, 69; 
mit höp! 'ricken 29, 70; nelmach 7, 37, vorlichtlliken 34, 19; 
dor/gudes 50, 37. 

Der auftact kann fehlen, ein- und zweisilbig sein: eın 2,1; 
de 2,2; un- 2,3: de ne 2, 12; unde 2, 17. 34 usw. Dreisilbigkeit 
des auftactes scheint regelwidrig zu sein, doch würde sie die zahl der 
unten aufgeführten falsch gebauten verse etwas verringern (vgl. 2,43. 
33,48. 46, 26. 48, 11. 49, 54. 65, 17 u.a... Schwebende betonung, 
welche innerhalb des verses vermieden zu sein scheint, hat beim auf- 
tacte einigemal statt: de ein/ogede 31, 51; rätigever 55, 112, willich! 
liken 55, 96. Bei zweisilbigem auftact ist die zweite silbe nie. über 
der ersten betont m. a. von nichein 52, 6; genöch 10, 22. 

Aus den in $ VIII dargelegten gründen sind bei den vorstehend 
aufgestellten sätzen über die metrik des dichters nur die fab. 1--82 
berücksichtigt worden. Die ausnahmen, welche die folgenden fabeln 


XLVI Einleitung. 


enthalten sind unverhältnismässig zahlreicher, als die aus dem übrigen 
teile des workes, obwol dieser ungefähr 5000 verse umfasst, während 
fab. 83 ff. nur etwa 1600 enthalten. Dazu ist bei metrisch mangel- 
haften versen der letzten fabeln nur an wenigen stellen grund zu 
der annahme vorhanden, dass ihre fehler durch die nachlässigkeit der 
schreiber veranlasst sind. Es bestätigt sich also auch vom metrischen 
gesichtspunkte aus, dass der dichter den letzten teil seines werkes 
hinterlassen hat ohne die letzte feile an ihn legen zu können. Vgl. 
oben $ VIILb. 

Die ausnahmen, welche sich in fab. 1—82 finden, erledigen sich 
meist durch die annahme, dass die abschreiber or und ore udgl. ver- 
wechselt oder tautologische zusätze sich erlaubt haben: 2, 43 (dins? 
vgl. mins 101, 226); 17, 7 (vogele?); 17,12 (ün?); 18, 36 (recht?); 
18, 46 unde uneren?); 19, 7 (olde?); 22, 30 (or?); 23, 48 (böt 
sinen®); 29, 26 (tilge on oder de?); 30, 58 (auch sonst verderbt) ; 
33, 48 (tilge löt unde?); 39, 28 (tilge des?); 41, 41 (oft?2); 43, 14 
(G012); 46, 16 (lik?); 48, 11 (de statt unde?); 49, 54 (dreisilbiger 
auftact?); 49, 161 (manklacht mit schwebender betonung?); 49, 219 
(is nach vullenkomen?); 50, 35 (vielleicht ein beabsichtigter fall von 
2 fehlenden senkungen, um dem verse nachdruck zu geben ?); 52, 47 
(an dem oldere noch an der joget?); 54, 6 (tilge algader?); 61, 98 
(tilge do?); 61, 123 (vjanden?); 65, 17 (went ik möt leider sunder 
erven Lichte an minem ende bliven?); 74, 56 (tilge groten?) 

Im letzten teile der dichtung finden sich dagegen folgende regel- 
widrige verse: 

mit fünf hebungen 83, 12. 21. 84, 30. 90, 32. 63. 91, 1, 21. 
92, 10. 94, 68. 100, 10. 11. 101, 39. 59 189. 216. 222. 224. 300. 
103, 69, 85. 88. 

mit drei hebungen 89, 58. 101, 49. 134. 204. — 84, 1. 3. 23. 
86, 53. 55. 87, 25. 88, 47. 48. 71. 90, 46. 82. 91, 33. 62. 92, 28. 
93, 4. 27. 28. 29. 31. 33. 60. 91. 94, 106. 107. 100, 13. 101, 6. 47. 
43. 91. 100. 129. 102, 1. 2. 103, 41. 

mit drei hebungen oder auslassung der ersten senkung: 84, 5. 
8. 13. 86, 1. 27. 87, 4. 5. 6. 10. 15. 18. 22. 88. 23, 46. 61. 89, 2. 13. 
90, 45. 47. 60. 62. 91, 37. 61. 92, 14. 93, 3. 6. 11. 30. 32. 41. 53. 
57. 59. 71. 85. 87. 94, 16. 40. 53. 54. 58. 64. 71. 98. 105. 100, 16. 
31. 75. 101, 4. 12. 16. 22. 35. 41. 94. 129. 210. 102, 5. 7. 67. 


xı 
Schluss. 


Die dichtung, deren äussere geschichte die vorhergehenden un- 
tersuchungen festzustellen suchen, nimmt innerhalb der mittelnieder- 
deutschen litteratur eine hervorragende stellung ein. Durch freiere 
behandlung des überlieferten stoffes und unabhängigkeit des sprach- 


Kinleitung, . LXVI 


lichen ausdrucks zeichnet sie sich vor einer menge mnd. werke aus, 
welche niederländischen und hochdeutschen vorlagen mehr oder weniger 
wortgetreu folgen. Wichtiger ist noch der umstand, dass wir den 
doch noch dem 14. jahrhundert zuzurechnenden dichter bereits im 
besitze einer ausgebildeten metrischen technik finden. | 
| Dieses und die zweimal in übertragener bedeutung gebrauchte 
formel ors mit sporen nemen (49, 199. 225), vielleicht auch das formel- 
hafte güt dorch ere nemen (100, 5) deuten darauf, dass der dichter 
sich an werken älterer dichter herangebildet hat. 

Dass er hochdeutsch geschriebene werke gekannt hat, ist un- 
wahrscheinlich, möglich jedoch, dass er die niederrheinische oder 
niederländische dichtung kannte, und in diesem falle könnte man um 
so mehr daran denken, dass durch mitglieder der brüderschaften des 
gemeinsamen lebens ihm die kenntnis der fremden litteratur ver- 
mittelt sei, als von ihm benutzte bücher, der Aesopus moralisatus und 
die distichen des Cato besonders in den schulen der brüderschaften 
gern beim unterricht gebraucht wurden. Der zeit nach ist eine be- 
rührung Gerhards durch die bestrebungen der brüderschaften nicht 
unmöglich, denn schon i. j. 1400 ward ein fraterhaus von ihnen in 
Münster gestiftet. | | 

Jedesfalls trifft der dichter mit den brüderschaften darin über- 
ein, dass auch er seine litterarische tätigkeit der belehrung der laien 
widmet. In unterhaltenden beispielen will er zeigen, wie der mensch 
gut sein müsse, damit er das heil der seele sichere, und klug und 
vorsichtig, damit er sich vor schaden behüte. 

Einigemal nimmt der dichter auf den stand, dem er selbst an- 
gehörte, die mönche bezug. Sie allein sind im besitze der künste 
und besonders der heilkunst, doch rühmen sich betrüger oft gleicher 
meisterschaft und richten bei den betörten laien grosses unheil an, 
was dann die mönche, an die man sich als retter aus der not zuletzt 
wendet, wieder gut machen sollen. Ohne wehr sind sie gegen die 
schlechten, ihnen preisgegeben wie schafe den wolle raubenden krähen, 
denn den bann, ihre einzige waffe, achten ihre feinde nur gering. 
Zwar ist es die pflicht der ritter den klerus gegen anfeindung zu 
schützen, aber nur auf das eigene heil bedacht überlassen sie jenen 
dem eigenen schicksale Endlich erbarmt sich Gott der mönche und 
verleiht den fürsten solchen sinn, dass sie die räuberischen kloster- 
"feinde hängen und köpfen lassen, ohne rücksicht auf die dadurch er- 
bitterte blutsverwandtschaft der verurteilten. Vgl. fab. 58 und 94. 

Mit vorliebe beschäftigt er sich mit ländlichen verhältnissen und 
verrät an mehr wie einer stelle seines werkes warmes mitgefühl mit 
den durch harte herren bedrängten hausleuten, wenn er sich auch 
über den bauer ‘von alter art’ ungünstig ausspricht, weil er nie weise 
und gut wäre, und weiss, dass ein mann niederen standes, der zu macht 
und ansehen kommt, hochfahrender ist wie alle herren. Er lehrt, der 
herr soll treu zu seinen bauern stehen, diese treu zu ihrem herren. 
Der vogt, der über sie gesetzt wird, soll erprobt sein usw. 


XTLVIII Einleitung. 


Seine urteile über die frauen erinnern lebhaft an Gellert. Er 
gesteht zwar zu, dass eine gute frau das beste gut sei, was einem 
manne der himmel bescheren könne, im allgemeinen ist er aber sehr 
schlecht auf sie zu sprechen, sie seien veränderlichen sinnes, wider- 
spänstig, ränkevoll, gegen die macht ihrer bösen zunge kann kein 
mann und wenn er ein Simson wäre aufkommen. 

Die ethischen anschauungen seiner zeit kommen auch in seinen 
lehren zum ausdruck: die unwahrheit sei zu meiden, doch dürfe man 
den falschen mit klugheit betrügen, auch in not und Jleibesgefahr 
durch kleine wie grosse lügen sich vor feinden erretten. Nie jedoch 
soll man freunde betrügen oder unwahrheiten aussprechen, die schande 
und schaden bereiten können. Vgl. fab. 53 und 46. 

Ein grosser vorzug des dichters vielen seiner zeitgenossen gegen- 
über besteht in der vollkommenen enthaltung von dunkler gelehr- 
samkeit und in dem streben überall klar zu sein. Wo seine quellen 
und mit ihnen die meisten anderen fabeldichter Jupiter, Merkur, 
Satyrn udgl. in die erzählung einführen, setzt er Gott und mensch- 
liche wesen an ihre stelle. Dazu ist er bemüht die unwahrschein- 
lichkeit der erzählten vorgänge durch erklärende auseinandersetzungen 
aufzuheben, wenn er in seinem vorwort auch ausdrücklich bemerkt, 
dass nur erdichtete, nicht wahre begebenheiten den erzählungen zu 
grunde liegen. 


Zu schluss der einleitung drängt es mich dankbaren herzens. der 
vielfachen förderung zu gedenken, die mir allseitig geworden ist. Für 
mitteilung handschriftlichen materials oder einzelauskunft bin ich be- 
sonders dem herrn schulrat Woltersdorf in Magdeburg, der mir die 
längere benutzung der einzigen erhaltenen handschrift des dichters mit 
grösster gefälligkeit vermittelt hat, dann den herren director Paulsiek 
in Magdeburg, director Holstein in Verden, bibliothekar Pfund in 
Berlin, bibliothekar O. von Heineman in Wolfenbüttel, dr. Strauch 
in Tübingen, Woeste in Iserlohn, professor Waetzoldtin Bonn, director 
Babucke in Bückeburg, vor allem aber herrn bibliothekar Lübben 
verbunden, der nicht allein mich in unzähligen fällen aus seinem reichen 
wissen beraten, sondern auch mit zuvorkommendster liebenswürdigkeit 
sich bei der revision der correcturbogen beteiligt hat. 

Bei der correctur bin ich durch freundschaftliche hilfe und besonders 
durch herrn John A. Leber in Düsseldorf unterstützt worden, dem ich 
auch die zusammenstellung der wortlese zum grossen teil zu danken habe. 

Trotzdem übersehene druckfehler sowie ungleichmässigkeiten in 
der setzung des circumflexes bitte ich mit nachsicht beurteilen und die 
am schlusse des buches vermerkten besserungen DOrNERSIchtlgpn 


zu wollen. 


10 


15 


Gi hebben dicke dat gelesen, 
dat it to kreken heft gewesen 
mör wisheit unde kunst behande 
wan anders iergen in dem lande. 
Van enem mester ik ök las, 
de dar bi olden tiden was, 
de dichte mennich vromde mere. 


Dat Esopus sin name were, 


secht uns de scrift. He was ein man, 
de sik örst leit de vöcheit an, 

dat he mit gemeliken meren 

de lude wolde dogede leren; 

went allerhande creature 

lifhaftich, dat newan van nature 

ne sprak of spreken ne kunde, 

bi siner mere spreken begunde. 


De wint, de sunne unde de mane 


20 


25 


30 


35 


40 


de weren sprekendes ök nicht ane, . 
de wolken, berge unde steine 

unde bome spraken algemeine. 

Doch wu unmogelik de mere 

den luden ök to horende were, 

doch mochte men dar leren mede 


'tucht, wisheit unde gude sede. 


De konnink, de van örst Rome stichte, 
het bringen örst al dit gedichte 
van krekeschen in dat latin 

to leronde de kinder sin. 

De konnink Affrus van Engelant, 
do he de kunst daran bevant, 

heit he it bringen altohant, 

dat it al den sinen wart bekant. 
Sint heft an dudesch ök ein here 
ein döl bracht dusser besten mere, 
dat dar ein minsche tucht unde ere 
bi unde hovescheit jo lere. 

Gerard heit he unde wäs deken 

to Minden. So we ök spreken 
wolde dat al sunder wän, 

dat von Godes bort do weren gän 


Niederdentsche Denkmäler, II, 


45 


50 


55 


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65 


70 


2 


dusent unde drehundert jär 

unde seventich, de hedde wär. 

Dit bök uns lust unde vromen brenget, 
ernst, mit gemelicheit gemenget, 
irluchtet wol der wisen sin; 

it gift uns vroude unde gewin. 

So we sin vroude nicht latet in, 

dem sines sinnes wert de min. 

Dat men der sorge ök vroude late, 
dat is güt, secht uns her Kato. 

Mit dummen dum, mit wisen wis, 
secht Vridank, is der werlde pris. 

Mit sinne dum, nicht van nature, 

in dumheit tit, dat is gehure. 

Dit bök gelik is enem garden, 

dar men twier dink schal inne warden, 
vrucht unde schoner blomen vil. 
Vrucht gift uns nut, de blome spil, 
kort is de vrucht, lank blomen stil. 
Swe nu ir ein of ander wil, 

dat mach he nemen mit underschede, 
wil he aver, he mach se nomen bede; 
went vrucht lört unde de ogenwoeide 
der blomen sachtet herteleide. 

Krank is min acker, vrucht doch nicht. 
De sin is swär, materia licht. 

Dat it bedüt is wär, dat dicht 

to der unwärheit heft geplicht. 

Ein acker is dit ök genomet 

mit wärheit unde unwärheit geblomet. 
Dusse wärheit sik doget beromet, 

de bose unwärheit si verdomet. 

De lichten wort an lichter mere 

de dreget dicke doget unde ere. 

An dorrer schellen schulet gerne 

wol smeckende unde sote kerne. 


I. 
De galloe. 


Ein hane sochte na siner wise 
uppe dem messe sine spise, 
Do vant he enen edelen stein, 
de lecht was unde schone schein. 


5 Do sprak he sus to deme stene: 


‘Mit sokende ik di nicht ne mene, 


3 


went ik achte uppe di harde klene. 
Din leger is hir alt unrene; 
hedde di aldus ein rike man 

10 hir vunden, de mit stenen kan 
wol ummegän, de hölde di 
wol schone. Mer su des to mi, 
ik hedde lever nu to stunden 
ein korn of ene bonen vunden, 

15 went ik en kan di nicht bederven. 
Des möt na di de jene werven, 
des wille up dine schone steit, 
de mör wen ik van di weit.’ 


De hane bedudet enen man, 
20 de nicht ne wil noch ne kan 
mit dogeden sik to wisheit tein. 
Wisheit bedudet ök de stein, 
der wol genöch sumlich hevet 
unde doch ane alle wisheit levet. 
25 An den is wisheit so bewant, 
so de stein, den de hane vant. 


LI. 
Van deme lamme unde wulve. 


Ein lam üt ener beke drank, 
de rasch üt enem berge sprank 
— unkundich is mi, wo se hete. 
Dar boven van dem sulven vlete 
5 drank ein wulf, de ök darto quam. 
Do he sach drinken dat lam, 
sprak he to ome: ‘Du dumme wicht, 
nn sustu dines heren nicht? 
Din herschop is ein döl to gröt; 
10 dus grote smaheit mi ne böt 
ni in dem lande din genöt, 
de ne moste darumme liggen döt, 
Du dregest wulle unde horn 
dorch drogene, dat is mi torn.’ 
15 Dat lam begunde beven sere: 
‘Ik ge des, wil gi sin min here, 
unde möt to juwem bode stän. 
Wat smaheit hebbe ik ju gedän, 
of wat mach ik ju leides dön ? 
20 ik bin kranker den ein hön.’ 
De wulf sprak: ‘Dat is schult genöch 


25 


30 


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60 


4 


van di, dat din drank mi geröch, 

de mit di moste sin verdomet; 

dut vlet drovet unde wlomet, 

dat ik is drinken nicht en mach; 

dut leit deistu mi allen dach.’ 

Do sprak dat lam: ‘Gi redet ein wunder, 
gi stät boven, ik sta hir under; 

van ju to mi geit her de vlöt, 
darumme gi unrechte döt, 

dat gi uptucket solke wort, 

veide unde schult vil ungehört. 

So wan ein vrunt beginnet leiden 
unde vrunt van vrunde denket scheiden, 
ıle möt mit sodanen reden 

de wärheit mit unwärheit kleden.’ 

De wulf an errem mode sprak : 

‘Din klapent döt mi ungemak, 

din vader ök hir weder mi scalt, 

des ome de pils sere untgalt; 

ik wone, it si min den ein jär. 

Ik wil di seggen dat vorwär: 

din klapen unde dines vaders schelden 
schal wärliken ök din pils untgelden.’ 
Do sprak mit angeste echt dat lam: 
‘Oft ik sint an de werlt gequam, 

sint hir was mines vaders schelden, 
unrechte ik des schal untgelden.’ 

De wulf to deme lamme löp, 

erliken he to ome röp: 

‘Ja darfstu noch sus vele klapen, 

din dink is nu jeto al geschapen; 

du bist wol ein verdomet ve! 

unde böt ome do den hals untwe. 


De scrift sprikt, dat de wulf bedude 
de rovere unde de bosen lude, 
de sik laten so node irbarmen 
de unmacht unde de unschult der armen 
unde so mit bösheit sin vorladen, 
dat se den luden denket schaden 
an lif unde ere güt afbreken. 
De moten dichten unde spreken 
unwärheit, valsch unde ungevöch, 
der se mör kunnen den genöchı, 


65 dar se de armen bevellen mede, 


so de wulf dem lamme dede. 


5 


| II. 
Van der dorpmüs unde vorsche. 


Up enem vlete wönde ein müs 
vriliken in enem molenhüs, 
de lach dar enes vor der dore. 
Ein vorsch quam springende darvore 
5 unde sprak to or: ‘Vil hovesche vruwe, 
nu segget mi up alle truwe, 
wes dusse herberge si, 
oft men 'hir moge holden bi; 
mi is der herberge nöt, 

10 de holt mit mi ne wert nicht gröt.’ 
De müs antworde: ‘Se is min, 
gi schullen mi wilkomen sin! 
ik wil ju dorch hoveschede, 
swat hir is, gerne delen mede. 

15 De vorsch de sede ore dank, 
se brachte on uppe de molenbank, 
dar wart he harde wol beraden ; 
mel unde korn vil wol gescraden, 
des gaf se alle ome genöch. 

20 Nichenes drankes men doch entwöch, 
went se is ök sulwen nicht en plach. 
Do he dat vornam unde sach, 
de vorsch do sprak to der müs: 
‘Husvruwe, schone is juwe hüs, 

25 6k gut is alle juwe spise, 
sere ik ein dink doch misseprise 
an ju, dat gi mi nicht en brachten 
drinken, ift gi is icht gedachten, 
went wol gegeten ane drank 

30 is kost vorloren ane dank.’ 

De müs sprak: ‘Horet, wat ek spreke! 
wanne gi komet in de beke, 
so drinket ju denne al sat; 
min herberge en is nicht nat 
35 als juwe is, dat latet ane hät. 
Were gi wis, gi segen an dat, 
dat ik nicht achte uppen snat 
unde ik nicht echt weder en bat, 
do nöt unde avent here trat, 

40 dat ik ju brachte in min gat 
mit gunste unde ök in sulke stat, 
daran lach miner spise schat. 

Men were gi wreder wen ein kat, 
ik en achtede is doch nicht ein blat, 


6 


45 gi en scholen mi mine spise gelden.’ 
De vorsch sprak vleliken: ‘Dit schelden 
is ane nöt nu, vruwe müs, 
wolde gi mit mi weder gän to hüs, 
dat en is nicht verne hir belegen, 

50 so schone wolde ik juwer plegen 
beide mit spise unde mit dranke, 
dat it ju were wol to danke.’ 

De müs na dusser vogen rede 
de dachte, dat se mere mit vrede 

55 gewunne den mit grotem schelden, 
went it lege an unwissem gelde 
dat mak, dat se dem vorsche dede, 
unde lovede om, se wolde mede 
unde wolde den arbeit bestän 

60 unde an sin hüs mit ome gän. 

Des nachtes redde se sik darto 
unde gink mit ome des morgens vro 
dorch gras, dat was von dowe nat, 
des wart se mode unde also mat, 

65 dat ir beruwede de vart 
unde wolde wesen wederkart. 

De vorsch se trostede an den wech 
unde sprak: ‘To lovende is de krich, 
de na gude unde vroude ringet.’ 

70 De müs sprak: ‘To lachene mi twinget, 
an enem sprunge dat gi springet, 
dat ek an sessen nicht vormach.’ 

“Wi hebbet enen langen dach,’ 
sprak de vorsch, ‘gi schullen wol gedrogen 

75 unde ek schal ju de vroude togen, 
der gi jummer gedenken mogen 
unde mi vergelden, ift gi mogen.’ 
Do quamen se beide up dat vlöt, 
dat was wol drittich voite bröt. 

80 ‘Hirover min herberge steit,’ 
sprak de vorsch, ‘hir is umbereit 
dat schip, wi moten swommen beide.’ 
Der müs wart to der mere leide, 
se sprak: ‘Ik wil weder gän, 

85 der vart en wil ek nicht bestän, 
ik bin to mode unde alto nat.’ 

De vorsch sprak: ‘Ik bidde ju, als ik bat, 
dat gi vort willen mit mi varen, 
vor nöt wil ik ju wol bewaren, 

90 dar kan ik guden rät to vinden; 

wi willet ennen vaden binden 


7 


'ju umme den hals, mi umme den vöt; 
al were breder ök de vlöt, 
ik wolde ju wol overluken ; 

95 ik kan wol swemmen unde duken, 
so wol kan ik ju overvoren, 
dat gi nein lit ne dorven roren.’ 
De müs de dede sine bede, 
de vorsch na sinem rade dede, 

100 unde worden vast aldus gebunden. 
mit enem vaden, den se vunden, 
daraf geneget was ein bot. | 
Do hoven se sik up de vlöt, 
de vorsch swam vor, de müs darmede. 

105 Do se geswummen wol twe screde, 
röp de vorsch: “Wapen! to jodute! 
min kunst, min macht is jeto ute, 
van krankheit en mach ik nicht mör; 
de lede sin mi also sör, | 

110 mi geit dat water in den munt, 
ik möt verdrinken alse ein hunt.’ 
De vorsch de sank to grunde neder, 
de müs de kröp to lande weder; 
vil dicke töch he se do under, 

115 echt quam se up; dat was wunder, 
dat se ök jenige were begröp. 

Vil dicke se to ome röp: 
‘Eia, lät din dukent, leve knecht, 
‘ din dukent is mi jo nicht recht; 

120 ik se wol, du kanst is genöch. 
din spil is mi al ungevöch.’ 

Ein stokarn wart der müs geware, 
de vlöch vil hestliken dare; 
he gröp de müs na sinem sede, 

125 de vorsch de moste volgen mede, 

went nicht or kople do en brak. 
De vorsch dus underwegen sprak: 
‘Swe jo an drogene pinet sik, 
van rechte valt he.an den strik, 

130 dar he wil setten sine vrende.’ 

Se namen susdanen ende. 


Horet, wat dit bispel bedude! 
it wernet alle valsche lude, 
der sin to dregende jo steit. 
135 Wo dicke it on ök wol irgeit, 
doch sulken ende it nemen möt, 
dat se lif, sele, ere unde güt 


8 


to lest darumme moten geven. 
So were bat ir dregent gebleven. 


IV. 


Van dem hunde unde van dem schape. 


10 


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40 


Vor enem richter umme ein bröt 
dede ein hunt enem schape nöt 
unde verklagede it vil sere, 
dat it om ein bröt schuldich were. 
Dat schäp sinen eit darweder böt, 
dat it ne wunne nu dat bröt, 
dat it van rechte nu gelden scholde. 
De hunt sprak, dat hes om wolde 
mit tugen vil güt overgän, 
dat he hedde om ein bröt gedän, 
de it gehörden unde sagen. 

De richter do begunde vragen, 

oft he de tuge icht scholde nomen. 
De enen man wolde vordomen, 
men vant to rechte, dat he scholde. 
De hunt do vullenvoren wolde 

de klage unde gink an one achte, 
de tuge he do vore brachte, 

den ruwen wulf unde ene wigen. 
‘Got late mi also gedigen, 

sprak dat schäp, ‘dat ik ni ne nam 
dat bröt, unde dat ik ni ne quam 
so na dem wulve, also ik nu bin! 
ik se wol, dat min ungewin 

mit dussen tugen mi anegeit, 

dat bröt is mi vil umbereit.’ 

De richter echt begunde vragen 

de tuge, of se dit levent sagen. 

Se spraken, de hunt de hedde recht, 
mit eden höchlik, so men plecht. 
De richter höt dat schap bereden, 
went de hunt nicht wolde beiden, 
unde sprak: ‘Here hunt, nu nemet de wullen, 
de mach wol juwen schaden vullen.’ 
De wulf sprak: ‘Jo, darto de hüt! 
gink it an dessem winter üt, 

van kulde moste it vorderven ; 

sin here möt ene anderen werven. 
Dat vlösch kan ik nu wol bederven, 
de siden wil ik hebben beide. 


9 


Dat hovet unde dat ingeweide- 
de wige neme, min kumpän, 

de mach dar vil lange over stän; 
ik möt jutto to holte weder.’ 

45 Dat schäp worpen se darneder, 
unde wart na wane so gedölt, 
dat de wulf dat beste behölt, 
unde wart dar up der stat gegeten. 
De hüt bi wane wart tospleten 

50 ör dat schap in half were döt, 
dat se number ne galt ein bröt. 


Nu horet, wat echt dut bedude! 
Aldus döt jo de valschen lude, 
de den truwen willen bevellen, 
55 dar nemet se jo to de gesellen, 
de nicht wen valsches sik generen, 
de wol meinede doren sweren; 
de tuget up den rechten man, 
de ni undät noch schult ne wan, 


V. 
Van dem hunde unde kese. 


Bi enem dorpe gink ein vlet, 
dat was döp unde mate bröt, 
ein bretstech ök darover lach, 
dar men over to gände plach. 
5 Mit enem kese gink ein hunt 
darover Ök to ener stunt, 
den hölt he vaste an sinem munde. 
Des keses schemen he sein begunde 
unde hopede, dat he an dem grunde 
10 ök enen anderen kese vunde, 
gelik ome edele unde güt. 
Up den wän sprank he in de vlüt, 
he dede girlik up den munt, 
de kese entföl ome uppe de grunt, 
15 unde vorlör dorch giricheit beide 
kese unde scheme. Do wart ome leide, 
unde sprak: .‘Hedde ik nu minen weder, 
nicht mör ik hir sprunge neder; 
to sokende is he mi unwis, 
20 wente hir dat‘water vletende is, 


10 


Aldus de girige vorleset 
dat sin, als he dat vromede irkeset 
unde des mit unwisheit begeret; 
sin egen güt van om verot 


25 mit schanden unde mit schaden darmede, 


also de kese dem hunde dede. 


v1 
Van dem lowen wu he jagede. 


Ein louwe wolde jagen varen; 
went het allone nicht bewaren 
ne kunde, do nam he darto 
den bok, den weder unde de ko 
unde treckede mit on in den wolt, 
dar he des wildes wiste entholt. 
Den weder satte he in de stat, 
dar men to bersende jo sat; 
he satte enmidden up de warde 


10 den bok mit sinem langen barde; 


bi den dik satte he de ko, 
dar jo de harten lepen to. 
De louwe on üt dem dike brachte, 
na sinem rechte he do on wrachte. 


15 De weder sprak der bute vro: 


‘Do ik on sach, sat ik om to, 
dat was om to harde torn; 

do he fach mine krummen horn, 
do vlo he mi also sere, 


20 rechte als ik de duvel were.’ 


25 


30 


De bok sprak: ‘Do he enware wart, 
dat so lank was min grawe bart 
unde mine horne lank unde gröt, 
mine ogen bernende unde röt, 

do moste he vlein dor de nöt, 

doch makede ik ome enen stöt.’ 

De ko sprak: ‘Ik dede ju gelik 
unde jagede on hir in den dik. 

De weder sprak do mit dem bucke: 
‘Her louwe, maket uns vör stucke, 
went islik sin del hebben schal. 

De rede behagede dem louwen wal, 
unde d&lde den hert an vere 


_ unde sprak: ‘Ik bin aller dere 


35 


here unde konnink unde al min slechte, 
so is de örste döl min to rechte, 


40 


45 


50 


10 


15 


20 


25 


11 


Dat de andere ök mi tegevalle, 

went ik bin starker dan gi alle, 

dat is echt recht. De dridde darmede 
is min dorch mine snellichede. 

We sik ök des vörden underwindet, 
an mi enen vient he vindet.’ 

Aldus behölt de louwe allene, 

dat orer verer was gemene. 


To liker wis ein arm man 
unde ein unmechtich nicht en kan 
mit kumpanie sik geliken 
dem woldigen unde deme riken. 
De woldigen van valschen seden 
dem armen ni recht ne deden. . 


vn. 
Van dem deve wu he ein wif nam. 


It nam ein echte wif ein d£f, 
dat was den dummen luden lef, 
dar weder was it löt den wisen, 
unde begunden it misseprisen, 
want dar nicht gudes ne queme af. 
Ein wis man underscheit des gaf 
mit enem vromden bispele, 
der he bi wane kunde vele. 

De scrift de h&t de sunne ‘he’, 
an dudesch- hetet ınen doch 'se’. 
De wise man sprak dusse mere, 
dat it der sunnen wille were 

ök wis, dat he wolde nemen 

ein echte wif, de ome getenien 
van schone mochte unde van art. 
In der werlde do kundich wart 
den luden dat vil vromede mere, 
do worden se bedrovet sere 

unde worden alle des to rade, 

dat men mit vlite Gode bade, 

dat he de vrie erwenden wolde, 
went, oft dar slechte afkomen scholde, 
van hitte mosten se alle sterven, 
sin enes hitte döt vorderven 
mannich dink ök unde vorschinen. 
Do se aldus begunden pinen 

mit vle unde mit innichliker bede, 


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Got do alle oren willen dede, 
dat sint de sunne allene blöf. 
Dat was den wisen alle l6f. 


Dit bispel wil de jene leren, 
de gerne hedden vele heren, 
dat se sik vorwandelen mochten 
unde ere der jare vele besochten. 
Ein here is ök beter denne twe, 
went men gelike jo nicht se 
ne mach mit dönste moden. 
Dat vorsten vele kinder voden 
unde sone van oren echten wivon, 
unde de alle gader leigen bliven, 
dar is dat lant verdomet mede, 
wu güt so sin Ök in dem sede. 


vII. 
Van dem wulve unde kranen. 


Ein wulf dorch sin girichede 
gröt löt to enom male dede, 
went ho slinden ein ben begunde, 
dat he inbringen nicht ne kunde 
in den hals. It one do stak 
unde dede em vil gröt ungemak. 
He sochte rät to allen deren, 
hulpe ne vant he neren. 
Rät he to allen voglen ök sochte, 
oft ir ome jenich helpen mochte. 
To lest wart he wist tom kranen, 
oft he den icht kunde gemanen 
mit mede edder mit groter bede, 
dat he bi wane ome hulpe dede. 
Ne wulf do to deme kranen sprak: 
‘Of gi mi dut grote ungemak 
mit jeniger hande kunst vordriven, 
to dönste mit macht wolde ik ju bliven, 
mit live beide unde mit gude. 
So nu mi wärliken is to mode, 
dat ik ju eren unde riken 
wolde boven juwe geliken.’ 
De krane sprak: ‘Kunst hört darto 
unde arbeit, unde of ik do, 
dat ju jutto üt komet dat bein, 
up wene schal ik der mede sein? 


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De wulf sprak: ‘Wörliken uppe mi. 
Wane gi, dat ik so dilde si, | 

of gi mi helpet üt der nöt, 

dat juwe mede nicht vil gröt 

ne werde? Ja ik schal ju lonen 
tohant mit enem voider bonen 

unde also lange alse ik schal loven 
wil ik ju eren unde geven.’ 

Do sprak de krane: ‘Dat schal wesen, 
gi scholen harde wol genesen’ 

unde getruwede deme deve. 

Deme wulve wart unmaten leve, 
unde sat dar neder vor den kranen 
unde begunde vil wide janen, 

so dat de krane wol dat bein 

dar verne binnen mochte sein. 
Darin den hals he ome do stak, 

dat bön he üt mit vrochten brak 
unde töch darmede den hals üt weder 
unde legedet uppe de erden neder 
unde eschede do sine mede. 

De ome was vil umberede. 

De wulf sprak: ‘Krane, lät din reven 
na mede, wente ik di gegeven 
medelön hebbe alto gröt, 

dat ik di nu en bät nicht döt, 

do din hals was in minem munde, 
sint mi an also manniger stunde 
des vlesches heft gelust van kranen. 
Darumme lät din grote mıanen 

unde ne moie mi nicht mö£r. 
Vorwunnen hebbe ik al min ser; 
wultu mi moien icht to vele, 

ik bringet di wol üt dem spele. 


Dus döt de bose untruwe man, 
de doget noch ere ni gewan, 
wat men ome ök dön gudes kan, 
dat he gedenke icht daran; 
wente valsch unde alle dorperhede 
is ome to all6n tiden mede 
na des untruwen wulves sede, 
de aldus bi dem kranen dede 


14 


IX. 
Van twen teven. 


Ein tö de wile se wolpe dröch, 
quam mit list unde groter vöch 
to ener anderen tö mit bede, 
dat se ök ein döl mit valsche dede, 
unde bat se vullen innichlike, 
dat se or üt orem huse untwike 
so lange, dat se dar enbinnen 
mochte ore wolpe gewinnen, 
went se or dannen untwiken scholde, 


10 to welker tit se sulven wolde. 


15 


De tö do se ore nöt bekande 

uude dar ök gunst irkrigen wände, 
untwek se or unde löt se in 

ane lovede unde ane gewin. 

Do se vorwan do ore nöt, 

vil dicke brachte fe or bröt 

oft wat se anders hadde to helpe, 
dat se de bat vodde ore welpe. 
Darna wol over seven weken 


20 begunde se darumme spreken 


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und bat se harde gunstliken, 

dat se ore wolde untwiken, 

als an der nöt, se löt darinne. 

De ander sprak: ‘Nein, sote minne, 
des winters kulde is so gröt, 

dat mine wolpe dor de nöt, 

de noch sin junk unde blöt, 

denne weren ane twivel döt, 

oft ik mit one dar ute. lege 

unde orer mateliken plege. 
Darumme en schol gi nicht vorderven — — 
mi nu, latet mi bliven 

hir so lange, of it ju geteme, 

dat dusse winter ende neme, 


35 de ju jo doch lank wesen möt. . 


Willich was de andere unde güt 

an allen dingen unde dede 

echt umme dit blivent ore bede. 
Do de winter do ende nam 


40 unde it to den lechten dagen quam, 


begunde bidden de hüsvruwe 
de gastinnen mit guder truwe, 


_ wente is tit were, gunstlike, 


dat se üt orem huse wike, 


15 


went se is nicht lenk wachten wolde. 
45 Do sprak de jene, nicht alse scholde, 
to der vil bederven hüsvrouwen 
‘Latet juwe schelden, juwe drouwen! 
wön gi, dat ik ju, min vrouwe teve, 
dus rokelose wedergeve 
50 min unde miner kinder erve, 
dat ek ök sulven noch bederve. 
Dar mine kinder sint angeboren,, 
van rechte hebbe gi dat vorloren, 
darumme latet uns mit vrede, 
55 unnutte is juwe wederrede. 
Wi achtet juwer drouwe klene, 
unser sin sesse, gi allene.’ 
Dus handelde de unrene 
de guden tö in orem lene. 


60 Dus döt de voge valsche man 
bi dem, de valscheit nu ne wan. 
unde sik vorhoden nicht ne kan; 
sus kumpt he on mit vöcheit an 

..  unde bedreget on mit liste, 

65 dat he bewärde, oft het wiste. 


X, 
Van twen musen. 


Ut enem dorpe gink ein müs, 
gevöt an enem riken hüs, 
unde wolde ein ander dorp besein. 
Do vant se underwegen cin 
5 vil enge hol bi enem wolde. 
De avent beide unde dat. kolde 
deden, dat se dar bliven dachte. 
Allön se nicht mit or ne brachte, 
doch wart gemak ore vullen güt 
10 alse unwerndes mennigen döt; 
went dar ein veltmüs wönde enbinnen, 
de se untfink mit groten minnen 
unde dede ir ere unde gemak. 
De gast to der werdinnen sprak: 
15 ‘Nu segget mi, sote vrundinne, 
is juwe woninge jo hirinne, 
' wu schull gi hungers ju geweren 
hir in dem wolde unde generen.’ 
De hüsvrouwe sprak: ‘Söt des to mi, 


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wu klene anders min dore si, 
doch hebbe ik hir an minem slote 
genöch gersten, eckern unde note, 
to enem jare gans genöch, 

dat ik an herveste hiran dröch. 


25 Dar gi alle af lank scholen besoken 


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unde al besein, of gi is roken, 
unde wil ju seggen dat vorwär, 
wil gi bliven mit mi ein jär, 
des geve ik alles ju genöch. 
Tohant se ore voredröch 
spise allerhande, de se hadde. 
Dar se se schere mede sadde, 
went se in dem dorpe or nicht en plach. 
Do dat de werdinne sach, 

dat se so klosterliken at, 

se sprak: ‘'Ek se wol, gi sint sat 
jutto miner vil kranken spise.’ 

De andere de sprak: ‘Vil sere ik prise 
spise unde hüs, mer juwe möt 

unde juwe gunste is so güt, 

dat mi is alles hungers böt, 

went werdes gunste unde willich lät 
vor allerhande werschup gät. 

Dat heb ik al an ju gesein, 

doch wil ik ju des begein, 

dat to also ungelikem prise 

steit juwe unde min gude spise, 

dat ik wol weit, oft git besochten, 
dat gi ök numbermör ne rochten 

hir weder komen in dit hol, 

min spise smecket also wol. 
Darumme schulle gi mit mi to hüs 
nu gän.’ Des volgede or de müs 
unde gink mit or to dorpe do, 

des se wart innichliken vro, 

Wonte se ore gunste beden dachte, 
up enen spiker se se brachte 

mit schäpkese wol beraden, 

mit brode unde upgesattem braden, 
dar hadden se over güt gemak. 

De gast to der werdinne sprak : 

‘O we, wu heb ik arme zage 

gelevet al mine dage, 

dat ik — jo dat Got sulven weit — 
so guder spise nu en beit, 

darumme wil ik mit ju bliven 


17 


hir, gi ne willen mi vordriven‘ 
Ein knape, do se dit gesprak, 
in dat slot den slotel stak. 
10 De husvrouwe dat bekande wol 
unde altohant in or hol 
vlo, de andere also lange sat, 
went de knecht in den spiker trat. 
Tohant wart he der müs geware, 
75 se vlo hir, se vlo dare, 
vil dicke he na or slöch 
mit enem stave, den he dröch. 
Tolest se om entvlo mit nöt, 
an ener- gruttenmate gröt 
80 untschulde se ome unde untsat. 
Do he echt vor den spiker trat 
unde besloten wart de dore, 
do gink de hüsvrouwe hir vore 
unde sprak: “Wur bistu, leve derne ? 
85 ik hedde di gewernet gerne, 
hed ik is vore je gedacht, 
mer ek was sulven so bejacht, 
dat ik is gedenken nicht en kunde.’ 
De gast to gän to or begunde 
90 unde sprak: ‘Ik bin also bejaget, 
dat ik ne wart ni so vorzaget 
sint der tit, dat ek wart geboren. 
Al juwe werschup is vorloren, 
went it angest gegellet hevet. 
95 Swe vro an armoden levet, 
dem is bet vil den deme riken, 
de angestes nicht kan entwiken. 
Ik wil weder an min hol; 
ne vare ik dar nicht also wol, 
100 als gi hir döt, des wert wol rät, 
vriheit vor alle spise gät.’ 
De hüsvrouwe sprak: ‘Me möt jo beide 
mit vrouden angest unde leide 
hir an der werlde unstede liden, 
105 he is salich, de it mach vormiden.’ 
De gast sprak: ‘Mi möt irbarmen 
din wolp, dat du vor den harmen, 
vor hunt, vor katten unde vor vallen 
unde jo vor den luden allen 
110 din lif most hoden to allen stunden.’ 
Hirmede se sik scheden begunden, 
se l&p to hüs, de andere biöf, 
ir jowelkem was sin levent lef. 


Niederdeutsche Denkmäler. II, 


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Mer heft vroude unde gode, 
we vriheit anvoget armode 
beide an den olden unde an jungen, 
den den gröt rikedom is bedwungen. 
Mer armode alt ungevöch, 
vri ofte unvri, is leit genöch. 


XI. 
Van dem vosse unde arn. 


De vos de hadde leve jungen, 
de gingen üt, do quam geswungen 
ein arn unde begr£p ir ein. 

De vos ne hät is nicht gesein, 
men horen scrigen unde lep 

do na dem arne, aldus he r£p: 
‘Eia, vorste, aller vogel here, 

nu denket juwer groten ore 

unde gevet mi min wolpen weder 
unde latet it mit vöch hir neder, 
so dat gi om nicht we ne dön! 

ik hale gerne ju ein hön 

unde eine gös dar lichte to.’ 

De arn sprak: ‘Truwen, vrouwo vo, 
dorch sulken düfröf, den gi döt, 
juwe wolp gegeten werden möt 

vil kortliken an minem neste 
unde it en blift ök nicht dat leste, 
went se alle darna moten varen, 
dat gi vil arme scolen bewaren.’ 
Nu horet, wat de vos do dede; 

do he ne mochte nicht mit bede 
sin wolp krigen, altohant 

dat droge holt, al dat he vant, 
nam he unde dröch bi dem böm dat, 
darup dat nest des arndes sat, 
unde hastliken ein blas 

van vure, dat der herde was, 

dat he in dat droge holt do stak. 
Do dat de arn sach, he do sprak: 
‘Her vos, latet mine jungen leven, 
ik wil juwe wolpen ju weder geven.’ 
De vos sprak: ‘Nein, min wolp is döt, 
dut vür schal werden also gröt, 
dat juwe jungen, de noch. blöt 

sin, komen nu in so grote nöt.’ 


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‘Her vos, gi schullet dat vür tobreken,’ 
sprak de arn, ‘ik wil mit eden spreken® 
dat ik juwe wolp sunt hir neder 
40 ju to bringende geve weder 
unde wil ome unde al juwen geven 
vrede, al de wil dat ik schal leven.’ 
Tohant de vos sprak: ‘Dit gesche, 
als ik gesunt min wolpen se.’ 
45 He nam sin wolp, dat vür he brak, 
to sinem sone he do sprak: 
‘It were bose, dat it wisten 
de lude al, wat men mach mit listen 
vulbringen wol an mengen dingen. 
50 Wan du sust echt de arne swingen, 
so gink du weder in din hol, 
ik truwe dem vrede mate wol.’ 


Aldus döt mannich voge man, 

dat he mit macht nicht dön en kan, 
55 vulbringet he dicke wol mit listen. 
Dat it des landes heren wisten, 

de mit gewalt de armen dwinget, 

wo dicke de arme it darto bringet 

mit vöch, dat it on üt dem spele 

geit, se ne deden is jo nicht vele. 


XII. 
Van dem arn unde kreien. 


Ein arn vlöch bi ener se, 

deme dede ein döl de hunger we. 

He sach vil degere unde sochte, 

oft he jenigen visch dar vinden u: 
5 To lesten he ene sniggen vant, 

de was gekropen up dat sant 

unde stekede an oren vasten schellen, 

dat was ök weder sinen willen, 

dat he dar spise wiste enbinnen. 
10 ‘Des mote gi anders nu beginnen,’ 

sprak de kra, ‘leve here, 

wil gi dön na miner lere. 

De arn sprak: ‘Nu segget, wo?’ 

Se sprak: ‘Gi schullen on voren ho 
15 nu an de lucht an juwen klän 

unde laten on vallen, ane wän 

so brikt he, valt he up den stein. 


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Des ramet, denne mach ju geschein, 
dAt ane nöt gi one winnet. 

Dat dö gi, oft gi ju vorsinnet.’ 

Na orem rade dit geschede, 

tohant was de kra berede 

unde gröp den sniggen unde vlo, 
de arn wart dus bedrogen do. 


Dus wert de einvoldige man, 
de sik vor valschen nicht hoden kan, 
bedrogen van den he truwet wol. 
Ein minsche doch jo truwen sol 
unde hopen sere jo des besten, 
allen men dreget jo to lesten. 


XII. 
Yan dem raven unde dem kese. 


Ein jowelk lant heft sinen sede; 
ein underscheit gev ik darmede, 
dat men spreke nicht van mi, 
dat dut bök al ein logene si. 
In Vröslant dicke dat geraket, 
dat men dar enen kese maket, 
des melk ein jenich ko do gaf, 
dar men wol hundert makede af 
an Doringen ofte an Hessenlant. 
Der klenen kese ein raven vant 
ök enen wilen ofte stal, 
des men ome bat getruwen schal. 
In sinem munde in enen wolt 
he on do vörde in sin beholt; 
up enem bome nam he raste. 
Den kese helt he jo vil vaste, 
van vrouden he vil lude rep. 
To ome ein vos mit haste lep, 
dat he vorneme al dusse mere, 
wat vroude dem raven mede were. 
He sach den kese om in dem munde, 
mit valsche loven he one begunde 
unde sprak to ome: ‘Her raven, ni man 
juwe schone vul loven kan. 
Des pawen schone unde des swanen, 
der ände hals unde des hanen, 
de schone Ök aller isenborde 
unde al dat ik ju loves hörde 


‘30 


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unde men je creaturen gaf, 

vor juwer schone is al ein kaf. 
Doch hörde ik gerne juwen sank 
de, so mi duchte, sote klank. 

Is de mit schone ju gelik, 

so ne wart ni vogel so loves rik. 


35 De raven des keses al vorgat, 


dat he behagede deste bat 

dem vosse do mit vullem prise, 
höf up unde sank na siner wise 
‘roch roch’ alse he best do kunde. 


40 Des vel de kese om üt deme munde, 


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den de vos altohant do grep. 

De raven entswöch, de vos do rep: 
‘Her raven, juwe sank unde juwe vare 
is al gelik, mer vleget dare 
echt, dar gi dessen kese vunden, 
oft gir dar icht mer vinden kunden, 
unde delet denne echt mit mi; 
ik wone, dusse min allene si.’ 


Aldus geschut ök ichteswanne 
dem dummen loves gerenden manne, 
de dicke güt vorleset grof 
dor valscher vrende unwaren lof. - 


XIV. 
Van enem kranken lowen. 


Van oldere ein lowe was so krank, 
dat he moste ane sinen dank 
bevallen in so grote unmacht, 
dat he alle dage unde nacht 


5 mit pine moste des dodes geren, 


des al dat levet sik gerne weren 
wil, al de wile dat it mach. 

Do schud it so up enen dach, 
dat alle der van allen landen, 


10 al de sine unmacht do bekanden, 


dat he genesen nicht ne kunde, 

ir jowelk moien on begunde 

unde ök mit menger wise erren, 
went he ne kunde sik nicht geweren. 


15 De weder on mit den hornen steit, 


de vos on in dat ore beit, 
de osse on mit den hornen stak, 


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10 


22 


de esel on trat. ‘Dit ungemak’ 
sprak de lowe, ‘is up mi nu komen, 
nu mi min macht is al benomen, 

al dat ik dwank, dat dwinget mi, 
of ik ein krank hase si. 

Min ere is hin, min macht is döt, 
min sere, min laster is to gröt, 

mi schadet, dem ik ni leit en dede, 
mi is mit storme al dat nu mede, 
dat mi untförde wilen sere. 

Do ik was aller dere here, 

do had ik wolt, lof, macht unde cere; 
nu bin ik vorsmät unde alt unmere. 
Men hed ik gnade mör gedän, 

do ik it vermochte, än allen wan 
so stunde mi gnaden mer 

unde darto minner hertesör. 


De hogen werden landesheren 
de mogen sik tein bi dussen meren, 
dat se mit gnedeliken dingen 
Jo ore underdanen dwingen, 
dat se mit vrede nicht bestän, 
oft it on scholde missegän. 
Swe nicht en wil an salichede 
jo dön der armen lude bede, 
of it unsalichliken ome gät, 
van rechte wert sin bede vorsmät. 


XV. 


Van dem esele unde hunde. 


Ein riker man to ener stunt 
hadde enen leven hunt, 
de makede ome mit sinem spele 


‚blitschop vil dicke harde vele, 


he sprank up on, wur he on sach. 
Do he des plach vil mennigen dach, 
begundet ök ein esel merken 

unde sprak: ‘Sint ik to allen werken 
bin minem heren nutter vele, 

den de hunt is mit sinem spele: 
wo lichte, of ik ök speles begunde, 
dat ek bat den de rode kunde, 


dat ik an minem heren vunde, 


dat ik behelde on to vrunde, 


23 


15 so dat he nu an jenger stunt 
mi hadde lever den den hunt.’ 
Nu horet, wo he des anevink! 
Do sin her van kerken gink 
to hüs mit sinen besten kleden, 
20 wolde de esel ummescheten, 
mit sinem spele ome to untmoten. . 
He sprank mit sinen horegen voten 


ome uppe de borst unde uppe sin klöt. 


Dat was ome torne unde alto 16öt, 
25 he r&p den knechten: ‘Helpet mi! 
ik wone, de esel unsinnich si, 

sin döfheit is jutto alto gröt, 
nu drenget on af, slät on döt! 
Mit slegen do vil ungevogen 

30 de knechte do up den esel slogen, 
dat he dar lach vil na ane sin. 
Dus leten se on unde gingen hin. 
Tohant do dusse spelman _ | 
van unmacht sik ein del vorsan, 

35 an sinen danken he sus sprak: 
‘Dit ser unde al dit ungemak, 
dat ik sus sere bin geslagen, 
ne mach ek nu nemanne klagen. 

Hedde it ein ander mi gedän, 

40 vor minen heren scholde ik gän 
mit klage. Nu heft het wol gesein 
unde is van sinem bode geschein. 
Doch möt ik der wärheit gein, 
it is der spellude lein, 

45 de ungevoge spel begät, 
dat ses vil gerne slege untfät, 
darumme möt ik is gegunnen, 
dat de jo spelen, de spelen kunnen. 
Wo voge is ök jumber min spel, 

50 min here it van mi nicht ne wel.’ 


Wo vele men in dem lande vindet 


der lude, de sik underwindet 
des esels spel mit ungevöch, 
dar on jo kumpt schaden af genöch! 

55 Swat sik deme marnne noten | 
willen kaitive, schalme stoten 
daraf mit worden, of men kan; 
is he dan ein unbescheden man, 
of he slege winnet daran, 

60 ik bin, de is ome wol gegan. 


24 


XVI. 


Van dem lowen unde van der müs. 


Ein lowe lach unde slep, 
dar vele muse umme one l£p, 
to lesten ein up ene sprank, 
ein del doch sere än oren dank. 


5 De love untscrak, de müs he gre£p, 


de arme vlede unde röp: 

‘Nu gnadet mi, vil edele here, 
want gi an mi vil luttik ere 
begät, of ik ök mere were; 


10 ne wreket ju alto sere 


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an juwem torne over mi vil armen 

unde latet ju mine unmacht irbarmen, 

dat ik bin ein so wenich wicht 

unde ik en ramedes ök jo nicht 

unde is mi herteliken let, 

des moge gi hebben minen &t.’ 

De lowe do na sinem sede 

bi ore willichliken dede 

unde sprak to or: ‘Du sechst wär, 

ein man ne scal nicht alto swär 

dem de jo gnade soket wesen, 

darıumme mostu nu genesen, 

went din schult en is nicht gröt 

unde min torne was ök ane nöt.’ 

Dus let he ledich do de müs, 

de weder mit vrouden lep to hüs. 
Darna sint na unmennigen dagen 

begunde des landes here jagen 

mit wilde, sine hunde lepen, 

de jegere scrigeden unde repen. 

De lowe ein del na sinem rechte, 

do he gehörde dut gebrechte, 

löp he unde wolde de hunde biten 

unde mit gewalt de jaget sliten. 


Daraf schude om ungevel, 


went he löp in ein stark sel, 

dat dar dem wilde was gesat. 

Dat hält on, dat he up der stat 
dar moste bliven, wente de osen 
on umme den hals begunden nosen, 
dat he ne kunde sik nicht gelosen 
mit aller macht van dussem bosen 
gevelle. He do lude r£p, 

de müs hörde dut unde l&p 


25 


45 to ome, de he löt wilen leven, 
unde sprak: ‘Her lowe, ik wil ju geven 
rät unde helpe an juwer nöt 
nu dor de woldät, de mi böt 
juwe doget, it is noch mate lank, 
50 do ek up ju unwetende sprank, 
nu swiget unde sittet stille 
unde latet mi dön, al dat ek wille’ 
De lowe de sat, de müs de lep 
ome over den rugge unde begrep 
55 dat starke strik mit oren tanden, 
dat stöf se entwe, als of mit handen 
unde mit mesten it were 
entwe gesneden. Do sprak se: ‘Here, 
stät up, gät hin! gi sint gelöst.’ 
60 Dar wart de lowe af getröst, 
dat he to danken ore begunde 
mit alle dem vlite, so he kunde. 


Hirbi scholden de landesheren 
sik tein unde edele sede leren, 
65 dat se dar hedden jo gedult, 
dar ein man hedde voge schult 
unde ök unwitliken breke, 
dat men tohant dat nicht en wreke 
an ome also mit hastem mode, Ä 
70 dat he an dem live unde an dem gude 
daraf vordervet nicht ne were; 
dat voget wol or aller ere. 
De nicht mach schaden, de mach wol vromen, 
it mach vil lichte darto komen, 
75 dat ein einvoldich armer man, 
de sinem heren gudes gan, 
eme hulpe unde alsolken denst döt, 
dar he af beholt lif unde güt. 


XVI. 
Van dem vlasse unde swalen. 


Er men de nut des vlasses vunde 
unde men erst segen begunde, 
< do wart is ein wis swale geware 
unde brachte so vele vogele dare, 
5 dat it to redende unlöflik were; 
se sprak: ‘'Ek segge ju leide mere, 
de allerhande vogelen angät, 


10 


15 


26 


set jene man, de seget sät, 

dar schal af wassen alsodän vrucht, 
darmede we scholen in der vlucht 
gevangon unvorwändes werden, 
beslagen ane water up der erden 
unde ok än allen boten gestricket. 
Min eldervader hät it gewicket, 

it scholde an miner tit geschein, 
darumme let ik it ju sein, 

dat gi nu rät mit menem kore 
dar scopen unde hode vore.’ 

De vogele tornen sik begunden 


20 unde spraken, de jo wicken kunden, 


25 


30 


de scholden wicken jo wat gudes, 
unde vlogen to hüs tornes modes. 
De swalen al na desser rede 

do makeden mit den luden vrede, 
de dussen angest wisten best, 
unde makeden in de hüs or nest 
unde hebbet dar jo sint geseten, 
dar ir vil luttik wert gegeten, 

so men wol andere vogele döt, 
de men mit garne winnen möt. 


So we des wisen mannes rät 
dorch stoltheit ofte unsin vorsmät, 
of it ome danne an siner dät 
misvellet unde missegät, 


35 he hedde unwisheit bet vormeden 


10 


unde hedde vrundes rät geleden, 
wente guden rät van guden wisen 
schal me vor golt in noden prisen. 


XVIL. 


Van dem vorsche unde edeberen. 


De vors leveden sunder e, 
des dede de vriheit on so we, 
dat ses geliden nicht ne kunden; 
darumme se bidden Got begunden 
dat he on wolde enen konnink geven, 
went also vri were ore leven, 
dat islik al dede dat he wolde. 
Do schude on so van rechter scholde, 
dat ore bede wart getwidet, 
des se noch hude kummer lidet, 


27 


Ein konnink wart on gröt genöch, 
wol slicht an art unde ane töch, 
de here van enem berge slöch, 
ein balke lank unde ungevöch, 


15 he was to beiden enden stump. 


20 


25 


30 


35 


De dede enen also groten plump, 

do he vel in dat voge mer, 

darinne was der vorsche h£r, 

dat se alle worden so vorzaget 

unde in de grunt also gejaget, 

dat se nicht binnen vertich dagen 
dat dorsten oreme konninge klagen, 
oft jement unrecht deme anderen dede. 
Dus was dar ök ein mester mede, 

de sprak: ‘Oft wi vorsunnen weren, 
dat were tit, dat we unsen heren 
den konnink untfengen wol mit eren, 
he mach it anders uns vorkeren.’ 

He quam mit sinen vrunden dare, 
dat he was ane witte gare; 

to male se to ome drungen, 

up one se alle gemene sprungen, 

so dat he wart gesenket mede. 

Do gink it echt to ener bede 
unde baden echt umme enen heren, 
de rechte spreken kunde unde beren, 
deme se dor angest mosten denen. 
Tohande sando do echt Got enen 
serpent, de idrus was genomet, 


40 dar worden se mede so verdomet, 


45 


dat he ir vrat an sinem munt 
vifhundert wol to ener stunt, 

went sin munt was wit, sin bük gröt. 
Den storken alle he geböt, 

dat se sine undervogede weren. 

Do gink to scaden unde to uneren 


‘ore dink al do mit orem heren, 


 unde woldent gerne wederkeren 


50 


mit orer bede unde ne mochten, 
wo vele se it jo besochten. 


Dus möt ore vriheit sik vorkeren, 
de under enem guden heren 


jo wonet, de al mit duldichede 


55 


on is in allen dingen mede 
unde dan na enem vromden stät. 
Vil dicke it on aldus irgät. 


28 


We heft, dat ome wol genoget, 
unde ome daran nicht en noget, 
sut he dar wederwillen an, 

60 ik bin, des om wol gegan. 


XIX. 
Van den duven unde dem havike. 
Den duven echt aldus geschach. 
Umme dat ein wige bewilen sach 
in ore nest na oren jungen, 
of on de vederen icht updrungen, 
5 den havek se do to vogede koren, 
dat se ore jungen nicht en vorloren, 
unde at he de olden unde let de jungen. 
Dus was it one misselungen, 
went, alse de olde nicht en quam, 
10 de wige den de jungen nam. 
Des wart on hir to vullen leide 
unde hedden jo des wigen veide 
vil gerne unde sine wolt geleden, 
dat se hedden den havik vormeden. 


15 Ik rade, wat me jo beginne, 
dat men beginne dat mit sinne, 
dat men prove an dem herten inne, 
dat men den ende güt gewinne. 
Man schal den minren schaden liden, 
20 dat men den meren moge vormiden. 


xXX, 
Van dem deve unde hunde. 


Ein rike man hadde enen hunt, 

do quam ein def to ener stunt 
an sinen hof ein del mit nöt 
unde bröt he deme hunde böt. 

5 Do sprak de hunt: ‘Bat were ik döt, 
wen ik valscheit so rechte gröt 
mit minem heren nu beginge. 
Ik were wert, dat men mi hinge, 
oft ik vor ein bröt dat vorhele, 

10 dat men nu minem heren stele 
wol dusent bröt wert unde dar boven. 
Wone gi, dat ik so wille doven, 


29 


dat ik mine ere schole vorlesen, 

unde nu dor ene sade gekesen 
15 den hunger scole sunder ende? 

min here ök ovele bewende, 

dat he mi heft so güt gewesen. 

Mer, of gi willen nu genesen 

unde ör juwe unheil to sere grove, 
20 so maket ju hin ute dem hove; 
went ik schal ropen minen heren, 

de schal bi wane ju vorveren.’ 

De döf sprak: “Wachte, dat ek rede 

mit di noch mer mit gudem vrede!” 
25 De hunt do röp, de def do vlo 

over enen tün, de was vil ho; 

dat he untlöp, des was he vro. 

Dat bröt behält de rode do, 

dat was ome bi der want untvallen. 


30  Aldus gesche den truwen allen, 
de truwe is beter denne golt, 
Got is den truwen luden holt. 
Dat is bewant unde is ök güt, 
wat men gudes den truwen döt, 
35 want truwe man dan jo besteit, 
alse untruwe oren heren sleit. 


XXI 
Van der su unde wulve. 


Ein verkenmoder scholde winnen 
ir jungen, dar se lach enbinnen, 
quam ein wulf to ir unde sprak: 
‘Ik bin hergekomen dor juwe mak 

5 unde wil hovemoder wesen 
der jungen, der gi schult genesen, 
unde wille an noden ju bistän 
unde wil se also sachte untfän. 
Ek kan se wermen unde baden, 

10 ik wolde on harde node schaden, 
went se unsen vrunden up der erden 
noch mogen wol to leve werden. 
De moder sprak: ‘Ik loves wal, 
al des ik ju loven schal; 

15 mer hedde gi noch al dar gewesen! 
Ik bin van vertigen genesen, 
dat mi nu hevemoder ne wart 


20 


25 


30 


35 


40 


10 


30 


ein wulf of jement van wulves art. 
Des möt ik gerne it ju vorgeven, 
were gi in jenem wolde bleven. 
Mer wil gi mi nu helpen, 

so gät, bewaret juwe welpen 

of juwer moder, of so levet. 

Gelert mi dat min moder hovet, 

of ik bliven wille ane schaden, 

so en darf ik nummer wolf geladen 
to hüs dor nut of dor nöt. 

Ok is min suke nu so gröt, 

ne wille gi nicht vil schere gän, 
se schal bi wane ju bestän, 

unde dat ne mach ök nicht to vro; 
se geit mit kraft mi jutto to 

de moder.” Dar ein man do quam, 
de vlucht de wulf to holte nam, 
went were he dar lenger bleven 
und hedde sin recht angekleven, 


‚de bande weren ome gedreven 


unde mannich gröt slach gegeven. 


Sus schut bi den valschen luden, 
de dreget under schapeshuden 
ein wulveherte, dar se mede 
jo denket na des wulves sede 
vorraden, morden unde stelen 
unde mengen unvorschuldes quelen. 


XXI. 
Van dem lamime unde wulve, 


Ein eve, de wile se was gelegen, 
begunde bidden ene zegen, 
dat se or lam irsogen wolde, 
vil gerne se it vorschulden scolde. 
De zege dat willichliken dede 
unde nam dat lam unde gink om mede 
unde voddet harde mengen dach. 
To lest ein wulf it dar gesach 
unde sprak: “Wat deistu mit der zegen? 
dat du der moder hest vortegen, 
dar hestu dörliken an gedän. 


. Wultu mit mi na ore gän, 


ik bringe di dar sunder leide, 
ik weit se stän an guder weide. 


sl 


15 Do sprak dat lam: ‘Nein ik, entruwen! 


20 


25 


30 


35 


it scholde sere mi beruwen, 

dat ik getruwede dinem vrede; 
ik segge di wol ene rede: 

so güt is mi min moder de zege, 
dat ik der moder al vortege 
dorch oren willen, den ik weit, 
ir melk is mi jo so bereit. 

Din wille an mi nicht vullen geit, 
din vader minen vader beit, 

des gink van mi, du bose zage, 
er ik it nu dem herde klage, 
unde he di mit den hunden jage, 
dat di geschut vil na al dage.’ 


Hir bi scholen alle jungen leren, 
dat se an wisheit ore sinne keren, 
dat se sik vor den drogeneren 
behoden kunnen unde weren, 
dat se ök sik kunnen irneren 
unde orer olden ök untberen 
jo beide moder unde vader. 

Gi kinder lört dit alle gader! 


XXI. 


Van dem lowen unde enem herde. 


Ein dorne sere enen lowen stak 
vore in den vöt. Dat ungemak 
dede ome so we, dat he ne mochte 
stän ofte gan, als it om duchte. 
He sochte rät in allen enden, Ä 
he ne wiste, wor he sik mochte wenden. 
To lest he enen herde sach, 1 
mit pine gink he, dar he lach 
vor enem holte an guder weide. 


10 Dem herde wart unmaten leide, 


do he on sach to sik gän, 

noch vlein ne dorste he noch stän. 
Des wart de lowe wol geware, 

den seren vöt böt he do dare 


15 unde gaf ome enen vasten vrode 


unde quam on an mit dusser rede: 
‘Kun gi mi helpen, bederve man, 
went ik it sulven nicht en kan, 
dat ik genese an minem vote, 


20 


25 


30 


35 


40 


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50 


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60 


65 


32 


ik wil ju danken so der bote, 
als ik dar al bin an genesen, 
dat git mogen wol gewesen.’ 

De herde om üt dem vote to 
den dorn, des wart de lowe vro 
unde sprak: ‘Ik wil dat nu reden, 
dat ik, de wile ik leve, vreden 
ju wille scäp, swine unde rinder, 
ju sulven, wif unde kinder.’ 

Des wart de herde harde vro, 

to wolde gink de lowe do. 

Darna begunde an tornen dagen 
de konnink den sulven lowen jagen 
unde gevink on unde geböt, 
dat men one nicht slege döt, 
he scholde mit anderen lowen wesen. 
De vangenen, de nicht genesen 
ne mochten, jo de lowen aten, 
dar wart de lowe to gelaten. 

De herde wart darna besecht 

unde unrecht schult up on gelecht 
unde wart geworpen mank de der. 
Men sin lowe bekende on 6r, 

ör jenich der anderen on anvenge; 
dat hüs he maket ome to enge, 

de on mit grimme antasten dachte. 
He was so stark, dat he se brachte, 
dat se ne dorsten den man berinen. 
Dat sach de konnink unde böt den sinen, 
dat se den herde togen üt, 

de konnink on vragede overlüt: 
wuraf de salicheit ome were, 

dat ome geschach so gröt ere, 

dat ome de lowe vorstunt so sere. 
De herde sede ome al de mere, 

wo de lowe gewundet was 

unde he om halp, dat he genas. 

De konnink vortöch do up de veide 
unde let de vangenen ledich beide, 
den truwen lowen unde den man, 
des he lof van der werlde gewan. 
De herde gink do to dorpe bolde, 
de lowe ök gink to dem wolde. 


Dat men jo guder dät gehoge 
unde vorschulde als men moge, 
dat is getruwer lude recht. 


33 
We aver to vorgetende plecht 
dor stoltheit ofte dor kergen möt, 


of men dor nut of nöt om döt 
bewilen löf of kumbers böt, 


10 den woldik node heten güt. 


XIV. 


Van dem perde unde van dem lowen. 


10 


15 


Ein: olt ors, mager unde vorreden, 
läm, wröt unde van bosen seden, 
in ener wesen bewilen lach. 
Ein lowe, do het dare sach, 
gink he to ome, lichte umme mere. 
Des wart dat ors vorveret sere, 
went it ne kunde om nicht entvlein, 
al hed it on Ök &r gesein, 
so bose waren ome de bein. 
Des moste it tuge hir vore tein, 
dar it ome mede gelosen kunde 
mit valscheit, der it aldus begunde; 
vil lank it sik begunde strecken 
unde ein ben sere van om recken. 
De lowe quam to om, he sprak: 
‘Ik se wol, dat gröt ungemak 
di heft bestän, nu segge mi, 
wuraf it di tokomen si.’ 
Dat ors sprak: “Wilkome here! 


20 mi heft gesteken also sere 


25 


30 


35 


ein gröt dorn hinden in den vöt; 
ne kan mi des nicht werden böt, 
van groter sere möt ik sterven, 
oft an dem bene altes vorderven.’ 
De lowe sprak: ‘Stant up, den vöt 
wil ik besein, dat is di güt, 

went ik kan vel van arzedie, 

ök wil ik di dorch kumpanie 

nu helpen. Upstunt do dat pert, 
des lones was de lowe unwert, 
dat ome van.siner bote schach; 
went do he na dem dorne sach, 
gaf ome dat pert enen slach, 

dat he lange ane sinne lach. 

Dat pert tohant to dorpe ran, 
unde do de lowe sik vorsan | 
unde he des perdes nicht en vant, 


Nicderdeutsche Denkmäler, II, 3 


40 


45 


50 


55 


[e) | 


10 


15 


20 


34 


sprak he: ‘De mote sin geschant, 
de des untruwen rede gelovet, 
went dat betuget wol min hovet, 
dat ek ein d&l was alto güt, 

do ik des bosen gules vöt 

besach unde ik om helpen dachte, 
dat he mi lönde aldus unsachte, 
dat ik hir lach lange ane sinne; 
went dat is wis, dat he gewinne 


‘to .aller tit lön mate gröt, 


we jo den bosen dönst döt.' 


Vil lichte mach it on geruwen, 
we den untruwen wil getruwen. 
Vridank de sprikt, dat provet an, 
neman gensliken sik ne kan 
vorsonen weder untruwen man. 
De meiste undoget je gewan 
minsche, de is untruwer sede, 
went dar sin al undogede mede. 


xXXV. 
Yan der vledermüs. 


Hoverdicheit an dummen sinne 
heft gewest an anbeginne 
unde heft gemaket mennigen strit, 
de alle nöt, to manniger tit. 

Daraf schude ök wilen Er, 
dat alle vogele unde alle dör 
to gadere brachten enen strit 
up enem velde, dat was wit. 
Der groten vogele unde groten dere, 
de dar quamen vil mangertere 
unde dar bejageden pris unde ere, 
der swich ik al. Mer we dar were 
de lichtlikeste an beiden siden, 
dar wil ik af spreken, de to den tiden 
dar hadde bat gewesen to hüs, 
dat was de unsalige vledermüs. 
De wolde sik also bewaren 
mit drogene, dat se an beiden scharen 
döl hedde an sege unde an ere, 
so wanne de strit vorendet were. 
Se truwede den deren best, 
went der bi wane was mest, 


25 


35 


unde let sik to der muse scharen. 


De vogele quamen dar gevaren, 
des strides se to vote begunden, 
des se vulkomen nicht ne kunden, 
went se de dör al ummedaden. 
Ein arn on do begunde raden, 

dat se sik hoven in de lucht 


30 unde sweveden boven in der vlucht, 


al went de dör or schare breken, 

dat se sik denne manliken wreken. 
De vogele al de klemmen kunden, 
went se ane were se dan vunden, 


35 höt he on dar uppet hovet vallen 


unde breken üt de ogen allen. 

Hir waren se alle to berede, I 
dat it na wunschen on alle geschede. 
Aldus wunnen se den sege. 


40 Wo de vledermüs vortege 


45 


50 


55 


der dere unde to den swalen vloge 
unde sik an ore selschup toge, 
wente se gelik one vlegen kunde, 
dat late ik stän. Jodoch begunde 
ir valsche dönt de vogele proven 
unde dachten, dat se is mör scholde oven 
unde vorrätnisse ök anekliven, 
unde begunden se do driven. 

van allere vogele mönschop do. 

De dere deden ök alle so. 

Dut leide uppe se ir valscheit do, 
der se ni sint ne wart ök vro, 
went se ne möt noch bliven neren 
wer mit vogelen noch mit deren, 
mer dwelet vlegende in der nacht. 
Ir valscheit heft se darto bracht. 


Aldus schut ome to allen tiden, 
de sik dar totut to beiden siden 
mit loser unde mit valscher rede, 


60 dar vrede is under unde unvrede, 


wente men des to lest wert inne. 
Dat he den sulven pris gewinne, 
den dar gewan de vledermüs, 

dat is recht, wan he kumpt to hös, 


8% 


—, 


36 


XXVL 


Van deme herten. 


Icht völt sik "p enen dach, 
dat ein hert sinen schemen sach 
boschedoliken in 

: | 


eneni vlete, 
He sach, wo it ome allet 


5. dat he an 
N unde dat behagede om 
. mer allerbest Jo si 
er loch was om dat lei 
ir dat he. dat hadde ecl 


stunde torne 
15 dat he dar was so lange bleven, 
_ went om was na darane vorgeven 
ae unde dar ein jJeger quam m 
de on al dar do stände vunden. 
| Tohant begunde he do vlein, 
dat se en kunden on nicht afsein. 
; Do sach he wol, dat 
ji 


‚ om nichein 
let nutte was wen sine b 


| de ome duchten 


unde wer mede reine 
i 25 beide anc Spat unde ane leist, 
\ de ome mish 


’ 


en om up dem Spore, 
b Jeger vaste anrcp. 

30 De hert do in dem wolde löp 

unde quam an enen dicken 


daran beworen sine horn 


mit dem brämdorne 
mit wedewinden ök 
35 dat se nich 


ı dorn, 


de on antasten do begunden, 

went se on ane alle were vunden, 
Do sprak de hert: ‘Min dumme wän 

40 heft mi dut ıungemak gedän. | 

Van dem ik nu gedodet blive, 

dat was mi levest an dem live, 
Dat mi ök ledest heft gewesen, 
dar bin ik dicke mede genesen. 


wen 
“ 


it hunden 


» 


nY/ 
45 Dat ene is horn, dat andere bein, 
dat hebbe ik nu van örst gesein. 


Swe hatet, dat ome ere gevet, 
unde minnet, .des he laster hevet, 
de is ein döl der sinne gemcerret. 

50 O we, dat it so mangen werret, 
de des ne hevet ncin underscheit! 
dat si dem riken Gode leit! 


XXVIL 
Van enem ridder unde: vrouwen. 


Ik bidde de vrouwen algemeine, 
of ik toverne spreke ein kleine 
in dussem boke up vrouwen namen, 
dat sik de guden nicht en schamen, 
5 der werdicheit en mach nicht sliten, 
dat se is ök mi nicht enwiten; 
wente it geboret to dussen meren, 
dat hirbi valsche vrouwen leren, 
de an undät or sinne keren, 
10 dat se bestän an vullen eren 
unde on unrechtes werde böt. 
Vil sere wone ik, de missedöt, 
de alle vrouwen hetet güt, 
wente ungelik is ore möt 
15 unde leven in grotem underschede, 
men vindet gude.unde bose mede; 
ik en achte nicht der bosen veide, 
to hate der guden is mi leide. 
Ein ridder wönde an Haspangouwe, 
20 dem was to wive geven ein vrouwe, 
de was junk, schone unde rike, 
he was wol mit gude or gelike, 
gelike se ök van adele waren, 
doch ungelik ein del van jaren; 
25 went he was an sin older 'komen 
-  unde hadde se dorch or joget genomen, 
wente se was ein kindes wif, 
se hadde on löf also or lif. 
Do se mit om ein jär besat, 
30 so grote suke up on trat, 
dat he starf an dem negeden dage. 
Dat scrigen, jamer unde klage, 
de undult unde de grote unrouwe, - 


35 


40 


45 


50 


55 


60 


65 


38 


de umme on dröf de vrouwe, 

de was to horende ungevöch 

unde jamerlik ein del genöch. 

Do wönde dar ein kotse fer, 

ein ridder, junk, stolt unde hör, 

de was van art wol or gelike, 

al ne was he nicht so rike. 

De was dar richter in der borde 

unde was sin recht, of ein döf worde 

vorstolen van dem galgen dar, 

de dar hangen scholde ein jär, 

dat he des also vele untgolt, 

dat in des landesheren wolt 

stän scholde lif unde al sin güt, 

also it dare hudes dages döt. 

Nu ga wi weder to den meren. 

De dode ridder wart mit eren 

begän unde to dem grave gebracht, 

den dach unde ök de negesten nacht 

blöf bi dem grave sin arme vruwe 

mit: wenende unde mit groter ruwe. 

Ein kastöl van dem dorpe lach, 

dar de vrouwe to wonende plach, 

der anbegin ik sere love. 

De ridder ök bi dem kerkhove 

hadde ein hüs unde ein kamenaden 

mit raschop ök nicht wol beraden, 

went he mit enem werde lach 

unde kost darinne nicht ne plach. 
Des dages do dusse begraven wart, 

wart Ök ein man van deves art 

mit rechte in den galgen bracht, 


. de wart vorstolen in der nacht. 


70 


75 


80 


Des wart de richter sere unvro, 
wente it ome lach vil ho 

beide up sin güt unde up sin if. 
Des gink he vor dat junge wif, 
dar se lach unde screi vil sere, 
he vragede, wat dat scrichte were. 
Se sprak: ‘It is ein arme wif, 

de hir möt enden ore lif 

van lede unde van groter ruwe.’ 
He sprak to or: ‘Nein, leve vruwe, 
dat ein so recht stolt junk wif 
vordomede ore schone lit. 

Mer stät up, vrouwe, gät mit mi, 
ik wone, min nöt groter si, 


39. 


wente mi de def jo is vorstolen, 
dat mach unlange sin vorholen 
dem heren min, de mach unterven 
mi unde an live wol vorderven. 
85 Gröt ruwe uns nicht erwerven 
kan, wente wi ök moten sterven; 
darumme trostet juwen möt, | 
it levet noch man also güt 
of beter noch den juwe here, 
90 unde söt an juwes sulves ere, 
wo erlik it ju sulves were, 
oft men vreschede dusse gebere.’ 
De vrouwe sprak: ‘Node ik it do, 
doch bringet mi wol de vrost darto, 
95 wente mi jutto vrust so sere, 
dat ik bi vure gerne were. 
Se gink an sine kamenaden, 
ein hön löt he or snelle braden, 
| wol guden win he ir drinken gaf, 
100 de dröf ein döl des ruwen af. 
Do se geat, sprak he to der vrouwen: 
‘Gi scholen up ininem bedde rouwen, 
ik sitte hir wol bi dem vure, 
dat vederwant dat is hir dure.’ 
105 Se sprak: ‘Dat were ein ungevöch, 
dat bedde dat is wit genöch, 
we ligget dar wol uppe beide, 
ik wöt ök wol, ju is so leide, 
dat gi nicht ein bose dät 
110 mit mi an dusser nacht begät 
mit wolt ofte mit ungevoger bede 
ofte in jenigerhande dorperhede.’ - 
De ridder sprak: ‘Gi segget recht, 
ein dorper dorperhede plecht, | 
115 ein hovesch man hovescher dät, 
al dorperheit mi is vorsmät.’ 
Sus gink he bi se up dat bedde, 
al sunder borgen unde wedde 
löt se de degedinge bestän,. 
120 alse mannich vrouwe heft gedän. 
Se leiden alle sorge neder, 
he trostede se, se trostede on weder, 
mit dät unde ök mit soter rede 
wart dar gebroken dusse vrede, 
125 dar af vreschede ik ni klage 
sint noch to hove noch to dage. 
Do se gelagen ene wile 


130 


135 


140 


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170 


40 


nicht vul to ener halven mile, 

do suchtede echt de wert ein kleine, 
de vrouwo sprak: ‘Vil soite reine, 
min ridder, trostet juwen möt, 

al juwo dink schal werden güt, 
went ik hebbe enen rät bedacht, 

de wärliken wert vullenbracht 

mit juwer hulpe an dusser nacht, 
darane lit juwer ruwe macht. 

Wi scholen upnemen minen man, 
des ik ome doch nicht ne gan, 
unde hän on in des deves stat. 

We, won gi, denne spreke, dat 

de d£f si ju nu vorstolen ? 

dus mach it bliven best vorholen.’ 
De ridder or do dankede sere; 
allein it harde unwiflik were, 

up dat he doch lif, güt unde ere 
behölde, halp se, dat ir here 

mit siner hulpe an der nacht 

wart vroliken up den galgen bracht. 
Dus wart de vrouwe wol getröst ° 
unde ök de ridder wol gelöst 

van sorgen unde ök van aller ruwe. 
Wu desse ridder. unde de vruwe 
alle or dink sint anekleven, 

wat se begingen ofte droven, 

al des ne wart mi nicht gescreven. 
Hirmede si desse mere bleven. 


Gerne ik beschutte disse vruwen, 
de dussen ridder halp mit truwen 
van sorgen unde ök van groten ruwen. 
Men dat men mochte an or schouwen 
de sede van unsteden wiven, 
do grote undult na leve driven, 
de an on kan unlange bliven, 
went se echt willet unstede ankliven ; 
went unvast sint der vrouwen sinne, 
doch vast genöch an anbeginne 
beide up den hat unde up de minne. 
Mer unliken d&l darane gewinnen, 

— dat lät ik up der vrouwen dät — 
de mit der werlde ummegät, 
de also unvaste dan bestät, 
alse here trit der manne rät. 
Disse mere men: bescreven vint. 


4 
‘De blixem is lichter den de wint, 
175 dat min mere jo vil Jichter si 
den de blixem, dat steit dar bi. 


.,Vrouwen dät lichter sere 
sin vele den blixem unde mere. 


| XXVII. 
Yan dem manne unde sinem wive. 


Ein güt man hadde ein bose wif, 
der herte, tunge unde al or lif 
so bose was, dat ni ne wart 
so boses nicht van minschen art, 

5 went al or sin de stunt na were. 
Was he in hogen, so was se ere, 
was he ere, so was se in hogen, 
entwei se aldus sere togen. 

Do völ it so to ener tit, 

10 dat se mit scheltwort enen strit 
begunden aldus to gadere bringen. 
De twei dor ene wische gingen, 
daruppe nochten lach dat gras, 
dat ninges gemeiget was, 

15 he sprak: ‘Got ere dussen man, 
wo rechte wol he meigen kan, 
de dut gras gemeiget hevet; 
it is wol vrome, dat he levet.’ 

Se sprak: ‘Gi leget mit uneren, 

20 it is beschoren mit ener scheren 
beide ane segede unde. ane swaden.’ 
He sprak echt: ‘Hirmede wil gi laden 

‘bi wane uppe ju schande unde schaden." 
Se sprak to ome: ‘Wil gi gän baden, 

25 ik achte klene up juwe druwen. 

He sprak ; ‘Jo doch, so is se truwen 
 gemeiget.’. Se sprak: ‘It is unwär, 
ik woldet herden noch ein jär, 

ör ik mi lete ju vorkrigen.’ 

30 He sprak: ‘Noch radik, dat gi swigen, 
ofte ik vorkorte ju dat blat.’ 

Se sprak: ‘Nu varet an Godes hät, 
wil gi de tungen mi vorsniden, 
dat scholde ik ök vil gerne liden, 

35 de drouwe schole gi wol vormiden, 
ofte ik vorgeldet ju mit niden,’ 
Mit torne he to or löp, 


40 


45 


50 


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70 


Van enem manne unde sinem wive. 


42 


bi oren haren he se gröp 


unde warp dar neder dat bose wif 
unde vel mit slegen up or lif, 

dat se mit were klene wrak. 

Ein holt he or in den munt stak, 
hir üt he ir de tungen töch 

unde hölt de vaste ungevöch. 
‘Noch sprek ik, dat it nein segede were’, 
se sprak, also se do mochte, schere, 
‘ein chere ein chere.’ He hölt se vaste, 
na sinem meste he do taste, 

do se den weke nicht en gaf, 

do snet he or de tungen af 

unde sprak to ore: “Unreine pute, 

nu is al juwe scheldent ute, 

dor nöt mote gi nu mere vorswigen, 
doch wustik gerne umme juwe krigen. 
of des noch icht ein ende were.’ 

Do schöp se de hant als ene schere 
up unde to, oft se screde. 

Do he do dat gesach, he sede, 

dat dat wif jo än twivel 

was noch erger vil wen de duvel, 
went men on wol mochte vorkrigen 
unde on mit worden dicke swigen. 


We scheltwort wil van bosen wiven 
mit wederscheldene vordriven, 
de revet sik. Wen he schal ankliven, 
oft he ane meicheit wille bliven, 
sin dink, alse dusse bederve man, 
nicht bat he ir gesturen kan. 


‘Dat ergeste creature, 


dat levet, is ein wif ungehure. 
Dat gude wif is, we de hovet, 
dat beste, dat up erden levet. 


XXIX. 


Ene ovele hüt ein bederve man 
to siner unsälde echt gewan, 
de was van also bosem sede, 
dat se mit willen nicht en dede 


5 an jenigen stucken sin gebede, 


wo löfliken he or Öök was mede. 


10 


15 


20 


43 


Ore wederkrich de was so gröt, 

se dede al, dat he or vorböt, 

het he se stän, se sat neder, 

höt he se gän, se karde weder, 

höt he se wesen vro, se gram, 

höt he se drinken Ök, se nam 

den beker dicke mit der hant 

unde warp on dicke weder de want; 
se dedet ök to liker wise 

vil dicke mit vil guder spise. 

Do se do herde mangen dach 

mit ome des bosen kriges plach, 

do mostes ök ein ende werden, 
alse alles dinges up der erden. 

Do hadde dusse bederve man 

ök ene wisch, dar he an 

höw mengen twene sine knapen. 
Sin wif de had ök dat geschapen, 
dat men al dar orer plegen scholde, 


se sulven on de spise bringen wolde, 


30 


40 


45 


50 


dat se to rechte do dede: 

ein kint halp or de dragen mede, 
went se was on vil wol bericht; 

um oren man ne was or nicht, 

of he ök vastede al den dach, 

des se mit ome dicker plach. 

Do is om to lest vordröt, 

dat se ome ne löt bör noch bröt 

of al des nicht, dat he eten mochte, 
ök half, dat se den knechten brochte, 
unde dachte aldus an sinem möt: 
den knechten is dat wif so gät, 

se wel orer wol na wane plegen, 

se heft so vele mede gedregen, 

du wult gän dar unde eten mede. 
Dat an erren he do dede. 

Ein water bi der wese vlöt, 

dat was van regene worden gröt, 

dar up dem over do saten 

vrouwe unde knechte, do se aten. 
Dus gink de man mit haste dare, 
tohant do se sin wart geware, 

se sprak: ‘Nu söt, nu kumpt min man, 
to deme ik leve ni ne wan 

van herten. Dat men one ville! 
söt, wat nu hir de modink wille!’ 
De knechte entfengen oren heren, 


55 


60 


65 


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85 


90 


95 


44 


mer se begunde also geberen, 

alse se jo plach to allen tiden. 

He sat doch neder bi ore siden 
unde begunde ök cten vaste, 

unde do he na dem vlesche taste, 
begunde se ome dat vat entucken 
unde van ome unwillichliken rucken. 
Dat was ore grote ungelucke, 

went alle des overs ein stucke, 
dar se uppe sat, do neder völ, 
unde se vel mede, unde was so snel 
dat vlöt, dat se än orer aller dank 
to grunde vor on vordrank. 

De knechte de begunden scrigen 
unde alle des etendes vortigen 
unde begunden ore haken 

mit höpricken lenger maken, 

de se darto do bunden vaste. 

Ir jowelk in den beke taste 
darmede unde sochte ore vruwen 
mit vlite unde mit groten ruwen 
an beiden halven de beke neder. 
De man r&p on mit haste weder 


unde sprak to on: ‘Gi vromen knechte, 


gi döt al juwem dinge unrechte ; 
wone gi des, dat se neder vlete? 
dat is wis, dat se genete 

noch ores kriges also vele, 

des se an ernste unde an spele 
plach to aller tit bi orem live, 
dat se nu weder den strom drive 
mit wederkrige, alse se jo plach, 
dat ik van or vil dicke sach. 
Darumme soke wi uppe dat vlöt, 
se is uns anders umberöt.’ 


De knechte truweden der mere, 


allön unmogelik dat were, 


unde sochten se upwert tegen den uote 


Allön it on or here hete, 

se wisten doch wol, dat se neder 
jo vlöt unde quam nicht weder. 

Wer se wart vunden ofte nicht, 

des bin ik noch al umbericht. 


Men hevet dicke dat gehört 
unde is ein vil mene wort, 
Jat wives krich mör machtes hevet 


4 


100 den al der man, de hude levet. 
Ein klene wif vorkrigen kan 
wol enen harde groten man; 
ein blode wif ök dicke döt, 
dat ein wröt man ir wiken möt. 

105 Der wive krich de heft de macht, 
dat ni van manne wart bedacht, 
Sampson van wives kriges nöt 
geblent wart unde blöf ök döt, 
ök Salomön de rike man 

110 bedrogen wart al sunder wän 
van wive, des sit nu bericht, 
alse de scrift vorware sprikt. 
Hirumme wives krich den man 
bedreget gerne al sunder wän. 


XXX. 
Yan enem wive unde manne. 


Ein schone, junk wif unde unstade 
mit logene unde mit valschem rade, 
brak af vil mangem manne güt, 
also noch somelik vrouwe wol döt. 

5 To lest wan se ök enen man, 
de se to wive do gewan, 
den ir duchte, dat se wol mochte 
ök doren. Dat se sus besochte 
unde sprak: ‘Ein aller manne here, 
10 min lif, min güt unde al min ere 
 hebbe ik gensliken to di gelaten. 
Got moge de sele min vorwaten, 
of ik di drege mit enem hare! 
ik was an dem viftegenden jare, 
15 do di min herte örst anewart. 
Du bist schone, van hoger art, 
wert, bederve unde. vullen wis, 
des geven di alle de lude pris. 
Foven al dit, dat ik vinden kan, 
20 is, dat ni an der werlt ne wan 
ein wif so vullen soten man, 
des wil ik, oft is.mi Got gegan, 
di also bliven underdän, 
dat du it machst vor güt untfän, 
25 ik ne achte ök dines gudes nicht, 
sint du bist mi so wol bericht, 
mer enes dinges bid ik di, 


46 


so rechte löf als ik di si: 
hebbe ik an kintheit icht gedreven, 


30 dat du mi willest dat vorgeven.’ 


35 


40 


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50 


55 


De man was wis unde bekande 
ore drogene unde wort behande 
unde sprak: ‘Sote, dat schal sin! 
wente du bist min unde ik bin din; 
nicht ane di wil ik wesen, 
nicht ane di mach ik nesen, 
wente du bist ein vil bederve wif; 
du bist mi l&f also min Hif, 
du bist min tröst unde al min raste, 
doch wonik, dat du mate vaste 
stäst in der levede weder mi, 
went ik wol wone, dat ök si 
mör manne, den du hevest untleten 
dus grote truwe, de di heten 
bliven, aldar se di vunden, 
nicht enes, mer to mengen stunden.’ 


Ut enem stricke ein vogel entvlogen, 
nicht lichte wert de echt bedrogen. 
De vruwen alle de sin güt, 
doch hebben se ungeliken möt, 
went weinich is .bederve unde reine, 
unde mennich is ein döl alto meine 
unde wonet, se dat weten alleine 
mit oren amisen lichte teine, 
unde wilt sik kuscheit doch beromen — 
dat se alle Got mote vordomen! 
De hebbet, de sik dit totucke, 
unde eweliken darvan al ungelucke. 


XXXI 


Van der nachtegalen unde havike. 


10 


Bi orem neste bewilen Er 
sat ök ein nachtegale för, 
darinne saten ore jungen 
so gröt, dat se sik sere drungen. 
Do quam ein havik dar geswungen, 
de mengen vogel heft bedwungen, 
unde gink wol na dem neste stän. 
Des wart de nachtegal untdän 
unde sprak: ‘It ju Got van hemmele lone, 
nu hebbet miner jungen schone, Zu 


15 


ar 


went se ju gegeten helpet klene 

mit vederen, vlesche unde mit bene.’ 
Do sprak de havik: ‘Vrouwe nachtegal, 
men secht mi, dat gi singen wal, 

so singet mi na juwem sede, 

dar schulle gi vordenen mede, 

dat ik de wile dat ik leve 


‚al juwen jungen vrede geve.' 


20 


25 


30 


35 


40 


45 


50 


Do sprak de nachtegale: ‘Here, 

wo gerne ik ju des volgich were, 
dat ek al sunge wat ik scholde, 

of mi juwe gude entwiken wolde 
ein velt oft enen bogenschote, 

dat ek der vriheit denne genote, 
dat min herte echt to stade queme 
unde minen sin echt wederneme, 
de altes was van mi gejaget, 

went ik to sere bin vorzaget; 

sank möt van vriem herten komen, 
dat mi vul na nu was genomen.’ 
De havik untwek na desser rede, 
ök wo se truwede dem vrede, 

se brachte ore jungen in dat gras, 
dar se ir do al velich was, 

unde sank sint dicke an blidem mode 
undo schöp darvore bi wane hode 
sint alle jär mit orem neste, 

dat se dat satte, wur se wiste, 

dat it dem havike umberede 

was. In der megentit dit geschede. 


Gelik is deme de nachtegale, 
de jo kolset van hoger tale, 
mer kumpt ein, des he angest hevet, 
dem kolse he denne ende gevet. 
Als is vil mannich mesterlin, 
de dar wil an ein meister sin 
unde wil van meisterie klapen, 
dar he is mit ungelörden papen, 
mer kumpt dar bat gelart ein man, 
tohant de jene nicht ne kan. 
De einogede man dar were ein here, 
dar blint dat volk gemene were, 
ein konnink einoget unde ein here 
he an dem lande der blinden were, 


10 


48 


XXXI 
Van dem weder unde wulve. 


Ein weder enem wulve entlep 
in enen hof, dar he begröp 
vrede, unde scalt on weder darüt, 
dus sprak he to om overlüt: 
‘Her def, gi hebbet mi gejaget, 
dar ik ein del van was vorzaget, 
mer dat mach wol hir na geschein, 
dat ik ju make ök weder vlein.’ 
De wulf sprak: ‘Hedde ik ju beseten, 
bi wane hedde ik ju gegeten.’ 
Dem schape was de rede torn: 
des gaven könheit om de horn, 
dat he dar lovede enen strit 
mit dem wulve up ene tit. 


15 Dar he mit mangem weder quam, 


de wulf ök alle wulve nam, 

de he vant verne unde wide, 

unde quam getrecket her to stride. 
De weder brachte ök ene schär, 


20 twolf hunde, do der wart gewär 


de wulf, do missevel om de rede, 
unde sprak tohant na enem vrede, 
den he behelt mit underschede, 
wente om was to den hunden lede. 


25 Dat underscheit de wulve vunden, 


men scholde antworden on gebunden 
to gisele de groten hunde, 

de jungen wulve, al de men vunde, 
de scholde me darweder geven, 


30 unde wolden al mit vrede leven. 


35 


Dut gink al vort, de wulve namen 
de hunde. Do se to holte quamen, 
do vreten se se sunder were, 
wente also gröt was ore here. 

De schape de jungen wulve hölden, 
dat se on ledes nicht en wölden, 
went se en haddens nicht vorstän, 
wut mit den hunden was gegän. 
De wulve ök sere darna dachten, 


40 wo se to hüs ore jungen brachten. 


Des streken se an mangen nachten, 
dat se jo bi den dorpen wachten, 


' dar ore jungen waren binnen, 


of se se kunden üt gewinnen, 


49 


45 dat se mit rechte nicht ne kunden. 
Mer enes nachtes do begunden 
de jungen hulen na orer art, 
do dat van oren olden wart 
gehört, do lepen se in de koven 
50 unde begunden sere doven 
unde spraken, dat gebroken were 
an on dat lovede bi der ere 
unde darto de gesworne vrede, 
unde beten sunder wederrede 
55 al de schäp, de se iergen vunden, 
went de schäp nein hulpe echt en kunden 
irkrigen weder der wulven bosen. 
Dus kunden se ore jungen losen. 


So we den ungetruwen schonet, 
60 de viant is, dem wert gelonet 
unde gehandelet darmede, 
‚alse de wulf den schäpen. dede. 
Swe den jenen ök vorleget, 
de on to hodende jo pleget, 
65 dem mach geschein to mangen stunden, 
alse dem schape bi den hunden. 


+ 


XXXIL 
Van dem smede unde siner exen, 


Ene exen hadde ein smet gemaket 
unde hadde de vil wol geraket 
beide an schipnisse unde an snede, 
der sinne enbrak doch dem smede, 

"5 dat he nicht ne wiste selve, 
wuraf he makede ir ein helve. 
Darumme was he sorichvolt 
unde gink darbi in enen wolt 
dor vragen, wur he ein helve neme, 
10 dat siner exen even queme. 
De bome he alle begunde soken, 
de dannen, ök unde boken, 
de elren, widen unde linden, 
de bome al, de he kunde vinden, 
15 den hassel, sledorn unde berken, 
de bat he al, dat se wolden sterken 
darmede sine exen, dat se merken 
dat wolden, woraf dat he werken 
mochte ein helve vast unde stade, 


Niederdeutsche Denkmäler, ]IJ, 


20 


25 


30 


50 


dat dede he al na orem rade. 

Do sprak ein &kböm, de was gröt: 
‘Her smet, ju is nu hulpe nöt, 
darumme mote gi nu keren 

to unsem konninge unde heren; 

dat is de blanke hagedorn, 

den hebbe we darto gekorn, 

wat he döt an dussem wolde, 

dat men dat jo al stede holde.’ 

Dat dede de smet. De dorn on sande 
to dem ahorne. De bekande 

des konninges bot wol unde dede 
dor nöt ein del des smedes bede 
unde nanı om dat vul na selve 

unde gaf dem smede ein schön helve. 


35 Do dat was rede, he besochte 


AO 


an om, oft icht sin exe dochte. 
Darna howede he der bome neder 
vele unde quam to 'der &k do weder 
unde höw or ene grote wunden. 

De bome al klagen do begunden, 
dat se bewaren nicht ne kunden, 
dat se rät Grst darto je vunden, 

dat de smet je wart geweret, 

des he hadde van on gegeret, 


45 daraf on dat let was bescheret, 


dat se worden aldus vorheret. 


Swelk man 'sinen viant sterket, 
l$t unde schaden de sik sulven werket. 


XXXIV. 


Van dem bure unde sinen handen. 


Ein hüsmann hadde eislike hande 
unde brede voite, dar he van scande 
hadde, als om duchte an sinem möt; 
sin lif anders om duchte güt. 


5 De versma helt he genöch, 


de hande he jo nicht ne dwöch, 
de vote he vil seldene scrode, 
darumme wart on des to mode, 
dat se arbeiden nicht ne wolden, 


10 de bük unde hovet sein dat scholden, 


so wanne se on nicht wolden werven, 
dat se van hungere mosten sterven. 


51 


Dit schude al, unde dat hovet darf, 
bük unde herte beide starf 

15 unde al de lode van dem live; 
dat quam van dussem bosen kive. 


Neman no schal de one vodet 
unde ere ome unde lif behodet 
vorlichtliken unde vorsmän, 

20 ofte ome mach unsälde overgän. 
Neman sik ök so nicht ne wreke, 
dat he sik sulven nederbreke 
an gude, an ere unde an live, 
dat he daraf vordomet blive, 


XXXV. | 
Van deme deve unde wevele. 


Ein wevel hadde darto bracht 
enen def an ener nacht, 
dat he dat lif vorlesen wünde. 
De suke aldus an ome begunde: 

5 he slep, do quam to ome gekropen 
ein wevel unde vant om hinder open 
dat gat unde kröp om darin. 

Daraf he wünde sinen sin 
vorlesen oft van ruwen sterven, 

10 went he daraf begunde derven. 
He let sek de arsten besein, 
de alle des begunden gein, 
na orer kunst unde sinem begere, 
dat he mit enem kinde were. 

15 Do in de borde quam de mere, 
do wunderde des den luden sere 
unde quamen to ome algemone, 
dut grote wunder dar to sene. 

To lest was it ein wevel klene, 

20 dus wart des wunders ende unrene. 


Doch is der lude harte vele, 
de beide an ernst unde an spele 
gelovet hir unlöfliker mere; 
 alse somlik arste ök wol were, 
25 den ök sin kunst wol mochte dregen, 
so dat he moste dicke legen, 
de hoger kunst sik wolde romen. 
Dat ik den node scholde nomen ! 


10 


15 


20 


25 


30 


3D 


40 


52 


XXXVL 
Van enem manne unde wive. 


Ein wif, ichteswan sinnes vul, 
de makede oren man so dul, 
dat se untredde ome al den dach, 
dat he mit sinen ogen sach. 
To ener tit sach he mit ere 
ök enen man, de se ane were 
do beide helsede unde kuste 
unde dede vort, wes om geluste. 
Do he ir schult hirumme gaf, 
se sprak: ‘Der rede komet af, 
went ik unschuldich bin der dät, 
twe vrunt an minen handen stät, 
de mi daraf wol maket reine, 
twei vinger ik dar mede meine, 
al weret ök vor enem richte.’ 
De man sprak: ‘Dit no doch to nichte, 
dat du der wärheit vorsekest 
unde umme unschult mit eden sprekest, 
went ik dat mit den ogen sach, 
dat ein man jutto mit di lach.’ 
Do sprak dat wif: ‘Gi dumme man, 
dat ju neman geleren ne kan! 
wil gi al truwen, des gi seit, 
nummer unlust ju unsteit. 
He sprak: ‘Ja vrouwe, ik hebbes loven, 
des mi neman kan beroven, 
dat ik so wärliken bese, 
up juwem bedde legen twe, 
gi, gude wif, unde cin ander man.’ 
Se sprak mit torne: “Wil gi dan 
mit mi to jenem jutto gän, 
juwe wisheit bringen uppe wän?’ 
Do gingen se dar boven stän, 
se het on na dem schenie gän 
unde sprak: ‘Dat ju Got werde hat! 
nu segget balde, wat is dat, 
dat ju wil bi den handen nemen?’ 
He sprak: ‘Ik se wol juwen schemen 
unde minen schemen ök darto.’ 
Se sprak: ‘Dus was ju hude vro, 
do gi bi mi den schemen sagen. 
Gi dummeste van juwem magen, 
dat gi dat wolden do vordragen 
unde gi ne dorsten des nicht wagen, 


53 


45 of twe an minem bedde lagen, 
dat gi ne dorsten on nicht plagen, 
 reten umme sin leger unde vragen, 
des mach he sik hirna vorbagen ! 
Unde wone gi des, vil dulle sot, 
50 dat laster ik wille unde. spot 
van alle minen vrunden liden ? 
ik schal unkuscheit wol vormiden 
unde alle dorperlike dät. 
Darumme hevet juwe mät, 
55 of ju is to sprekende kore, 
dat gi jo dat bedenken vore, 
dat juwe rede ju wol sta 
‘ unde an mine ere nicht ne ga, 
oft gi mit eindracht willen leven.’ 
60 Do sprak de man: ‘Ik wille geven 
di mine truwe des, vil sote, 
dest ik den sin beholden mote, 
dat ik dat numbermer ne do, 
ök wat ik se spade edder vro, 
65 dat ik di number wille melden 
of di dine ungevöchte schelden.’ 
De vrouwe sprak: ‘So do gi wol. 
Ein jowelk man dat weten sol, 
dat al de vif sinne in dem live, 
70 beide an manne unde an wive, 
an orer macht se dicke dreget, 
mit holdende de hande leget, 
unrechte ök de oren horet, 
de munt an smacke wert gedoret, 
75 de nese an roke,.de ogen an sene, 
dit is den luden vil gemene. 
So wo dicke dat ök ju gesche, 
dat gi ein dink set vor twe, 
— dat heb ik wol an ju irvaren — 
80 des rad ik, dat git vort bewaren, 
went ik ju wille dat vorgeven.’ 
Hirmede si de rede bleven. . 


Hirbi mach echt ein minsche proven, 
wu ein wif, de bösheit wil oven, 
85 jo hevet vöcheit unde sinne 
mit vöch unde mit ungevöch tor minne. 


54 


XXXVI. 


Van enem manne unde sinem perde. 


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To markede ein man brachte ein pert, 
dat was wol ener merke wert, 
dat ho ök lovede ene mark. 
Ein köpman sprak: ‘Dat is jo to stark, 
mer latet af den verden d&l, 
ik wil it talen up ein hel, 
unde geldent hir upper stat.’ 
De jene sprak darweder, dat 
it moste jo de mark gelden. 
Vil vaste se dit beide helden. 
De köpman sprak: ‘Behaget it ju, 
ik wil uns wol vorenen nu.’ 
De jene sprak: ‘Nu spreket an” 
De köpman sprak: ‘So welik man 
hir to uns nu gände kome, 
ök weme dat schade ofte vrome, 
wes ome dit pert dunket wert, 
dat ik ju gelde also dat pert.’ 
De rede behagede on beiden 
unde wart gevestenet mit eiden. 
Do dar ein wile was gestän, 
do quam ein man darto gegän 
mit enem ogen, den se baden, 
dat he on na wärheit wolde raden 
mit korten worden, wes dat pert 
to kopende wol were wert. 
De jene do he oren willen hörde, 
sprak he to on: ‘Mit enem worde, 
wer ot draf heft edder telt, 
ein half mark is sin gelt 
na minem sinne, dar nicht boven.’ 
De rede begunde de köpman loven 
unde sprak, he hedde recht gedölt, 
de ander dit wederhölt, 
dat he der delinge nicht dogen 
ne scholde, went mit enem ogen 
de man gesein hadde an dat pert, 
dar umme sprak he half sin wert, 
went he nicht over half ne sach. 


40 Dit hölden se vil na al den dach, 


to lesten, dat men willekore, 
vorwunne rechte unde trede vore. 


Neman ne schal up vromede man 


45 


50 


55 


jo, des he kunde ni ne wan, 

dit laten, dat he up sine sele 

sin güt ome ofte sine ere afdele. 
He is gelik dem einogen, 

de sine ere wil so togen, 

dat he to delende besteit 

dat dink, dar he nicht af ne weit. 


XXXVIl 


Yan dem duvele unde deve. 


Bi eneme dorpe entsl&p ein def, 
den hadde satanas vil lef, 


- des quam he to om, dar he lach. 


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35 


Do he untwakede unde one sach, 
ein d&öl ne was ome do nicht leve, 
do sprak de duvel to dem deve: 
‘Nu zage nicht, ek bin her komen, 
went ck dat hebbe wol vornomen, 
dat du mi hevest wol gedenet 
unde ik darweder di nicht gelenet 
ne hebbe noch, dat is mi leit. 
Sich, perde, sulver unde kleit 
unde alles des du jo. bogerest, 

ök wur du in dem lande verest, 
dat machstu sunder angest stelen, 
du schalt de hode mi bevelen, 
went ik schal di also bewaren, 
dat du machst sekerliken varen. 
Stel anders. wol unde wert ein man, 
went di nemant begripen ne kan 
mit miner helpe jo mit nichte! 
Al quemestu vor ein gerichte, ' 
ik helpe di mit eren dannen, 

so du mi der wort willest manen, 
de ik hir spreke weder di, 

des machstu vaste sein to mi.’ 

To dussen reden dussem deve 

des viandes wart harde leve, 


unde wart dar so getrostet. mede, 


dat he sint mannige duve dede, 
dar he ni hadde an gedacht. 

To lest wart he an ener nacht 

begrepen unde vor richte bracht 


mit ener groten klederdracht, 


de om up den rugge was gebunden, 


40 


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56 


de under om al worden vunden. 
Do sprak he Erst to sinem vrende, 
de om jo was vil behende, 

‘Help nu, vrunt, dat ek moge nesen !’ 
De viant sprak: ‘Dat schal wesen, 
nu holt di anders harde wol, 

nein unrecht di geschein ne sol.’ 
De def sprak: ‘Nein, vil leve here, 
alt unrecht mi nu dat recht were, 
were aver mi lank recht gedän, 
vor dussem richte sunder wän 

ne drochte ik nicht to bode stän, 
des ik nu nicht ne mach untgän, 
darumme help mi, des is tit, 


50 dat ik nu hiraf werde quit.’ 


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80 


De viant sprak: ‘Nu wachte ein klene, 
du schalt wol sein, wu ek di mene.’ 
De döf tohant do wart vordelt 

unde wart getrecket up dat velt 

in de stat, dar he hangen scholde. 
Do röp he sinem vrunde bolde 
unde sprak: ‘Nu help, vil leve here, 
dit beident schadet alto sere, 

min truwe vrunt vil höchgeborne, 
ik mane di bi dem hagedorne, 

darbi du lovede mi unthetest, 

dat du mi nummermör vorletest 

an noden, du ne hulpest mi.’ 

De viant sprak: ‘Nu troste di 

unde lät di hän mit gudem willen, 
dat lantvolk dat mostu stillen, 

went ik hebbe on di nu gelenet, 

vil lange hestu mi gedenet, 

nu mostu on to rechte stän, 

des ne mochstu nicht untgän, 
darumme lät unnutten wän.’ 

Aldus wart dusse def bedrogen 
unde uppe den galgen getogen. 


Sus werdet al de ane twivel 
bedrogen jo, de an den duvel 


‚gelovet unde ore hopene. latet, 


went se werdet mit om vorwatet. 

Ok vreschet men des harde vele, 

dat beide an ernste unde an spele 
van valscheit valschman wert bedrogen 
unde mit logene unwär belogen. 


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XXXIX. 
Van dem wulve. 


Deme wulve ruweden sine sunde, 
unde up dat he gnade vunde 
als ander der an siner borde 
unde uppe dat al vorsproken worde, 
wat he al ovels jo begink 
unde jo dem volke or quek af vink 
an holte, an velde, an walde, an koven, 
so wolde he dat vl&sch vorloven 
unde woldes eweliken miden 
unde wolde gerne hunger liden 
dor güt gerochte unde ök dor Got 
unde sprak: ‘Ik werde wol gevöt, 
dat lantvolk mach mi wol gevoden, 
ök schal ik orer rinder hoden, 
ik ete wol kese unde bröt, 
oft it geit an hungers nöt. 
Se mogen ök dat weten wal, 
dat in den wolt oft in den stal 
jo komet weder de rindere al, 
als ik dan vlesches miden schal. 
Ik mach ök vische wol gekrigen, 
des möt ik doch al stille swigen, 
went ik ne mochtes nicht geneten, 
dat it queme üt. In mannigen vleten 
weit ik, dat vischere maken leten, 
dat hudevate sint geheten; 
de hebbet harde mannich gat, 
des nachtes vletet se an manniger stat, 
is it dar droge, is it dar nat, 
de mi scholen dicke maken sat. 
Ik kan wol swummen unde waden 
unde sol dat harde wol gegaden, 
dat al de vische, de ik vinde 
unde levendich ungevlomet slinde, 
dat se also an minem magen 
beginnen spelen unde slagen, 
als in dem ketele ofte in der glöt, 
dat number rintvlösch mi ne döft.’ 
Up dussen tröst unde dussen wän 


40 l&t he dut lovede vullengän, 


so vast, oft men on scholde hän, 
dat hes nicht af wolde stän.’ 

Do dut geschach, do gink de zage 
al ungegeten wol dre dage. 


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50 


58 


Do ome do idel wart de mage, 

van hungere grep he grote klage 
unde gink to diken unde to beken, 
oft ome des mochte icht gereken, 
dar he des hungers mede botte. 
Ein weder vet om do untmotte 
vorarret verne van den schapen, 
he röp: ‘Heil! to jodute! wapen! 
dat ik dit lovede jo bedachte! 


. nu mochte ik eten also sachte 


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dut schäp, dat ik hir hebbe vunden, 
were it mit lovede ungebunden. 
Doch weret mi ein ander nöt, 

blift hodelös de weder döt, 

ik blive an sinem dode schuldich, 
men mach ök wesen alto duldich. 
Lide ik ök, dat on ein ander neme, 
ik wone mi dat nicht en teme. 

We mach ök des vorplegen mi, 

dat mi sodän visch berede si, 

daraf ik moge werden sat? 

De vischere ök de hudevat 

jo legget in alsulke stat, 

dar it so dep is unde nat, | 
dat ik mi mach vordrenken bat, 
dan ik irwinne ichtes vat. 

Ok secht de scrift, dat men berede 
si, alse sik aventure gebede; 

ök sprak min moder, dat jo was 
ein weder beter dan ein las. 

Unde ofik schal min lovede breken 
dor nöt, we ‘mach darumme spreken, 
sint it neman heft gehört? 

Ok sint wol valsche sworne wort 
unde lovede an untruwe tobroken, 


80 ök mer undät wert vorsproken.’ 


85 


90 


Dus l&p de wulf an dussen weder 
unde warp on bi dem halse neder 
unde at on al vor enen las, 
went aldus sin lovede was. 


De wulf de lude echt al bedudet, 
de rovet, stelet ofte hudet 
unde dat vorlovet to lest vil dure, 
mer reket on dat eventure, 


dat se echt moget winnen güt 


mit schande, also se dicke döt, 


59 


er se dan wandelen den vöt, 
vorwandelt sik on ore möt, 

dat se echt an des duvels namen 
stelet, rovet sunder schamen. 


XL. 
Van der apinnen unde loven. 


Ein apinne echt an sinnen blint 
begunde loven ore kint 
unde sprak, dat ot were also fer, 
dat ome neuerhande der 
geliken mochte in al dem lande. 
Ein jowelk der, dat se bekande 
unde was van vreveslikem sede, 
dor spot begundet loven mede; 
dat orem herten dede sachte. 


10 Vor den louwen se it do brachte 


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30 


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unde sprak to ome: ‘“Vil leve here, 
dorch juwe konnichliken ere 

bidde ik, dat gi. seggen mi, 

oft min kint icht loves wert si.’ 

He sprak: ‘It is also behagel, 

dat it hedde enen krummen zagel, 
dat it geschapen were ane twivel 

als ein junk vorschapen duvel, : 

den men dar malet an ein laken. 
Wat wil gi van dem apen maken,. 
wen dat it ein wunderlik wicht blive 
unde ein vorschapnisse an dem live?’ 
der rede wart de apinne unvro 

unde gink to eneme beren do 

unde klagede om des lowen wort. 

De bere hadde ök wol gehört, 

dat se van spotteren gewone 

was, dat se loveden oren sone, 

unde sprak: ‘Dit kint is, vruwe apinne, 
so verne alse ik mi vorsinne, 

för unde schone unde alto sote, 

ik bidde ju, dat ik nu mote 

dorch levet kussen vor den munt.’ 
Se sprak: ‘Hirvore dusent punt 

ne neme ik nicht, dat mi de ere 
geschude, dat gi, hoge here, 

min kint kussen dorch hoveschede.’ 
An sine kläw set ome dede 


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unde was der mere vullen vro. 
40 In sinen hals vorslök het do, 

als ift it were ein ripe sle, 

dat dede der moder also we, 

dat se vil jamerliken scre, 

alse se wol mochte, do sprak he: 
45 ‘Vrouwe apin, gi sin ein ducke, 

dat gi sus gingen mit dem bucke 

to al den deren in der borde, 

up dat it wol gelovet worde. 

Wat mach men loven in den apen, 
50 wen dat so wilde unde vorschapen 
der ne mochte up al der erden 

van Godes creature werden. 


Der lude is hude noch genöch, 
de dar na stät mit ungevöch, 

55 dat men se love unde ore sede. 
Wem truwe is unde wärheit mede, 
kunde unde ötmodicheit mit sinne, 
ik wone, lof de wol gewinne 
van Gode unde al der werlt gemene. 

60 Lof ane vulbort is unrene; 
we dusser doget ne hevet nene, 
sin lof is na der wärheit klene. 


XLL 
Van dem draken unde manne. 


Mit enem manne wönde ein drake 
mit vrede unde gudem make 
in kumpanie mannigen dach. 
To hodende ök de drake plach 
5 na olden meren groten schat 
vul na dem huse an ener stat, 
dar he uppe stedeliken sat. 
To lest bedachte he ök dat, 
dat he den man besoken wolde 
10 mit vöch, wu he om truwen scholde, 
unde sprak to ome: ‘Ik bin di holt, 
ik hebbe sulver unde golt, 
dat schaltu mi mit truwen waren, 
went ik möt üt dem lande varen. 
15 Mer eft du vreschest dat van mi, 
dat ik si döt, so hevet di, 
went ik es di allerbest gegan.’ 


61 


Al güt gelovede om de man 
dat het wol wolde waren al. 


20 De drake sprak: ‘Mör ik di schal 


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55 


60 


uppe dine truwe nu bevelen, 

dat schaltu vlitliken helen, 

went al min lif dar ligget an.’ 
Echt lovede entruwen om de man, 
oft Got om den sin laten wolde, 
dat het also bewaren scholde, 

dat he on scholde van rechte prisen. 
Ein ei begunde he om. wisen, 

dat was ein eich van enem kranen, 
echt dure begunde he on manen, 
dat he jo to deme eige sege, 

went al sin lif daran jo lege, 
wordet tobraken dorch jenige nöt, 
so were he ane twivel döt. 

De man darvore sine eide böt 

unde mengerhande lovede gröt. 

Na dusser rede de drake vlöch 

mit haste enwech, nicht verne doch. 
Dem 'manne, so dem valschen döt, 
begunde twivelen sin möt 

unde dachte, ofte he dus mochte sterven 
den draken, dat he danne mochte werven 
den schat darmede. Darna gink he 
unde slöch tohant dat eich entwe. 
De drake wederguam tohant, 

de he dat eich tobroken vant, 

do sprak he: “Vrunt, nu se ik wol, 
wu ik nu ju mer getruwen sol. 


‚Gi sin valsch! ovele gedie 


min unde juwe kumpanie! 
nu varet hen an Godes hät! 


‚nicht mör ne wert ju min schat 


gegeven, lent efte bevolen. 

Dat eich wart enem kranen vorstolen, 
dat lif hebbe gi dem kranen genomen, 
de dar bi wane mochte af komen. 

Min lif is vaster den juwe worde, 
klen ofte gröt ei in der borde.’ 


Wem me gröt dink bevelen schal, 
des sede schal me bekennen wal. 
Wem men schal hogen rät bevelen, 
des is nöt, dat he kunne helen. 


Yan dem einsedele unde sinem knechte. 


62 


De girige untruwe man — 
nicht doget an om bliken kan. 


XLI, 


Ein einsedel sinen knecht besochte, 

oft he ome getruwen mochte. 

He segede wärliken ome dat, 

he wolde gän in ene stat, 

unde hedde hemeliken gesat 

ene olde müs under ein vat, 

de he dem knechte do vorhal. 

Bi sinem live he ome beval, 

dat he dat vat jo nicht rörde, 


10 went he darbi vordomet worde 


15 


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25 


unde mochte on beiden schaden sere, 
mer alle dat dar anders were, 

dat scholde stän to sinem bode; 

hir mede beval he on do Gode. 

Dem knechte trat de danke an, 
wurumme dusse gude man 

so dure dit vat ome bevele, 

sint he nein dink ome vorhele, 

unde dachte, dat het weten wolde, 
ök wat it ome schaden scholde. 
Hirmede he dat vat anegr£p, 

unde de müs ore straten lep. 

De man quam weder, de knecht de slöp, 
he ome do aldus torep: 

‘Nu segge, dat di was bevolen, 

hestu it gesein, eft is it vorholen ?’ 
De knecht sprak: ‘Ja, ik motes gein, 
it were van mi bat ungesein.’ 


Ein wisman möt besoken wol 


30 den knecht, dem he getruwen sol. 


We truwe is over voge güt 


 unde darbi also rechte döt, 


dat he dar nicht ne wel af stelen, 
dem mach me jo wol mör bevelen. 


ErE 


XLIN. 


Van enem hagestolten unde perde. 


Ein hagestolt had ök ein port, 
dat was ener merke wert, 
de bat jo Gode spade unde vro,' 
dat he ome ein pert geve darto. 


5 Nicht mer he Gode jo ne bat, 


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5 


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ik wone, hedde het gehat, 

dat he darto dat dridde ök wolde. 
Do schude om so van rechte scholde, 
unde wart dat pert ome vorstolen, 
des blöf sin gerunge unvorholen 
unde umme ein ander pert sin wille, 
wente he overlüt sint unde stille 
leide allerhände bede neder 

unde bat Gode, dat he ome geve weder 
sin pert, dar nogede ome wol mede, 
went he nener hande bede 

ne wolde dön na sinem sede 

umme ein ander pert, dat he jo dede. 


Ein man de gerne hedde güt 
unde dar nicht anders umme ne (döt, 
mer dat he bedet al den dach, 

vil lange he des beiden mach, 

er Got gröt güt mit om dele. 

He schal Erst bidden vor de sele, 
dat it ome darna wol irga; | 
dat güt volget ome na, 

so he sin dink so aneva, 

dat he darna mit sinne sta. 


XLIV. 
Van enem afgunstigen manne. 


Ein man alse he in der kerken lach, 
sin bet aldus he to sprekende plach, 
darto he sine venien sochte | 
so lude, dat it horen mochte 
ein man, de dar was dicke bi: 

‘Ei here Got, wes gnedich mi! 
gif mi gelucke in dussem live 
unde darto minem guden wive 
unde minen kinderen uns gelike 
unde anders neman up ertrike.’ 


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64 


Dit moide dem, de dit hörde, 

unde sprak aldus mit kortem worde: 
‘Ei here Got, dorch mine bede 

wes gnedich aller kristenhede 

unde vordome dussen man, 

de salichede nicht ne gan 

der werlt, dat he unsalich blive 

mit kinderen unde mit wive.’ 


Aldus döt ein afgunstich man, 
de des geliden nicht ne kan 
unde deit ome in dem herten we, 
dat jenigem minschen güt gesche, 
mer ome unde den sinen alleine. 


Vor Got is sin bet unreine. 


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XLV. 
Van dem vosse et umbra lunae. 


Ein vos gink, do de mane schein, 
des nachtes up ein velt, dar ein 
dep pöl bi sinem wege lach, 
dar he des manen schemen sach, 
daran om duchte an sinem gebere, 
dat it ein schäpkese were. 

Went he om duchte also geschapen, 
den pöl he begunde ütlapen 

up den wän, oft dat water ütqueme, 
dat he dar sunder hinder neme 

den kese van dem drogen grunde. 
Des he af nicht komen ne kunde 
eft ök ne wolde Er an der stunde, 
dat sin lif drinten so begunde, 

dat it an stucken om tospl£t, 

sin giricheit ome dat gereöt. 


Noch vint me in der werlde genöch, 
dat mit so groter ungevöch 
de girige na gude strevet, 
dat he dat lif darumme gevet. 
Dat provet men an mennigem stucke, 
deme gire volget ungelucke; 
jo dar si Godes angest mede, 
wen wat dor güt ieman ie dede 
unde noch wil sunder ende irwerven 
güt, de möt in der sele sterven. 


65 


XLVI. 
Van dem hanen unde vosse. 


Bi enem huse gink up ein gras 
ein hane, unde allerhande quäs, 
dat ome recht to der spise was, 
he scarrende up der erden las, 

5 unde ök dat uppe dem krude wös. 
Do quam dar gände to ome ein vos 
unde sprak: ‘Her hane, guden dach! 
den vogel ik noch ni gesach, 
de ju gelik mit schone were. 

10 De hof de hevet juwer ere; 
: ik wone, juwer ök node enbere 
. beide juwe vrouwe unde here, 
dat ingesinde unde al de hennen, 
de juwe macht allene irkennen; 
15 dor juwe schone unde juwen sank 
de ju so dicke segget dank, 
alse he wert van ju gehört. 
Mit schone pawe unde isenbort, 
duvarn, änt unde grone specht 
20 unde al dat schoner vederen plecht 
unde in der werlt jo lif gewunnen, 
geliken ju nicht ne kunnen; 
des moten se ju des prises gunnen. 
Se sin der morgenroden sunnen, 
25 alse se örst upgeit, an done 
gelik. An schoner rode jedoch ik wone, 
dat wilen hadde juwe vader 
de schone an sinem live algader, 
de an ju lecht, jedoch he plach, 
30 — dat ik van ome vil dicke sach — 
wen he sank spade efte vro, 
so dedo he de ogen to, 
up dat one nicht an sinem sange 
en hinderde, denne sank he lange. 
35 Hölden gi dat ök na sinem sede, 
güt worde juwe sank darmede.’ 
Dem hanen was tom love leve; 
dat he behagedo dem deve, 
höf he up to winkende unde sank. 
40 De vos tohant to ome sprank, 
in sinen munt he one grep 
mit ome he weder to holte lEp. 
De herde worden sin geware 
unde lepen mit den hunden dare 


Niederdeutsche Denkmäler, II, 


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o 


mit al dem vlite, de se mochten, 
ofte se den hanen beschutten dochten. 
De hane to dem vosse sprak: 
‘De knechte döt ju ungemak, 
dat se ju dus sere jaget, 
mer spreket, oft it ju behaget, 
dat ik ores heren nicht en si, 
went gi hebbet vorgulden mi.’ 
De vos do dede, dat he ome röt, 
unde do he sprak, als he ome höt, 
de hane ome dit dem munde glet, 
tohant he al sin sument löt 
unde vlo dar ho up enen strük 
unde sank van vroide kukulük. 
Do des de vos do wart geware, 
he sach vil jamerliken dare 
unde sprak: ‘Vrunt, heddik nu geswegen, 
min list mi were wol gedegen. 
We spreket, wan he swigen schal, 
dat mach vorderven ome wal.’ 
De hane sprak: ‘Gi segget recht, 
we ök to winkende denne plecht 
alse he schal van rechte sein, 
denı mach dar wol let af geschein. 
Mit logene hadde gi mi genomen, 
mit vöch binrik van ju komen, 
mer gät enwech, so do gi rechte, 
mi scholen wol nu dusse knechte 
al sunder angest bringen in. 
So ik beholde minen sin, 
wil ik bewaren, dat gi ne dregen 
mi nicht mer oft vorelegen.’ 

We ane volge loves geret, 
de möt is bliven ungeweret, 
went jo de doget wol enen man 
vor al den luden lonen kan. 


‚Valsch möt men wol mit vöcheit dregen 


unde ane nöt doch number legen. 
We sprikt an tit unde an tit swiget, 
sin lof vil dicke an dogeden stiget. 


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‚dat ik den havik unde vos, 


7 


XLVI. 
Van dem vosse unde der duven. 


In wintertit lach ein gröt sne, 
de mengem dere dede we. 
Do schude it so up enen dach, 
dat ein vos ene duven sach, 
de do up enem cruce sat, 
do was der wint kolt unde nat. 
He hedde gerne se gehat, 
dat he van or worde sat. 
‘Vrouwe duve’, he to or sprak, 
‘gi lidet dar gröt ungemak, | 
ik wolde, dat gi here vlogen 
unde we mit rede to gadere togen 
unde ik ju segede gude mere, 
went ju mach vresen also sere; 
de nate wint is ju to swär, 
it is hir beter vil den dar.’ 
De duve sprak: ‘Vil gude knecht, 
dat sprekent mit ju is mi nicht recht, 
went gi sint ein valsch verde. 
Min moder mi van kinde lörde 
unde al de tit, de ek upwös, 


wor ik mochte, jo vormede, i 
dat ik nicht schaden von on ne lede, 
went ik bin krank, blode unde klene 
unde bin dat halve jär allene, 

dat halve jar hebbe ik enen gaden, 
de mi mach komen echt to staden. 
Darumme is nöt, so wor ik vare, 

dat ik mit vlite dat beware, 

dat in der lucht unde up der erden 
mi nicht ne moge to schaden werden.’ 
Do sprak de vos: ‘Nein, leve sote, 

ik segget ju wol, dest ek mote, 
entruven ik it Ök wol love, 

ik bin nu komen Erst van hove, 

dar is ein vrede so vast gesworen, 
den hebbet ök al de dör gekoren, 
dat we on breket sunder nöt, 

dat he is ane twivel döt. 

Den lowen, wulf, mart unde beren, 
de sach ik al den vrede sweren, 

ik sulven ök moste sweren mede, 
dat ik ein döl vil node dede, 


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68 


45 Nichein ne möt dem anderen schaden, 


50 


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75 


80 


den wedersaten möt men laden, 
de konnink horen möt de sake 
unde richten it al mit gemake. 
Des moge gi sekerliken vlegen 

to mi, ik wolde ju node dregen, 
went ik no dorste ju mit lede 

ök nicht ansein vor minem ede. 
De brevo hebbe ik in dit lant 
bracht al den deren, de ik vant, 
de hebbet se untfangen so, 

dat is al de mogen wesen vro, 

de sik up der erden scholen neren 
unde sik ne kunnen nicht geweren.’ 
De duve sprak: ‘De rede is güt, 


jodoch ik al hir sitten möt, 


ik hore hir wol, wat gi sproket, 
ök komet jegere al her gestreket 


mit winden, panden unde mit hunden, 


ik sach, dat se twene hasen vunden, 
de on entlopen nicht ne kunden, 
de hebbet se jutto upgebunden, 

nu over velt se here jaget.’ 

De vos do sere wart vorzaget 

unde sprak to ore: ‘Vil sote vruwe, 
nu ®egget mi up alle truwe, 

wu na hebbe gi se hir gesein, 

oft ik on moge icht entvlein 

nu in den busch oft in dat hol. 
De duve sprak: ‘Nu se ik wol, 

gi sin hiraf so sere entvrouwet, 


dat gi dem vrede nicht wol en truwet.’ 


De vos sprak: ‘Nein, der hunde döt 
noch luttek van dem vrede wöt 

oft van den breven, so ik mode, 

ik möt darvore schippen hode, 

dat ik vor on nu moge nesen. 
Were on de bröf ök wol gelesen, 


. se scholdens achten ane wesen, 


85 


90 


se sin van also bosem willen. _ 
Ok mochten mi de jegere villen, 
er ik mit on to worde queme, 
min balch is one so angeneme. 
Mer wo it komet umme den vrede, 
ik möt nu korten desse rede 

unde holden mi jutto in de vlucht, 
gi hebbet den vrede in der lucht, 


69 


de mi ne kan nicht up der erden 
van jegeren unde van hunden werden. 
Dem vosse wart do na gesporet, 

95 unde wart, so ik wone, upgeboret. 
Dorch sinen pils he do starf, 
sin vöcheit om aldus vordarf. 


’ 


De duve uns des ein bilde gevet, 
dat welk man enen viant hevet, 
100 dat he on nicht up sik ne te 
unde sine kumpanie vle 
mit allerhande hemelichede, 
went he dar wert vordervet mede. 


XLVI. 
Van dem haveke unde duven. 


Uns segget dat al olde mere, 
de arn si der vogele here, 
so is de havik na minem wane 
sin richter 'unde sin underdane, 
5 so is de valke jo sin schenke, 
de sperwer kemerer alse ik denke. 
Up enem hogen bome sat 
ein arn, do here de summer trat. 
Beneden stunt ök do besunder 
10 ein havik unde duven darunder, 
unde begunden spelen, alse se plegen, 
boven sek se de twe nicht en segen. 
De havik dus to den duven sprak: 
‘Gi döt mi so gröt ungemak 
15 unde moiet mi so rechte sere, 
dat, oft min konnink nicht en were, 
ik wolde ju in truwen loven, 
ik wolde ju so helpen doven, 
dat juwe vederen alle stoven.’ 


« 


20 Wo vele is richtere in der borde, 
. der islik gerne ein havik worde 
mit ungerichte ök, ofte de dorsten 
vor landesheren ofte vor vorsten! 
Darumme is dwank jo over de güt, 
25 de gerne wolt den armen döt. 


70 


XLIX. 
Van dem wulve unde wevele. 


Ein wulf slöp wilen, de was sat, 
vor enem holte an ener stat, 
dar was van dorne ein dicke höp. 
Ein wevel om in den hinder kröp 
5 unde dede om binnen also w£, 
dat he untsprank. Do dachte he, 
woraf dat sör om mochte wesen, 
unde sprak: ‘Wer ik moge icht genesen ? 
hebbe ik genomen roredrank ? 
10 dat is jo ane minen dank, 
went ik ni en böt mit minem willen, 
noch revbarbar ofte pillen. 
Van spise en is it nicht geschein 
ik hebbe so männich rindesbein 
15 gesloken, dat mi ni misquam — 
mer dat rint, dat ek nu nam 
dem wive van dem vorwerke, 
de heft als ik dat merke 
mi dit tobracht unde ore vlök, 
20 de hevet enen stricketes dök 
unde kan ein luttek van den bök — 
mer mochte mi dat vlokent schaden, 
des hed ik mör up mi geladen 
den hares hevet al min hüt.’ 
25 Hirmede kröp do de wevel üt. 
Do on de wulf gesach, he sprak: 
‘Nu segge, hestu dit ungemak 
mi gedän, du worm unreine ? 
du bist darumme jo to kleine, 
30 dat du mi dedest solke sör, 
Ik wönde, dat mi wilen ör 
ne scholde nicht so sere irzagen, 
oft mi ginge ein kat in den magen. 
Du hevest mi so we gedän, 
35 mochte ik icht ere an. di begän, 
ik ‘dede di weder also wo 
unde bete di den hals entwe.’ 
Do sprak de wevel: ‘Unreine hunt, 
of du darnest, do up den munt! 
40 ik vare gerne.di darin, 
oft du vorlesen wult den sin; . 
went ik di mör pine do, 
den ik di dede achter jutto.’ 
De wulf de wart hiraf untdän 


45 


50 


55 


1 


unde hadde des angest unde wän 


unde wolde wesen van om gegän. 


Do höt de wevel one stän 

unde höt one sitten up dat gras. 
He stunt, went he unvelich was. 
Do sprak de wevel: ‘Su des to mi, 
wo klene so ik anders si, 

dat ik din harde luttek achte, 
unde dede minem herten sachte, 
dat twischen dinem unde minem slechte 
ik enen strit to gadere brechte.’ 
De wulf sprak: ‘Ik wil unvorzaget 
den strit, oft it di behaget, 
annemen unde ök vullenvoren 


 unde wil .dinen schilt dar roren. 


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65 


Dat schal bestän mit miner truwe, 
se, dat de rede di nicht ne ruwe? 
Do sprak de wevel: ‘So love we, 
entruwen, dat it den gesche, 

dat du mi nicht en dregest mede 
De wulf dit lofte ome dede 


_ unde sprak: “Wene schal ik laden ?’ 


De wevel sprak: “Wör it mach schaden 


of vromen, lade al dat dar levet 


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. 80 


85 


90 


unde vör bön up to gände hevet, 
lowen, pantör unde einhorn,’ 

Do sprak de wulf mit grotem tom: 
‘Al desse dör sin over mere; 
wultu, dat ek de lade here- 

dorch enen wevel weder to stände? 
des hedden alle wulve schande.’ | 
Do sprak de wevel: ‘So is min rät, 4 
dat du alle wilt to desser dät 

nu ladest, wur du it kanst gevinden, 
re, vosse, swin, hert unde hinden; 

van tamen lade ök mennich stucke, 
schäp, rinder, swin, perde unde bucke, ' 
de reke, de hofwarden unde winde; 

al de men in dem lande vinde, 

de lade ök unde gif on vrede 

unde nim ene weder vest dor de rede, 
dat men van mannigerhande slechte 
dan under vrunden nicht ne vechte.’ 
Dut wart gelovet van on beiden, 

velt unde dach darto bescheiden. 

De wulf de ladete al de sine, 

de he vorgaderde do mit pine. 


en ar ae ea NE a a a SE EEE ee re rn 


95 


12 


De wevel ök begunde spreken 

al, dat jo biten unde steken 

gelerde unde de lude moget 

an der tit, so de hoppe bloget, 

unde bat se holden dessen strit. 
De quamen om al to der tit, 

de to dem stride was bescheden. 

Dat wart gedän ök van on beden. 


100 Hir hölt de wulf, dar hölt de wevel 


105 


110 


115 


120 


125 


enboven der erden alse ein nevel. 
Dem herten de banren dede 

de wulf, dem was gröt angest mede, 
unde sprak : ‘Gi heren, söt ju vore 
unde döt jo achter to de dore! 

de tochremen neman ne spare, 

mer jowelk neme des gude ware, 
dat ome nicht achter inne vare 

de were oft jenich üt siner schare, 
went dat is jo al ore strit. 
Darweder si dat unse vlit, 

dat we nu dar mit menem kore 
rät schippen unde hode vore; 

des seges sin we dan gewis. 

Ein dink doch al min angest is: 

to uns mach he komen; to ungelucke 
de hert, de re, de zegenbucke, 

de rinder al unde de hinden, 

de mach he achter al open vinden; 
den winde, hofwarden unde hunde 
vint he än hode to manger stunde, 
de rekel än zagel geboren ; 

hir wert de sege mede vorloren, 
ne wert hirweder nicht geschapen. 
Dat sulve sprek ik bi den apen, 

de zagel ne hebbet ofte kleder; 

vor de is mi noch vele leder 

den vor mi sulven an dusser tit. 
Mer wen her geit de strit, 


130 twe hande hebbet se alse ein man, 


.135 


mit beiden weren se sik kan, 
mit ener achter ore hol 

unde mit der anderen overal. 
Gi heren, radet mi hirto, 

wat men hir hode weder do! 
It is wol, oft gis nemet ware, 
de merer döl van unser schare, 
oft se dus achter blivet open, 


140 


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13 


des seges we dorve ne number hopen.’ 
Do quam ein rät an oren möt, 
de on. allen duchte güt, 
de an der nöt de beste was, 
dat jowelk nam höw ofte gras, 
dat se dar hebben mochten wol, 
unde stoppede dat vor de hol, 
Mer de bannere dat vorsmade, 
darumme wart he des to rade, 
dat men ome hälde enen schilt. 
Do quam ein bret ome, dar ein vilt 
was upgenegelt, dar men plach 
to serivende up; do het sach, 
behagedet ome vullen wol, 
went it hadde up dat ende ein hol. 
Dar stak he do den zagel vore, 
dus wart behöt sin achterdore. 

Do dit do was al wol bericht, 
ne wart dar do gesumet nicht, 
men let en lopen mit den scharen. 
De wevele de quam her gevaren 
mit sinen in den strit mit macht, 
wol boven der erden ene manklacht 
— dar mosten de der bliven under -- 
unde jowelk slechte was besunder 
gescaret wisliken in den tiden. 
De bein hadden dat vorestriden, 
darna de hornten men sach, 
darna de wespen, unde lach 
des seges vil an den dren scharen. 
De wulf bat jo, de sine waren, 
de hol dat dar nicht inne queme, 
dat on sege unde ere beneme. 
Doch halp om luttek desse rede, 
went al de worme sunder vrede 
so sere staken al de der, 
dat ir nichein ni quam ni ör 
van wormen in so grote nöt; 
se wünden alle bliven döt. 
De hert de de bannere dröch, 
do one mit sulker ungevöch 
dat wormete algemene stak, 
gewan des so gröt ungemak, 
dat he l&t achter enen krak 
so gröt, dat dat bret al tobrak, 
dat ome dar hangede vor dem ende; 
do erst do dachte he to vlönde. 


190 


195 


200 


205 


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220 


225 


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74 


Do ome tobroken was sin schilt, 

to gadere hölt it doch de vilt, 

dat it ome hangende do blef. 

De vedere, dar men mede ser&f, 

de was vorgeten in dem brede; 

de meisten angest ome de dede, 

dat ore noch de wevele plege. 

De brachte on örst to achterwege, 

went de stak on do umme dat hol. 

Do wuste he vorwär dat wol, 

dat dar de wrede wevel was, 

unde dat he ök number do genas 

unde dat it do was vorloren. 

Dat ors nam he do mit den sporen 

unde begunde so sere vlein, 

dat ni ne wart nein hert gesein 

so engestliken vore hinden 

up enem plane vor tw&n winden. 
De wulf tohant, do he gesach, 

dat neder de bannere lach 

unde de hert also sere vlo, 

to allen sinen sprak he do: 

‘Gi heren, wen ein man gesut, 

dat de bannere hinnen vlut, 

so möt he wol mit eren vlein. 

Uns ist al ovele geschein 

mit dussem stride nu to tiden; 

de duvel nicht ne kan gestriden, 

went it sin alto scharpe wichte, 

de uns untstovet dan mit nichte, 

al sin se klene, se sin wröt. 

Mi is dat innichliken löt, 

dat ik is je mit on begunde, 

do ik is vullenkomen nicht en kunde. 

min hovet hebbet se tosteken, 

dat ik nu mach vil kume spreken. 

Mer we sin lif nu wil irneren, 

de möt sik mit den versen weren; 

sik pine ein jowelk hinnen komen. 
Ors wart mit sporen do genomen; 

was dat gröt dör of was dat klene, 

de vlön do hen algemene, 

al dat dar komen was to stride, 

unde dölden sik do also wide, 

dat men se went an dessen dach . 

to gadere numbermör ne saeh. 

De egel quam dar ungeladet, 


75 
dem wart dar minst ök geschadet, 
went welk viant one rörde, 


235 van ome he sware wunden vörde. 


Dit mör is ein döl ungehovet, 


. doch sin lude, de it lovet 


240 


dor desse gemeliken mere, 

dat schedelik alto ernst were 

ein rede unde van wisen worden — - 
de bliden lude de it node hörden. 
Des wulves strit was ungewegen ; 
wer he under of boven heft gelegen, 
vorlesen moste he den pris. 


245 Ein jowelk man to liker wis 


250 


255 


de striden weder sin wif beginnet, 
dar nicht wen laster an gewinnet. 
Darumme prove ein bederve man, 
dar he nicht ere irwerven kan, 

dat he dar jummer holde vrede, 

went vrouwen krich, ir scharpen rede 
mör steket dan wespen ofte bein. 

Wo vil des dicke is geschein 

in al dem lande unde gesein, 

mach mennich man mit lede gein. 


L. 


Van deme kalen manne unde vlegen. 


Ein kale man an sommertit 
mit ener vlegen hadde strit, 
de on up sine kalewen bit, 
went se was snel, dat weder höt. 
Vil dicke he na ore slöch, 
dat lange vort om klene dröch, 
went se jo sinem slage entvlo. 
De man sprak to der vlegen do: 
‘Dat ik mi geve so mannigen slach, 


10 ein slach dat al vorsonen mach; 


15 


tein ‚slege döt mi kleine nöt, 
rake ik di enes, du bist döt. 
Din biten dat is ungevöch ; 

so wanne des speles si genöch, 
so schalme des bilken vortien, 
to lest ne kan it nicht gedien.’ 
Ok wat de man sprak ofte. ret, 
de vlege or biten nicht en 1öt. 


16 


To lest or vöcheit se bedröch, 
20 dat se van ome to spade vlöch, 

dat he do gaf ir enen slach, 

dat se döt uppe de kalewen lach. 

Do sprak he: ‘Du unreine worm, 

din biten heft di unde din storm 
25 nu unde din krich umbehende 

gegeven enen bosen ende.’ 


De modinge bi dussen meren, 

de an rof ore sinne keren, 

sik mogen wol tein unde leren. 
30 De sunder nöt de landesheren 

dor dol jo schedeliken anvechten, 

al sin se Ok wol in den rechten, 

jodoch so möt it on vorderven, 

dat se darumme moten sterven. 
3b Gewis is, dat se reven, 

de dor nut wagen or leven, 

dor gudes unrecht gewinne, 

dor stoltheit ofte dor jenge minne, 

went dar der selen döt an leget. 
40 Unwis sin se alle, de des pleget. 


LI. 


Van enem berge, qui genuit murem. 


Ein berch anken begunde sere; 
als oft he mit kinden were, 
he bevede, suchte unde drant. 
Dit mör quam over’al de lant, 

5 dat sere untvrochte, dat darunder 
vorborgen were ein merwunder. 
Dat he dat scholde nu gewinnen, 
des waren vil na ut oren sinnen 
van angeste de lude komen, 

10 went it en wart ni ör vornomen, 
dat sik ein berch so mishölde. 

De lude hölden up dem velde, 
darbi ne dorsten se nicht wesen, 
dar de berch wolde genesen. 

15 Tolest mostes ök werden ende, 
unde wart den luden also to sende, 
dat ener müs de berch genas, 
daraf om al dit anken was, 
dat aldus lichtlik ende nam. 


‘ 


77 


20 Do dut do vor de lude quam, 


noch mör spot wart in der borde, 
den al de angest ju geworde. 


Dus drowet mannich mit groten worden, 
dat, of it arıne lude hörden, 


25 dar mochten af wol vorzagen, 


de it nochten wol .latet dagen 

unde ök to lest sik sulven vreden. 
Van groter drowe unde groten reden 
vorsmät, bespottet mannich man 


30 wert, de it nicht vulbringen kan. 


UL. 


Van enem ridder unde sinem winde. 


10 


15 


20 


25 


30 


Ein ridder wilen enen wint 
hadde alse l&f vil na alse sin kint, 
went den wulf unde den hert vink he, 
den vos, den hasen unde dat re, 
darumme at he scldene morsöl, 
des ome ne worde nicht sin däöl; 
nichein dink ne wart vor ome gesparet. 
Went older harde unlange waret 
des hundes, des moste ome afgän, 
al wol dat spisen sunder wän 
plage one sin here an allen stucken. 
Mit oldere komet jo dat unlucke 
dem live, sorge, suke, klage, 
doch wunschet men is alle dage; 


de wint wart mager, vorschalt sin ogen, 


sin here en kunde it gedogen 
nicht wol, dat he on ansage, 

dat makede om older unde plage. 
Doch enes he mit om l&p 

unde sach, dat he enen hasen gröp, 
den hedde gerne he gebeten, 

do waren de tene ome vorsleten, 
dat he on entholden nicht en kunde. 
Darumme tornen sik begunde, 

dat he ome entlopen was, sin here, 
dat he den armen slöch so sere, 


‘dat he vil kome mochte gän. 


De wint sprak do: ‘Heb ik gedän 
je gudes icht an miner joget, 
was an mi jenigerhande doget, 


18 


des mach ik klene nu geneten, 
do gi mi bi ju slapen leten 
unde waren mi so rechte güt 
unde mi nu so gröt ovel döt, 
35 dat mach ju an den eren krenken. 
Gi scholen der vordät gedenken, 
de mi nichein undät benomen 
hät, mer older, dat ju tokomen 
wol mach bi wane an korten jaren ; 
40 nochten blive gi wol, de gi waren. 
Allein untgän si mi de macht, 
dar scholde gi hebben an gedacht, 
dat gi dat sulven gerne nemen, 
dat gi darto mit gnaden quemen; 
45 truwe older hevet gi darmede. 
Untruwe ik nu bi ju en dede 
an oldere noch an joget 
Mer döt bi mi na miner doget, 
dat it wol juwen eren sta 
50 unde mi nicht alto na en ga.’ 
De ridder hir en sprak nicht weder, 
mer dachte aldar, dat dat dönst neder 
lege, aldus moste dat lön ök bliven, 
unde dachte dussen wint entliven. 


55 Wor truwe untruwen dönst döt, 
dat lön wert om selden güt. 
An wem men valsch ne wöt nichenen, 
mit truwen mach men gerne om denen. 
Neman de olden schal vorsman, 

60 de doget an joget hebbet begän ; 
al is on de macht afgegän, 
ir herte möt doch jo bestän. 


LIII. 
Van dem bocke unde wulve. 


Ein bok stunt wilen in der weide 
bi enem dorpe up ener heide. 
Ein wulf, de to om hadde veide, 
quam to ome dar, van groter leide 
5 wart he vorzaget, do he on sach, 
went he wis den döt gesach. 
De wulf sprak: ‘Broder, guden dach! 
de ju doch kume werden mach. 
Went ek ju vinde allene stän, 


79 


10 so schole gi kume des entgän, 
| dat gi dar lön nicht af untfän, 
dat gi mi hebbet vore dän, 
do gi stunden mit juwen geten ‚ 
unde ik ein wolpen was geheten, 
15 unde mi min hovet so tosteten, 
dat gi vor döt mi liggen leten. 
De bok untvrochtede one sere 
unde sprak to ome: ‘Vil leve here, 
vil wol irkenne ik .ök de mere: 
. 20 mer söt an juwes sulves ere, 
allen heb ik is wol vorschult, 
unde hebbet also lange dult, 
dat ik doch örst twe missen singe, 
dat is ju güt to mangem dinge, 
25 ene vor ju unde ene vor mi, 
dat wonik mi ök nutte si, 
went ik bin ein gewiget prester.’ 
Do sprak de wulf: ‘Nein, leve mester, 
gelevet heb ik mennigen dach, 
30 dat ik to horende ni ne plach 
de misse of jeniges papen sank, 
mer wu der kerle kele klank, 
wanne se mi sagen gän, 
dat heb ik dicke wol vorstän.’ 
35 Do sprak de bok; ‘Nu is mi leit, 
dat gi sin sunder underscheit, 
dat gi des weten nicht en willet, 
wanne ein bok mager wert gevillet, 
dat vlesch is arger den de hüt, 
40 mer wanne min misse komet üt, 
so werde ik beter den ein lam, 
dat järlank van dem soge quam.’ 
Do sprak de wulf: ‘Dat mach wol wesen, 
de misse latik di wol lesen, | 
45 so du de noten latest stän, 
went ik schal weder to holte gän. 
Do sprak de bok: ‘Misse ane sank, 
der weit Got harde klenen dank; 
dat men de misse singe ho, 
50 dat maket alle de lude vro. 
Dat stilnisse ik wol overvare, 
dest ik de petze jo beware, 
de möt ik di jo sulven geven, 
darmede si de messe bleven.’ | 
55 Do sprak de wulf: ‘Vrunt min, so sink!‘ 
De bok gink stän up enen brink, 


60 


65 


70 


75 


80 


85 


80 


sin bart was gräw unde lank, 

do höf he up ho unde sank, 

dat sin kele int dorp klank. 
Sin.mester do tohant upsprank 
unde rasche knapen, sine sellen, 
mit kolven, speten unde grellen, 
mit starken hunden unde snellen, 
unde wolden den wulf gerne vellen, 
went se wol wisten in dem rochte, 
dat it wol ein wulf wesen mochte, 
mit haste satten se om to 

unde quamen up one also vro, 

dat he on kunde nicht entvlein 
went he den bok had angesein 
unde gehört sin schone singen. 

Des moste do sin pils dingen, 

de hunde up on begunden dringen, 
de on nicht neder ne kunden bringen, 
went he was stark unde gröt, 

de tene he on wederböt. 

Doch brachte on in de meisten nöt 
der petze macht, de om vordröt, 
went do de knechte mit den speten 
tolepen unde one wolden scheten, 
do r&p de bok: ‘Lät on noch leven, 
ik schal om ör de petze geven.’ 
Dar he tohant was to beröt, 

vor sinen kop den wulf he stet, 
dat ome dat hovet al tosplöt. 

Do sprak de wulf: ‘Vrunt, Got de wöt! 
de petze was alto swär, 

nicht en vorleve he dit jär, 

de de petze so harde bedachte 


90 unde se mank de missen brachte, 


95 


de mi bracht heft an missetröst 
unde ie van angeste gelöst.’ 

De wulf de blöf, de bok entquam, 
darmede de mere enen ende nam. 


Dorch nöt 'möt wol ein legen, 
doch vrunt ne scal me nicht bedregen, 
doch möt men an des lives nöt 
wol logene voge ofte gröt 


. den vianden wol vore leggen, 


100 


dat me sek darmede moge entseggen; 
doch is wärheit güt to allen dingen. 
Mer de scande unde schaden bringen 


81 


kan, de unwärheit de schal me vormiden, 
ök wat men daraf schulle liden. 


LIV. 
Van dem raven unde pawen. 


Ein raven döt enen pawen vant. 
Do dachte he darna tohant 
mit sinne unde mit gudem willen, 
dat he den pawen wolde villen 
5 unde wolde sin vlösch eten sän, 
'algader umme sinen rugge hän 
unde wolde mit den pawen gän ° 
unde wolde de revene al vorsmän. 
Dit wart tohant van om gedän, 
10 he at dat vlösch unde begröf, 
des ome do nicht ne was behöf, 
went ni de raven gerne gaf. 
He rofte al sine vederen af 
unde töch des pawen voderen an, 
15 dar he af al sulken homöt wan, 
dat he de ravene vorsmäan 
begunde unde mit den pawen gän. 
He wolde ök gän vil dicke vore, 
sin zagel slepede om: in dem hore, 
20 oın was unreinicheit mede, 
-he at bose na al sinem sede. 
De pawen do se dat gesagen, 
begunden se mit nide jagen 
dorch sine unreinicheit den dwase, 
25 den se begrepen up enem ase, 
unde howen on neder unde beten, 
af se ome de schonen vederen reten 
unde leten liggen on vor döt, 
gewunt, unsalich unde blöt. 
30 Darna do he sik echt vorsan 
unde weder ein del der macht gewan, 
kröp he echt na sinen magen. 
Tohant do se on komen sagen, 
begunden se one meine vragen, 
35 wor nu komen were sin bagen 
unde sin grote hoverdichede. 
He sprak: ‘So dörliken ne dede 
ni dwäs alse ik, dat ik vorkös 
juwer, des bin ik vredelös 
40 worden unde bin als ein gös, 


Niederdeutsche Denkmäler, IT, 


-2-—%. 


45 


60 


65 


70 


75 


d 


82 


de uppe den eigeren gevrös, 
gevillet, blöt unde beroft 

unde hebbe den homöt al gekoft.’ 
De ravene spraken algemeine: 
‘Var dinen wech, vogel unreine, 
went du bist ein vorwaten def, 
din unsälde is uns allen 16f, 

to uns ne komestu nicht, 

du rechte, bose, snode wicht, 

to uns ne kumstu numbermer. 

Du woldest wesen alto her 

dor dine duve of kranken vunt 
der klenen pawenvederen bunt, 

de an di stunden sunder grunt, 
des bistu sere nu gewunt, 

blöt alse ein made unde ungesunt 
unde vordreven als ein hunt. 

Dat wort ne was di nicht kunt, 
dat klöt vorstolen ni wol ne stunt.’ 
Dus wart he up beidenthalven vorstoten, 
van pawen unde sinen genoten 
wart he dus schentliken vordreven 
unde is ein bose wicht sint bleven. 


We ane sin unde .ane rät 
ein geistlik levent anegät 
unde ome darna missegät, 
de wert von geistliken vorsmät 
unde van den wertliken darmede, 
dat is ein vil mene sede. 
Echt welk bür is van so groten 
mode, dat he wel sik noten 
jo den ridderen van art, 
so hetelik dink ni ne wart; 
misgeit it om unde wel he weder, 
he sit twischen tw&n stolen neder. 


LV. 
Yan den: lowen unde dem vosse. 


De lowe, konnink unde here 
der dere, wart der wilen sere. 

- Rohant he sinen boden sande 
na al den deren in dem lande; 
dat se quemen, let he on beden, 
unde ome to siner suke reden. 


10 


15 


83 


De quamen al up enen dach, 
dar he an sinem denne lach, 
dar dicke umme ein dorne was, 
dar binnen blomen unde gras. 
De wulf do to dem lowen sprak: 


‘Al juwes lives ungemak 


is uns let allen de hir stät 

unde geven ju vil gerne rät, 

oft wet kunden, unde dat 

ök schullen gi weten, dat vorsmät 
de vos nu heft juwe gebot, 

de rede hält he vor ein spot, 

do wi one herkomen baden. 


20 He kunde ju doch best geraden, 


25 


30 


35 


40 


45 


50 


went he wis is unde gevöch 

unde kan van fisiken genöch 

unde wel dar af ein mester wesen, 

he heft dar doch klene af gelesen. 

Den puls he tastet mit den tenen, 

de hönre se ik on bejenen, 

so wanne he wil ene hennen 

bi joget edder bi vette irkennen. 

He kan ök ane glas gesein, 

oft ein kapün drecht enen stein; 

mer is dat hane, is dat kapün, 

de dar kumpt over den anderen tün, 

den stein he ome in- dem live soket. 

Hirumnıe, here, of gi des roket, 

so latet laden echt den man, 

de so vele erzedie kan. 

Ein dink segge ik ju darmede, 

he is van also schalklikem sede 

dat hes gensliken vorseket, 

so wanne gi hirumme on anspreket. 

Dat he ju dan wat rechtes do, 

dar horet grote slege to.’ 

Dit sprak de wulf al umme dat, 

went he dem vosse was vil hat, 

oft it hir an om misseginge, 

dat he on denne darumme entfenge. 
De lowe sprak: ‘Her wulf, dat si! 


de bodeschop bevele ik di, 


lät one bi minen hulden laden, 
oft he wil bliven ane schaden.’ 
De lowe üt al de dere dr£f, 
allene he darinne bi6f. 


De vos. darbi hadde in dem dorne 


6* 


55 


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84 


gestän unde was ome vil torne, 
went he de heteliken wort 

des wulves hadde al gehört. 

Darin he do to dem lowen gink, 

de on gunsteliken untfink 

unde sprak: “Wur hastu gewesen ? 
mi is rechte als ik si genesen. 

nu ik di hebbe hir gesein.’ 

De vos sprak: ‘Here, ik willes gein, 
dat ik van erzedie kan 

so vele, oft ju nu jenich man 
gehelpen schal, dat ik dat do, 

went ik wet, wat dar horet to.’ 

Den vöt leide he up den lowenvöt 
unde sprak; ‘De puls is ju güt, 

de mage is ju ein del vorkoldet, 
went gi nicht rechte tit ne holdet 
mit etende, dat schadet sere, 

dar wil ik ju af helpen, here, 

so gi nu rades volgen willen. 

Den wulf den schalme levendich villen, 
up dat ik snelliken ju bote; 

sin hovet unde sine vote 

om genslik ungevillet bliven, 

dat he besta echt in dem live; 

des zagels he ök nicht enbere, 

dat he sik mede den vlegen were. 
Mit der hüt schalme ju beslän 

al heit unde den bük umbevän 
unde den lif vaste darmede bewerken ; 
den scul gi eten ein vet verken 

mit salsen, de ik ju darto make, 
hiraf werde gi tohant to rake. 

Ik kan dem wulve ök wol behelpen, 
dat he gedän wert als ein welpen 
mit ener nigen jungen hüt, 

als ik junk här bringe om darüt, 
wil he mi wat darumme geven 
unde ök na minem rade leven.’ 

De lowe do dem wulve enböt, 

he scholde om geven to siner nöt 
de hüt, so mochte he genesen, 
willichliken, went it doch scholde wesen. 
Dut moste wesen, he löt one villen 
doch sere weder sinen willen. 
Dem vosse wart de hüt gesant, 


den lowen he darane bewant 


85 


so lange, dat he wol genas, 
des de vos wol gepriset was. 
De wulf sat trorich unde blöt, 
om deden de vlegen grote nöt, 


105 he ne hadde nochten nicht vornomen, 


woraf om was de schade komen. 
De vos den wulf do wolde sein 
unde wolde om do siner kunste begein, 
wo he dem lowen helpen kunde. 


110 Den he groten aldus begunde, 


115 


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125 


130 


do he on gemoiet van vlegen sach: 
‘Rätgever des konniges, guden dach! 
de ju doch kume werden mach. 

Nu segget mi, wan er geschach, 

dat gi ju in dat levent begaven ? 

an Sassen, Beigern unde an Swaven 


- unde over al dut dudesche lant 


so stark ein levent me ni ne vant. 
De knottere des nicht ne pleget, 

des gi vor juwe sunde dreget: 

up blotem live kogelen grawe, 

an voten scho swart, hanschen blawe 
unde enen vlegenquast dar hinder, 
it ne vormogen nicheine kinder, 

dat se sik an so swär ein leven 

dor nut oft dor nöt icht begeven.’ 
De wulf sprak: “Vrunt, gi sint vil malsch, 
was min rät weder ju icht valsch, 
mit valsche hebbe git mi vorgulden, 
alse gi unde min here wolden. 

Spot volget gerne jo dem schaden, 
mit den ik beiden bin vorladen.’ 


Vil mannich sulven darna vellet, 
dat he to valle enen anderen stellet.. 


135 Wor valsch to valsche sik gesellet 


140 


145 


we.dan den andern dan vorsnellet, 
des noch genöch schut alle dage, 
des möt ik län ane klage. 

Wes rät den heren wol behage, 
dem radik, dat he jo vorzage 

vor bosem rät up sine geliken, 

sin dat de armen of de riken, 

of he ute dem rade mote wiken, 
dat se om mit vruntschop nicht beswiken. 
Des rät mach allerlengest duren, 
de truwe is jo sinen buren. 


10 


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86 


LVI. 
Van der emeten unde vlegen. 


Mit ener emeten begunde 
ein vlege striden to einer stunde, 
mit scheltwort to ore se sprak: 
‘Du modink hevest ungemak 
dat jär üt al na diner spise, 
dat ik na wärheit di bewise. 

Korn droge du to hole dregest, 
under der stuken du den legest. 
Oft in der heide oft in der erden, 
wat schal di armen dar gewerden ? 
so wanne komet ein derve regen, 
we schal di danne to schure dregen? 
so bin ik in den husen vri 

unde bin den riken luden bi. 

Ik drinke win, ik drinke ber, 

dat nicht en deit ein ander der. 
De vrouwe de en is ni so för, 

dat ik ne vlege up ir ler. 

Min lichtichkeit mi vroude gevet, 
unde al dat jenich vorste hevet, 
bedde unde stöl, spise unde drank 
is mi mit on än oren dank.’ 

De emete sprak: ‘Du seggest wär, 
ik hebbe to spise al dat jär 

korn, dat neman mach upgelesen, 
dat möt min wol van rechte wesen; 
des heb ik al des ik behove 

unde sitte vri an miner grove. 
Duve is it al, des du di generest, 
mit angeste du hinnen verest 

als alle deve to aller stunt, 

van enem manne up enen hunt, 
van enem hunde up ene ko. 

Dar hörde jo vil unsinnes to, 

of ik din levent scholde prisen! 
mer dat kan ik di wol bewisen, 
dat du dat unreineste der 

bist, dat is unde wart ie er. 
Unreinicheit du mit di vorest, 

du unreinest, wat du berorest! 
Bewilen arnestu ök dat 

unde di is al de werlde jo hat, 
went wen de winter her schal komen 
unde di din snelheit wert benomen, 


45 


55 


65 


Ye 


so klevestu bi ener want, 

so mach me di nemen mit der hant, 
so mostu jamerliken sterven 

ofte van hungere vorderven. 

Do sittik echt an miner grove 

unde hebbe al des ik dan behove.’ 


So dum, so unwert ni ne wart 
minsche oft van sodaner art 
sin sin, om ne si dat lof to gröt, 
dat hebbe jenich sin genöt. 
We undät der bosen wel melden 
unde se darumme jo wel schelden, 
des herte rouwen mach vil selden, 
went set mit scheltwort kunnen gelden. 
Sotem gröt sote antworde eget, 
weder grote bose bose vleget. 
Des mannich tunge is ein wret blat, 
it maket vruntschop unde hät, 
it maket vrede, it maket veide, 
it maket vroude unde leide 
unde an tavernen mannigen strit; 
dit döt de tunge to aller fit. 


LVIl. 


Van dem lowen unde apen unde vosse. 


10 


De lowe üt enen hof geböt, 
de scholde werden harde gröt, 
dar he alle der begunde laden, 
we nicht ne queme, it scholde om schaden. 


. Do dusse hof scholde untstän, 


quam Öök de ape dar gegan, 

to deme vosse he sik dede, 

dar he gink up dem wege mede 
unde sprak aldus: ‘Vrunt, leve vos, 
dat ju so lank de zagel wös 

unde dat he ju wart also strak, 
daraf quam ju gröt ungemak ; 
kunde gi one bogen als ein hunt, 
dat hulpe ju to manger stunt, 


15 went wanne nat is ju dat här, 


so möt he werden ju so swär, 
went he möt in dat hör hangen, 
dar gi mogen bi gevangen 

wol werden, oft ju nicht en lette 


88 


20 de zagel unde ök juwe vette, 
went juwe vel is Ju so slicht. 
Dorch afgunst dat en spreke ik nicht. 
Darweder sin we armen apen 
an allen zagel so vorschapen, 

25 dat unser nichein also vele 
ne heft an ernst oft an spele, 
dat he achter sik behude, 
darımme bespottet uns de lude; 
doch bin ik meist darmede begäan, 

30 als ik ju schal to hove stän, 
dar vor den lowen, unsen heren, 
unde ik mi dan schal ummekeren 
unde gän den lichte mit den achten, 
so mach he mi sein in den bachten, 

35 dat mach ho dan vor ovel holden. 
Mostik bi dem dar mit den olden 
rätgeven sitten up min hol, 
dat let scholdik bewaren wol. 
Hirumnie, vos, vil leve knecht, 

40 do nu, so vrunt bi vrunde plecht, 
bi mi, als ik dat schulle vordenen 
beide an dem groten unde an dem klenen, 
dat di mer vromen mach den schaden, 
unde dinen zagel, dar du vorladen 

45 bist mede, dele weder mi, 
dat ik so blöt dar nicht en si, 
dar komen schal so mannich der 
van manger art so vullen fer.’ 

Do sprak de vos dus to dem apen: 

50 “Unnutte bede unde unnutte klapen, 
radik, dat jene jo vormide, 
de node smelik wernent lide. 

Her ape, ek hebbe voger wort 
van ju dorch bede vil gehört, 

55 de sin unnutte, als is de bede. 

Min möt, dar ik nicht af en trode, 
is, dat of mi noch mere lengo 
de zagel hedde of overswenge, 
unde were de drie also swär 
60 unde bedestu mi des ein jär, 
. du scholdest weten dat vorwär, 
dat ek darüt di nicht ein har 
ne geve, of ik di sege sterven; 
. ik wil one minen kinderen erven.’ 


65 Sus döt de kerge rike man, 


70 


10 


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20 


25 


30 


35 


89 


de des nemanne Ök ne gan, 

dat he mit ichte sin genete. 

Sin korn he lever derven lete, 

sin ovet roten, sine kleder 

den worm eten, Er he leder 

des jengen minschen wol gegunde, 
dat he hiran sin geneten kunde. 


LVII. 
Van der kreien unde schape. 


An enem mere lach bi schapen 
ein wulfhunt unde was untslapen. 
Up ein schäp dar ein kreie vlöch, 
der wulle se ome vele üttöch 
unde vörde se to orem neste, 
went ir de wulle duchte beste. 

To lesten sprak dat schäp: ‘Vrouwe kra, 
de wulfhunt ligget ju vil na, | 
gi mochten on Ök gerne wullen, 
weut he heft hares wol de vullen, 
unde geven mi Ök enen vrede.’ 

Do sprak de kreie: ‘Dusse rede 

de is unnutte, wente ik wal 

wet, wur ik vlesches miden schal; 
de hunt ne slept ni so vaste, 

he ne vornemet unde taste, 

berörde ik one bi enem hare; 

dat mochte werden mi to sware, 

he bete mi dat hovet af 

unde achtede min denne ein kaf 
wrake unde veide al miner mage, 
darumme ik it node wage. 

Mer di dorn ik to allen tiden 

unde andere schäp än angest riden 
unde te ju af al dat ik wille; 

of ik ju ök de hüt af ville, 

gi ne dorven dar nicht weder dön, 
wente gi sin kranker den ein hön.’ 
De herde hadde wol gehört 

der kreien unde des schapes wort, 
de was ein vil behende man, 

här he van enem perde wan, 

daraf he stricke begunde dreien 
unde vink darmede de sulven kreien 
unde andere Ök, de schaden deden 


40 


45 


HU 


55 


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15 


30 


ome unde up sinen schapen reden, 
unde höw on al de hovede af, 
ore vlösch he ök den wolpen gaf. 


Nu horet, wat dit bispel bedude! 
De kreien sin de bosen Inde 
unde sin mit alle orer dät 
afbrokere unde bose wichte, 
de nicht wen roves sik begät 
unde ne dogen anders to nichte. 
Scäp sin de monke unde de papen, 
den jo nein were is geschapen 
mer ban, des dusse det unreine 
jo achtet twär vele kleine, 
darumme is or güt al ere, 
went se se weten sunder were. 
De riddere dat sin de hunde 


de beschermen scholden to aller stunde 


de papen unde al geistlik leven, 
darumme is on dat swert gegeven, 
de darto doch vil dieke slapen 
alse de hunt bi den schapen. 

Mer, wer se slapet ofte waket, 

on sulven se wol vrede makct 

vor dussen roveren vorwaten, 
wente se dar mosten weder laten 
ein pant, des se vil node enberen.. 
De herde sin de landes heren, 

den papen unde riddero denet, 
den Got to lest den sin vorlenet, 
dat se set in der papen nöt 

unde ök der klostere dicke gröt 
unde settet strik vil vast den bosen, 
dat se van on de guden losen, 
unde latet af ore hovet howen, 

ök wat ore mage mogen drowen, 
up dat vrede in dem lande werde. 
Des möt an sik untfän de herde 
ore vlesch na rechte mit dem velle, 
unde den wulven van der helle, 
als ik entvrochte, wort to dele 

to groter pine ir armen sele. 


2 


 LIX. 
Van enem perde unde esele. 


Ein vet schone ors van hogem prise 
geziret wol na siner wise 
mit breidele unde mit gereide 
lep ledich sunder jenich geleide, 

5 dat wol dem rede mochte schaden. 
Do untmotte om ein esel geladen 
mit holte wol na siner lenge 
in enem wege, de was enge, 
dat he ome entwiken nicht ne kunde. 

10 Dat ors sik tornen do begunde 
unde sprak to ome: ‘Du ungehure, 
unwerdeste aller kreature, 
wu dorstu gän an mine mote, 
sint ik di wol mit enem vote 

15 vorderven mach mit enem slage! 
Gink bolde weder, du bose zage, 
of ik schal treden di dar neder! 
De esel sprak: "Wu gerne ik weder 
ginge, of ik mochte, leve here, 
20 — dat döt wol vogen juwer ere! — 
unmogelik is, dat ik kere, 
ik bin geladen also sere, 
unde is dat holt,. dat ik nu drege, 
ök vel longer, den ik plege. 
25 Dat ors van hoverdicheit bolt 
van torne wrenschede unde stolt, 
doch swigede de cseol stille. 
Dat was dem orse wederwille, 
dat he dar nicht ne redede weder, 
30 dat it mit schult on mochte neder 
gereden hebben als it dede, 
des wart it dar vorbolgen mede, 
so dat it up den esel sprank, 
dat dor den bük do ome drank 
35 dat holt, dat do de :esel dröch. 
De vote ök, dar it mede slöch 
den esel, dat holt om dorewöt, 
dat vore unde achter jowelk vöt 
moste ome vorlamen an korter stunt. 
40 Doch bl&f do csel wol gosunt, 
unde dat ors wart so gewunt, 
dat it hedde nicht ein punt 
gegulden, of it veile were. 
Dus wart vorgän des orses ere, 


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10 


92 


went men it dar slöch in dat gras. 

Do it ein d&l gehelet was, 

begunden it de knechte riden, 

des wart de rugge om unde de siden 

tobroken, mager unde gevillet, 

so dat sin homöt wart gestillet. 

Do quam de esel up enen dach, 

dar de gül jamerliken lach 

geladen allenthalf mit vlegen, 

unde sprak: ‘Leve vrunt, dat is hirjegen, 

dar gi nu sin geplaget mede, 

de mit so groter kundichede 

de armen plagede ane nöt, 

Juwe overmöt de was to gröt, 

den gi vil mangem perde daden 

unde mi, do gi mi nedertraden 

dor stoltheit ano mine schult. 

Wor is de breidel nu vorgult? 

wor is is de sadel vorlasuret ? 

Nu ju des tornes is vorduret, 

nu Ju de lamen lede turet, 

nu is der stoltheit ju gesturet, 

de ogen sin ju ingevallen, 

de rugge scharp, besat mit gallen 

de bein kunstich, ser beide siden, 

ein wertman scholde ju node riden. 

Dut heft gedän juwe kundicheit 
(Lücke.), 


dat varende is, dat he in homode 
den armen vordrucke up der erden, 
went he sulven ök mach arm werden. 


LX. 
Van dem vosse. 


Winberen ripe ein vos sach hangen, 
der he ne kunde nicht aflangen, 
der om doch luste unmaten sere. 
Allene de stok so hoge were, 
dat he ir winnen nicht ne mochte, 
Jedoch het manger wis besochte, 
wu ome des lusten worde geböt. 
Do dachte he an sinem möt, 
of desse winberen weren güt,- 
se stät hir so sere umbehöt, 


93 


se weren overlank vorgän, 
ök we on hedde dat gedän. 
Wu lange wil ik denne hir stän ? 
went ik des hebbe vasten wän, 
15 dat se sin unripe unde sür 
(Lücke.) 


35 der he gekrigen nicht ne kan, 
so radik om, dat he dan, 
er he werde vordervet nmede, 
dat he do, so de vos nu dede 
unde sine sinne daraf kere, 

40 ande legge ome vore sulke mere, 
dat de vrouwe ök si wandelbere, 
allein se si.an vuller ere 
unde guden loven ök ute unde inne 
an schone, an reinicheit unde an- sinne. 

45 De he ane let wol gewinne, 
de one weder minne gerne, 
allein se si ein arm derne, 
de sinem done. si gevöch, 
darane hebbe he ennöch 

50 beide up der borden unde in den steden. 
Ein vogel soket sinen gaden, 
den he ütkust, van siner art. 

Ein dink so dörlik ni ne wart, 
so dat ein minsche darna sta, 

55 dar nicht wen schande om volge na. 
Hirumme so sprikt men ene rede 
van dem vosse, de dar mede 
arbeide nacht unde dach anstät, 
dat he der winberen ete sat. 


LXI. | 
Van dem herte unde perde. 


Ein hert stunt wilen in der weide 
mit enem perde up ener heide, 
de waren stolt van joget beide. 
Daraf irhöf sik sodän veide 
6 do under on von stolter rede, 
dat alle vruntschop unde vrede 
untsegede dar up der stat 
dem andern ein jowelk dorch hät 
unde scheden sik mit grotem torne, 
10 De hert de dachte mit dem horne 


15 


20 


30 


35 


40 


94 


sik wol dem perde geweren, 

dat pert dachte ök vorheren 

den hert mit helpe unde mit liste, 
went it wol sine reise wiste. 

Do wönde dar bi ener mile 

ein ridder, de ök plach bi wile 
to jagende mit sinen hunden, 

de ök mit grotem wilde kunden 
wol lopen, alse or here wolde, 
unde ök mit anderen vel bolde. 
Dat pert to dem riddere l6p, 

bi sinem koppe he it grep, 

dat ome untwek nicht enen vöt; 
ome duchte dat aventure güt, 
went it was wilde, üt ener stöt, 
unde dat de perde node döt, 

dat men se moge so använ 

unde se darto dan stille stän. 
De ridder sprak : ‘Wes willekome !’ 
Dat pert sprak: ‘It is din vrome, 
dat ik mi an din dönst bede; 


vil hasteliken di berede 


mit dinen hunden to der jaget: 
ik wille di, of it di behaget, 

nu up minen rugge dregen, 

dat is di vil wol belegen, 

dar ein hert steit vullen stolt, 

dat he dor di ne wil dat holt 
nicht rumen noch dor dine hunde, 
dat jo daraf he ne kunde 
untlopen nicht van groter vette. 


Ik wil ju wisen, wur men sette 


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50 


55 


de warde unde wur men one vinde 


unde wor he lopet uppe de winde 
unde wor he ök to watere wil, 
dar machstu hebben sulk spil, 

dat it di is schön an to sende, 
er he dar neme sinen ende.’ 

De ridder wart der mere vro 
unde legede up dem perde do 
den sadel, de darto was recht, 


 unde enen töm dede om de knecht, 


de slicht genöch was, in den munt, 
he sulven nam den leidehunt, 

de winde namen sine knapen, 

to vote dar knechte to geschapen 
de namen alle sine hunde. 


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y5 
To wolde trecken men begunde; 
de hert de wart tohant gespört 
unde one tohant so verne untvört 
van groter snelheit siner bene, 
dat se alle umme on wisten klene. 
De ridder doch röt up dem spore, 
al dar de leidehunt l&Ep vore, ® 
de hert de l&p vil lange wile 
vil na wol verdehalve mile. 
Dat he ni togel up ne to, 
des wart dat pert gar unvro, 
went it was junk unde ungehornet. 
De ridder ök daraf vortornet 
wart, went om dat pert sede mere, 
dat altohant irlopen were 
de hert van ungevoger vette 
unde ök ein del van groter hette, 
unde höw it sere mit den sporen, 
das it vil gerne hedde enboren, 
went it is was vil ungewone. 
To lest do it quam üt der done, 
do sprak it: ‘Holdet, leve here, 
ik bin vormodet also sere 
unde sin de siden also s£r, 
ik ne vorwinnet number mer, 
lep ik icht mör än underlät.' 
De ridder sprak: ‘Des wert wol rät, 
perde is genöch an minem horve, 
bi minen truwen ik di love, 
al breke di de rugge entwe., 
den hert ik dalink storten se. 
unde wert an ome dat gewroken, 
dat he di ovele hebbe gesproken.‘ 
Dat pert sprak: ‘'Lät, here, on noch leven! 
ik wil ome mine 'hulde geven, 
went he is dum unde is ein sot 
unde sprak it wärlik än sin spot.’ 
De ridder sprak: ‘Mit desser rede 
schaltu kume ome krigen vrede 
unde höw it mit des up de siden 
unde begunde do vil serer riden 
ein del, den he vore plach, 
so lange, dat vorgink de dach 
unde one de swarte nacht afdref, 
dat was om let, dem herte lef. 
De hert genas, dat pert vordarf, 
mit sinem hate it dat vorwarf, 


96 


105 went schivelbön, spat unde galle, 
muke unde lest, de lemede ök alle, 
de jenich pert gewinnen mach, 
de stunden ome up dessen dach. 


Gelik dit bispel is dem manne, 
110 de dat dor torne deit ichteswanne, 
dar he sulven mede vorderft 
an live unde an gude ök unterft, 
unde blift arm unde egen unde unwert 
in arbeide also ein läm pert. 
115 De torn de were bat vormeden 
unde smaheit ök ein döl geleden, 
dan dus vordervet an den eren. 
Hirbi schullen dat de lude leren, 
dat se alle wrake laten stän, 
120 bet dat de torn si al vorgän, 
dan it mach lichte so gereken, 
dat se mit schaden mogen wreken, 
al sunder schaden oren vianden, 
al oren vrunden to schanden. 
125 Dorch torn döt dat vil mannich man, 
dat he vorwinnen nicht ne kan. 


LXII. 
Yan der emeten unde heimeken. 


Ein heimeke löt hunger gröt 
unde kulde in der winternöt, 
se gink vor ener emeten hol, 
dar se korn inne wiste wol 
5 gedragen vil an sommertit, 
went se bekande al oren vlit, 
wu se dat korn to gadere dreget, 
des nicht de heimeken ne pleget, 
 unde sprak: “Vrouwe emete, mesterinne, 
10 ik klage ju, dat ek darinne 
ne hebbe korn, mel efte bröt, 
darumme döt it mi de nöt, 
dat ik to hüs nu ju möt soken, 
dat gi nu mi begnaden roken 
15 mit spise, dat ik overbringe 
den winter unde ek ju echt singe, 
schone als ik in dem sommer dede, 
dar ik gewan doch luttek mede.’ 
De emete sprak: ‘Du machst wol gan, 


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20 du machst hir harde lange stän, 
ör ik ein korn di wille geven; 
vil bat were al din singent bleven, 
dan du mit schemeden dor nöt 
nu biddest hir korn ofte bröt. 

25 Do al dat velt vul kornes lach, 
vil dicke ik di daruppe sach, 
unde ne drogest nicht to hüs, 
men gingest pipen als ein müs, 
'darumme mostu hunger liden, 

30 des du ne machst nu nicht vormiden.’ 


Min wille is, dat bi desser mere 
ein träch man unde ein ledigere, 
de nicht ne kan oft nicht ne hevet 
unde dicke kumberliken levet, 

35 dat he sette al sinen vlit, 
so wanne kome jo de fit, 
dat men wol güt irwerven mach, 
dat he nacht unde den dach 
mit allem sinne darna stä, 

40 dat.he nicht hungerich ne g. 
We sik mit eren wil begän, 
mit vlite möt he darna stän. 


LXII. 
Van enem manne unde esele. 


Ein man to dem markede dröf 
mit enem esele, de was schöf, 
tobroken, mager, träch unde olt, 
daruppe twe korve, daran solt. 

5 Hirumme he trächliken gink, | 
des he vil mannigen slach entfink. 
De esel sprak: ‘Ja, were ik döt, 
so queme ik üt der groten nöt 
unde üt dussen vil groten slegen. 

10 We dan de korve scholde dregen, 
darumme scholde ik klene sorgen.’ 
Dat wunschen in dem dridden morgen 
dem armen esele do geschede. 

Do was ein bunger dar berede, 

15 de dusses esels hüt do golt, 

— doch was dat lön vil klene solt — 
unde brachte se in sin beholt 
unde denede se up sine bungen, 


Niederdeutsche Denkmäler, II, 


20 


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darna do dern unde de jungen 
sint dicke vlitliken sprungen. 

Dus was dem esele gelungen, 
unde was dat slänt al Er ein kaf 
vor dat men so dem velle gaf. 


Hirbi schal men de lude merken, 
de träch sin to allen guden werken 
unde pine lidet, nicht dor Got 
mer weder kristeliken bot, 
de dodes wunschet alle dage 
unde wonet darmede, dat ore klage 
vorendet si. Des nicht geschein 
ne mach, went ment ore sele tein 
schal to den pinen unde slän, 
mer den ju bunge wart gedän. 


| LXIV. 
Yan dem wulve unde sinem sone. 


Ein olt wulf sprak to sinem sone: 
‘De lude sint van uns gewone, 
dat we on mangen schaden döt, 
darumme, oft it di dunket güt, 
stän wille wi na oren hulden, 
oft wi se mogen icht vorschulden. 
De ernetit is nu anstände, 
unde is dat volk hir bi dem lande 
bekumberet darmede sere, 
den wol nöt guder hulpe were. 
Den wille wi to helpe komen, 
dat mach uns to der spise vromen, 
de wi mit angeste jo irwervet, 
dar mannich wulf dicke umme stervet, 
wente ane spise nicht en levet. 
Dat lön dat men den knapen gevet, 
dat late wi alle wol bestän, 
of wi on hebben schaden dän, 
dat it darmede blive quit, 
dat wol schut, set se unsen vlit.’ 
Hir mede gingen se uppen acker, 
de junge was stark unde wacker 
unde warp der vimmen vele neder, 
de olde richtede se weder 
unde sprak: “Wultu aldus geboren, 
de lude scholen uns vorveren 


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mit schoten unde mit starken slegen. 
Wi scholen to dem wagene dregen 
de-gerben al untobroken. 

Olt schande dicke wert vorsproken 
unde olt schade ök ein d&l darmede. 
So ovele minsche ni ne dede, 

de gnade sochte, he ne vunde 

jo gnade to ichteswelker stunde.’ 
De gerben vaten se begunden ; 

de man de up dem velde stunden, 
do se worden ‚der wulve ware, 

se lepen mit den vorken dare, 

al oren hunden se ök repen. 

De wulve weder to holte lepen, 

de olde wulf sprak: ‘Leve sone, 
we dön echt so we sin gewone 
unde biten schäp, swin unde rinder, 
perde unde laten gän de kinder 
unde laten se al ore korn 
inbringen, it is mi nu torn, 

dat we on helpen ju begunden. 
Allein wi it doch nicht en kunden, 
doch wolde wet so verne wisen, 

dat se den willen scholden prisen.’ 


We stelet eins, de höt ein def, 
wem de duve is van kintheit 168, 
eft he den truwe wat ankleft, 
ein wis man gerne dar af on dreft. 


) Swe is van schalkes art geborn 


unde is van schalkheit ütirkorn, 
getruwet men ome, dat is vorlorn 
up ende, midden unde to vorn. 


LXV. 
Van dem lowen unde wulve. 


Der dere konnink de lowe sande 
na al den deren in dem lande, 
dat se to sinem hove quemen 
unde sinen willen dar vornemen. 
De quamen al up enen dach, 
de lowe sprak, do he se sach: 
‘Ik segge ju, heren, wes ik gere, 
ik wille varen over mere 
na minen magen unde vrunden 


ri 


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unde wil ju enen vormunden 

hir setten, of it ju behaget, 

de si an herten unvorzaget 

unde dorne richten ök na rechte, 
al si he ök van dildem slechte. 

He mach dar pris an wol irwerven, 
went ik bin leider sunder erven 
unde möt lichte an minem ende bliven, 
he mach sin dink so ankliven, 


‚dat ik on noch mer wille hogen. 


Den wil ik nu ju allen togen, 

dat gi ome wesen underdän.’ 

Den wulf het he do voregän 

und sprak aldus: ‘Söt, dut is de man, 
de wol na rechte richten kan, 

dor des möt hes sik underwinden, 
nichenen beteren kan ik vinden.’ 
Do sprak de hert: ‘Nein, leve here, 
al juwe volk geuneret were, 

wolde gi dat richte deme bevelen, 
de nicht mer morden unde stelen 
ne kan unde hevet des geplogen, 
sint he van kinde is upgetogen. 
Do sprak de lowe: ‘Here hert, 

wo lichte, alse ome herschup wert, 
schal he aller bösheit avestän 

unde bose nucke om wol vorgän, 
went herschop wandelet de sede. 

Is ome untruwe ein del icht mede, 
he mach dat volk de bat bedwingen 
unde ome al underdanich bringen, 
went ni getruwe metlik man 
gewalt vul over de sine gewan. 
Mer döt de wulf dem dinge unrechte, 
ik wil on unde al sin geslechte 
vordomen, kome ik jumber weder, 
unde se an eren treden neder, 

dat he sik number mör genoten 

ne schal den klenen noch den groten. 
De groten dör de spraken do: 
‘Here, of it ju gevalle also, 

dat de wulf unse herre blive, 
bewaret, dat he nicht untlive 


de kranken of de moge vorheren, 


de sik ne kunnen nicht geweren. 
He möt ök loven. unde sweren, 
des wi ne willet nicht umberen, 


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dat he dat vlösch nu schal vorloven, 
de volde ök unde de schapekoven 
dat he dar nicht ne schal ingän, 

of he an eren wil bestän.’ 

De wulf de lovede al dat he scholde, . | 
went:he de herschop gerne wolde. 
De lowe vör, de wulf blef here. 

De ere icht lank luste om. sere, 
wiltbrat dat he dus gewan. 
Vorretnisse echt he löt sik an. 

Dat he schult an voge mochte vinden, 
he ladede to sik ene hinden‘ 

unde sprak to ore: ‘Nu segge mi, 
oft mi icht güt de atem si’ 

De hinde sprak: ‘Vül als ein äs 

is he, dat provede wol ein dwäs. 

De wulf tohant den deren rep, 

der vele do to om löp, 

he sprak: ‘Gi heren, segget mi, 

wat sin broke oft sin bote si, 

de mit smaworden sinen heren 
beginnet openbare unteren.’ 

Se spraken: ‘An sin lif it geit.’ 


80 He sprak:: ‘De hinde de hir steit, 


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de heft den laster mi gesproken.’. 
Tohant wart se do neder broken, 
unde he at an, se aten mede. 

Bi dem re he ök sint dat dede, 

dat hir ök wart gewernet mede, 
unde sinen atem begunde it loven. 
De wulf echt begunde doven, 

dat it so openbare löch, 

tohant men it ök voretöch, 

unde wart gegeten up der stat. 
Jedoch ne wart de wulf nicht sat, 
den apen sint he ök aldus besochte, 
den he bevellen nicht ne mochte, 
went he sprak noch wär noch unwär. 
Darumme wart ome dat herte swär, 
went he on bevellen nicht ne kunde: 
sek werden he darna begunde 

unde sprak, de ape scholde wesen 
sin spise, of he scholde genesen. 

De dere spraken, he were ore here, 
dat he ete, dat ome nutte were. 

Dus wart gegeten de ape do, 

unde nuttede dit orlof also 


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. 135 


102 


de wulf, dat he at al, dat om wart, 
unde dede echt do na siner art 
düfröf, mort, schalkheit also gröt, 
dat ne dorste ein sin genöt 

mer bösheit dön, dan he do dede, 
dat ome to lest do quam wol mede; 
went do de lowe weder quam 

unde he de bösheit al vornam, 

de do de wulf hadde begän 
do löt he on snelliken vän 
unde mit knuppelen wol dorslän 
unde up bi den hesnen hän 

unde bat do sere unde geböt, 

wor men iergen sin genöt 

mit schult of ane schult gevenge, 
dat men up bi den hesnen henge. 
Dat wart gedän, unde döt noch hude 
in allen landen de hüslude, 

SO wen se enen wulf gevät, 

dat se on up bi den hesnen hät. 


I 


Ein wisman sprak dus wilen är: 
‘Van regenwatere ein river 
irvullet ein d&l boven recht, 
to ruschende dat vil serer plecht, 
den Elve, Wesere ofte Rin. 
Dem armen dilden mach dat sin 
gelik, de herschop unde güt 
irwervet, so vil mannich döt; 
undogentliker wert he dan, 
den ein ho rike edel man. 
So bitters ni nicht ne wart 
sam woldich man van snoder art. 


LXVI 
Van dem raven unde wulve. 


Ein raven up enem schape sat, 
ein wulf üt enem holte trat, 
de sprak: ‘Entruwen, dede ik dat, 
mi worden al de lude hat 
unde jageden mi mit hunden. 
Wu heft he dus güt se nu gevunden, 
dat se de hunde latet slapen, 
de dar ligget bi den schapen, 
dat se de raven nicht vorjaget? 


103 


10 — dat si Fr duvele geklaget! = 


de mi so gerne jaget na, 


so wor ik in dem velde ga.’ 


15 


10 


Afgunstich ein untruwe man 
nicht enem minschen des ne gan, 
of he sik truwe latet an, 
so dat men ome getruwen kan. 


 LXVI. | 
Van dem lowen unde esele. 


Ein esel enem lowen untmotte, 
to ener tit, den he aldus grotte: 
‘Got holt ju, broder unde neve! 
dat ek ju desse grote geve, 
des mach ju wunderen.” Do sprak 
de lowe: ‘It were ein ungemak 
mi gröt, of du werest wis; 
doch segge, wu sibbe du mi sist! 
du bist unwert, trach unde ein gül, 
unde is mi kundich, dat somelik mül, 
der hir ennöch is in der borde 
di sibber is, dan ik ie worde.’ 


De esel sprak: ‘So gevet vrede,. 


15 


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:30 


dat ik it an juwen hulden rede.’ 
De lowe sprak: ‘De schal bestän, 
wat mochtik ere an di begän, 

sint du mi hevest nicht gedän. 

De esel sprak: ‘Dat is min wän, 
dat ik ök si van lowenslechte, 

dat wil ik di bewisen rechte. 

Du bist vore unde ik bin achter stark, 
ik weddes wol umme ene mark, 
dat it di were ein ungemak, 

dat du scholdest so mannigen sak 
tor molen dregen vullen swär,. 

du scholdest leven kume ein jär. « 
Doch weit ik wol, wat bestricket 
din zagel, dat dar jo vor wiket 
de der, de hir sin in dem lande.. 
Mit stempne ök lüt unde unbehande 
döt al de der Ök sere vlein, 

de mi gehoren ofte sein. 

Dat. kan ik wol bewisen di, 

gink up den berch na mit mi.’ 


EN TE ee en a EEE 


104 


. 35 Se gingen dar, de esel rep, 
dat allent dat to holte lep, 
dat dar stunt iergen ofte lach, 
dat one hörde ofte gesach. 

‘Do sprak de esel: ‘Vil leve neve, 
40 nicht mer mi so unwert ne heve, 
went mi de der vlet alse di.’ 

De lowe sprak: ‘Su des to mi, 
bekanden se di, alse ik di do, 
nein vlent ne hörde den darto, 

45 mer dat se di dar neder breken 

unde over din ungevöch sik wreken.’ 


Dus döt vil mannich unmachtich man, 
de gerne wolde ofte ne kan 
dat maken, dat men vrochte sere, 
50 dat he dan machteliken bere 
mit grotem rochte unde vorvere 
mit drowe unde angestliker mere, 
de one irkennen nicht ne kunnen. 
Gespottes schal men ome gunnen. 


LXVII. 
Van dem lowen unde vosse. | 


Ein lowe lach ök ichteswanne 
van jaget mode in dem danne 
unde segede, dat ome were we. 
De dör ein del besande he, 

5 de swin wilde örst, darna de re, 
darna de schäp unde andere ve, 
dat se dar sin do scholden vanden. 
Der quam dar .vel, de al des wänden, 
dat he s&k were unde ungesunt; 

10 de he al at in sinen munt. 

To lest do quam ein vos ök dare,- 
do sin de lowe wart geware, 
dat he stunt buten sinem danne, 
he sprak: ‘Ik wöndes ichteswanne, 
15 her vos, dat. gi örst to mi quemen, 
alse gi suke an mi vornemen. 
Gät here nu unde segget mi, 
van welken saken dat it si, 
dat ik dus sere bin geseret.’ 
20 De vos sprak: ‘Here, mi vorveret, 
dat ik dat vötspor hebbe in sein 


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so mennich hir gän unde üt nichein. 
Darumme wil ik hir buten wesen, 
na juwer dät möt gi genesen.’ 


De is salich, wem vromede schade döt, 
dat he vor schaden wert behöt. 


LXIX. 


Van enem lowen unde manne, 


Ein lowe ök wilen unde ein man 
an kumpanie worden an, 
dat se to gadere vruntschop hölden 
an holte, an dorpe unde an velden 


.unde alle den luden guden vrede. 


Do höf de man up ene rede 

dus to dem lowen unde sprak: 
‘Ne weret di nein ungemak, 

so scholdestu berichten mi, 

wu dunket di, wör de lowe si 

jo duchtiger ofte ein vrome man.’ 
De lowe sprak: ‘Oft ik wol kan 
nu berichten di des, wat dan? 
wat mochstu dar gewinnen an?’ 
Do sprak de man: “Nu gink mit mi, 
so wil ek des berichten di.’ | 
Do ledede he on bi ene want, 

dar he do uppe gemalet vant, 

dat Sampson dem lowen upbrak 
den munt, de man to ome sprak: 
"Nu merke, wat hir steit gescreven, 
dat hir de sege dem manne is bleven.’ 
De lowe sprak: ‘So segge mi dan, | 


‘wer mäldet ein lowe ofte ein man.’ 


He sprak: ‘Dat is wis, geverde, 


‘de lowe malen ni ne lerde, 


ein man de hevet dit gedän.’ 

De lowe sprak: ‘Nu schaltu gän 

mit mi, dat ik bewise ök di, 

wat macht dem lowen ök bi si. 

Ein man, de it kan, mach unvorzaget 
wol malen, wat ome behaget.. 

De lowe gink do mit dem manne 
tohant to sines vaders danne, 

den se dar vunden vore stän. 


Ein man, de dar was vorgegän, 


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de lach dar vor om up der erden 
unde sprak, he wolde sin egen werden, 
dat he ome dat lif geve enen dach. 
Tohant do he ök dussen sach, 

de dar gegän quam mit dem sone, 
do wolde he, als he was gewone, 

ök dessen man dar neder breken. 

De sone begunde darweder spreken 
dus: ‘Vader, stant! lät one leven! 

he schal di vorwort des geven 

na dessem dage unde pris, 

dat du des mannes mester sist, 

ök heb ik on geleidet here, 

unde steit hir nu al sunder were.’ 
De vader untwök, de sone sprak: 
‘Kumpän, nu hebbe din gemak, 

nu holt di wol, du bist genesen 

unde segge, wär schal de lowe wesen, 


55 de dunket di wreder, ofte de man.’ 


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) 


De man sprak: “Wol ik di gegan 
des prises unde al dinen magen, 
nicht mör wil ik it dus ho wagen.’ 


So we nu wolde vragen mi, 
wer man ofte lowe vromer si, 
nicht wol’ ne kunde ik one berichten ; 
doch wel ik to dem manne plichten, 
went wi dat hebbet wol gelesen, 
dat lude hebbet nöch gewesen, 
de starke lowen slogen darneder. 
Up dat beduden ga wi weder: 
Ik rade, dat an kumpanie 
ein vrunt mit vrunde nicht ne twie 
mit worden ofte mit jeniger dät, 
de vruntschop lange denne bestät, 
dat se wol dregen over ein. 
Dat wert dicke in der welt besein. 


LXX. 
Van ener waselen. 


Men lest ök, dat ein wasele were, 
de was voroldet also sere, 
dat se der muse nicht ne kunde 
gevän. Des se aldus begunde: 
in mele begunde se sik beraken 


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d 


107 

unde begunde darna waken, 

alse dar welk junk müs over löp, 
dat se de so hastliken gröp. 

Ein olt müs dat van or gesach, 
wo se jo in dem mele lach 

unde welker drogene se jo plach 
mit orer kunst nacht unde dach. 
De sprak: ‘Drogenersche, olde vinne! 
dat du an oldere dine sinne 

dus hevest an drogene gelaten, 
Got do di jo vorwaten! 

De jungen mochstu dus bedregen, 
min acht ik din den ene vlegen.’ 


Beter is bewilen kunst den macht, 
ök hebbik dat darto bedacht, 
dat ik schal drogene misprisen 
beide an dummen unde an wisen. 
Hirumme sprikt men openbare 
in eneme boke vorware, 
dat kunst si beter denne golt 
unde geit boven alle riken solt. 


LXX. 
Van enem pantere. 


In vernem lande wönde ein der, 
dat is geheten ein panter, 
dat is so edele van sede, 
dat it ni lede deme ne dede, 
de ome ne ledes to ne brachte, 
went sin gemode dat is sachte; 
als appel gräw, swart unde blank 
is al sin lif, klawen hevet it lank, 
zagel unde manen als ein pert; 


10 den hogen luden is it wert. 


Noch vele sneller is dit der 
den jenich re, smal unde fer. 
is it, unde wilt is sin spise, 
de it doch nimpt to voger wise. 


15 It vastet dicke mannigen dach, 


mer wen it wol den eten mach, 

it it sat manges deres dan 

unde geit den liggen in sin dan 
unde slept dre dage unde nacht üt, 


can suchen u TE reihe TE ee 


a ET 


20 


30 


35 


40 


45 


50 


55 


60 


65 


108 


den steit it up. Rocht also lüt 

let it üt sinem halse gän, 

dat ök de dere, de vere stän, 

dat wol horet unde komet 

to ome, went it on sere vromet, 

went se soten roke untfät, 

de dar üt sinem livo gät 

mit dem gerochte, an siner art 

dat ni so sotes nicht ne wart. 

Wu dit dör örst sin dink anklive, 

wu it sik üt der moder live 

jo brikt, ik dat nu nicht en scrive, 
up dat de rede de korter blive. 

Dat is noch wär. Der dere ein wilen 
begunde sere des nachtes ilen 

to velde unde völ in ene groven, 

des it begunde sere droven. 

De dorpere van mengen dorpen 

do uppe dat der mit stenen worpen, 
mit knuppelen unde mit staken, 

so wat se mochten geraken, 

unde deden ome gröt ungemak. 

Do quam ein bederve man unde sprak:: 
‘Wat wite gi dessem guden dere ? 
were juwer jenich guder tere, 

de letet mit gemake stän, 

dat ju nicht ledes heft gedän ; 

it hedde ledes doch genöch.’ 

Ein ander güt men ome do dröch 
ein gröt bröt, dat he ome do gaf. 
De twe de meinheit dreven af, 

de hinnen gingen up den wän, 

dat it nicht mör ne scholde upstän, 
went it lach up der erden neder. 
Des nachtes do sin macht quam weder, 
sprank it üt unde löp vil bolde 

na sinem vrunde to dem wolde. 
Nicht lank darna do quam it weder 
unde böt dar al de rinder neder 
der jenen, de ome leide daden. 

Des lives al de herde baden, 

went ir nichein entvlein ne kunde, 
to on he spreken dus begunde: 

‘Nu stät, gi sit unschuldige kinder, 
mer ore swin unde ore rinder 

de mi dar worpen mit den staken, 


Mm REN 


109 


de wil ik on unnutte maken. 
De mi ök gaven ore bröt 

unde mi dar hulpen üt der nöt,. 
den wil ik helpen al den dach . 


70 mit al den dingen, de ik mach, 


[) 


80 


85 


weder den wulf, weder den beren, 
dat ir nichein se schal vorheren.’ 


Hirbi mach wol de jene leren, 
de sik wil to den dogeden keren, 
dat he ome jo mit gude si mede, 
de ome ni ledes nicht ne dede. 


Dat men barmhertich si, 


gebudet Got. Set des to mi, 

we jo nicht barmhertich en is, 
de wert verloren, dat is wis. 
Barmhertich is Got, unse vader; 
vorloren were wi alle gader, 

of se an om gröt nicht en were. 
Darumme rad ik, dat se lere, 

dat de kunne barmhertich wesen, 
de to der sele wil genesen. 


LXXII 


Van einem esele unde wulve. 


Ein esel lach ök eins sök. 
To ome ein wulf hönliken slök 
unde taste up one mit sinem vote 


unde sprak; ‘Deistu di jenige bote, 


5 in welkem lede is it di meist, 


10 


15 


dat sage mi, icht du it weist.’ 
Do dachte de esel an sinem möt: 
dor grote schalkheit he dut döt, 
weit he jenigerhande let an mi, 
dat nu gans unde geve si, 

he split it af unde vrit it al, 

dat were mi gröt ungeval, 


 unde sprak: ‘Got de here, de dankes ju, 


dat gi mi dus vraget nu! 

gi scholen weten dat vorwär. 
Gelegen hebbe ik ein jär 

unde is mi leides also swär,. 

dat ik nicht also mannich här 
ne hebbe, alse ek des dodes gere. 


110 


20 Min vrunt de vos de quam Ök here, 


25 


dede vele van arzedie kan, 

dar ek af miströst örst gewan, 

he sprak: den dröm wil ek ju duden, 

me schal ju setten van den luden.’ 
De wulf tohant van om vlo, 

des wart de esel also vro, 

dat he gesunt l&öp van dennen ie 

to sinem neste uppe dat stro. 


So wanne valsches vul valsch man 


30 bedregen anders nicht ne kan, 


10 


15 


20 


let he truwe den sek an. 
He is wis, de dat merken kan. 


LXXIL. 
Van deme smede unde swerde. 


Ein smet ein olt swert wilen vant, 
do he dat nam in sine hant, 
he sprak: “We hät vorloren di?’ 
do sprak dat swert: ‘Su des to mi, 
ein inich man heft mi vorloren, 
unde mannich dat lif van mi hirvoren, 
de des vil gerne hedde enboren. 
Ok sin vele ede up mi gesworen.’ 
Do sprak de smet: ‘Dät unde ök romen, 
des is tit, dat de di vordomen.’ 
Dat swert he an sine smeden dröch, 
an seven stucke he it slöch 
unde stälde sin anbote mede. 
Dor sine harde he dat dede. 


De scrift secht, dat dut swert bedude 
de rovere unde de bosen lude, 
dede vele van aller schalkheit domet 
unde orer bösheit sek beromet, 
des on nicht lank möt up der erden 
sele unde lif vorloren werden, 
de dicke stervet sunder ruwen. 
De hellesmet möt de bluwen 
unde vuren ore sele in der esen. 
Dut möt ore lön ane ende wesen. 


j1i 
LXXIV. 


Van den vogelen unde orem vengeren. 


Up enem velde vogele stunden, 
de junk waren unde unbevunden 
unde aten, dat se vinden kunden; 
up middendach se des begunden. 


5 Des wart ein vogeler gewär, 


10 


15 


mit sinem touwe quam he dar 
unde bredde sine nette, 

dat he de do hemeliken sette. 

De vogele almeistich dat gesagen, 
de nicht en wisten, dat he on lagen 
dus wolde, unde spraken: ‘Dusse man 
uns alles makes wol gegan. 

Söt, wo he kneit, wo he sik meit, 
wo he uns al de wege streit! 

söt, wo bi ome de vogele stät 

ane angest! provet sin gelät, 

wo he van arbeide swetet, 

wo sine ogen van tranen vletet! 
Dat kumpt daraf, dat wi vil armen 


20 dor sine gode ome sere irbarmen.’ 


25 


30 


35 


40 


Do sprak ein vogel olt unde vil wis: 
‘Gi gevet dussem manne pris, 

de ju dat levent gerne neme, 

icht it ome nu darto queme. 

En prove gi des nettes nicht, 

dat lank dar in der vore licht, 

dat he behudet dar mit rusche? 
Sin hutte is Ök dar in dem busche. 
A] sürogede is ök de man, 

dat he nicht wol gesein ne kan. 

De vogele stät ök dar gebunden, 
wolden se enwech, dat se ne kunden. 
Ik hebbe des vil vasten wän, 

wil gi icht neger ome gän, 

went ju dat net schal beslän, 

so vare gi al in sinen sak.’ 

He vör up, do he dut sprak: 
‘wede mede wille, de vare up jutto, 
went dat ne schut nicht alto vro.’ 
de wisen vlogen alle mede, 

de jungen na der jungen sede 
wolden dar den hert besein, 
unde der enguam do nicht ein. 


45 


50 


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10 


15 


20 


112 


Des voren se alle doin den sak, 
alse de wise vogel sprak. 


So wes dumme sin noch gerne vorsmät 
des olden unde des wisen rät, 
vil dicke it ome missegät, 
dut prove men bi desser dät. 
Dede mit lucke unde mit sälden 
herlikes levendes wille walden, 
de schal de lere siner olden 
mit sinne vlitliken holden 
unde stedes dön nach orer lere. 
De bliven bi dogenden unde der ere, 
unde vor maniger groten swaren nöt 
bliven se to allen tiden behöt. 


LXXV. 
Van der poggen unde ossen. 


Ein olt pogge gesprungen was 
mit sinen jungen in dat gras 
üt ener beke, de dar vlöt. 
Do gink darbi ein osse gröt, _ 
do sprak de pogge: ‘Leven kinder, 
nu söt, wo gröt sint desse rinder, 
al min macht schal mi untwiken, 
ofte ek wil mi nu geliken 
mit grote, unde he begunde to jenen 
unde sik engestliken denen, 
dat des den jungen al vordröt. _ 
He sprak: ‘Bin ik noch icht so gröt, 
so de osse ?’ ‘Nein,’ spreken se, 
‘wi wonet, dat des nicht en sche.’ 
He denede sek echt jo de mer, 
dat al de lede om worden ser, 
unde sprak echt: ‘Kinder, segget mi, 
wör ik gelik om noch icht si.’ | 
‘Nein,’ spraken se, ‘'kump af, lät bliven, 
du wult anders di untliven.’ 
Hirumme se it noch nicht en let 
unde denede sek, dat se al tosplet. 


Vil mannigem manne is aldus geschein, 


de boven sine art sek wolde tein 


25 


unde sik van dumheit wolde liken 
deme edelen, wisen unde riken 


113 


unde dat mit gude nicht vermochte 
unde mit valscheit, als it om duchte. 
Hoverdicheit sik dicke erboget; 

30 so weme an siner art genoget 
unde holt sik götliken daran, 
de höt wol ein bederve man. 


LXXVL 
Van dem kranen unde vosse. 


De mi bat, dat ik dut bök screve, 
uppe dat dar achter nicht en bleve, 
begunde he mi dicke manen, 
dat ik ök screve van deme kranen, 

5 wo he den vos ök wilen bat 
to hüs, dar he wart mate sat, 
wente de spise was in der kruken, 
dar kunde se de krane ütluken, 
der he deme vosse nicht en gunde, 
10 went he der winnen nicht en kunde. 
De vos sint weder den kranen bat 
unde göt de spise in ein gröt vat, 
de dunne do was unde nat, 
der ök de krane luttek at. 
15 Mit valsche wart valsche vergulden 
alse ore valsche nucke wolden. 


Dat schalk mit schalkheit schalk besnide 
'unde dat dor vruntschop nicht en mide, 
oft he dar schalkheit weder lide, 

20 ik bin, de nummer dat en wite. 


LXXVI. 
Van der ulen unde orer moder. 


Ein ule wart s&k, up der stat 
se do ore olden moder bat, 
dat se dorch ore leve dede 
unde al de hilgen sere bede 
5 van der kerken, dar se plach 
to wonende an nacht unde dach, 
dat se or hulpen van der sere, 
dar se gepinet mede were. 
Do sprak de moder: ‘Leve derne, 
10 de bede dede ek also gerne, 


Niederdeutsche Denkmäler, IT. 


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114 


oft it di hulpe. Ik bin gewis, 
al dat hir hillich binnen is, 
is di hat an rechter schult, 
darumme hebbe guden dult, 

15 der ik di kan vil wol vormanen. 
De cruce, belde unde vanen 
unde meinliken al de altär, 
de hestu vil mannich jär 
ane angest jamerliken unrenet, 

20 dat se darumme dicke wenet, 
unde van torne dicke swetet, 
dat it one uppe de vote vletet. 
Dat hebbe ik dicke wol gesein 
unde du sulven, wultu des gein.’ 


25  Swe daran set al sinen vlit, 
dat he enen man to aller tit 
unreinen wel unde on unteren: 
wil he to ome bede keren, 
so is he dummer wen ein sot 

30 unde wert daraf der lude spot. 
Is dat de vrouwe, is dat de man, 
de doget unde ere beden kan, 
he kumpt to lesten, de des ome lonet. 1 
Swe ök unteret unde honet 

35 de lude jo mit achtersprake, 
dat blivet selden sunder wrake. 


LXXVIH. 
Van dem wulve unde van dem vosse. 


Ein gröt unwille eins wös 
twischen dem wulve unde dem vos, 
de quamen vor den lowen beide, 
dat he na rechte se vorscheide, 

5 ein jowelk sprak sines sulves wort. 

De lowe do he do gehört 
hadde ore wort, he sprak: ‘Gi heren, 
gi kunnen wol de rede keren 
na rechter klage mit gevöch, 

10 dem vosse truwede ek genöch, 
mer dat he also gerne luget 
unde viant unde vrunt bedruget, 
dat is, dat twivelen mi döt. 
Des wulves rede de is güt, 

15 des vosses beter na wane, 


20 


115 


oft he der logene were al ane. 
Darumme möt ek hebben rät 
mit den, dede mit one ummegät, 
“de hirto mi wol raden kunnen 
unde one gelike beide gunnen.’ 
Wer de rät vortgink ofte nicht, 


- des bin ik noch al unbericht. 


25 


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10 


15 


20 


25 


Gewis is, dat de vos bedude 
de valschen unde untruwen lude, 
de al ore sinne in logene keret, 
dar se sek sulven mede uneret, 
unde icht se ök wol spreken wär, 
de rede si licht edder swär, 
it si in ernste edder in spil, 
dat des nemant loven ne wil. 


LXXIX. 
Van dem pawen. 


Ein pawe stolt mit ungedult 
gaf sinem schipper de schult, _ 
dat sin stempne is so rechte unsote, 
dat jowelk vogel one mote, 
wo lichtlik he is ök, jo vorsmän. 
De schipper sprak: ‘Dum ein wän | 
di heft uppe desse rede bracht, 
sint ik hebbe al mine macht 
gelecht an diner vederen schone, 
dat du mi undank gevest to lone.’ 


De pawe sprak: “Wat helpet mi dat? 


der vederen schone enbere ek bat, 
wen dat ek van allen vogelen were 
vorsmät dorch minen hals so sere.’ 
De schipper sprak: ‘Leve knecht, 

it is aller creaturen recht, 

dat jowelkem schal genogen, 

dat om sin nature mach gevogen. 
De lerke unde de nachtegale, 

de drösle unde de wedewale 

unde andere vogele me priset 
dorch oren sank. De raven bewiset 
unde andere vogele ore nature, 
arn, valke unde de dure, 

gevoge vrome sperwere. 

Dat sik der vogele genere 


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30 


35 


40 


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50 


10 


116 


dit edele godes creature, 
dat is or recht unde ore nature. 

De ule möt der muse leven; 

dat ungelucke is or gegeven, 

dat se möt alle vogele vlein, 

dat se des dages or nicht ne sein. 

Darumme lät di wol genogen, 

went di nicht mer mach gevogen, 

mer dat du hebbest van diner art; 

so schone nu nein der ne wart.’ 


Jowelkem minschen schal sin art 
behagen wol, dar he ane wart 
in dusser werlt geboren. 
Het des ein ander icht tovorn, 
des schal he ome wol gegunnen. 
We icht mit Gode het gewunnen 
ere ofte güt, de des ome vorgan, 
dat is ein unbescheden man. 
Rike is de, deme an sinem gude 
genoget; arm Ök in dem mode 
is de rike, dede vele begeret, 
went he der vriheit weder enberet. 
Swem genoget, dat is ein man, 
deme Got unde de werlt wol gan. 
Hirumme late sek malk genogen, 
so schut ome güt mit grotem vogen. 


LXXX, 
Van dem lowen unde vosse. 


Ein lowe wart sök, de besande 
de der gemene van dem lande, 
dat se ome to siner suke reden. 
De quamen, unde se alle geden, 
dede icht van arzedie kunden, 
dat se wol rät darto vunden, 
dat ome wol gehulpen worde. 
Der wisesten sprak ein van der borde: 
‘De hert het in dem herten ein bein, 
dat heft mannich wol gesein, 
dat is to mannigem dinge güt, 
dat herte men ütwinnen möt, 
dat schal so warm de lowe slinden, 
so mach he rät der suke vinden.’ 


15 Dut wart gedän, dat herte nam 


20 


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117 


ein, de to hove dickest quam, 

unde leide dat, dar de lowe slöp. 

Ein vos it stilliken do grep 

unde at it. Do de lowe do entsprank, 
sprak he: ‘Gi heren hebbet dank, 

wo wol gi mi der sunt gegunnen! 
Wor is dat herte, dat gi wunnen ?’ 
Do spraken se alle: “Wi wönden, here, 


dat it an juwem live were; 


nu se wi wol, it is vorstolen, 


‘dat mach unlange sin vorholen.’ 


Gröt degedinge hiraf gewös, 

to lesten vordachten se den vos, 
dat he dat hedde gedän, 

went he do was van one gegän, 
also nu jo de jene döt, 

dede valsch sin unde mate güt. 
Hirumme sprak men one do an, 

he sprak: ‘Den möt ek nu ne wan, 
dat ek so groten schaden dede 

dem lowen, ök so we des mi bede. 
Des bidde ek, latet mi mit vrede; 
oft ik mi vor ome entrede, 

dat ek des wol unschuldich blive, 
so latet mi denne in dem live.’ 

Do spraken se alle, it were on le£f. 
Nicht lange he do bi one en bi6öf, 
mer he gink, do he den lowen sach, 
dar he an sinem denne lach, 

unde sprak dus: ‘Here, guden dach 
geve ju Got, dat he wol vormach! 
ik bidde ju horen mine wort. 

Gi hebbet dit vil wol gehört, 

do me den hert nu tastede an, 

wo he berät jo dries wan 

unde hedde vor uns jo wol genesen, 
hedde an em jo hertes icht gewesen. 
Sin herte segget se vorloren; 

dede ane herte wart geboren, 

in ome wart gesocht genöch 

dat herte, des he nicht en dröch.’ 
Do sprak de lowe: ‘It mach wol wesen! 
prove anders, wo ek moge genesen. 
De arzedie de is hin, 

went ik din vrunt van herten bin.’ 


Dus wert vil mannich bederve man, 


65 


118 


de sik vorhoiden nicht en kan, 
bedrogen van der valschen det. 
Swe nu van valsche nicht ne wöt 
unde des nicht en döt noch en kan, 
den het men enen dummen man, 
wo wis he anders jummer were 

to dogende unde to rechter ere. 


LXXXI 
Van dem wulve unde egele. 
Ein wulf to enem egele sprak: 


‘Du hest tware güt gemak, 
du bist velich dines lives, 


ök wor du in dem lande blivest. 


10 


15 


20 


25 


30 


Wultu mi loven kumpanie, 
ik love, dat ik din nicht vortie, 

dat si döt ichte in jeniger nöt. 

Ok hestu jo veide gröt 
van minschen unde van dilden weveren 
dede wärliken van enem bevere 

dat vel vor din vel nicht ennemen, 
dar so to hope beide quemen 

unde dat castorium darmede. 
De duve höt ök ir aller sede. 
De wil ek helpen di vorheren, 
du en kanst di anders nicht generen. 
Ok schaltu proven meist daran, 

dat di nein hunt gewinnen kan 
unde dat se number di ne bitet, 
de dicke mi dat vel tosplitet. 
Darto machstu mi nutte wesen, 
dat vor on ik schal wol genesen, 
wente wan wi to hope gät 
unde ein schäp ofte ein verken vät 
unde uns de hunde denne bestät, 
so legge di neder, dat is min rät. 
So lange bellet se di an, 
dat ek or wol gelosen kan.’ 
De egel sprak: ‘De rede is güt, 
de selschop ek di leisten möt 
unde schal se holden di mit truwen, 
al scholde it sere mi beruwen. 
Bi ein dorp se do gingen, 
dar se ein klene schäp vengen, 


I 


35 Des me ein d&l do wart geware, 


40 


45 


119° 


mit hunden jageden se dare, 

dar de wulf mit dem schape lep. 

De egele to dem wulve r£p: 

‘Wur lestu mi nu, geselle? 

nu möt ik dingen mit dem velle, 
hir wonet so vele wevere enbinnen, 
de ot mi kunnen wol afgewinnen.’ 
De wulf sprak: “Wat mach ik di dön? 
ik lete varen, were it ein hön, 

dat schäp. De busch is uns so vere, 
doch hope ik, dat di nicht en were; 
de wever sin up orem stelle.’ 

Do sprak de egel: ‘Vil leve geselle, 
doch kusse mi eins dorch kumpanie, 


50 nu ek dorch nöt hir din vortie, 


55 


60 


dat kundich werde minen vrenden 
min truwe unde ök in allen enden.’ 
De wulf van stunt böt om den munt, 
de egel alse ein betesch hunt 

vaste on bi der nese gröp. 

De wulf ome to mit torne röp: 

‘'Lät af, ofte mi moten sterven beide.’ 
De egel sprak: “Vroude ofte leide 

ne maket nicht of jenich veide, 

dat ek jummer van di scheide; 

dat is getruwer selschop recht. 

Güt wert sin lön, we truwe plecht.’ 
Do se do quamen in den wolt, 

de egel let af, in sin beholt 


65 quam he, dat was ein dicke brake. 


Do sprak de wulf: “We de vruntschop make 


. mit dem egele unde kumpanie, 


ek rade, icht he wille, dat se die, 
dat he dat kussent jo vorlove, 


70 ofte de modink der truwe dove, 


dat ome de nese blive hedl, 

des ek nu weit wol minen del. 
Do sprak de egel: ‘Leve kumpän, 
ek rade ju, dat gi weder gän, 


75 unde halen dat schäp, dar ot nu blef, 


etet dat allene, ot is mi l£f. 

Bi wane sin de hunde untweken, 

dat se ne scholden ju nicht anbleken.’ 
Do sprak de wulf: ‘Alle kumpanie 


80 bidde ek Got, dat se jo die 


mit ju, alse se is mit mi gedegen.’ 
Hirmede der mere si geswegen. 


120 


Vıl mannich wil dregen enen man, 
de weder wert, er he sek kan 


85 vorsinnen, sulven jo bedrogen. 


90 


Swe dregen kunne, si getogen, 

went he vint den, de it ome vorgelden 
wol kan. Wolde ek de valschen melden, 
der ek bekenne vel bi namen, 

se scholden sek van rechte schamen: 
doch is de valsche schemendes ane 

unde logener na minem wane. 


LXXXI. 


Yan enem manne unde sinem ossen. 


10 


15 


Ein man hadde enen ossen 16f, 
mit dem he sinen mes ütdröf, 
do he one do mit dem menele stak, 
so dat de hüt ome tobrak, 
mit torne ome de osse to sprak: 
‘Du deist mi ser unde ungemak; 
nu denkestu nicht, bederve man, 
dat ik vil seldene gewan 
ie dages raste edder rouwe? 
din korn ek vlitliken buwe, 
des ek doch werde seldene sat, 
nochten bistu mi so hat, 
dat du mi desse unreinichede 
üttrecken döst, moste ik mit bede 
dat leggen af, ik dede dat gerne.’ 
De man sprak: ‘De bede ek di werne, 
nu segge mi, we het den mes gemaket, 
de dicke wert mit stro beraket, 
unde echt to messe dat getreden ?’ 


20 De osse sprak: ‘Al ungebeden 


berichte ek di wol dusse mere, 

ik wone, ik dat jo sulven were.’ 

Do sprak de man: ‘Du sechst recht, 
ein biwort men jo to sprekende plecht: 


25 jo sulven dede, jo sulven heve. 


30 


Nicht ene raste ik di ne geve, 
dat segge ik di overlüt, 
&r dusse mes io kome üt.’ 


Na dussem ossen dicke plecht 


to dönde ein unbescheden knecht; 
icht om gebüt wat sin here 


ee 


121 


to dönde, des he wol enbere, 


35 


mit scheltwort he darweder kritet, 
sinen truwen denst he ome vorwitet, 
nochtan it truwe nu ne wart. 

Stolt papenknecht van dilder art 

nu to dEnste truwe ne wart; 

he ne kan singen edder lesen, 
nochtan gelik wil he om wesen. 


LXXXII. 
Van den hasen unde schapen. 


De hasen klageden oversere, 
dat ore slechte so blode were 
beneden alderhande dere, 
des were ore lif so unmere, 
dat se sek wolden drenken, 


‚al scholden se ore slechte krenken, 


se wönden, se it wolden bestän, 


' ök wu it one scholde irgän. 


10 


15 


20 


25 


30 


Dat spreken se alle üt enem munde, 
tohant sagen se dar hunde 

unde jegere komen al mit winden. 
Tohant leten se sek jagen unde binden 
unde begaven sek der were 

unde wolden springen in dat mere. 

Bi der vlucht do in der weide 

stunden vele schäp, den wart so leide, 
dat se alle begunden vlein. 


‚Sint quamen echt de hasen bi ein 


mör, dat d&p was, nicht also gröt, 

ein beke midden darane vlöt, 

darbi schäp gingen weiden in der lucht. 
Do bi se quam de hasenvlucht, 

do sprungen de schäp an de beke neder. 
Do se nicht en quemen weder, 

do wünden de hasen, se weren vordrunken. 


De ene sprak: ‘Nu set dusse wichte, 


de sint vorzaget gar lichte 

an herten, icht dat ju behaget, 

— sint ander der also vorzaget, 

dat se uns vlöt unde ök sik drenket — 
umme unse lovede ju bedenket, 

dat we des schere wederkomen, 

dat mach bi wane uns allen vromen. 
We leven echt na unser art; 


35 


40 


45 


50 


10 


122 


so duchtich hase noch nu gewart, 
do one ein hunt gevink, 

dat it ome wol darna gegink. 

Dat we dor zacheit uns ök drenken, 
is dörheit, we moten denken, 

also we dicke hebben gedän, 

wu we den netten mogen untgän 
unde wu we bruken unser bein, 
dat we den zagel dor de busche tein, 
dat uns de hunde nicht en sein; 
aldus moge we bet genesen.’ 

Se spreken .al, dat scholde wesen, 
‘dat gelucke dat is jene wolt, 

we lopen hen in dat holt.’ 


Swe wil vordriven de nature, 
de an ome is, dat wert om sure, 
unde darna stän mit orem sinne, 
doch moten se bliven al darinne, 
he mach des wol ein d&l beginnen, 
doch schal he klene daran gewinnen. 


LXXXIV. 
Van dem hasen ein mere. 


Dar lach ein stolte hase 
unde schülde an dem grase, 
de gaf grote schult 
sinem schipper mit undult, 
dat he geschapen were 
ane were vor anderen deren. 
Alsus lach he unde dede 
to Gode sine bede, 
dat he om sette ein herteshorn. 
Ome was dat l&t unde torn, 
dat he sik nicht en kunde 
geweren enem hunde. 

Sin schipper dorch den krich 
gaf ome ein hertestwich, 


15 dat was van twie seven tacken, 


unde sattet vaste an sinen nacken. 
Darvan wart he stolt genöch, 


dat he ein twich lik eneme herten dröch. 


Men do it was so ungevöch, 


20 dat it ome sin hovet vorwöch, 


do he des nicht geboren kunde, 


123 


sin krich ome begunde 

unde sin homöt sere leiden, 

unde were gerne darvan gescheiden, _ 
25 uppe dat sine snellen bein 

ane were mochten vlein. 


Dut wone ik, dat bedude 
de dummen ungelarden lude, 
de sik herschup underwindet 
30 unde to lesten an den eren vorswindet, 
dede verne is boven ore macht, 
de werden dicke darto gebracht, 
dat se der herschup gerne enberen, 
up dat se bleven bi den eren. 


! 


e ; LXXXV. 
Van dem lowen unde apinne. 


De lowe des to rade wart, 
dat he al de dör van hoger art 
mit oren jungen laden scholde, 
went he de tucht proven wolde 
5 unde laten leren na konninges sede. 
Ein jowelk dat gerne dede, 
se quemen al up enen dach. 
Do de apinne dat gesach, 
dat men brochte to hove de jungen, 
10 quam se darto gedrungen 
‘Her konnink, set, icht gi mit eren 
min kint mogen laten leren! 
It kan jo so wol geberen, 
dat it wol mach stän vor den heren. 
15 Nu segget, here, an Godes truwen, 
darmede moge gi mi vorvrouwen; 
is hir jenich kint so wol gedän? 
set, wo vrolik ome sin ogen stän, 
sin ogenbrän, wangen unde nesen 
20 mochten wol enes konninges wesen; 
sin zire munt, sine witten tande, 
sin slichte lif, sine blanken hande, 
sine siden unde sine vote, 
de sin loves wert gar sote. 
.25 Dat kind is wert, dat gi it leren 
unde boven andere kindere eren.’ 
Do sprak de lowe: "Vrouwe apinne, 
so verne alse ik mi vorsinne, 


m ET in ne u Ta 
- 


124 


so sach ik nu so lötlik der, 

30 wente nu wart geboren Er 
unde numbermer wart geschapen 
so eislik nicht alse gi apen. 
Darumme draget den rappolt 
to den anderen wolpen in dat holt. 

35 Ot is ein so vorvloket ve, 

mi gruwet, wen ik ot anse.’ 

Van sulken worden desse apinne 
was vil na komen van dem sinne 
unde begunde sere scrien, 

40 des jungen wolde se vortien, 
wente se angest hadde der mere, 
dat or kint vorwesselt were, 
went to lesten ein spegelglas 
bewiset or, dat it was 

45 or gelik an aller done, 
dat ek des sekerliken wone, 
dat se den konnink sere vordachte. 
Do se or kint to sinem vader brachte, 
he sprak, se were an sinnen blint, 

50 icht se nicht en sege or egen kint. 


Alsus schut vil manniger vruwen, 

de des nicht wil getruwen, 

dat or kint si loves ane, 

went se is jo vaste in dem wane, 
55 dat loves wert si ore kint, 

unde wil de lude maken blint, 

dede wol kunnen gesein; 

des möt ik wärliken gein. 


LXXXVI. 
Van enem dobelere. 


Ein dobeler, ein wilt knecht, 
de l&p also it was sin recht 
uppe enem velde blöt. 
De dre hadden one bracht in de nöt, 


. 5 der selschop ome nu vordröt. 


De kolde wint was also gröt, 
dat om vrös an sin hemmede unmate — — 
do l&t he do groten smerte 
unde ilede hen to wolde, 
10 dar he des dages henne scholde, 
went ome kundich was de mere, 


125 


dat de busch unde wolt half kledinge were. 
He 1&p darinne lange wile, 
mer wenne to ener ganzen mile. 
15 Do ome des dages schin gink af, 
do l&p he sneller den ein draf; 
he ne wuste, wur he l£Ep. 
Wat he wunschede unde r£p, 
dat en halp ome nicht ein här, 
20 des wart ome sin herte swär. 
To lesten sach he ein vür schinen, 
‘dar ran he to mit groten pinen; 
ein busch van dornen stunt darvor. 
dar kröp he mit unsälde dor, 
25 he vant darbinnen enen koten, 
de was al vaste besloten. 
He kloppede vor der dore, 
do sprak de wert: “We is dar vore 
He sprak: ‘Ein knecht vil na vorvroren 
30 de sine kleder heft vorloren.’ 
De wert stunt up unde leit on in. 
De knecht hadde na den sin 
vorloren, dar he den wert ansach, 
went om so lede nu geschach. 
35 Sin antlät was so vorschapen 
al sin lif alse enem apen, 
ru was sin lif, arm unde bein; 
sin kl&öt stunt ome boven den knein 
gelodert ho unde tohouwen, 
40 de arme blöt al sunder mouwen. 
De knecht de was sere untdän, 
he ne dorste nicht to dem vure gän, 
men he stak de vingere to dem munde, 
icht he se so untwermen kunde. 
45 De wert on do vragen begunde, 
 wes he al so dörliken stunde 
unde sine vingere also ete 
unde bi sin vür nicht en sete. 
‘Dat do ek dor de rede, 
50 dat ek se werme unde bede 
mit minem atmen, de mi heit 
ein del van deme live geit, 
doch is mi de sweit 
‘an der hüt mate heit.’ 
55 ‘Bistu heit enbinnen, 
wu mach di denne de kulde winnen ? 
men icht di. nöt des vures si, 
so gä unde werme di.’ ; 


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126 


Do gink he sitten bi den hert 
60 up de anderen siden tigen den wert. 
De wert wolde one maken vro, 
ein supent brachte he om do 
van berensape unde van mele, 
dat wart van sek sulven gele. 
65 Vil klene was it ome to heit, 
darumme he des nicht en beit, 
he bl&s darin mit sinem munde, 
icht he des icht gekolen kunde. 
Do sprak de wert: “Wat deistu echt 
70 ‘Ik koile dut supent’ sprak de knecht 
‘mit enem winde, de mi kolde 
nu geit üt dem munde bolde.’ 
Do sprak de wert: ‘Nu horet wunder! 
heit unde kolt, itlik besunder, 
75 geit dat beide van dinem live, 
ungerne ek denne bi di blive. 
Du bist bi wane ungehure, 
gemak hirinne wert di dure; 
. kanstu leschen unde entfengen, 
80 so machstu maken mannich plengen. 
Löp van hinnen dine strate, 
nicht lenk ik di hir binnen late? 
Hirmede stotte he on üt der dore, 
dre wulve stunden al dar vore. 
85 Wo de or dink mit ome ankleven, 
daraf ne vinde ek nicht gescreven. 


De valschen lude sint vil rechte 
gemarket bi dem bloten knechte. 
De dreget honnich in dem munde 

90 unde gallen in des herten grunde, 
we hitte to der kulde menget 
unde under vrunde orlige brenget. 
De döt dat sulven vür der leve kolden 
unde wil darvor de veide holden, 
95 des ‘ja’ mot me vorstän vor ‘nein’, 
unde des doch nicht willen gein, 
der hebbe ik leider vel gesein; 
des mote one lede schein. 


127 


| LXXXVL. 
Van enem kalen ridder. 


Men saget, dat bi olden jaren 
de kalen lude unwerder waren 
ein gröt d&l, wen se nu plegen. 
Ein dorp dat was gelegen 


5 bi Mersborch up der Sale, 


10 


dar wönde ein ridder kale, 

gräw unde arm genöch, 

de nerde sek van der plöch. 

Do leide ein keiser enen hof, 

de scholde werden grof, 

als icht he were to Arforde. 

Do de kale man dat hörde, 

he dachte ök varen to hove 

unde stän nach eren unde nach love. 


15 Aldus he dat begunde; 


20 


25 


30 


35 


40 


mit al deme, dat he kunde, 

he wan perde, rosse, smide, kleder, 
darumme lt he leder 

ossen, schäp, zegen, swin, rinder; 
des entgulden sere sine kinder, 
wente it schade one mannich jär. 
Do nam he vrouwen här, 

schone göl unde krüs, 

dat hadde he mit sek in dem hüs,. 
Van den sulven saken 

mit lime begunde he maken 

up sinem kalen kop här behande, 
des ein vromde minsche wände, 
dat dat här sin egen were. 

Doch malede dat sin antlät sere, 
wante it kruser was wen sin här, 
unde se seden darumme wär. 

De hof de wart. De ridder quam, 
vil klene men siner wär nam. 

To allen mannen he sik böt, : 

des mangen vromen manne vordröt; 
he wolde denen unde schenken. 
De hovetman begunde denken, 

van wannen de olde junge here 
alsus to hove komen were. 

De vrouwen wolden on alle schouwen, 
des begunde he sik sere vrouwen, 
Ein sappel hadde he van siden; 
nein dink wolde he vormiden, 


45 


50 


128 


de he an dem hove nicht begunde, 
wo sere ome Öök dat missestunde. 
Der versten, greven unde der vrien 
dar en wolde he jo nicht vortien, 
he ne were jo darmank, 

wo me up on stotte efte drank. 

Do begunde men borderen 

up enem plän vor den feren, 

dat de stolten jungen vrouwen 

dat mochten sein unde schouwen. 


55 De jene mit dem krusen hare 


60 


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80 


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90 


de röp lude unde openbare: 

‘Wur bistu, Lentfrit, bose wicht, 
en halestu min ors nicht ?’ 

De knecht vil lange sek bedachte, 
to lesten dat ors he ome brachte. 
He sat up unde rande mede, 

den schilt sin hüshere ome dede, 
de was van roder sabel vare, 

dat me deste bet neme sin ware. 
al sunderliken he ök rande, 

up dat me on de bet bekande. 
Sin ors was ök mate stark, 

wol kostede ot vöftehalve mark. 
To lesten quam he her gevaren 
mit stoltheit twischen al den scharen. 
Do entmotte ome ein wint also swär 
unde weide om af al sin här. 

Do helt he dar al blöt 

unde was ök al der lude spot. 
Do rep on an wif unde man, 
daraf he solke schemede gewan, 
dat he ne wiste, wat he dede, 
wer he bleve efte van dennen rede. 
Binnen des wart he nicht geware, 
wu her kumpt ein ander schare; 
de r&öt one neder, dat he belach. 
Des repen, se alle, we dat sach, 
unde de vrouwen openbare: 

‘Is dat de mit deme hare, 

dat van vrouwen wart gebeden ? 
is it nu an dat quät getreden, 

so licht he sulven al dar neder.’ 
Des moste he schemeliken weder 
upstän unde riden hen, 

lichte an ere unde ane win; 
schemeliken quam he to lande. 


129 


We do ome quitede sine pande, 
dat is mi unwitlik genöch; 
men he vör weder bi de plöch. 


95 Dusse mere is wär unde it geschach, 
des is bi wane mannich dach. 
Hirto dat me geliken mach, 
icht we dat spreken dorsten: 
ammechtman, vogede hoger vorsten, 

100 der somelik levot, somelik döt, 
de treden arm in unde blöt, 
de maken ore dink also gröt, 
dat nicht ein or genöt 
sik on mach noch geliken. 

105 Der edelen lude noch der riken 

. achten se nicht ein här. 
Doch dicke, ör vorgän dre jär, 
wert on de homöt afgeweit 
unde or gelucke also vorstreit, 

110 dat se daraf werden vorstoten. 
Denne moten se weder to oren genoten 
al sachte uppe der straten gän. 
Den se denne l&t hebben gedän, 
de stän bi wane darna, 

115 dat over se dat sulve ga, 
des se vorhen mit on begunden, 
do si dat geweren nicht en kunden. 
Gebeden klet, bevolen güt — 
de daraf winnet overmöt, 

120 unrecht he sinen dingen döt, 
went des om wol wert geböt. 


LXXXVII. 
Van der ck unde van dem rete. 


Up enem berge stunt ein 6k, 
do nu vor dem winde en wök, 
wente se was stark unde gröt. 
Der breden wortelen se genöt, 
5 dat se vorstunt vil mannigen stöt, 
de or de wint vil dicke böt. 
To lest ein wint to mechtich quam, 
de se üt der erden nam 
unde ore wortelen darmede | 
10 — ein dwerwint wone ek dat it dede — 
unde warp se an ein water dep, 


Niederdeutsche Denkmäler, IT, 


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130 


dat snel üt dem berge löp. 

De wint unde dat snelle vlöt 

dref se do dar bi ein röt 

unde in enen broke, dar se belach. 
Do de &k dat röt besach 

lank smal unde grone stän, 

do sprak se: “Wat hän ek gedän 
unde wat hät Got an mi gewroken, 
dat ck hir ligge aldus tobroken, 
want ek stark in allen stucken was 
unde du steist grone also ein gras, 
krank also ein jokelmore? 

Wu machstu stän dem winde vore, 
dat he di nicht entwe en breket, 
de sek sus over de bome wreket?’ 
Do sprak dat ret: ‘Dat is nein wunder, 
de kranke jo möt liggen under 
unde möt dem sterken jo untwiken, 
alse de arme döt dem riken. 

De arme möt to bode stän, 

dat hän ik mine dage dän 

unde möt ik dön, de wile ik leve. 
Wente ek mi der were begeve 

to stände weder dem winde, 

dat he ane schult mi vinde, 

so wike ek vore, wen he komet. 
To miner krankheit mi dat vromet, 
tobreken ek nicht en mach, 

et si nacht edder dach. 

Du wult dem winde wederstän, 

des is ot di aldus gegän, 

dat du an dem hore legest, 

went du to wikende nicht en plegest. 
Din tröst vul na daranne steit, 

dat dine wortelen breit 

behoden di vor valle, 

de sint mit di alle 

hir an dut quät gedreven.’ 

Aldus si desse mere gebleven. 


De &k bedudet den- stolten man, : 
dede nicht en wel noch en kan 
entwiken enem hogen heren, 
deme he moste mit eren 
entwiken, wen he is wis. 

Men he wil darmede pris 
krigen, dat he ome wedersta, 


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up dat it ome eweliken wol ga. 
Doch mach it ome vorderven, 
ein here mach on ök enterven 
mit alle sinem slechte 

dor sine kundicheit mit rechte. 
Hoverdich man nu wis en wart, 
wol is he van hoger art. 

Is he arm, des sit gewis, 

dat sin dumheit deste groter is. 
Dat rör bedudet de ötmoden, 

de alle unleve gerne vorgoden, 
unde sinnet, wor he jummer mach, 
dat si nacht edder dach, 

wo se oren geliken 

unde den woldigen entwiken. 
Salmon sprikt: de wisheit hevet, 
mit duldicheit he an gude levet. 
Otmodich man sunder arch 

is so dat re&t ane march. 


LXXXTX. 
Van dem arne unde valken. 


Ik wil ju sagen ein mere, 
dat sede mi ein here 
unde ein konnink, it were wär, 
dat sint wol veftich jär. 

To Denemerken lit ein stein 
in der se, den hän ik gesein. 
Daruppe ein wit valke stunt, 
de hadde to etende begunt, 
enen äntvogel, den he vink 
in der weide, dar he gink. 
Ein arn to ome geswungen quam 
unde den vogel ome nam. 
Des moste de valke wiken, 
also de arm möt dem riken 
unde ein kranke deme starken. 
Konnink Woldamar van Denemarken 
mit sinen ogen dut gesach, 
unde it schude up enen middach. 
De stein ök van dem lande lach 
so verne, alse ein boge scheten mach. 
De valke vlo tegen den wint 
verne in de lucht und quam sint 
wol hoge boven den arn weder 


9% 


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5 


132 


unde schöt snel also ein pil neder, 
unde enen stöt dem arnen gaf, 
dat ome sin hovet wischerde af 
unde gink do van sinem buke, 
also icht ot were ein olmech stuke, 
undo stotte sek sulven döt 
weder den stein, went he lach blöt; 
allein dat des ome dede nöt, 
de wrake was doch alto gröt. 
De konnink höt twene knapen varı, 
den valken unde den arn 
unde dat van on gebleven was, 
dat leit he bringen up ein gras, 
dar he under enem bome sat 
an ener wunnichliken stat. 

Dar sat ek mit ome under 
unde sach dat sulve wunder. 


Bi dussem valken mach men merken, 
dat me dat herte bi den werken 
enes mannes best geproven kan. 
It is vil mannich kone man, 
de an sek sterke nu gewan 
unde sulke dät wol klevet an 
dor dörheit, de on vordervet, 
unde sulven darumme stervet. 
Dumkone man dem mach gelucke 
biwilen komen an enem stucke, 
dat he darna anegät 
dink, daraf kumpt gröt quät. 

Ein rike man, kone unde wis, 
de mach beholden lengest pris, 
wan he an nener dät en wel . 
vorgeven noch verraden sin spel, 
dat he mit jenigerhande toge 
untwischen vorlesen moge. 


XC. 
Van der katten unde vosse. 


Ein katte up enem velde gink, 
dar se bewilen muse vink, 
dar schone korn vil dicke wös. 
Do quam to or gegangen ein vos, 
ein hagedorn stunt ök al darbi. 
He sprak to or: ‘Got olde di! 


133 


du geist to verne van den husen, 
ik wone du ök wol kunnest musen, 
dat hebbe ek hir van di gesein.’ 


10 De katte sprak: ‘Des möt ek gein, 


ik va des jares mennige müs 
beide up dem velde unde in dem hüs. 
De vos de sprak: ‘Du bist min nichte, 


) 


. der wärheit ek di ök berichte, 


15 


20 


lange hebbe ek darna gestän, 

dat ek mit di wolde ummegän, 
des en mochte mi nicht geschein. 
Wenne nu ek han di gesein, 

so wil ek di loven kumpanie, 
dat ek nummer din vortie. 

So du mit mi willest bliven, 


so schul wi mannige müs untliven. 


25 


Icht du mi jagest üt dem hove 

de hönre, deste mör ek di love.’ 
Do sprak de katte: ‘lLeve neve, 
nicht ein lovede ek di darup geve, 
wante me mi sere scholde slän. 
Wat ek muse kan gevän, 

de scolden to dinem bode stän, 


30 icht ik mit di scholde ummegän. 


35 


40 


Nu segge, eft ek dut nu besta 

unde uns lichte ein nöt des lives anega 
wo jowelk denne sin dink aneva, 

dat we to hüs denne wederkomen da.’ 
De vos sprak: ‘Angest legge neder, 
ik wil di truwe loven weder, 

ök sint wi der kunste wol vorvaren, 
dat uns nein leit kan wedervaren, 
darumme have din gemak. 

Noch so hän ek enen sak 

vul, de ne wert nicht upgedän, 

er al de anderen sint vorgän. 


’ 


 Wenne ek den sak upbinde, 


45 


50 


so vele kunste ek denne vinde 

d&p, hoge unde swinde, 

quemen wol de winde 

mi na:up enen strede, 

dat ik mi wol loste mede.’ 

De katte sprak: ‘Dat mach wol wesen, 
dat du wol vor winden mogest nesen, 
ik bin der ein, de di des wol gan. 
Sint ek nicht mer ene kunst en kan, 
so is ungelik din kumpanie. 


55 


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134 


Icht ck din an nöt vortie, 

des on schaltu mi nicht vorwiten, 
wonte ek mi node late biten.’ 

Do desse rede enen ende nan, 
ein knecht mit twen hunden quanm, 
de l&t he to dem vosse springen. 
De vos begunde slingen 

an den dorn, de dar stöt. 

De busch was mate gröt, 

de katte sprank up enen dorn. 
De rede was dem vosse torn, 

dat se so lange hadde gewesen, 
went he kunde nicht genesen. 

De katte to dem vosse sprak: 

‘Al dine kunste sint nu swak, 

nu is des tit, bint up den sak, 
oft du most liden ungemak.’ 

De vos de blef, de katte entquam. 
Alsus desse rede enen ende nam. 


Van manger kunst mannich vordervet, 
van ener kunst wert dicke geervet 
cin man, dat he bi gude blift, 
oft he de truweliken drift. 
We güt mit valscher kunst erwerft 
unde icht se sinen kinderen erft, 
dat is wis, dat se vorderven 
unde an der sele sterven 
beide dochter unde de sonc, 
dut wert one to lonc. 


Cl. 


Van twen gesellen unde hüsmanune.: 


Twene kumpane gingen bedevart, 
ein hüsman or geverde wart. 
Vor roveren dat se Got bewarte, 
went it was gröt angest up der strate, 
verne mosten se ummevaren. 


‚Darumme or gelt nicht lange waren 


ne mochte, dat se hadden mede, 
wan jowelk sin güt vordede; 
des moste sin or herte sör. 


10 Do so do en hadden nein gelt mör, 


wenne mels allene to enem brode, 
doch wolden se openbaren node 


135 


dem bure, dat se sin enboren 
wol hedden, do he dar bevoren 
15 was güt kumpän in aller dät. 
Darumme vunden se den rät, 
wu se on des mels bedrogen, 
dat se ome ein del des entogen, 
wente it on allein was to klene. 
20 Darumme sprak do de ene: 
‘Dussen kerle vorde uns de duvel to; 
it is sin schult, dat wi so vro 
nu hebben unse güt vortert. 
Nicht mör he mit uns en vert; 
25 mi is to siner selschup leide, 
wente he vrit mör wen wi beide.’ 
De ander sprak: ‘Des swich al stille, 
went ek ütwech uns geven wille! 
we scholen one bekloken. 
30 We willen backen enen koken, 
darunder slapen unde rouwen; 
so wille wi loven des ungetruwen: 
wes dröm na dem slapen 
de wunderlikest si geschapen, 
35 dat de den koken ete allene.’ 
Dat wart gedän. Sc al gemene 
dat loveden sik in truwen; 
darna se begunden rouwen. 
De hüsman dachte an sinem möt: 
40 dut lofte se darumme döt, 
dat se di mogen bedregen mede, 
wente dregen is:al or scde; 
doch schal on kume dat gedien, 
al scholde ek sere mit one twien. 
45 He stunt up — se slepen vaste — 
na dem koken he do taste. 
dat des nemant wart gewär. 
Allein he nicht en was al gar, 
al vrat he up an sinen munt 
50 unde lach echt neder. An korter stunt 
 darna sprungen up sine geverden, 
or lofte dachten se vul herden. 
Do sprak or ein: ‘Hir dar ek lach, 
an enem drome ek wunder sach. 
55 Mi duchte, wu twene engel quemen 
unde mi lifaftich mit sik nemen 
unde vorden mi mit groten eren 
to hemmele vor Got unsen heren; 
de entfink mi wol.’ De ander sprak: 


60 


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136 


‘Darwoder had ek gröt ungemak: 


"Mi duchte, trüt geselle, 


wo mi to der helle 

hedden gevört twene ovelgeiste; 

dat düchte mi wol de meiste 

nöt wesen, de ek ju besat.’ 

De jene de den koken at, 

wu vele me one anrepe, 

he lach also icht he slepe. 

To lesten sprak he: ‘Sit wilkomen ! 
min dröm de mach ju klene vromen.’ 


De cne sprak: “Wat was din dröm, geselle ?’ 


‘Juwer ein wart gevört in de helle, 


de ander duchte mi in den hemmel gevört. 


Do ek hadde dicke dat gehört 
van prestern unde van predigeren, 
dat men wol etendes moge enberen 


beide uppe dem hemmele unde in der helle, 


darumme at ek up snelle 

den koken sunder arge list. - 

Mer hedde ek juwe komen gewist 
also snel, ik hedde it wol gelaten.’ 
Se spreken: ‘Dat du sist vorwaten! 
beide dröm unde du slindige man! 
Vorkloken di nemant en kan. 

Wi wolden di bedregen, dat missevel, 
din schürheit was uns darto to snel.’ 


Untruwe nu nicht gudes en reit, 
de truwe der untruwe wedersteit, 
de truwe nu vorderven en leit. 
Den  untruwen man untruwe sleit 
jo mit valle ores heren. 

AI de sik an untruwe keren 
unde untruwe ore kinder leren, 
de moten to lest der &re enberen. 


XCHI. 
Van dem wulve unde vosse. 


‚Bi enem dorpe lach ein putte, 
de was al dem volke nutte; 
ein wolt lach darbi gröt, 
dar klene waters inne vlöt, 
wante it was ein hoge borde; 
up dat on water worde, 


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157 


so was dar gemaket mit gevöch 

ein putte, de gaf des on genöch. 
Twene ammer darto hingen, 

dar se dat water kunden mede ütbringen, 
ein gink up, de ander neder 

unde quam ök vul waters weder. 
Ein vos de quam ök darto 

an enem morgen vro, 

do erst upgink de morgensterne; 

de ene ammer en was nicht verne, 
dar de vos vil snel in sprank. 

Do he vlitliken drank, 

unwitliken ane sinen dank 

de ammer weder mit om sank, 

de ander gink üt, alse he plach. 

Do de vos dat gesach, 

dat he so verne was beneden, 

he sprak: ‘Nu ga ek to der weden, 
dit drinkent were bat vormeden, 
also hedde ek dorst mör geleden, 
wente ek hirumme sterven möt. 
Min balch is so güt, 

dat ek des möt gelosen; 

de wif begeret miner hosen, 

dat se listen daraf maken; 

veide hän ek ök van anderen saken. 
De sake lit mi alto na, 

dat ek der duve so vele bega.’ 

Do de vos sck aldus beklagede, 

ot schude, dat me den wulf sere jagede. 
De wulf quam darbi dor dorstes nöt, 
de vos om sinen gröt böt: 

‘Her wulf, sit willekome! 

söt des to mi, it is juwe vrome 
unde mi ein hulpe unde ere gröt, 
eit gi mi hulpen üt desser nöt, 

dar ek nu mede begrepen bin. 

Hir is ein weder gekomen in, 

de mi den borne maket drove, 

dat ek wol hulpe behove.’ 

De wulf sprak: ‘Sage mi, wo quam he dar?’ 
De vos sprak: ‘Des is mannich jär, 
dat ek hirto gröf ein hol; 

dat wuste dusse moding wol, 

dat ek hir to drinkende plach 

unde hät hir vil mannigen dach 
gegän, dat-ck des nu en sach. 


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138 


He is so vet, dat me mit om mach 

wol toschudden al ein vlet- vullen, 

des mach he wol dinen magen vullen, 
wultu dön na minem rade.’ 

De wulf sprak: ‘Wu gerne ek dat dade! 
wuste ek, wur de wech inginge, 

dat he mi nicht en were to enge.’ 

De vos de sprak: “Wen ek di ütbrenge, 
so machstu sein de wide unde de lenge, 
sitte an den ammer unde var hir neder, 
ek bringe di mit eren weder, 


wultu weder in den wolt, 


unde denne vort in din beholt.’ 
De wulf do in den ammer sprank 
unde vil snel he to grunde sank, 
den vos he mit wichte vorwöch ; 
dat was dem vosse 1l&f genöch, 
dat sin wage up van lichte slöch 
unde on up to dem dage dröch. 
Do de vos tegen den wulf quam 
unde ein orlof to ome nam, 


75 de wulf sprak: “Wur wil gi hin? 


ik sege gerne, dat gi min 

nu leisten de kumpanie.’ 

De vos sprak: ‘Dat ek din vortie, 
des döt mi endeliken nöt, 


80 de dusternisse is mi hir alto gröt, 


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95 


ik möt de lucht hir boven entfän. 
Ik se de werlde aldus henne gän, 
dat ene geit up, dat ander neder, 
icht ek ga, nicht kome weder, 

so seit sulven an juwen vromen, 

dat gi bi tiden van hinnen komen, 
dat is ju güt na minem wane, 

went gi sint veide selden ane.’ 

De wulf sprak: ‘Dit sint bose mere, 
ik bin bedrogen alto sere 

mit desser wage in dussem putte, 
dat lichte wichte is so nutte, 

dat alle de sware wert vorsmät. 
Her vos, doch gevet mi den rät, 

wo ek mi weder late wegen.’ 

De vos sprak: ‘Kunde ek des plegen, 
ik sedet ju, so verne ek kunde. 

Me plecht to wegende hir de sunde; 
we de aldermeist hät gedän, 


100 darnach möt weder sin wage slän.’ 


139 


De wulf sprak: ‘Heddek dat vorstän, 
wu node hedde ek hir in gegän! 
Mine sunde sint grover wenne de dine, 
des möt ek liden nu de pine.’ 

105 De vos sprak : ‘Rinder hestu gegeten 
vil mer wen ik hönre, dat schaltu weten. 
Eft hir Iude komen gegän 
unde di denne vän unde slän, 
dat schaltu duldichliken untfän, 

110 so mach it vor dine sunde stän.’ 
De vos l&p weder in den wolt 
mit groter vroude in sin beholt. 
De wulf ök sine bote untfink, 
so dat he nein schäp mör ne vink. 


115  Alsus geit de welt up unde neder, 
de ene vert, de ander kumpt weder, 
de ene valt, de ander sticht, 
de ene armöt, de ander güt irkricht. 
Alsus gedän unstedicheit 

120 is, dar de welt mede ummegeit. 


XCIH. 
Van dem lowen unde esele. 


Et wönde cin man to Judea, 
de hadde enen lowen da, 
gröt unde ungevöch, 
darbi tam genöch. 

5 He was nutter dan de hunde, 
want he bewaren kunde 
an velde unde an wolde 
sin quek, wanne he scholde. 
Wen one de wulve sagen, 
10 de in dem wolde lagen, 
de mosten on vlein 
unde van dem queke tein. 
Do de lowe was döt, 
do was sin meicheit gröt, 
15 den lowen he villen leit 
unde enen esel halen heit, 
de was mechtich unde stolt, 
he dröch secke unde holt, 
dat se ome des lowen hüt 
20 antogen, he scholde üt 
mit sinem queke gän 


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140 


unde den wulven wederstän 
unde mannigem wilden dere, 

dat sc wünden, we it were 

unde noch de lowe levede, 

dar on dicke vor bevede. 

Do de esel sochte 

to wolde, wat he mochte, 

mit dem lude vorjagen, 

dat dede he vorzagen. 

Do he des geplach 

mank den wilden mannigen dach, 
do quam ein vos dare, 

de wart snelloe des geware, 

dat it ein esel was, 

wente he at de stengel unde gras, 
ök sach he dat bi den oren. 

‘Nu sint we alle doren,’ 


sprak de vos to den wulven unde beren, 


‘dat we uns nicht en weren 

ne kunnen noch ne mogen 

unde so vele nicht en dogen, 

dat we enem esele wederstän, 

des möt unse ere gans vorgän. 
Dat ein esel uns vorjaget, 

her wulf, dat si ju geklaget; 
wreket ju over den def.’ 

De wulf sprak: ‘Isset ju allen lef, 
ik wil one nederbiten 

unde beide hude ütspliten, 

dat he uns nicht mör vorjaget, 

bi wane morgen alse it daget.' 

Do spraken ök de bereon: 

‘En moge gi on nicht vorheren, 
we wille ju to helpe komen, 

dat he des nummer winnet vromen. 
De wulf den esel böt 

unde al an stucke splet. 


> 


Nu provet leven lude, 
wat dut mere bedude: 
De rike man bedudet de heren 
unde de vorsten, dede mit eren 
alle ore herschop vorstät, 
darto des ammechtmannes rät 
möt helpen unde sin dät, 
icht he sin dink wol anevät. 
Oft he van dode ofte van live 


70 


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90 


141 


sin man nicht lenk en blive 

unde mit eren tredet üt 

unde sin here des lowen hüt 

tut enem esele an 

unde maket enen ammechtman 
enen bür van older art, 

dede güt, wis, truwe nu ne wart, 
de mit des esels rochte 

wolde gerne, icht he mochte, 

dat volk vorjagen unde vorveren 
unde engestliken geberen. 

Wen ein man wart vrom unde wis, 
des mach he hebben cere unde pris; 
wen he aver ene hüt up sek dröch, 
dor sine dörheit ungevöch 

wert he bekant vor enen doren, 
also de esel bi den oren; 

so wert om afgebroken 

name undo güt; sus wert he gewroken. 
Sin dorperlige dät _ 

dem bosen, untruwen sus irgät. 

Ik hän gevreschet ichteswanne, 

dat van enem bosen ammechtmanne 
wol vorlös ein here 

beide lude, lant, güt unde ere. 
Darweder den guden ammechtman 
neman vullen loven kan, 


95 bi demo bestät des heren hof 


‚an ganzen eren unde sin lof, 


de sin güt bewaret, sin lant behüt 
unde aldus to den eren is güt. 


. ZCIV. 
Van den poggen unde storke. 


Ein pogge unde ein vorsch is al ein 
— de hän ik beide wol gesein — 
grön is de vorsch, de pogge bi£ek, 
misvar, also ift he sek 


5 hobbe gelegen mannigen dach. 


10 


An enem dike dut geschach, 
dar vele poggen inne lach. 
Do ein olt pogge dat gesach, 
de wiseste van sinen magen, 
dat se uppe dem rugge lagen 
unde nicht en hörden noch en sagen, 


15 


142 


enen heket begunde he vragen: 
van welken dingen it queme; 

icht he one de suke beneme, 

icht he ein mester mochte wesen. 
Se scholden wol genesen, 

sprak de heket, in dem aprille. 

De pogge sprak: ‘Dut is min wille, 
ik late se er upstän.’ 


20 Do quam ein stork darto gegän, 


de was do Erst to lande gekomen, 
de pogge vör to sinem vromen 
vil hasteliken to grunde, 

dar he sik behuden kunde. 


25 Want de april anstände was 


30 


unde ein itlik pogge genas, 

do sprak de olde or genöt: 

‘Gi poggen weren alle döt, 

nu hebbe ek ju vorquicket, 

dat gi nu echt horet unde spreket. 
Ik hän gewesen to Munpeler, 

he si vogel ofte dör, 

van allen suken ik di wol lose, 
sunder de stork, de is so bose, 


35 icht ek den unmechtich vunde, 


dat ek mi sin nicht underwundc. 
Nu bidde ik ju, vrunt unde mage, 
dat ju min wille nicht vortrage, 
unde kundigen dat in allen enden, 


40 dat vigenden unde vrenden 


45 


50 


55 


werde kundich min mesterschaf, 
dar sin gi alle geeret af.’ 

De poggen kundigen begunden 
mit alle dem vlite dat se kunden 
des poggen kunst unde wort, 

de se hadden van om gehört. 
Der meister sprank up ein gras, 
dar ein dep beke was 

unde krüt stunt mannigerhande, 
des he klene bekande. 

Der dere quam vele dare 

unde der vogele mannich schare, 
de pogge sprak: ‘Nu horet! 

of gi sint umbedoret, 

so wil ek seggen, wat ek kan. 


In dem lande is nein man, 


de an kunst mi gelike; 
wol vörtich konninkrike 


60 


65 


143 


nach kunst hän ek dorvaren, 

des kan ik ju bewaren ° 

vor mannigerhande stucke, 

darto hän ek güt gelucke. 

De twei vil dicke meister maket, 
wan se tosamende raket. 

Scholde ek seggen al to male, 
dat ek kan an dem orgenale 
unde an dem pulse tasten, 
minen genoten unde minen gasten 
wolde ek ök de kunst ütspreken, 


70 ju moste der tit sere unbreken.’ 


75 


80 


85 


90 


95 


100 


Sint quam ein vos gegän, 

do he de dör sach stän, 

unde sprak: ‘Gi sinnelose d£t, 
dat gi den gek nicht an en sit, 
de ju mit worden druget 

unde unbeschedeliken luget; 

des moge gi nemen ware 

an siner jamerliken vare 

unde an der suke, de he drecht, 
wente se vil gerne plecht 
aftoleggende Öörst ein man, 

de icht van erzedie kan.’ 

Alsus slöch he se daraf, 

dat me ome pris vele gaf. 

Ein edebere unde ein stokarn 
quemen sint dar hergevaren, 
des wart de meister vorzaget 
unde van der stede jaget, 

dat he aller kunst vorgat, 
wolde enwech unde it was to lät, 
de arn vink on an dem sprunge. 
Dar bi om sat ein junge, 

den de edebere vorslant. 

Alsus wart sin kunst bekant. 


Bi dem poggen mach men proven, 
de mennige kunst willen oven. 
der se kunnen nicht ein här 
— ek spreke dat vorwär, 
we se lörde vertich jär — 
dat he nicht so vele ne kan. | 
Sus is mannich drogenaftich man, 
de nu güt fundament ne wan 
van päpheit unde leit sek an, 
dat he wil ein meister wesen, 


144. 


105 de nichtes nicht kan losen 
noch der boke vorstän. 
Wat de mordes begän, 
Gode möt ek dat bevelen, 
leigen mogen se dat vorhelen, 
110 de van päpheit nicht no kunnen; 
des möt men one des namen gunnen, 
went sek de papen des vorstüt, 
darto dicke geven rät. 
Dar ein unkunst wert openbare, 
115 so holt men se so ware 
unde vordrift se darmede, . 
so de vos den poggen dede. 


xXCV. 
Van dem mule unde vosse. 


Bi dem mere dat gescach, 
dat ein mül an dem grase lach, 
ein vos darbi to gände plach, 
do he den mül ansach, 
5 he sprak: ‘Nu en sach ek Er 
so wunderlik geschapen dör. 
Et mochte wol ein hinde weson, 
wenne sin munt unde sin nesen 
sint bi wane van esels art; 
10 ein hase ök nu so gröt ne wart, 
de hedde gelik dem esel oren. 
Ik wil vragen dessen doren, 
wat wunder wichtes dat it si’ 
unde sprak to ome: ‘Sage mi, 
15 wat is din name, wat is din slechte, 
wat is din dönt, bistu ök echte, 
we was din vader, we was din moder?’ 
De mül sprak: ‘Miner moder broder 
was ein vil schone pert 
20 unde was wol twier punde wert. 
De vos sprak: ‘We was din vader?’ 
De mül sprak: ‘Dat is mi alle gader 
vorholen unde ek ne wetes nicht, 
min moder starf ane bicht.’ 
25 Do sprak de vos: ‘It mach wol wesen; 
bi dinem rugge unde nesen, 
ök diner moder bicht schal me merken: 


dar hadde ein esel wesen to werke.’ 


u Ze 


30 


1 


Na des mules degedingen 
al de dummen schevelingen 


beginnen doven unde bagen 


‚35 


40 


unde van den besten magen, 

de hogest sin, to allen tiden; 

der armen unde der siden 

vil ungerne se gedenket. 

Doch is dicke an on enket, 

wan se bagen an dem lande, 

alsus bredet se ore schande, 

wenne nicht de dät en volget mede. 
So schut one so dem mule geschede, 


xXCVt | 
Yan dem wulve unde duven. 


Ein wulf bi enem holte was, 
dar klene spricken de duve las 
dar se wolde nesten mede, 
also se vore dicke dede. 


5 De wulf sprak: ‘Du vil leve derne, 


10 


15 


ik wuste ütermaten gerne, 

eftu mi nu seggen woldest, 

wat du mit den spricken soldest, 
de du hir lest al den dach, 

sint ik nu vor hir af en sach 

di maken echt ein solk hüs, 
darbinnen schulen mochte ein müs.’ 
De duve sprak: ‘Du segest wär. 

So hevestu vil mannich jär 

de „schäp vorstolen unde de rinder, 
unde ik en sach nu dine kinder \ 
noch di bat gekledet daraf.’ 


De duve dat ome tor antwerde gaf. 


Den roveren mach dut wol geliken, 


20 de daraf nicht kunnen geriken, 


eft se des roves vil begät, 

went on de duvel gift den rät, 
dat se mit Gode willen twien. 
Daraf en mach it on nicht gedien. 


Niederdeutsche Denkmäler. IT, 10 


EEE ABEL ZEERZLEERERBE a RR EREÄENGE 


146 


XCVIL. 


Yan dem krevete unde sinem kinde. 


10 


15 


20 


25 


30 


35 


40 


Ein krevet üt enem beke gink 
mit siner moder, dat he vink 
de lucht, de dar soite was, 
unde do se quemen uppe dat gras 
unde do de moder dat gesach, 
wo he to rugge jo to gände plach, 
do was se so tornich sere 
unde sprak: “Wanne! dat di Got unere! 
wo geistu over rugge so? 
du makest mi darmede unvro 
unde schendest di dar sulven mede, 
went it din vader nu en dede 
efte iergen van dinem slechte. 
Stant! unde gank up dinen benen rechte, 
also l&f also ek di si! 
en deistu des nicht, ek hate di.’ 
To der moder sprak de sone: 
‘Des gändes bin ck gewone; 
wultu mi rechte leren gän, 
dat wil ik gerne noch bestän. 
Gank rechte! na ik volge di, 
do ek des nicht, vorwitet mi.’ 
Do sprak de moder: ‘Dat is güt, 
so su wol evene an minen vöt 
unde prove, wo ek vore ga 
unde tret mi so evene na” 
De sone stunt unde se gink dort 
mer wen dre spanne to rugge vort. 
Do sprak de sone: ‘Leve nanne, . 
alsus gink min vader ichteswanne, 
alse du geist unde is unse art. 
Geschuldiget ek noch nu ne wart 
umme min gänt, wen nu van di, 
dat wone ek, dat umbillik si. 
Sint dat alsus geit al unse slechte, 
so scheldestu mi nu unrechte. 


Vil mannich des anderen missedät provet; 
dat he sulven dickest ovet 
unde des an sek sulven nicht en weit 
noch weten wel — dat missesteit. 


147 
C. 


Van mester Girlink unde Afgunst. 


10 


15 


20 


25 


‚30 


35 


40 


Ein konnink leide up enen hof, 
de scholde werden also grof 
van kost unde van mildechede, 
we dar queme dorch de bede 
unde güt dorch ere nemen wolde, 
dat he rike werden scholde; 
de hof an pinxten scholde untstän. 
De rede möt ek overslän, 
dut wart alle gader dar gedän. 
Do de hof was vorgän, 
twene kumpane alto spade quemen, 
de ök güt dorch ere nemen. 
Dut waren twe knapen, 
de ene was also geschapen, 
alse icht he nummer worde vro. 
De andere leit also, 
alse icht he nummer worde sat. 
De konnink was on beiden hat, 
do he gesach ore leven, 
doch wolde he one beiden geven. 
Des enen kleder unde pert 
en was nicht seven schillinge wert; 
de ene was ein junk kumpän, 
sin pert was do vil wol gedän 
unde sine kleder ök dar mede. 
Doch was bose orer beider sode, 
also noch manniges is up der erden, 
doch wolden se gerne rike werden 
unde gingen beide vor den heren, 


de se entfink mit groten eren. 


Sus groten se den vorsten: 

“We beden gerne, icht we dorsten, 
dat du uns gevest ök din güt; 

dat di Got sende an dinen möt! 
Wol sint wi to spade komen, 

doch mochtet di an eren vromen.’ 
De konnink sprak: ‘So saget mi, 
wat juwer beider ammecht si, 

darto juwe kunst unde wo gi heten, 
darto moge gi min geneten, 

wente na der kunst schal me jo geven. 
Hir is noch so vele gebleven, 

dar ek ju wol mach leggen af, 

wo vele ek ök to dem hove vorgaf. 


10* 


45 


50 


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60 


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10 


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85 


90 


148 


De olde sprak: ‘Dut mach wol sin, 
ik hete mester Girelin, 

unde en levet nicht ein min gelike 
mit giricheit in al dem rike, 

wente ek begere al dat ek se 

unde deit mi herteliken we, 

oft et mi werden nicht en mach. 
Ok ruwet mi nacht unde dach, 

den avent spade unde den morgen vro, 
wen ik ein scharf vordo 

unde des mit anderer have 

under de erden nicht en grave. 

De wärheit ek ju seggen möt, 

nicht ein dink geit mi vor dat güt, 
noch lif, noch sele, noch ere, 

noch vrunt, noch mäch, dat wetet, here, 
dat ek der kunst nicht mör en kan.’ 
Do sprak de ander junge man: 
‘Afgunst, here, bin ek genomet 
unde bin an sinnen so vordomet, 
dat mi ök döt van herten we, 

wen ek dat vresche ofte se, 

dat jengem minschen güt geschut. 
So we dat minem herten döt, 

dat ek ne kan werden blide, 

went ek der lude lucke nide, 

de se ek degelikes vele, 

des geit it mi jo üt dem spele.’ 

Do sprak de konnink: ‘Dat is gewis, 
dat juwe kunst nicht selsen is 

an alle minem rike; 

mit beider kunst wol juwe gelike 
vil node doch wolden des gein, 

wo vele der wert von mi gesein. 
Wenne nu gi bekennen der wärheit, 
nu schal ju min gave sin bereit, 
doch mit solkem underschede, 

dat gi nicht cn bidden bede. 

Juwer ein bidde Erst allene, 

it si gröt edder klene, 

golt, sulver, want, wes he geret, 
des schal he sin geweret, 

so schal de ander vor mi treden, 
dem wil ek geven ungebeden 

twe werf so vele de ersto bat, 

dat schal he hebben sunder hät. 

Des vindet snel wech umme den kore, 


149 


_ welk juwer erst bidde vore.’ 


95 


100 


105 


110 


115. 


120 


125 


130 


135 


So gingen se beide in de achte, 
des de konnink lange wachte. 

Do sprak Girlink: ‘Leve kumpän, 
du hest den konnink wol vorstän, 
bidde one dorch mine leve vore, 
wente ek daranne so vele vorlore, 
icht ek one bidden Erst begunde, 
Van di he it lichte bet vorstunde, 
ünde bidde jo dat wat si gewert 
noch umme want noch umme pert, 
wenne bidde umme dusent mark.’ 
Afgunst sprak: ‘Dat were to stark, 
scholdestu de twevelt untfän, 

so scholde me uns beide hän. 

We schippen hir än enen vöch, 
des is an ener mark genöch, 
wente me den willigen man 
vorschonen to vele nicht en kan. 
We bidden on dar nicht en boven, 
nochtan so wil wi one loven, 

dat he uns gnade heft gedän, | 
sint dat al sin hochtit was vorgän.’ 
Girlink sprak: ‘Dat wil ek sweren, 
icht du des nicht wult enberen, 
dat ek mit aller kumpanie 

unde mit vruntschop din vortie, 
unde ek ewich diner ane ga, 

er wen din bede besta.’ 

Do sprak Afgunst: ‘So wel ek swigen 
unde laten mi vorkrigen 

unde leggen dussen storm neder.’ 
Se gingen vor den konnink weder. 
Afgunst sprak: ‘Dicke hän ek gehört, 
dat jo wär si der konninge wort, 
darumme döt nu mine bede 

dorch juwe grote edelichede, 

dede openbar is unde lüt, 

latet mi ein oge breken üt, 

darna latet sunder wederspreken 
beide ogen snellich ütbreken 
mester Girlinge minem kumpane, 
so werde gi unser beider ane; 

dat he dorch mi de sunne vorlese, 
vor alle gave dat ek nu kese.’ 

De konnink vromeliken dede 

unde twidede ome siner bede, 


im. im 


140 


145 


150 


155 


10 


15 


20 


150 


dre ogen se tohant vorloren, 

also Afgunst hadde lange koren. 
Vör ogen brachten se an den hof 
unde ein weder üt. Gode lof! 


Dat giricheit al vorblindet si, 
dat is dar openbar bi, 
dat nemant den girigen man 
mit gudem willen saden kan, 
went he jo valt up dat güt, 
also de blinde bromese döt. 
Ein girich man is to der gave träch, 
et si lif, ere, vrunde edder mäch, 
dat latet al de girige man, 
icht he dar güt gewinnen kan. 
Afgunst sut noch mit enem ogen, 
doch bewile mach he dogen, 
dat sinem vrunde güt gesche, 
doch deit it ome ein luttek we. 


Cl. 
Van dem wulve, vosse unde esele. 


Et schach in ener vasten, 
als ik it wone in der lesten 
tit unde in der palmweken, 
do quemen her gestreken 
dre kumpane in dem lande, 
ein vos vil behande 
unde ein wulf na sinem sede, 
ein esel quam Ök dar mede. 
De dre weren des bericht, 
dat itlik dede sine bicht, 
so he innichlikest kunde. 
De wulf do erst begunde 
bichten mit groter klage 
unde sprak: ‘Ik bin ein bose zage, 
ein rover unde ein döf, 
ein landschade nemande lef, 
mit giricheit hebbe ek nenen gaden, 
kume mochte mi geschaden 
ein gröt osse edder ein pert, 
des were ek wol des galgen wert. 
An bicht is bose de wärheit vorswegen, 
schäp, rinder und zegen 
der hebbe ek mör gegeten, 


25 


30 


35 


40 


45 


50 


55 


60 


65 


151 


den jenich herde moge weten. 
Eia, esel, vrunt, leve kumpän, 

ik hebbe ök sunde an ju gedän, 
ichteswanne bet ik juwe moder, 
tohant darna juwen broder, 

so vrat ek juwen vader 

unde juwe slechte vulna al gader. 
Dut schal gi mi vorgeven, 

ik schul dat bewaren, möt ek leven. 
Ene su sach ek gän alleine, 

de hadde verkene wol teine, 

de mosten sin vordorven, 

an vroste edder an hunger storven; 
want se ne kunden sek nicht generen, 
do warp ek se in alse artberen. 
Nu, leve vos, vor desse sunde 
unde ander, de ek nicht en kunde 
bi manniger tit geseggen, 

dar schaltu mi vorleggen 

unde setten mi de bote.’ 

Do völ he ome to vote. 

De vos höf on up unde sprak: 
‘Broder, have din gemak! 

güt rät schal di werden. 

We mach up der erden 

leven ane sunde? 

we is so bose, de ök gunde 

den jungen, dat se vordorven, 

icht on de olden nicht vorworven? 
dat is nein duve, dat du ein swin 
halest den jungen din, 

wente se eten jo dat korn, 

dat is mannigem buro torn. 

De zegen betänen ök de poten, 
der mannich minsche hedde genoten. 
Machstu den sturen, dat is güt, 
de so groten schaden döt. 

Wat ane hode is, dat is din, 
zege,-schäp, rint, pert, swin. 
Scholdo dat lant din enberen, 

dat volk kunde sek nicht genoren. 
We scholde dem korne weren? 

se laten dat dat quek vorheren, 
Dar mochte men slecht af gedien. 
Des ne mach me di nicht tien, 
dat du mit rove di generest, 


70 wente du dem gemenen lande werest. 


152 


Geistu to dorpe under wilen, 
al de dar sint beginnen ilen 
na di mit kulen unde mit grellen, 
icht se di kunnen vellen. 
75 Umbilk na dusser rede 
wanderstu än jengen vrede, 
doch deistu recht, dat du di generest, 
nene schult du daranne en hevest, 
hestu schult to enem hare, 
80 din ruwe is daranne openbare; 
wente istu dat du sust mene sin, 
en sotte ik di noch mer noch min. 
Men do di de vil armen, 
de verken, begunden to vorbarmen, 
85 de sek nicht en kunden generen 
unde du se slokest alse artberen 
vor angest der hungernöt, 
dat jagent unde rochte gröt, 
dat de bür mit di begän, 
90 dat möt vor dine sunde stän.’ 
‘Dat wil ek annamen’ 
sprak de wulf ‘unde ramen 
des besten, dat is min wille.’ 
Hirmede swöch he stille 

95 unde gink sitten weder. 

De vos völ ök dar neder 

unde sprak: ‘Vader unde here, 
ek hebbe gesundiget. also sore, 
dat al de lude tigen mi, 

100 dat ek ein schalk si. 
Dat is ein del al wär, 
geplogen hebbe ek des mannich jär, 
unde hude noch des plegget 
al min slechte, so men segget. 

105 To der schalkheit bin ek govöch 
unde kan vorretnisse ennöch 
unde untruwe bin ek in allen saken. 
To voren kan ek ök wol maken, 
dat de vogele des nicht vorstän 

110 en kunnen, — dat heb ek dicke gedan — 
swindicheit dorch lives nöt. 
So late ek, icht ek were döt, 
de tunge lach mi buten dem munde, 
vele kreien do begunde 

115 to mi vlegen mit oren gaden 
unde dachten sek van mi to saden. 
So wart dat ummegekart, 


120 


153 


ik vrat se an minen bart. 

Ok gink ein henne alleine, 

de hadde kuken wol sesteine, 

de moder vrat ik mit den jungen; 
ein wige quam dar boven geswungen, 
hedde ek darbi nicht gewesen, 

se ne weren doch nicht genesen. 


125 Wat scholde dön ein ander sunde? 


130 


135 


140 


145 


150 


we is so bose, de ök gunde 

den jungen, dat se vordorven weren ? 
dat hön kunde se nicht generen. 
Wen ek se ök gr£p, 

orer nein mi entlöp, 

do slant ek se in den kragen, 

unde quemen als krunsberen in minen magen. 
Vorswege ik it, dat were bose, 

ende, hönre, gose 

der hebbe ek vordomet ane mate. 
Doch hope ek, icht ek dat men late, 
wat ek anders anegän, 

dat darto mach wol gnade stän. 
Umme dut unde mine sunde alle gader, 
bidde ek di, mester unde vader, 

dat du mi bote darvor bevelest 

unde du dat truweliken helest.’ 

Do sprak de wulf: ‘Vil leve knecht, 
dat dunket mi wörliken unrecht, 

dat di de dät dunket bose, 

dat du hönre, ende, gose 

aldus vordomet in der borde. 

So rechte ik ju icht worde! 

dat volk dat deit di dicke leide, 

du hest to one vulle veide, 

de man willen din vel jo to kleide, 
de vrouwen Ök diner hosen begert. 
Ichtu enen ossen ofte ein pert 

togest üt orem stalle 


155 unde ore schäp alle, 


dat scholdestu mit one. Herden, 


 wan se din gewar werden, 


so jagen se mit den hunden na, 
wo mogeliken ik di denne bista, 


160 unde se di mit den hornen doven. 


Des kan ek sulven wol geloven. 


Darumme is dat recht, dat we beide 
to den buren hebben veide, 
de uns so leide dicke döt. 


154 


165 Al unse danke de is dut, 


dat de bür mer mit mi is vorladen, 
wenne mit di. Den groten schaden, 
den ek on stedeliken do, 

ein pert, ein weder, ein bok, ein ko, 


170 is vele groter wen ein hön. 


175 


Wat machstu on dar schaden ane dön? 
Kumstu daraf, du deist unrechte, 
wente des geplogen heft al din slechte. 
Vorlust ök ein hön ein man 

van diner list, ift he di kan 

gegripen mit den hunden dan, 

den pils den du hevest an, 

tut he di hastliken af. 

Neman so guden köp ne gaf 


180 dan umme ein hön vel unde lif; 


185 


190 


195 


200 


205 


210 


darumme der sunde ane angest blif. 

Hirmede der rede ein ende si! 

Mer enes dinges vrouwe ek mi, 

dat ek noch in dem lando se 

so vele der truwe, dat du de 

vil armen wesen so bedachtest, 

dat du de üt den noden brachtest, 

dar de hunger unde de kolde nacht 

unde de wige hedde se wol to bracht. 

Darumme wil ek, dat it di blive 

ein krone na dessem live. 

Nu sta up, lät den esel spreken, 

icht he des icht kunne reken, 

dat siner sele nutte si 

van siner dät, dat hore wi. 

He wonet an dorpe unde is min wän, 

dat he icht vele hebbe gedän, 

he mochte al solke dät begän, 

des me sere one scholde slän, 

einvoldich is he unde gemak.’ 

Alsus he do to ome sprak: - 

‘Sprek, broder brumbart, dine sunde?’ 
De esel dachte, he ne vunde 

noch voreschede ni 

bichter also gnedich twe 

‘Got gaf mi desse kumpanie, 

ik hope, dat ik hiraf gedie. 

We se beschilt, de deit unrechte, 

se sint geslagen üt orem slechte, 

dat bose rovere waren 

unde se sulven an korten jaren. 


155 
Darumme wil ek on openbaren 
‚unde mine sunde one vorklaren.’ 
Up sine kne völ he do neder, 

215 unde de vos gink do sitten weder 
vil dogentliken als ein junkvruwe. 
Do sprak de esel mit guder ruwe: 
‘Ik bin unwis, träch unde lat, 
geschein is vil dicke mi dat, 

220 dat ck wol an der straten bret 

dem tune gink so na, dat he splöt 
den sak to allen stucken, den ek dröch, 
darumme mi Ök dicke slöch 
de jene, de mi dref, dor sinen torn, 

225 do in den drek vel dat korn. 

Ik hebbe up mins vader bein 
gestallet dicke, des möt ik gein, 
dat is gröt sunde, dat weit ik wol. 
So hebbe ek mines heren köl 

230 bebeten unde dat gras, 
dat mines heren nicht en was. 

Ok do ek dicke gröt ungemak 
deme, de mi schal den sak 
upleggen, dat ek one drege, 

235 to slände ik one dicke plege; 
daranne verdönde ik weder slege. 
Ik gink eins up enem wege 
— durch ganse bicht ik dit nu do — 
dat was up enem morgen vTo, 

240 dar quam ein pelegerne mi to, 
deme hangede dat stro üt sinem scho, 
dat böt ek ome alle gader af; 
nicht grote schult he mi gaf. — 

Do röp de wulf mit undult: 

245 ‘Des dodes heft he wol vorschult! 
En dachtestu unsalige wicht 
des kruzes unde des vredes nicht, 
de al de jene schal bewaren, 
de to hilgen steden varen ? 

250 de pawes het sinen ban 
darover gelegget, welk man - 
den breken unde welk wif, 
dat gilt de sele ome unde dat Iif. 
AI dat du anders hevest gedän, 

255 dat lete wi wol overgän, 
mer desse sunde is also gröt, 
dat du dorch recht most bliven döt. 
Dat was röf unde duve beide, 


260 


265 


270 


275 


280 


285 


290 


295 


300 


156 


deme elenden dedestu leide 

ser sinen voten unde schaden. 

Mit sunden bistu so vorladen, 

alsus men deven tohant plecht, 

queme ein klage, dat were din recht. 

Dat wil ek, dat wi di nu schonen 

unde alle din slechte nicht en honen, 

wente schande trit dicke an de erven. 

Du most van unsen tenen sterven, 

dat schut di, icht dat di behaget.’ 
De esel sero wart vorzaget 

unde sprak alsus: ‘Nein leve here, 

gedenket an juwes sulves ere 

unde der vil gnedeliken wort, 

de ek van groter dät gehört 

hir hebbe jutto van ju beiden, 

unde latet mit gude uns nu scheiden 

unde settet ene bote nu mi, 

de mi ichteswat gnedich si. 

De wil ik holden unde lesten, 

min schult is nicht bi den mesten.’ 

Do sprak de wulf: ‘Ik wil dat tein 

uppe den vos, dat du hest gegein, 

unde sulke duve hest gedän, 

dat me di van rechte scholde hän. 

Ik lete mi mit besmen slän, 

dat ek des mochte ummegän, 

nu möt ek richten na der schult. 

Wenne ek rade, hebbe gude dult! 

du schalt, broder, weten dat, 

dat doch leve noch dorch hät 

schal over di dut richte gan; 

icht recht schal in der werlde stän. 

Doch wille wi dine sunde helen.’ 

Alsus gröp he one bi der kelen, 

de vos grep on bi der ten, 

se aten on up went an de ben. 

Sus wart geholden ome de vrede, 

dat kostede ome lif unde lede. 


We truwen wel dem ungetruwen, 
bi wane schal it ome ruwen. 
Ik love, dat it ök selden ome die, 
icht men an kumpanie 
sik to dem untruwen döt, 
went he drecht des wulves möt. 
Me secht, dat de esel bedude 


- 


an 


305 al de guden hüslude. 
De wulf bedudet ök alleine . 
de bosen richter algemeine, 
de mit gewalt den hüsman heret 
unde al sin güt to unrechte teret. 
310 De vos de kumpän beduden schal, 
de deme hüsmanne also wol 
gewinnen kan af al sin güt. 
Ok welke wort se ome döt 
mit list, mit valscheit unde mit eiden, 
315 me schal sek hoden vor den beiden. 


CL. 
Van den bomen unde orem konninge. 


De bome van den worden 
des to rade worden, 
dat se wolden enen konnink kosen, 
deme se wolden underdän wesen 
5 mit dönste sunder wän. 

 $e quemen up enen dach 
to hope, dar men sach 
vil mannigen böm van hoger art. 
De hof dar wol geholden wart. 

10 De olden bome unde de wisen 
begunden mannigen böm dar prisen, 
de dar wol wert der herschop were 
unde aller konninkliker ere. 

Der dannen böt men äörst de kronen. 

15 De sprak, dat one Got moste lonen, 
se en dorste sek der nicht underwinden. 
Darna boden se se der linden 
dor soiten roke unde schone. 

Se sprak: ‘Dat ju Got allen lone, 

20 dat gi der herschop mi gegunden! 
so mannigen beteren gi wol vunden 
van togen, der ein vorste plecht. 
Hirto bin ik ju nicht recht, 
wente ik bin krank unde wek 

25 unde ök vil dicke bin ik sek. - 

De vuchten, eken unde boken 
begunden se sunderliken soken, 
icht se der herschup begerden 
unde sek nicht darvor en werden, 

30 doch en wolden se nicht der ere, 
wente der wint ore mester were, 


35 


40 


45 


50 


55 


60 


65 


70 


75 


158 


Widen, ahorn, espen unde berken 
begunden dat vil sere merken, 

dat nemant konnink wesen wolde, 
se spraken, dat men it noch scholde 
an den bomen bet besoken. 
Do bat me de hageboken, 

se sprak, se were sunder vrucht 
unde stunde side buten der lucht, 
dat dönt queme or Öök nicht rechte, 
wente se were van armen slechte. 
Den kerseböm sprak me do an, 

de sprak: ‘Darto ck nicht en kan 
noch mit worden noch mit late; 
went ek geladen sta up der strate 
sunder hode mit den beron, 

so en kan ik ju nicht geweren 

den hagestolten mit nenen dingen 
noch den megeden, se enspringen 

up mi, unde dar to den bucken, 

se en spliten mi to stucken. 

Icht men des mit konningen plecht, 
so mach ek wesen ju darto recht.’ 
Do stunt darbi lank unde gröt 

de walböm, dem me dut böt. 

De sprak snelle: ‘Got lone ju, heren, 
dat gi mi also wolden eren 

boven de bome unde al min slechte! 
Wol wasse ek höch went an de lucht, 
doch so ne mach ek nummer vrucht 
van noten willichliken dregen, 

men bringe mi darto mit slegen. 
Wo mochte tom konninge de gevogen, 
den de lude also döt slogen ? 

doch doge ek bet de sterken 

slege, wenne ek to Denemerken 

ein bemesch konnink were, 

wente ek moste sterven schere.’ 

Do sprak de busch: ‘Men schal ök sein, 
de steden bome, de ek gein, | 
de de winter mit siner kracht 
der blader nicht beroven mach, 
dat gi alle wol seit, 
unde is de busböm, de jo steit 
al dorch dat jär grön alse ein gras; 
so wert he is unde ök ju gewas 
sin holt allen luden behande, 
dat is witlik in dem lande.’ 


so 


85 


90 


95 


100 


105 


110 


115 


159 


De jene spraken: ‘Dat were unrecht, 
de mit uns nicht to wonende plecht, 
dat we deme herschop scholden gunnen. 
Mer jo mit moneken unde mit nunnen - 
sin woninge is to aller tit, 
des blift he wol der herschop quit.’ 
Hirna worden se des to rade, 
dat me den hagedorn do bade, 
dat he sek vrilik underwunde 
der herschop, went me nicht en vunde, 
de ome likende in dem lande, 
he were wis unde behande, 
hart, scharp unde swinde, 
al unvorzaget vor dem winde. 
Do se hadden des ein räm 
umme enen konnink, do quam 
de brämber darto mit struken mangerhande, 
der me ein d&l ök nicht en kande 
noch bi namen noch wu gewunnen; 
de wolden om der herschop gunnen. 
Mit grötem schalle sprak de bräm: 
‘Gi hebben mannigen harden räm 
umme enen konnink unde heren. 
Nu wolde ek ju ein luttek leren, 
des ek wol mach gein, 
nemant schal de grote ansein, 
de stoltheit noch de hogen slechte; 
mer me schal dat merken rechte, 
dat de stolten werden vorsten 
de kunden wol unde dorsten 
mit degedingen betucken 
mit klökheit unde mit valschen mucken, 
de sek vorhoden nicht en kunnen. 
De sint, den me wol schal gunnen 
dus groten herschop in dem lande. 
De heren sin nu behande 
mit alsusdanen valschen seden; 
or volk wert dar vorsumet mede. 
Ik wet or weinich in der borde, 
de ju in dusser klökheit worde 
vullenkomen sunder mi alleine 


120 unde wil ju seggen, wat ek meine. 


125 


Dut konninkrike is mi bescheret, 

went ik werlich bin geweret 

van dusser kunst al vorgenomet. 

We des nicht wil loven, de wert vordomet, 
er. he sik kume kan vorsinnen, 


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130 


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155 


160 


165 


170 


160 


wenne sterke so gröt icht gewinnen 
mach ein böm wal 

vor to vallen unde vorderven al. 

Ik hete bräm in minem neste 

unde wil wesen ök de beste 
konnink, de ju gekoren wart. 

En bin ek nicht van hoger art, 
doch bin ck klök unde wis, 
daranne lit nu der heren pris. 

De van den schopen is genomen, 
de is nu to dem konninkrike komen. 
Darumme keset mi nu alle gader, 
ik wil juwer aller vader 

mit gunste wesen, nicht ein here!’ 
Den bomen was de rede unmere, 
dat he dorste na der ere 

stän, sint he so snode were, 

se repen al do overlüt: 

‘Du vule stinkende bose krüt! 
dornstu di vor enen böm nomen ? 
dat di Got mote vordomen! 

wultu mit dines schalkessede 
herschop vordenen, du schalt mede 


 werven unsälde unde grote slege 


van den alle dage, 

de di dar in de tune windet 
unde mit groten slegen bindet. 
Var hen drade üt unsen ogen! 
nicht lenger kunne we di dogen, 
di snoden böm so leide.’ 

Do he vör weder up de heide, 
dar he wente up sinen ende blef; 
den groten bomen was dat lef. 


‚Dus wart mit gansem kore gekoren 


to konninge de hagedorn, 
de entfink it dorch orc bede, 
des he gerne nicht en dede. 


Men secht, dat de bräm bedude 
de snoden dunkelguden lude, 
de an unsinno so voroldet, 
dat se sik also holdet. 
On dunket, dat in al dem rike 
en si nicht or gelike 
van sinnen unde van al dem sede, 
dar me mach de kloken mede, 
de sek nu valscheit nicht vormoden, 


161 


— dat sint de truwen unde de guden. 
De dussen grote bösheit deit, . 
mit aller valscheit overgeit 
175 unde sprikt, et si der werlde sede 
unde wonet ök ore ere darmede, 
dat se heten landesvorsten, 
darna se denken nicht en dorsten, 
icht or valscheit nicht en were. 
180 Mit valscheit krigen geistlike ere 
en mach nicht lange bestän, 
wan Got darover sin ordel gän 
let, dat ot möt gewroken werden 
beide in der helle unde up der erden. 
185 Wol is valscheit nu der werlde sede, 
. doch so möt de ere volgen mede, 


CI. 
Van deme apen, wo he konnink wart. 


In dem mere ligget ein wolt, 

darinne hebbet ein holt 
de wilden apen, de sik vodet. 
We sik vor on nicht en hodet, 

5 dem wert schalkheit van on gedän, 
wel he dar ane were gän. 
Hir was ök ein ape mede, 
de wuste ein del des konninges sede, 
went he van joget an sinem hove 

10 gewonet hadde an grotem love; 
dat he mit sinem schaden vorlös. 
Do he des konninges hof vorkös 
unde in dem wolde wonen wolde, 
do vorstal he an stenen unde an golde 

15 dem konninge mannige mark gewert 
unde sinem sonen ein klene swert; 
do stal he ein scrin der konniginnen, 
dar vingerlin vele was enbinnen, 
halsbant unde orer dochter krone. 

20 Dat nam he mede to lone 
unde vör hirmede to sinen magen. 
Do se dut van ome gesagen, 
men kös on to konninge na siner bede, 
dorch sin golt dat me gerne dede, 

25 unde wart daraf ein mogent here, 
al sin güt al duve were. 
Dat halsgolt he do vorebant 


Niederdeutsche Denkmäler, H, 


30 


35 


40 


45 


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55 


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65 


70 


162 


unde töch de vingeren an de hant, 
de kronen he up sin hovet nam. 
Vel mannich ape darto quam, 
dat dönt was dar mannichvolt. 

Do quemen dar dor dat holt 
twene man gesellen striken, 
de ne kunden sik nicht geliken, 
doch weren se an older wol gelik. 
De ene dröch ein swert bi sik, 
de andere gink ane were. 
Do se sach der apen here, 
do begunde he se beide laden 
to siner hochtit sunder schaden, 
dat se dat dönst segen, 
des ome de apen vorplegen. 
To dussen dingen was one leide, 
doch gingen se vor ome beide. 
De jene de dar dröch dat swert, 
de was al der werlde unwert, 
wente he nicht wenne logene sprak, 
de ander dar nicht ne brak, 
wente he gerne spreken wolde 
de wärheit, wat dat kosten scholde. 


De konnink grotte den mit dem swerde 
unde sprak: “Vrunt, du unde din geverde 


sint her gekomen to minem hove. 
Sprek, wo sta ik an dinem love? 
wat mannes dunket di, dat ik si 
unde alle, de hir nu stän bi mi?’ 
De ene sprak: ‘Du bist ein here, 
ein schone konnink, mit groter ere 
gekronet wol na konninges sede. 
De vor di stän, dar schaltu mede 
dine viande bedwingen 

unde alle underdanich bringen, 
wente ot sint vorsten unde greven, 
de sik din node begeven.’ 

De konnink sprak: ‘Al dusse wort 
hebbe ek gerne van di gehört. 

De konnink kuste en vor den munt 
unde gaf om goldes ein half punt 
unde sprak to sineme kumpane: 
‘Sage mi, vrunt, na dinem wane, 
wat volkes sint wi alle gader?” 
He sprak: ‘Ein ape was din vader, 
du bist ein ape an allem done; 
din halsbant, vingerlin unde din krone 


163 


75 en was van örste nicht din gedrechte 
van Godes hant. Van dinem geslechte 
is mannich geboren und levet noch, 
de nu kronen noch golt gedröch. 
De vor di stän, de sin alle apen, 

80 vor allen deren jo vorschapen; 
dut wet ik wol’ sunder wän.’ 

Do heit on de konnink wol dorslän, 
umme dat he nicht sprak wenne wär. 
Do voren se ome al in de har, 

85 se begunden one kleien unde biten 
unde sine kleder tospliten. 

Vil kume he vor one genas; 
wenne dat he one vele sterker was, 
so were he al dar gebleven; 

90 dut lön wolde om de wärheit geven. 


De wärheit mach sin geladen 

mit sunden, schanden edder schaden, 

der swige me in aller sake, 

dat me dare nicht ledes mede ne make. 
95 Doch steit de wärheit wol to love, 

icht se Ök al unwert si to hove. 

We wol to hove legen kan, 

de hetet nu ein kloker man. 

We nicht men mit der wärheit veret, 
100 vil kume he sik nu generet. 
Gode levet de wärheit ane twivel, 
de logene jaget jo den duvel. 


Ysopus est herba, Esopus dat bona verba. 


HE 


 Lesarten und Anmerkungen. 


nette ee 


Vorbemerkung. Die handschrift, welche die vorstehend zum ab- 
druck gebrachten fabeln enthält und über welche die einleitung ausführ- 
licher berichtet, hat auf jeder seite 2 spalten mit je 36—40 abgesetzten 
versen. Die anfangsbuchstaben der letzteren sind mit rotem zierstriche 
durchzogene und 2. t. dadurch verdeckte maiuskeln. Ganz mit zinnober 
sind die überschriften, das jeder moralischen nutzanwendung vorgemerkte 
Sequitur moralitas und die anfangsbuchstaben jeder fabel und anwendung 
geschrieben. 

Der gebrauch der abkürzungen ist ein mässiger, er beschränkt 
sich im allgemeinen auf den strich für n und m, die häkchen ’ und * 
für er und re, das unten durchschleifte p für pro. Stets abgekürzt, 
bald in uf, bald in ufd, ist unde. 

Der ‚schreiber der hs. besass eine geübte hand, war aber sehr 
flüchtig. Einige buchstabenformen hält er nur wenig auseinander, so 
dass zuweilen der zusammenhang über die lesung entscheiden muss. 
besonders nüheren sich die formen für a und e dem zwischen ihnen 
liegenden o, auch b und v sind einigemal, st und sc fast durchgehends 
ganz gleich geschrieben. Ueber anderes vgl. Wiggert s. 29. 

Die vorlage des schreibers muss gleichfalls einige sich einander 
annäherende buchstabenformen gehabt haben. Es deuten darauf gewisse 
fehler, deren entstehen sich nur so erklärt, h und k sind 2. b. ver- 
wechselt 3, 10. 6, 27. 49, 95; b und k 27, 87. 86, 55. 78,25; b undh 
3,102. 6,15. 49, 202; m und w 7,73. 10, 114. 49, 202. 76, 20; 
ce (k) und t 2; 39. 21, 25. 28, 29. 61. 36, 54. 55, 119. 58, 65. 
79, 46. 81, 32. 

Äusserste lüchtigkeit zeigt sich auch darin, dass oft silben und 
buchstaben ausgelassen sind. So findet sich 14, 13. se für wise; 30, 37. 
derve für bederve; 61, 123. anden für vianden, vgl. auch 2, 63. 39, l. 
53, 103; ein r fehlt V, 64. 34,7. 88, 77. 45, 14. 67,12. 81,92; ein t 
46, 14. 45, 68. 58, 15. 62, 25. 42 usw. 


166 


Die orthographie der hs. — zu fab. 97 und 99 sind längere 
proben gegeben — habe ich nach den von Lübben in der vorrede zum 
Reineke Vos s. XIX f. ausgesprochenen grundsätzen geregelt, und ich 
merke die hiervon betroffenen abweichungen der hs. unter den lesarten 
nur an, wenn sie beachtungswert erscheinen. Verbindungen wie 
had ik, heb ik für haddiık usw. habe ich ganz wie sie die hs. bot 
belassen. 

Auch in der setzung des circumflexes bin ich dem gebrauche 
Lübbens gefolgt und nur in einzelheiten abgewichen. Der conjunction 
ök und dem adjectiv läm habe ich den circumflex gegeben, mer ‘aber’ 
denselben genommen. 

Die hs. bezeichnet die länge des vocals nur bei gewissen wörtern. 
und zwar durch seine verdoppelung, häufig in tijt, hijr, seen, mitunter 
in prijs, wijs, gescheen, teen, been, deet, veer «. ä., einmal in daat- 
‘die tat’. 

In der anwendung des s weichen text und hs. nur in einigen 
fällen von einander ab. Sie gibt oft ezel neben esel, immer sage für 
zage, sagel neben tzagel, solt neben tzolt, artzedie für arzedie, immer arste. 

ı und j gebraucht sie regellos durch einander. Es findet sich 
iuwe neben juwe, jennich neben iennich. 

Um die anmerkungen von gewissen häufig wiederkehrenden ab- 
weichungen von der handschriftl. überlieferung zu entlasten, et ich 
dieselben nur hier an. 

Die verba gein, (ge)schein, sein, tein, vlein sind in der hs. meist 
mit e oder ee, nur an folgenden stellen mit ei oder ey geschrieben : 
gein 77, 24. 85, 58. 86, 96. 100, 77. 101, 227. 281. 102, 103. — schein 
49, 13. 75, 23. "86, 98. 90, 17. 101, 219. — sein 74, 30. 77,23. 83, 44. 
85, 57. 86, 97. 90, 18. 92, 62. 102, 104. — tein 1,21. 75, 24. 83, 83. 
101, 280. Vergl. darüber die einleitung. 

Die präterita kunden und begunden sind, meist ohne rücksicht 
auf den reim, oft mit u, meist jedoch mit o in der hs. überliefert. 
Vergl. zu 85, 3. 

Das wort vruwe findet sich ausser in En auch noch in der 
schreibung vrouwe und vrowe. Für letztere habe ich allenthalben vrouwe 


gesetet. Vogl. zu fab. 27. 


Die adverbia neder und weder sind mitunter (2, 39. 3, 38. 48. 84. 
5,17. 8,46. 9, 49 usw.) mit doppeltem d, die pronomina jene und 
jenich 1,16. 7, 31. 31,50. 37,13 u. ö. mit doppeltem n geschrieben. 
Bemerkenswert ist, dass im Mandeville derselben hs. für wedder, nedder | 
das doppelte, für eder ‘oder das einfache d, für jenne das doppelte n 
regel ist. 

Es erübrigt endlich noch, hier eines gebrauches der ee 
unde zu gedenken, welcher zwar auch in ‚andern denkmälern als dem 
vorliegenden, aber in keinem mit so zahlreichen belegen auftritt. 

Im mnl. (s. Reingert hg. von Martin s. 454) gilt die regel, dass 
ende ohne pronomen pers. einen satz. anknüpfen kann, dessen subject 
das object des vorigen ist. Dieselbe freiheit in auslassung des me 


167° 


waltet in mnd. denkmälern, besonders älterer zeit, und die nachstehenden 
belege werden zeigen, wie der conjunction unde die fähigkeit beiwohnt, 
einen benachbarten accusativ, dativ oder genitiv als subject auf- 
zunehmen. = 


Das aufgenommene subject ist in einem accusativ enthalten: 


62,27 do al dat velt vul kornes lach, vil dicke ik di daruppe sach, 
unde (= u. du) ne drogest nicht to hüs; 69, 51 ök heb ik on ge- 
leidet here, unde (= 4. he) steit hir nu al sunder. were; ebs. 4, 45. 
65, 90. 103, 25; Namelos 1377 desse rät en wol beväl, unde (= u. 
se) senden enen boden; Zberhard 980. 1613; sächs. welichron. 182, 38; 
dtsch. chron. II, 594, 21; Korner 165 (W); Dithm. L. R. $ 61. 

Ein dativ geht voran 5, 17 der müs wart to der mere leide, 
unde (= u. se) sprak; 75, 51 so weme an siner art genoget, unde 
(= u. we) holt sek; ebs. 3, 83. 5,7. 8,39. 19,12. 29, 37. 32, 22. 
38, 29. 41, 41. 47, 95. 84, 23; Zeno 358. 797; Eberhard 45. 633; 
Bruns Ged. s. 341, 2. 13; sächs. weltchr. 93, 23; Lübeck. chron. II 
s. 141 med.; Hamb. chron. s. 352; de vorlorne sone (Stockholm. hs. 
n. 29) 642; Brandanus 119; Gories Peerse Van Ysslandt (16. jh.) 
Wem desse dinge nicht wol gevallen, Unde (= uw. we) desse kost 
nicht kan vordouwen alle, De kan sick yn Ysslandt nicht erneren. 
Miünst. chron. LI, 139. Vyl. Passional hg. von Köpke 322, 9. 92 u. 6. 

‚Ein genitiv oder ein pronomen posses. liegt vor 18, 48 do 
gink to scaden ore dink, unde (= u. se) woldent gerne wederkeren; 
ebs. 27,15; Wfb. Es. 55, 15 min here miner plecht wal, unde 
— u. ik) lide nummer nöt; ebd. 101,33; Namelos 36; Eberhard 1047; 
sächs. weltchr. 214, 29 und nachfolgend 180, 35 do he darinne be- 
sloten was, unde (= u. se) in nicht utlaten ne wolden, he slöch ire 
vile döt; de vorlor. sone 746 Do hadde de jungelink vornomen 
Der thover ein vil grote dat her, Unde (= u. se) nemen ene al 
sunder wer Unde vorden ene an der hellegrunt. Ebs. Stat. Brem. 
s. 240. 248. | 

Die auslassung des pron. person. vor zeitwörtern, wie sie 2. b. in 
der sächs. weltchron. und bei Eberhard (s. Weiland s. 395) vorkommt, 
erlaubt sich Gerhard ausser in füllen, welche unter die oben aufgestellte 
regel fallen, 18, 35 do gink it echt to ener bede, unde baden. Ofter 
fehlt das unpersönliche it, wo es die nhd. sprachregel verlangt, nicht 
aber die mnd., 2. b. 10, 10. 54, 66. 49, 54. 98, 31. 100,5. 


Abkürzungen. Die meisten der in den anmerkungen angewandten 
abkürzungen sind die aus Schiller und Lübbens mnd. und Lexers mhd. 
wörterbuche sowie aus Oudemanns Bijdrage tot een middel- en outneder- 
landsch woordenbock bekannten. Nach der neuen ausgabe in Deutsche 
Ohroniken bd. II. 1876 (bearbeitet von L. Weiland, mit glossar von 
Ph. Strauch) ciire ich die sächs. welt- und Eberhards reimchronik, 
nach der handschrift den Wolfenbüttler Esop. Durch ein vorgesetztes 
‘Ties’ sind einige druckversehen des textes gebessert. 

Erklärung bedürfen folgende Abkürzungen: 


168 


Aes. mor. — Aesopus moralisatus cum bono commento. Impressus a. 


MCCCCXCIIL (Hain n. 311). Einige besserungen ergab die 
vergleichung einiger sonst weniger .correcten ausgaben. (Panzer, 
ann. typogr. I p. 343 n. 492; Hain 304 u. a.) 

An. Nev. = Anonymus Neveleti in der Mythologia Aesopica (7610) 


des letztern, wieder abgedruckt in der Zweibrückener ausgabe des 


Phaedrus s. 1883—202. Ich citire ihn nur, wo er in der reihen- 
folge der fabeln vom Aes. mor. abweicht. 

Olignett = Bijdragen tot de oude Nederlandsche Letterkunde, door 
Jac. Arn. Olignett. In’s Gravenhage 1819. 8, 


Romulus = Romulus. Die Paraphrasen des Phaedrus und die aeso- 
pische Fabel im Mittelalter von H. Oesterley. Berlin 1870. 8. 
Wiggert = Zweytes Scherflein zur Förderung der Kenntniss älterer 


deutscher Mundarten und Schriften von Fr. Wiggert. Magde- 
burg (Programm des Domgymnasiums) 1836. 8°. Ausserdem 
bezeichne ich ebenso einige handschr. hinterlassene besserungen des 
verfassers. 
Wfb. Es. = Wolfenbüttler Esop. Vgl. Hoffmann von Fallersleben in 
Pfeiffers Germania bd. 13, 469—478 und Niederdeutscher Aesopus. 
Zwanzig Fabeln und Erzählungen aus einer Wolfenbütteler Hs. 
des XV, Jahrhunderts. Herausg. von H.v.F. Berlin 1870. 8. 


Vorwort. Abgesehen von v. 17—24, bei welchen der prologus des 
Wfb. Es. von v. 7 an benutet ist, liegt für v. 1—36 die prosaische, 
für v. 43—76 die metrische einleitung des Aes. mor. als quelle vor, 
deren wortlaut zur vergleichung hier folgt. Graecia disciplinarum mater 
et artium inter ceteros, quos mundo tulit sapientes, unum edidit 
memoria dignum Aesopum nomine. erat enim ingenio clarus, studio 
sedulus et placidus facundia. qui inter cetera quae scripserat utilia 
fabularum exempla utilibus plena etiam litteris commisit et in unum 
redegit opusculum. in quo et parvuli diligentes instruantur et jocundi 
reddantur adulti. liber igitur iste primo graece conscriptus est ab 
Aesopo; post hunc a Romulo imperatore romano ad instruendum 
Tiberium filium suum in latinum venit. deinde rex Angliae Afferus 
in anglicam linguam eum transferri praecepit. Aesopus itaque de 
fabulis agens res inanimatas introducit loquentes videlicet et bestias 


‘et volucres et fabulose de eis scripsit, sed de singulis moraliter 


concludit. Darauf folgt in distichen UÜt iuvet et prosit conatur pagina 


 praesens, Dulcius arrident seria pieta jocis. Hortulus iste parit 


fructum cum flore, favorem Flos et fructus emunt: hic sapit, ille 
nitet. Si fructus plus flore placet, fructum lege: si flos Plus fructu, 
florem: si duo, carpe duo. Ne mihi torpentem sopiret inertia sensum 
In quo pervigilet, mens mea movit opus. Ut messis pretium de vili 


169 


surgat agello, Verbula sicca, deus, implue rore tuo. Verborum lenitas 
morum fert pondus honestum, Ut nucleum celat arida testa bonum. 
Die erste seite der hs. ist Jhesus Maria rot überschrieben. — 3 behande, 
im mnd. wich. nur in der auch von Gerhard einigemal gebrauchten 
form behende und der bedeutung ‘geschickt, listig’ belegt, findet sich noch 
30, 32. 67, 30. 87, 27. 101,6. 102, 77. 90. 114. Das gleichbedeutende 
gehende ist mhd. und mnl. auch im sinne von ‘bei der hand, gegen- 
wärtig, nahe’ gebraucht, vergl. Lexer s. v., Oudemanns II s. 417., 
Clignett s. 8311. Denselben sinn hat behende bei dem mundartlich dem 
mnd. nahestehenden compilator des Karlmeinet 878, 14 vgl. Elegast 305, 
und auch für Gerhard trift die angegebene bedeutung sicher an folgender 
stelle zu: 38, 37 de (der gerufene teufel) ome was vil behende (die 
lat. quelle hat qui protenus astans), ferner 102, 77 ök ju gewas sin 
holt allen luden behande. Auffällig ist: der mangel an belegen für die 
bedeutung ‘schnell, alsbald’ vgl. Kilian behend agilis, citatus, pernix, 
an die erinnert wird, wer 80,32 de man was wis unde bekande ore 
logene unde wort behande mit dem wortlaut der quelle ille autem 
iuvenis mox eius fraudem considerans vergleicht. Erst in späterer zeit 
überwiegt dieser sinn z. b. Schöne Künstiyke Werldtspröke (Hamborch 
1601) bl. 15 Richt dy thom Dode unde see upt end, Idt ys nicht vern, 
ydt kümpt behend, welcher sich in älterer zeit nur darin geltend macht, 
dass behende besonders der genannt wird, welcher, schlagfertig in wort 
und tat, sofort das nötige zu tun weiss, es ist behendicheit deshalb auch 
das eigentliche wort für die routinen der processführung. — 5. 55 eynem 
7 vromde mere bedeutete in der schulsprache ‘allegorien, apologie’ vergl. 
Schueren ‘vremde rede. Allegoria. alienaloquium et huius sunt 
VII species.’ Vgl. 7,7. — 14 ne wan 15 ne Wiggert) he 18 waren 
22 ök fehlt, vgl. indess Lübben zu R. V. 78. — 23 mocht 25 über 
Romulus und Alfred vgl. Oesterley im Romulus s. XXI und XXVII, 
— 39 die redensart sunder wän, bei Gerhard noch 29, 116. 52, 10. 
102, 5. 103, 81. (häufiger bi wane 7, 8. 25, 22. 32, 10. 41, 56. 81, 76. 
84, 33. 93, 52. 95,9) u. ä. sind ziemlich bedeutungslos und finden sich. 
in den meisten nınd. dichtungen älterer zeit, Namelos 64. 102. 175. 187. 
509. 1019. 1207, 1295. 1300 u. ö.; vorlorn. sone 689. 890; Segheler 
86. 109; deif van Brugge 29. 56. 169. 222. 801. 882. 421 u. Ö.; 
Laiendoci. s. 12. 20. 29. 58. 68 u. ö.; Wfb. Es. 70, 57. 98, 9. 99, 45. 
102, 50, 114,3 u. ö.; holt des h. eruzes 326. 517; Anselmus 64. 775; 
Stockh. Theophilus 62; Eberhard 128; wucherers paternoster (in Pfeiffers 
altd. übgsbuch) 60; Van den dren koningen (im Hartebök) 39. In 
späterer zeit scheint man ihrer überdrüssig geworden zu sein, im Beinaert 
häufig, findet sich sunder wän im R. V. gar nicht, ebensowenig im 
Dodesdanz u. a., vereinzelt bei Lüntzel Stiftsf. 197, und sunder twivel ist an 
seine stelle getreten. — 40 we’ 43 bringet die form mit e ist zwar 
nirgend in der hs. überliefert, aber häufig in den westlichen teilen West- 
falens. 44 mit Wiggert) rad 47 wes 48 ‘dem wird seines sinnes, des 
sensus moralis (der genitiv ist abhängig von min), desto weniger zuteil’. 
Die in den text aufgenommene besserung ändert an der handschriftl. 


Niederdeutsche Denkmäler, II, 12 


170 


Überlieferung de synes sines nur wenig, doch würde zu dem v. 47. 48 
gesagten de sines sinnes werde in ‘wer für die lust an der erzählung 
unempfänglich ist, der werde wenigstens der moral inne’ besser stimmen. 
— 49 Catonis dist. III, 7 Interpone tuis interdum gaudia curis Ut 
possis animo quemvis sufferre laborem. Dieselbe stelle übersetzt Bar- 
tolomaeus im arzneibuche (Gothaer progr. 1872 von Regel, s. 6) Mester 
Katho leret unvorborgen, By stunden mennige (!. menge) vrouden de 
(l. unde) sorgen. — 49 Der reim late : Kato ist so auffällig und war 
so leicht zu umgehen, dass man meinen muss, der dichter habe her Kate 
geschrieben, wie er nach schülerbrauch in seiner jugend nach analogie 
von Otto Otte, Anno Anne gesagt haben mochte. Ueber Cato als schul- 
buch vgl. Die dieisce Oatoen, witg. d. Jonckbloet (1845) prol. 24 een 
boec es dat die clerke lesen als sie erst ter scolen gaen und ebd. s. 
VIII — 50 Freidank 85, 13. — 54 vgl. Cato II, 18 Insipiens esto 
quum tempus postulat aut res Stultitiam simulare loco prudentia 
summa est, — 57 vgl. Facetus bei Wiggert s. 7 hic quoque facetiae 
(d. i. hovescheit) ortulus undique flores deutsch dut bök gift blomen 
unde vrucht, dat is hovescheit unde tucht, wovon die letzten worte 
bereits oben v. 35. 86 verwendet sind. — 62 beyde vgl. 3, 98. — 64° 
der Wiggert) de 73 mere) were 75 dorer, vgl. Boner Nachwort 15 Ein 
dürre schal dik in ır treit Ein kernen grözer süezekeit. 


Fab. I. Quelle ist Aes. mor. 1., vergl. Wfb. Es. 1. — Die ähn- 
lichkeit mit dem mnl. Esopet, bei Cligneit s. 12. Int mes daer een 
hane sochte Spise, die hi eten mochte Dar vant hi enen dieren 
steen Doe seide die hane: haddi en Ghierech man aldus hier vonden 
usw. erklärt sich aus der Benutzung des Anon. Nev. — 3 sten 4 schen 
s. 45,1. — 8 unreyne s. 85, 20 — 12 su und seit des to mi, eine 
bei Gerh. häufig wiederkehrende redensart, s. 10, 19, 49, 50. 67, 42. 
71, 78. 73, 4. 92, 40., finde ich sonst nur noch Namelos 1478. Wie 
Gerh. 38, 26 zeigt, ist die bedeutung “vertraue mir darın, glaube mir P 
— 14 eyne 19 wil Wiggert) wis 22 den stein 23 sunlich. 


Fab. II. Quelle ist Wfb. Es. 2 und Aes. mor. 2. — Die über- 
schrift fehlt. — 3 wo) wat ‘wie der bach hiess’ — 9 deil 16 ık ge 
‘concedo’ 24 "wlomen’ hier intrans., Wfb. Es. 2, 13 transitiv, die be- 
deutung ist ‘turbare’ vgl. J. Grimm, kl. schriften V. 261. Das wort 
ist noch heute in Westfalen gebräuchlich, vlom sagt man vom lehmfar- 
bigen wasser, Herrig Archiv 55 (1876) s. 158. — 26 tach 33 leiden, 
gegensatz zu leven leiven ‘wann einem die freundschaft verleidet wird’ 
vgl. 84, 23; Flos 151 Jedock en wil ik di or nicht leiden Unde Öök 
se nicht van di scheiden; Braunschweiger reimchronik 837 des konninges 
hof begunde leiden Dem jungen hertzogen klar. — 38 clappent 
39 scalt) sik stalt 41 mynder eyn jar 42. 51 clappen. Der reim ver- 
langt den 57, 50 und auch sonst wenn auch selten im mnd und mal. 
belegten einfachen inlaut. — 44 wanliken-gelden 50 to ore 51 darustu 
55 die moral ist sequitur aliud capitulum de sensu morali überschrieben, 


171 


in den übrigen fabeln nur Sequitur moralitas. 61 an liff an ere 
63 unwärheit Wiggert) warheit. 


Fab. III. Als quelle sind Wfb. Es. 3 und mehr noch Aes. 
mor. 3 benutzt, aus dem ich folgende mit dem Romulus Gottingensis 
gleichlautende stellen zur vergleichung ausziehe: Mure in ostio molendini 
super limen residente supervenit rana ex campo, et mure .salutato, 
cuius illa domus esset, eum interrogavit. Quam suam esse respondit. 
Rogavit ergo rana murem, ut ipsam nocte illa in hospicio susciperet. 
Cui mus benigne eam intrare concessit . ... apposuit ei grossam 
farınam ... * Et placuit ranae locus et cibus, sed cum potus diu 
expectatus non venit rana ergo potu assueta sitibunda tristis recedit 

(mus) de illo beneficio recompensam se velle habere dixit. 

INis auditis rana respondit, quodsi secum. ad sua vellet transire sibi 
reddere vellet cibum cum potu in copia. Cui mus assentiens pariter 
iverunt per prata ad fluvium. Erat autem rore plenus.. volebatque 
desistere, sed ipsum rana confortavit et in vicino domum suam esse 
dixit.. Tandem itaque prato a mure vix pertransito venerunt ad 
fluvium et ait rana: hanc aquam transire debemus, quod domus mea 
ultra est .. . mus sic inquit . . hospictum tuum adire nequeo, 
quod rore prati gravatus adhuc gravioribus aquis me committere non 
audeo. Ait ergo rana .. . filo nos alligabimus tu in collo et ego in 
pede ıneo et sic te adiuvabo ... Ipsis itaque in medio fluminis jam 
positis rana exclamando dixit ‘ego confisa nimis meis viribus, iam 
deficio et ad profundum ducor’ peritura sponteque se. submergens 
muri machinata est naufragium. Et sic mure’ adhuc existente ad 
litus fraudem. intellexit, et sic orta est ibi lis magna inter ambas 
partes .... rana namque ad fundum traxit et musadlitus.. Milvus, 
qui forte spectatrix erat .. murem unguibus accipiens et annexam 
ranam similiter trahens. Qui cum ad mortem trahi videret, sic fertur 
locuta fuisse: ‘qui socio suo parat opprobrium non immerito cadit 
in Jaqueum. — In der hs. lautet die überschrift Van der dorpmus 
unde veltmus, wer sie gesetzt hat, meinte also fab. X vor sich zu 
haben, Die verwechslung beweist, dass die überschriften erst nach- 
träglich gegeben sind. Ich habe unde vorsche geschrieben, denn den 
artikel verlangt der sprachgebrauch bei einem mit unde angereiheten 
substantiv auch dann nicht einmal, wenn es von dem ersten im geschlecht 
abweicht, wie 34, 10 de bük unde hovet; 93, 36 de stengel unde gras; 
die überschriften zu fab. 12. 17. 21. 27. wa; zuR. V IIL2. 
III, 8.; Dodesdanz 712. 1229; dtsch. chron. Il. 591, 14 zeigen. Auch 
wenn zwei substantiva in gegensatg zu einander gesetzt werden, kann 
der artikel bei einem derselben fehlen. So mangelt er dem ersten sub- 
stantiv Vw. 58. 63, dem zweiten Vw. 59. 65. 66. — 2. 73. 91 eynd 
5 vrowe 8 holden bi ‘herbergen’ 10 holt) kolt. Es bedeutet wie be- 
holt ‘aufenthalt, herberge’ vgl. 103, 2. — 25 doch) dar 26 doch fehlt 
39 do) de ‘und dass ich ferner dafür nichts verlangt habe, dass ich 
euch in mein loch führte, als mit dem abend die not an euch herantrat, 


172 


ihr also gezwungen waret, mir für die bewirtung jeden preis zu zuge- 
stehen’ 45 Vielleicht ıst nu statt mi zu schreiben 65 de mus dat or, 
86 Wiggert vermutete mat für nat, vgl. indess oben rore gravatus 
aquis me committere non audeo — 87 ju) di 91 lies enem 92 unde 
mi 94 juk 102 bot) hot ‘bot, ende, endchen’ ist zwar im mnd. wich. 
s. u. but nicht belegt, aber um so unbedenklicher herzustellen, als b und 
h von dem schreiber auch sonst verwechselt sind. Vgl. Ed. Krüger, 
Uebersicht d. heut. plattd. spr. (1843) s. 50 bott ende, länge eines 
strickes; Laiendoctr. hg. von Scheller s. 216 bot ende; brem. wich. 
VI, 15 bot nennen die kinder das garn, womit sie einen drachen 
steigen lassen. — 103 vloyt Dass der mundart des schreibers oi für 
ö geläufig, beweisst der Mandeville ders. hs., wo durchweg hoyde, soyte 
usw. geschrieben ist. — 113 de mus to kroch 126 cople tobrak 
130 dat — vrunde. Wiggert ändert in viende, wogegen zusammenhang 
und quelle sprechen. Es ist vrende herzustellen. Dem schreiber war 
diese form, wie auch die verderbniss 13, 52 beweisst, nicht geläufig, und 
er änderte stets in vrunde 2. b. 38, 37 (:behende). 94, 41 (:enden), 
nur einmal 81, 51. hat er sich die form mit e entschlüpfen lassen. 


Fab. IV. Quelle ist Wfb. Es. 4, vgl. Aes. mor. 4 — Der gang 
des processes, welchen die fabel erzählt, ist folgender. Das schaf ist 
von dem hunde, welcher die rückgabe eines brotes verlangt, vor gericht 
geladen. Das schaf läugnet, je ein brot von dem hunde erhalten zu 
haben. Zum beweise ihrer aussagen bietet das schaf den reinigungseid, 
der hund das zeugniss wissender. Die schöppen des gerichts beschliessen 
letztere zu hören und vertagen die sache. In einem späteren termine 
wird nach anhörung jener zeugen das schaf verurtelt den hund zu 
entschädigen. Diese entschädigung muste, je nachdem das gericht be- 
schloss, sogleich oder nach sechs wochen erfolgen. Zu sofortiger be- 
zohlung verurteilt, muss das mitiellose schaf mit seiner wolle den hund 
entschädigen. Der weitere verlauf der erzählung entspricht nicht mehr 
streng altdeutschem gerichtsverfahren. — 1 eynem 10 hat om. 14 woldö 
17 eyne 19 truwen 21 ne fehlt 30 höchlik) hof ich 31 Einige 
rechtsdenkmäler unterscheiden bereden ‘überführen’ und bereiden 'be- 
zahlen’. Wahrscheinlich wird die letztere form, die auch durch den 
reim verlangt wird, hier herzustellen sein. — 38 enö 42 wye 43 vullange 
54 wil 56 wen) men. 2 


-Fab. V. Quelle ist Wfb. Es. 5 und Aes. mor. 6 (An Nev. 5). 
— 3 bret stech Sinngemässer als ‘breiter steg’ ist bretstech d. :. eın 
steg, welcher, wie es meist der fall ist, aus einer von ufer zu ufer 
reichenden bohle besteht. — 6 eyner 8 he an sen 15 lies vorlös 
16 Vom verluste des schattens spricht auch Aes. mor. cum os aperuit, 
amisit tam carnem veram quam umbram carnis. In diesem verse 
heisst der accus. scheme (36, 34 der dat. so), oben v. 8 und 36, 41 
schemen, v.9 ist grunt als masc., v. 14 als fem. gebraucht. Dergleichen 
wechsel von geschlecht und form findet sich bei Gerh. häufig, vgl. fab. 75. 


‘ 


173 


wo pogge in der überschr. und v. 21. 22 mascul., v. 2. 9. 11. 15 aber 
fem. ist. — 21 lies girge. Aes. mor. beginnt die nutzanwendung alle- 
gorice per carnem intelligitur homo parcus vel avarus, qui quaerit 
bona aliena et quem contingit, quod taliter ex nimia cupiditate amittit 
bona propria. | 


Fab. VI. Quelle ist Aes. mor. 5, vgl. Wfb. Es. 6. — 1 lauwe 
13. 40. 43.lowe 6 wilde 9 an mydden 14 do) to 15 bute) hude 
17 de ko) do he 29 bocke vgl. 40, 46. 49, 81. 31 islik) ielik 
32 behagedo den 35 unde al min slechte steht formelhaft, vgl. Namelos 
307, 1240. 1409. 1757. 1775. 2053; R. V. 580. — 48 dö riken 
49 woldige. 


Fab. VII. Quelle ist Aes. mor. 7 und Wfb. Es. 7. — 5 quam 
7 vgl. zu V, 7. — 9 der dichter weist auf das männliche Geschlecht 
des lat. sol hin, um zu erklären, wie die Sonne in den aesop. fabeln 
sich mit einer frau verheiraten kann. 14 wis) wiso 22 oft dat 31 vgl. 
Aes. mor. Ista fabula docet, quo melius est habere unum principem 
quam plures. nam si plures sint, quilibet sibi vindicat servitium et 
honorem, quibus sufficere nequeunt subditi, et illis pro honore discor- 
dantibus nescit populus, cui adhaereat vel sub quo tutius vivat. 
Der schluss der moral von v. 88 ab ist selbständig vom dichter er- 
funden. — 34 des iares Die nhd. schriftsprache fügt den artikel dem 
pron. possess. in allen fällen- bei, wo letzteres nicht attributiv oder 
praedicativ steht. Die alte sprache dagegen gebraucht ganz wie das nnd. 
min usw. für ‘der meinige. Mai 116, 5 swä sine waren kumberhatft, 
die löste er; Richisteig Landr. s. 108 tum drudden hore erer aller 
rat, er du dinen sechst; ebs. bei Gerh. 5, 17 hedde ik nu minen 
wedder; 17. 40 al juwen; 49, 160 mit sinen; hier ere ‘die ıhrigen’. 
Der sinn der stelle ist: dieses gleichniss soll diejenigen, welche viele 
herren begehren, sie gern wechseln, belehren, damit sie ihren sınn 
änderen und sie es mit ihren alten herren noch viele jahre versuchen. 
— 37 moden ‘anmuten, zu dank tun’ vgl. die glosse im mnd. wich. 
IIl, 106 moden vel anmoden, insinuare. 


Fab. VIII. Quelle ist Aes. mor. 8, die benutzung von Wfb. Es. 8 
ist nicht ersichtlich.h. — 9 vogelen 13 eder 16 gi Wiggert) du 
25. 41 ben 26 ‘ber wem werde ich meinen lohn finden?’ vgl. Richisteig 
Landr. s. 98 so vrage vort, uppe wene du des (schadenersatz) sen 
scolest. 50 vgl. die quelle: nonne magna meae pietatis munera rece- 
pisti, dum de gutture meo caput tibi sanum emisi? si ergo sapiens 
esses hoc munere contenta fores et maxime, cum scias gruinas carnes 
me desiderare. | 


Fab. IX. Quelle ist Wfb. Es. 9 und Aes. mor. 9. — 14 ‘ohne 
empfang oder versprechen eines lohnes’. ‘28 "in anbetracht der not, welche 
sie darın bitte’, im Aes. mor. propter angustiam domus eam sustinere 
non posset, Ueber das fehlende relativ vgl. Lübben s. R. V. 168. — 
35 dat er it doch 56 cleyne 57 alleyne 58 unreyne, 


u TEEN AR a Tr her 
ne 


174 


Fab. X. Quelle ist Wfb. Es. 10 und Aes. mor. 12. — 2 gevöt 
Lübben) genot 12 untfeng 17 lies schulle 20 min) mi 22 eckers 
25 dat gi alle aflang 32 dat se 65 bet 79 groven mate 87 so 
bequast 94 ‘angst hat mir es vergäll’ 107 de wulf ‘wolp, welp’ ‘das 
Junge’ ist vom schreiber auch 57, 38. 85, 34 mit “wulf’ verwechselt, vgl. 
über einen ähnlichen fall Vılmar Idiotikon s. v. welf. — 114 vgl. 
‘melius est possidere pauca cum securitate et libere quam multa cum 
servitute et timore 114 Wer heft 115 we vriheit) warheit 116 ein 
den fehlt. 


Fab. XI. Quelle ist Wfb. Es. 11 und Aes. mor. 13 (Anon. Nev. 
11). — 5 men) wen 13 eyne Äs., lies ene 10 mit my 53 fl. vgl. 
Aes. mor. homo fortis et nobilis non debet inferre nocumentum misero 
et impotenti, quia saepe contingit, quod pauper et debilis infert 
nocumentum diviti et potenti, — 59 vgl. über die redensart it geit üt 
dem spele ‘die sache wird ernst, bedenklich” Lübben z. R. V. s. 321 
und Franck zu Flandrijs 443. Im mnd. findet sie sich nur vereinzelt 
2. b. bei Gerhard noch 100, 72; R. V. 1822; vorl. son. 436; daneben 
it üt dem spele bringen Gerh. 8, 60. 


Fab. XII. Quelle ist Wfb. Es. 12 und Aes. mor. 14 — 9 ‘dass 
die speise drinnen, ihm nicht erreichbar war’ 11.12 de ka 17 sten 
20 juk 25 envoldige. | 


Fab. XIIL Quelle ist Wfb. Es. 13 und Aes. mor. 15, — Die 
einleitung v. 1—9 muss dadurch veranlasst sein, dass Gerh. in einer 
gegend dichtete, wo nur sehr grosse käse, die ein rabe nicht hätte fort- 
tragen können, bekannt waren. 2 ik gen vgl. 7,16. — 7 ynich 52 dor 
valschen ende unde waren loff, vgl. zu meiner besserung die worte des 
Aes. mor. Moraliter per cornum intelliguntur leves et minus providi 
homines, qui falsis adulationibus et vanis laudibus credunt et sic 
saepe falluntur. 


Fab. XIV. Quelle ist Wfb. Es. 14 und Aes. mor. 16. — Ueber- 
schrift eynen 6 de 13 wise) se 25 ny lede dede 27 mi) nu 
30 alt = alto 35 vgl. die lat. quelle nemo debet se nimium extollere 
in prosperitatibus suis nec debet nimium aggravare debiliores, quodsi 
postea ceciderit et debilitatus fuerit, (ne) contemneretur tam ab ıllis 
quibus nocuit etc. — 36 sik tein wie 16, 66 ‘sich bestreben’. 39 dat 
'quodsv'. | | 

Fab. XV. Quelle ist Wfb. Es. 15 und Aes. mor. 17, — 9 nutte 
12 rodde 15 inger 16 mik den dem 17 he do anevenk 19 cleten 
21 ome do entmoten 44 len Tehen, lohn’ 54 'was für schelme sich 
auch einem manne zugesellen wollen, man soll sie, wenn irgend möglich, 
mit worten wegjagen 56 wil en kaytın. | 


Fab. XV Quelle ist Wfb. Es. 16 und Aes. mor. 18. — 3 ein 


fehlt. 45 wile 46 juk 49 it) de 57 it fehlt 62 so) de 71 were) 


worde 75 envoldich, lies arm, 


175 


Fab. XVIL Quelle ist Wfb. Es. 17 und Aes. mor. 20. — 13 boten) 
holen vgl. zu 8, 102. — 31 so wes. 


Fab. XVIIL Quelle ist Wfb. Es. 18 und Aes. mor. 21. — 8 do) 
du — rechte 12 art) ast 17 mere 38 lies tohant 52 eynem 
55 vromden) vrede 60 vgl. 15, 60. 


Fab. XIX. Quelle ist Wfb. Es. 19 und Aes. mor. 22. — 1 echt 
nimmt bezug auf fab. 18. — 7 das metrum verlangt folgende besserung 
unde at de olde unde löt de jungen vergl. v. 9. — 8 tilge it. 


Fab. XX. Diese fabel findet sich in der hs. an zwei stellen, hier 
und als n. XOIX, — Quelle ıst Wfb. Es. 20 und Aes. mor. 23. — 
14 sade ‘sättigung’ 21 schal ik 23 rete 24 vrete 29 bi der 
want fehlt. | | 


Fab. XXI. Quelle ist Wib. Es. 44 und Aes. mor. 24. — 15 hed 
gi 25 ik) id 26 ik) iu 28 suke ‘die gesäugten jungen’ 32 ‚sie 
kommt jelet auf mich, die mutter, zw. 33 dar) gar — do) de 
37 bande werden die reifen genannt, welche der bötticher um das fass 
legt und durch fortgeseiztes schlagen antreibt, vergl. Grimm wich. u. 
bandweide und Lexer u. bant. ‘de bande dreven’ ist also s. v. a. 
'tüchtig durchhauen’ vgl. Stephan, neue stofflieferungen II (1847) s. 141 
der (bösen frau) sal man di reyphe treybe mit knuteln uf deme libe 
daz ir di hout czu breche. — 39 vgl. Aes. mor. de quibus dicitur 
in evangelio: veniunt ad vos in vestimentis ovium, intrinsecus autem 
sunt etc. 


Fab. XXI. Quelle ist Wfb. Es. 45 und Aes. mor. 26. — 1 ge- 
legen) gesegen 13 lede 15 nen ik 21 de ik wet 22 beret. 


Fab. XXIII. Quelle ist Wfb. Es. 47 und Aes. mor. 41 (An. Nev. 
38). — 5 in allen enden ‘überall’ vgl. 81,52. — 6 ne fehlt 22 ob 
der schreiber gid oder gis gemeint hat, lässt sich nicht entscheiden. 
27 Ju) Jo 33 gevenk 34 lies sloge 43 andern 57 vort&ch) verste 
‘verzichtete 58 vangen.: 


Fab. XXIV. Quelle ist Wfb. Es. 48 und Aes. mor. 42. — 4 do) 
de 5 vielleicht um erkundigung einzuziehen 9 ben 11 dar) dat 
13 ıt fehlt 17 segget 26 besein) dy sen: 36ff Zu dieser stelle 
stimmt der wortlaut des Romulus Gotting. besser wie die oben genannten 
quellen (leo) per longam moram caput ercexit ad equum circumspiciens. 
ipso non invento sic locutus est: frons mea testatur me nimis fuisse 
pium cum volui iuvare perversum — vyl. Aes. mor. (leo cum) post 
longam moram caput suum vix erexisset et circumspiciens eguum non 
vidisset, ait intra se: merito haec patior, quia mentiebar me esse 
amıcum, cum tamen inimicus essem — Wfb. Es. der lewe weder zo 
sich quam Ind sinen viant nijt vornam Hie sach em na, alsus hie 
sprach Silven han ich dit vngemach Gemachet durch dine pin Dat 


176 


bezuget wal dat houft myn. — 44 mi) myn 51 vgl. Freidank 44, 7 
Nieman sich versüenen kan Mit eime ungetriuwen man. — 55 de 
minsche ıs vntruwe sede. Ich habe, um den sinn, welchen der zu- 
sammenhang heischt, herzustellen, die ersten beiden worte umgestellt 
(vgl. 27,177. 61, 121). Dass minsche im indefinit. sinne des bestimmten 
wie unbestimmten artıkels entbehren kann, lehren beispiele wie 52, 55 
wor truwe untruwen (der treue den treulosen) denst döt, dat lön wert 
om selden güt, vgl. 20, 35. 27, 88; in durch ni negirten sätzen ist die 
auslassung des artikels fast regel, 13, 34 is de ju gelik, so ne wart ni 
vogel so loves rik; ebs. 13, 23. 54, 38. 59. 65, 41. 135. 88, 65 u. ö. 


Fab. XXV. Quelle Wfb. Es. 49 und Aes. mor. 44 — 1 hoverdich 
an dummen sinnd 5 net von neden ‘niden machen’ wie Sündenfall 
1250. — 8 veldat dat 14 dar fehlt 51 dut let 61 ifine. 


Fab. XXVI. Quelle ist Wfb. Es. 50 und Aes. mor. 47. — 
1 velt = vel it vgl. 28, 9. 4 se sach 10. 22. 45. ben 11 cleyne 
12 eyne 21 nich en 23 alte 25 lest 33 bramthorne 49 deil. 


Fab. XXVII. Quelle ist Wfb. Es. 51 und Aes. mor. 48. — Die 
hs. bietet, wo ich vrouwe gesetzt habe, steis vrowe, nur v. 20 steht 
vrouwe. Ebenso habe ich das handschriftliche ritter steis in ridder ge- 
ändert. Wiggert irrt, wenn er zu Wieser fabel bemerkt, dass stets ritter 
geschrieben sei, die form mit dd findet sich z2.b. 52, 51. 54, 72. 58, 63. 
61, 16. 21. 29. 49. 63. 87,6 u. ö. Es ist zwar sehr oft der fall, dass 
mnd. hs. beide schreibarten neben einander bieten, ich habe aber gemeint 
im Gerh. die reinnd. form durchführen zu dürfen, weil der schreiber 
auch sonst das ober- bzw. mitteldisch. t für d sich hat entgehen lassen. 
Wie die form mit tt sich einbürgerte zeigen die urkunden, der nd. adel 
begann schon früh, oberdisch. formen in die heimische mundart zu 
mischen, und nd. schreiber gewöhnten sich ritter zu schreiben, weil die 
ritter selbst so schrieben. — Ueberschr. eynem 19 haspangowe, vgl. 
Reinaert ed. Willems (1850) s. 372 Haspegouwen : vrouwe. 27 kindes 
für kindesch, s. mnd. wich. IV s.1. — 29 on 30 grot& 33 unrowe 
37 für kotse fer hat die hs. botzever, so geschrieben, dass der unlaut 
durch zusammenfluss der dinte aus k entstanden sein, das v auch als 
b gelesen werden könte. Das von Wiggert gelesene kotzeber hat J. Grimm 
Gött. gel. anz. 1837 s. 531 (kl. schr. V, 262) als cuttafer zu deuten 
gesucht, kotze bezeichne die tracht des richters oder ritters. Es ist 
einfach zu trennen und kotse fer oder kotse her zu lesen. kotse, lat. 
cotsetus, casarius, bezeichnet den bewohner eines kleinen baurenhauses, 
einer kote (Frisch s, 540) und ist aus kotsate in derselben weise zu- 
sammengezogen, wie lanste aus lantsate, droste aus drotsete, s. mnd. 
wtch. II s. 625 und 552. Dass der ritter in einer kote wohnte, zeigt 
unten v. 58 ff. — 38 ser 54 rowe 55 van ‘ab von 91 unde set 
wu erlik 94 doch) do 102 rowen 103 wol) uel undeutlich 112 dorper- 
heyde, so wird gern die unkeuscheit genannt s. 86, 53; mnd. wich. s. v. 
— 118 ‘ohne bürgschaft und pfand liess sie das verlöbniss vor sich 


177 


gehen’ eine scherzhafte hinweisung auf die sitte, dass der bräutigam vor 
der eheschliessung den ‘brütschat’ gibt, Grimm R. A. s. 421 ff. 127 eyne 
160 schowen 168 gewfne 175 min) me — jo) id 177 dat vrowen 
lichter. 


 Fab. XXVII Quelle Wfb. Es. 64, vgl. Romulus app. 57. — 
6 in fehlt 7 in) en vgl. üb. ‘in hogen erfreut’ Martin 2. Reinaert 1048. 
— 14 gemeyet 25 drowen 29. 61 vortrigen 35 drowe 36 mit syden 
44 ungevöch) unde toch 46 vgl. Rom. plena verba formare non po- 
terat sed orphise pro forpice dixit. 47 he fehlt 53 nu) mi 58 he 
sede fehlt 60 was steht in der hs. zu ende von v. 59. — 60 unde 
on) ufi don. 


Fab. XXIX. Quelle Wfb. Es. 65, vgl. Romulus app. 58. — 3 bose 
sedd 11 gran 13 becker 23 knapen) kumpane 70 höpricken können 
heugabeln sein, da die knechte bei dem einbringen des heues beschäftigt 
sind. Vielleicht ist aber hoppenricken ‘hopfenstangen’ zu lesen, von 
denen der Wfb. Es. redet; jedoch wie kommen letztere auf die wiese? 
73 vrowen 75 beyde half 95 im Wfb. Es. fast ebenso Wart sie ge- 
wunden offte nicht Nijt ich des weyt des sijt bericht. 


Fab. XXX. Quelle ist Wfb. Es. 52 und Aes. mor. 49. — 
Überschr. eynem 4 döt) tut 12 lies mote; min) din 27 bid ik) lat 
ik 32 s. zu Vw. 3. — 34 ff. vgl. im: Aes. mor. Sis mea simque tuus 
‚.. tu mihi sola salus, tu mihi sola quies 37 derve 40 wonich 
44 dik boten 49 die hs. beginnt die moralisation erst hier. 53 wonet) 


went 54 amise 55 wil 58 ende eweliken dar unde al ungelucke 
"und zwar ewig. 


Fab. XXXI Quelle ist Wfb. Es. 45 und Aes. mor. 45. — 2 fer) 
ser 30 dat) de 47 klappen 54 he fehlt. 


Fab. XXX. Quelle ist Wfb. Es. 53, Aes. mor. 52. — 6 van) 
nu 9 hede 25 underschet 35 de schape fehlt 40 lies wu 56 nein- 
half recht Vgl. zu v. 46 ff. Aes. mor. Cumque ergo catuli luporum 
secundum instinctum naturae inciperent ululare, lupi hoc audientes 
magno cum furore ad caulas ovium cucurrerunt dicentes 'iam cogno- 
vimus foedera pacis statutae a vobis esse fracta, quod catuli nostri 
 quos penes vos habetis in fortitudine clamant ad nos, auxilium et 
defensionem a nobis implorantes. quare iam venimus cum furore 
illorum iniuriam vindicare’. et sic oves omni destitutae defensione 
succubuerunt. -— Zomulus III, 13 lupini catuli ululare coeperunt, 
lupi natos vexari putantes veniunt undique, simul dicunt pacem ab 
illis ruptam. haec dicentes, oves laniare coeperunt, nullo tutore 
adiutorium praestante, nullo patrono defendente. — Wfb. Es. 32 Zo 
eyner zijd nach eirer art Die iungen huleden, als dat wart Van den 
alden gehoirt zo hant . Der wulue schair do wart vmant Myt grymme 
sie zon schaiffen sprungen Ind sie van aller weir’ drungen. Sie 
sprechen das ein gebrochen were Soine, vrede weder ere An eren 
iungen, dar mede sie Vordelegeden dat unschuldige vee. 


Niederdeutsche Denkmäler, H. 13 


178 


Fab. XXXIU. Quelle ist Wfb. Es. .54 (bei Hoffmann s. 20) 
und Aes, mor. 53. — 1 hat 14 elren boken widen 20 dat = dat it 
‘auf dass er das ‘helve' ganz nach ihrem rate mache. 33 wulna 47 
vergl. Aes. mor. qui hostem suum nutrit et armat sibi ipsi damnum 
et cladem infert. : 


Fab. XXXIV. Quelle ist Wfb. Es. 95, Aes. mor. 55. — 2 van 
fehlt 7 scode Vgl. Kilian: schrooden, schroyen Mutilare, trun- 
care, . . . . resecare, circumcidere. schrooden het ghelt circum- 
cidere nummos. 


Fab. XXXV. Quelle ist Wfb. Es. 96. — 3 wonde (; begonde) 
Die hs. gibt begunde, kunde oft mit u, meist aber mit o in der vor- 


letzten silbe. In einer der doppelt überlieferten fabeln ist das eine mal 


70, 3. 4 konde begonde, an der anderen stelle in denselben versen n. 
96, 3. 4 kunde begunde überliefert. Abgesehen von wonden im vor- 
liegenden verse haben alle auf jene praeterita reimenden wörter sicheres 
und festes u im inlaute, um nur einige belege anzuziehen 2. b. kunde: 
munde 13, 39. 86, 43; : hunde 61, 39. 84, 11; kunden : gebunden 
74, 81; : hunden 61, 17; : vunden 13, 45. 33, 41. 80, 5; begunde 
: munde 5, 7. 13, 21; : stunde 56, 2. 86, 45; begunden : wunden 
(vulnera) 33, £0. Nur die in rede stehende form wonden macht aus- 
nahme, doch wird man in anbetracht dessen, dass wunden ‘putabant _ 
vier verse weiter unten, nämlich v. 8, sowie 49, 177. 83, 25. 93, 24 
und im Mandeville belegt ist, diese form auch hier ansetzen und an- 
nehmen können, dass der schreiber wie so oft in vruwe, rouwe, ruwe 
u. äü. auch hier o für überliefertes u geschrieben hat. — 6 den hinder 
14 mit enem kinde ‘schwanger’. 


Fab. XXXVL Quelle ist Wfb. Es. 97. — DUeberschrift eynem 
16 die gewöhnliche mnd, form ist docht, daneben ist jedoch auch die 
form ohne auslautendes t belegt, s. mnd. wich. I, 532, Wfb. Es. 46, 
34. — 19 mit) myn 23 set 47 reten ‘schreien, toben’. 54 "darum 
bewahrei euch mässigung, mässigt euch’. In der hs. steht für mät 
(= mate) mak, was zwar zu den vorhergehenden, nicht aber auch zu 
den nachfolgenden versen stimmt. — 55 is fehlt. kore) bore 66 un- 
gerochte 77 so)se 80 git) gik 82 ‘hiermit schliesse meine fabel’. In 
ähnlicher weise bricht der dichter die erzählung fab. 27, 156. 88, 50. 
90, 72. ab. — 34 wu) wen. 


-Fab. XXXVII Quelle ist Wfb. Es. 100. Wie weit die wörtliche 
entlehnung geht, zeigt die vergleichung der ersten verse, welche in.der 
Wolfenb. hs. wie folgt lauten: Eyn man zo marckte brachte eyn perd 
Dat was eyner marck gewerd Unde lovede it men eyne marck Eyn 
koepman sprach dat is zo starck Men laiss af den dridden deil Ich 
will id koeffen uff eyn heil Unde betzalen an disser stat Des weder 
sprach der ander dat Der koepman sprach behaget id w Ich wil 
uns vornogen nu Der yenne sprach nu redet an Der koepman sprach 
so wellich man Der eirst hijr zo uns kommende werd Der settze 


179 


gelt unde acht dat perd Die rede behageden en beiden Sie beveste- 
den die myd eiden Do sie eyn stund dar. hadden gestain Quam eyn 
man dar zo gegain Myt einem ouge den sie beden Dat hie wulde die 
wairheit reden Myt kortzen worden wes dat perd Zo koepe were 
wal gewerd Hie sprach ich weiss nit were it tzelt Off draue, men 
sin geld Eyn half mark is, ind nijt enboven. 2 vgl. 43, 2. — 6 talen) 
laten ‘sch will die ganze summe auf einmal zahlen’. 29 ‘gleichviel ob 
es ein traber oder zelt-, passgänger ist! 43 lies vromeden, die hs. hat 
vromede, a 


Fab. XXXVIIL Quelle ist Wfb. Es. 101. — 10 ik) ie 10 “ch 
dagegen dir noch nichts verliehen habe; siehe, pferde usw’, 24 der dieb 
wird mit sammt den gestohlenen kleidern zum richter geführt, zum 
zeichen, dass er auf handhafter tat ergriffen ist. 37 vrunde 40 de 
viant ‘der teufel? 77 vowatet. | 


Fab. XXXTIX. Quelle ist Wfb. Es. 102. — 1 ruwen 17 wol 
25 weit) w&t 50 untmote 56 wer 73Ök)ik 84 se went 86 hudet 
'hehlen’” 88 on) an 89 güt) god. 

Fab. XL. Quelle ist Wfb. Es. 1038. — 7 was van fehlt 10 lau- 
wen 32 ju) gik 33 levet = leve it) leve 40 sinen) oren — het) 
set 57 kunde) gonde 59 gemeyne 61 unreyne. 


Fab. XLI. Quelle ist Wfb. Es. 104, aus dem v. 1—5. 7. 9—14 


u, a. fast wörtlich entnommen sind 16 hevet = heve it 29. 44. 46. 
54 eig 52 werdet. 


Fab. XLII. Quelle ist Wfb. Es. 105. — 6 eyne 15 de danke) 
he verner 31 voge ‘klein’ wie 18, 17 und 53, 98. 


Fab. XLIII. Quelle ist Wfb. Es. 106. — 1 ök nimmt er fab. 
37 bezug. — 10 gerunge Lübben) geringe. 


Fab. XLIV. Quelle ist Wfb. Es. 107. — 14 2 alldE 16 sa- 
licheide 23 allene. 


Fab. XLV. Quelle ist Wfb. Es. 110. — 2 velt) er 14 dinden 
‘drinden, drinten anschwellen’, s. Hoffm. h. b. VII (2. aufl.) s. 23. 
— 17 vint me) findes Oder ist scudes zu bessern? 22 gire) sune 
24 güt) got. 

Fab. XLVI. Quelle ist Wfb. Es. 112 (bei Hoffmann s. 36), aus 
dem v. 10. 37. 38. 40—44. 52—58 u. a. wörtlich entilehnt ist. 10 ‘der 
hof hat ehre von euch 14 mach 23 ju) on. 


| Fab. XLVIL Quelle ist Wfb. Es. 118. — 38 der fehlt 42 sag 
ik 62 gereket 75 entdrowet 84 ‘wäre ihr wille auch noch so böse’ 
95 ik) is 102 hemelicheyde, | 


Fab. XLVIII. Quelle ist der fast wort für wort abgeschriebene 
Wfb. Es. 114 (bei. Hoffmann s. 35), nur die moral ist eigentum des 
dichters. T Wiggert und Hoffmann s. 9 lesen hagenbome 9 ok ome 


180 


do 10 duve 13 to de duven. Wäggert machte irrtümlich to deme 
duven daraus, was als beleg für ein mascul. duve in das mnd. wich. 
I s. 605 übergegangen und in diesem zu tilgen ist. 22 lies oft se. 


Fab. XLIX. Quelle ist Wfb. Es. 115 (bei Hoffmann s. 26 und. 
in Pfeiffers Germania XIII, 470) — 20 stricketes dock, der letzte 
buchstabe des ersten wortes kann auch — die tinte ist zusammengeflossen 
— d gewesen sein. Diese stelle weiss ich nicht zu erklären. Aus den 
belegen, welche mir Lübben aus dem manuscript zu seinem mnd. wich. 
mitteilt, scheint hervorzugehen, dass strickitte, strickede ein in einem 
tuche (kopftuch?) bestehendes kleidungsstück der frauen ist. — 29 dar- 
umme) daru'ne 39 darenst 55 ik) mit dy 66 dat schal) dar schut 
85 vest) nest 'yib und nimm festen frieden 93 jo) gy 95 hoppe) 
koppe 116 he fehlt 120 den ‘ferner) dem 121 houde 123 de 
tzege 132 achten 137 deil 142 de) en 151 het) he 153 Es ist 
an eine mit pergament überzogene schreibtafel zu denken, welche oben 
ein loch hat, um an einem bändchen getragen oder an die wand gehängt 
werden zu können 159 quamen 160 sinnen 161 manclaft 165. 
252 been ‘bienen’” 178 de de) do de 182 eynen 192 wevele) duvele 
199 Über den weitgehenden dichtergebrauch, tieren menschliche gebräuche 
zuzuschreiben vgl. Lübben zu R. V. 8516. — 202 hinden) binden 
217 innichliken) duveliken 222 mer) wer 237 ‘es gibt leute, welche 
wegen ihres scherzhaften inhaltes diese fabel loben, wenig nülze (meinen 
sie) wäre eine alzu ernsthaft und belehrend gehaltene erzählung gewesen, 
denn fröhliche leute würden eine solche nicht gern hören’ Die gleiche 
anschauung begegnet im Gothaer arzneibuche, dessen verfasser (bei Regel 
s. 6) sagt Ich geve umme eyn bok nicht eyn stro Sin ende were 
gemelich unde vro. — 238 wert 239 alto ernst) aldererst 240 unde 
‘und zwar’. 


Fab. L. Quelle ist Aes. mor. 32 und Wfb. Es. 116, aus dem v. 1. 
2. 12. 19—22 beinahe wörtlich entlehnt sind. — 2 eyner 6 ‘das ver- 
schlug nicht viel bei ihm’ s. mnd. wich. I, 564. 15 vortigen 21 einen 
36 nut) mit. 


Fab. LI. Quelle ist Aes. mor. 25 und Wfb. Es. 21. — In der 
überschr. ist qui fast quo geschrieben 2 ‘schwanger 5 untdrochte 
14 dar) dat 20 vgl. Aes. mor. Et homines hoc audientes qui prius 
timuerunt, ridebant et invicem iocabantur. Hic ponit documentum 
quod verbosi et sumptuosi saepe minus faciunt quam homines taciti. 
— 26 dagen 'vertagen’. 


Fab. LII Quelle ist Aes. mor. 27, vgl. Wfb. 22. — VUeberschr. 
eynem ritter 1. 5l ritter 3 vengh 14 tage 38 hat gehört in der 
hs. zu v. 37. 39 wol mach dsgl. zu v. 38. 45 gi) sin 52 ‘der riiter 
dachte, dass der dienst, den der hund leiste, darnieder liege, also müsste 
der lohn auch unterbleiben 53 aldus) aldar 55 vgl. Aes. mor. Hic 
ponit documentum quod homo necessitatus servire alteri debeat cavere, 


181 


‚ne serviat misero etingrato, quia servientibus ingratis saepe frustratur 
spes mercedis. — 56 güt) got 57 wemen. we 


Fab. LII. Erzählung und einzelne verse sind aus dem Wfb. Es. 
117 (bei Hoffmann s. 42) enilehnt. 5 do on an sach 13 ieten 
19 irkenne) enken 42 järlank ‘während dieses jahres’, gebildet wie 
mhd. tälanc aus tagelanc mnd. dalink, vgl. avetlink, morgelink.. Viel- 
leicht ist es aber für unlank der vorlage verschrieben, der Wfb. Es. 
bietet gistern. 45 ‘wenn du nicht sings” 49 ho “laut” vgl. Martin 2. 


Reinaert 443. — 51 stilnisse der teil der messe, wo unter allgemeinem 
schweigen der priester die hostie verzehrt, vgl. nd. jahrb. Is. 71 und 
Vorl. sone 743 f. — 52 petze lat. pax, der friedenskuss nach der 


stilnisse 55 bleven ‘endigen’ 70 Der bok singt nach dem dorfe zu, 
der wolf sieht ıhn an und kann so die vom dorfe heraneilenden nicht 
erblicken. 76 tenen 103 kan warheit., 


Fab. LIV. Quelle ist Aes. mor. 35 und Wfb. Es. 120. — 11 des) 
de 36 hoverdicheyde 39 vredelös) segelos. Oder ist zagellös zu 
bessern? 42 gevullet 66 lies darane 68 wertliken ‘weltlichen’) war- 
liken 70 grote 71 wel fehlt. 


Fab. LV. Quelle ist Wfb. Es. 121 (bei Hoffmann s, 54). — 
9 dar) dat — ein) van 18 holt 21 is fehlt 22 phisiken 25 de 
puls 30 Uber den aberglauben, dass der kapaun und hahn im magen 
einen stein mit allerlei wunderkraft trage, s. Van den eddele ghestenten 
230—252 (im nd. jahrb. II s. 63), mhd. und mnd. unter hanstein und 
kappenstein; Gr. Mythol. s. 1169. — 58 untfenk 64 juk 67 lede 
86 rake) iake Vgl. mnd. wich. u. rake und reke. — 119 knottere) 
knotke’. Dus wort bezeichnet entweder einen kapuziner oder, was für 
diese stelle wahrscheinlicher ist, einen geisselbruder. Vergl. Jeroschin 
1778 und Frisch 539. — 132 lies beide 141 sinen. 


Fab. LVI. Quelle ist Wfb. Es. 122 (bei Hoffmann s. 28) und Aes. 
mor. 37 (Anon. Nev. 36). — 8 ‘unter einem baumstumpfe liegst du dann’. 
10 di) mi 17 för, wofür der Wfb. Es. v, 21 das ziemlich gleichbe- 
deutende her hat, ist bei Gerh. noch 40, 3. 31. 57, 48. 71, 12 belegt, 
in anderer form findet es sich Namelos 1418 de ritter fir, auch in Bruder 
Hoansens Marienliedern 3835 der lewe fir, 3874 den vil stolsen firen 
lupaert, in der form fiere oft im Karlmeinet (s. Bartsch zu K. s. 342), 
mni. ist hier häufig. — 23 du du 24 to) wol 34 vele sinnes 40 do) 
so 53 om fehli, to) so 54 dat) ne 57 rowen 59 sotem) sote 
freundlichem grusse eignet, folgt freundliche antwortet, bösem grusse 
böse’ 61 wröt) wert 63 lies vrede unde veide, it maket vroude, it 
maket leide. 


Fab. LVIL Quelle ist Wfb. Es. 123 und Aes. mor. 56. — 
25 user 27 achtene 34 ‘so kann er auf meinen hintern blicken und 
dessen entblössung mir übel nehmen. 


182 


Fab. LVIII. Quelle ist Wfb. Es. 124. — 15 slep 34 venk 
38 wolpen) wuluen 48 vel 53 alle 63 de papen unde ridderen 


65 set) sek 72 des) den. 


Fab. LIX. Quelle ist Wfb. Es. 28. — Überschr. eynem 1 p’se 
3 gerede Vgl. über gereide Hoffmann z. Caerl 166. — 6 untmote 
20 vogdö 46 deil 56 kundicheyde 57 plaget 62 bredel 64 is fehlt 
70 Die untere ecke von bl. 27 ist abgerissen und dadurch hier und in 
der folg. fabel eine lücke entstanden. Ergänzt von mir sind in v. 70 
die letzten 6, in v. 71 die letzten & buchstaben. Die reste der folg. vv. 
lauten 72 de in der werlt nu gr 73 dut moste dit ar 76 hirumme 
mogen 75 de stolten riken 76 went he nich 77 beginnt die moral 
Hir 79 recht. 


Fab. LX. Quelle ist Wfb. Es. 33, — Folgende versschlüsse sind 


erhalten 16 ach hir komen eyn gebur 17 hir lit vor al den dach 


18 e vorvaren mach 19 mid on io gat 20 t myn beste rad 21 dus- 
sen huss 22 sche mus 23 enoge 24 gen 25 komen 26 romen 
57 arbeite. 


Fab. LXI. Quelle ist Wfb. Es. 36. — 25 stöt ‘einzäunung für 
wilde pferde. Oder ist zu ändern wol it was wilde, it evene stöt — 
33 jacht 40 jo) is 46 spel 59 de hart — gehort ‘gespört aufge- 
spürt, auf der spur verfolgt’ 60 ome 69 ungekornet 74 deil 
87 eyntwe 94 wanlik 103 vorderf 121 dan mach it 123 vian- 
den) anden. 


Fab. LXIIL Quelle ist Wfb. Es. 74; vgl. Romulus IV, 19 (Rom. 
Gotting. 88,) zu v. 5. — 10 ju) gik 22 singet 25 vel. 


Fab. LXIIL Quelle ist Wfb. Es. 31 und Aes. mor. 57. — 
23 lies do für so. 


Fab. LXIV. Quelle ist Wfb. Es. 58 (bei Hoffmann s. 41). — 
54 af on) an. 

Fab. LXV. Quelle ist Wfb. Es. 66. — 14 tildem 23 lies unde 
27 leve) lowe 42 gewal 47 iumber 50 ju fehlt 64 ‘dieser ehre 
lüstete ihn deshalb sehr, damit er wiltbrei so gewann’ TO ift 71 vül) 
wl 115 hesnen ist gleich hesenen vgl. Hoffmann hor. beilg. VII (1845) 
s. 12 hecsene of cnieschive. Poplex., ibid. (1856) s. 42 hesene. 
Poplex., mnd. wtch. u. hesse. — 125 irvullen 129 dem) de 131 so) se, 


Fab. LXVI. Quelle ist Wfb. Es. 111 (bei Hoffmann s. £0). — 
1 sat Wiggert) at. 


Fab. LXVII. Quelle ist Wfb. Es. 71 (bei Hoffmann s. 53). — 


1 eyn lowe enem ezele untmotte 3 ‘Gott sei euch hold’ ‘Goit sei mit 


dir’ 5 des) de 12 sibbe 17 mi) min 49 men :ısöt = men en. 


Fab. LXVIII. Quelle ist Wfb. Es. 72. — 19 ben 21 vorspore 
25 vromet. | 


183 | 
Fab. LXIX. Quelle ist Wfb. Es. 73. — VUeberschr. eynem 


13 wat) went 31 vor diesem verse ist in der hs. v. 27 wiederholt 
55 de) wer 66 ga) va 68 twie) tweic. Ä 


Fab. LXX. Diese fabel steht unter n. XCVI nochmals. — Quelle 
ist Wfb. Es. 34, in dem sich aber nicht findet, dass das wiesel im 
mehle sich verbirgt, wol aber sagt das die lat. erzählung Romulus Got- 
fing. n. 102, vgl. Rom. IV, 2. — 26 rikes tzolt. 


-Fab. LXXI. Quelle ist Wfb. Es. 35, anders her Angegen geschöpft, 
was v. 1—32 von dem panther erzählt wird. Die bestiarien, welche 
sich mit vorliebe mit diesem tiere beschäftigen, berichten "wenn der 
panther sich sattgefressen, legt er sich nieder und schläft drei tage lang; 
bei seinem erwachen stösst er em gebrüll aus, wobei ein so süsser athem 
aus seinem munde hervorgeht, dass dadurch alle tiere von nah und fern 
herbeigezogen werden’ vgl. Kressner, über die thierbücher des mittelalters, 
in Herrigs. Archiv bd. 55 (1876) s. 257, Martin 2. Rein. II 5455, 
Lübben 2. BR. V. 4955. — 20 rocht = rochte ‘geschrer’, die hs. hat 
recht 26 dar de ut 29 Isidor, Origin. XII. c. 2, 9 sagt, dass der 
panther nicht mehr wie einmal und zwar drei junge gebäre, denn diese, 
meint er, ungeduldig das licht der welt zu erblicken, bahnen sich mit 
ihren klauen einen weg nach aussen, so dass die mutter, innerlich ver- 


letzt, nicht wieder concipieren kann. — 32 bliven 33 ein wilen) en- 
wilen 35 eyne 40 so wort se 86 willen. | 
Fab. LXXII. Quelle ist Wfb. Es. 40. — ÜUeberschr. eynem 


16 gelegen) gedregen 17 leyder 31 he) der ‘dann versucht er es 
mit (geheuchelier) treue. 


Fab. LXXIH. Quelle ist Wfb. Es. 42. — 8 Ueber die sitte beim 
eide die finger auf das schwert zu legen, vgl. Grimm R. A. s. 165. — 
9 daat 19 des on) der er — nicht lank “n kurzem, bald’ 23 vuren 
‘glühend machen’. 


Fab. LXXIV. Quelle ist Wfb, Es. 69. — 10 de nimmt demon- 
strativ das subject de vogele wieder auf 20 goyde 24 keme 42 hert) 
vert 50 solden 51 wolden 55 bi der ere. 


Fab. LXXV. Quelle ist Wfb. Es. 27 und Aes. mor. 20 (Anon. 
Nev. 40). — 4 en 9 genen. 


Fab. LXXVI. Quelle ist Wfb. Es. 24 und Aes. mor. 33. — 
5 'wie er den fuchs im sein haus eingeladen habe 14 der) de 17 dat 
‘quodsi' 20 wite) mide. 


Fab. LXXVIL Quelle ist Wfb. Es. 63 (bei Hoffmann s. 34) und 
Aes. mor. 19. — 10 also ‘gar sehr’. Das intensive so ‘sehr’ findet 
sich häufig bei Gerh. s. 52, 33. 59, 22. 61, 80. 80, 18 u.ö. — 
19 unreynet. 


Fab. LXXVIIL Quelle ist Wfb. Es. 59, aus dem v. 5.6. 19. 20. 
29. 30 fast wörtlich entlehnt sind. — 22 Vgl. 29, 96. — 25 keret) beret, 


184 


Fab. LXXIX. Quelle ist Wfb. Es. 68 (bei Hoffmann s. 88), 
aus dem mehrfach wörtlich abgeschrieben ist. — 1 mit undult 'mit hef- 


tigkeit’, vgl. 84, 4 — 6 Vielleicht ist wan aus man verschrieben, vgl. 


Wfb. Es. v. 9 de here sprak: ein dumme man heft di gebrocht up 
dissen wän und Martin z. Reinaert 105. — 39 dusse 46 arm ök) armot. 


Fab. LXXX. Quelle ist Wfb. Es. 125, bekant war dem dichter 
die erzählung des Romulus, app. 49, vgl. zu v. 50. — 31 alsome jo 
44 denne hier und 55, 8, in der form danne 68, 2. 18. 50 ‘wie er 


dreimal überlegen konnte (ob er sich dem tode preisgeben wolte).: Im 


Rom. heisst es: ipse (der hirsch) procul dubio cum deberet occidi ut 
ipse vidit in prima congregacione cum eum apprehendere vellemus, 
vix elapsus est. Et ad secundam venit et vix manus nostras effugit. 


Si igitur cor habuisset, ad terciam congregacionem, ubi occidebatur, 


non venisset, — 53 vorlorn 54 geborn. 
Fab. LXXXI. Quelle ist Wfb. Es. 56. — 6 vortige 9 minschen) 
weu’schen — unde ‚und zwar’ — wevere) weu’ — 13 castorium, lat. 


castoreum ‘bibergei’ 14 höt) hat ‚raub heisst, ist ihr aller sitte’ Die 


nınd. sprache liebt es das verb. substant. durch die verba heten, kennen . 


u. ä. zu umschreiben, vgl. 53, 14 do ik ein wolpen was geheten; 
64, 51. 75, 32. 22 dat) dar — ik fehlt 32 ıt) ik 41 wont 44 lete 
it varen 52 min) mit. Vgl. Wfb. Es. v. 16 Durch kumpanie so kusse 


mich Die wijr zo samen hant gehat Und sage mynen frunden dat 
Dass wir aldus gescheiden sin Dass yn din truwe werde schin. 68 se) 


Lübben) he 92 logene. 


Fab. LXXXIL. Quelle ist Wfb. Es. 57. — 9 ie) ik 13 un- 
reinicheide 35 trwen, 


Fab. LXXXII. Quelle ist Wfb. Es. 46 und Aes. mor. 28. — | 
7 it wolden) enweren 8 ome 12 Unklar ist, was binden bedeutet. 


19 mör) mer 20 daranne 24 Die schafe weiden auf dem hohen ufer- 
damme eines baches und laufen, als die hasen auf sie zu flüchten, die 
innere böschung zu dem tiefer unten fliessenden bache hinab. Die hasen 


sehen die schafe nicht mehr und meinen, dieselben hätten sich in das . 


wasser gestürzt. — 25 dat se 26 de schap dusse wichte 31 ju) gik 
35 tuchtech . 36 dede eynen hunt venge 37 geginge 47 jene wolt) 
senewolt 49 Swer 53 deil. — Die fehler, welche sich innerhalb der 
letzten verse im der construction und dem wechsel des numerus finden, 
sind wol aus dem zustand des originals zu erklären, ın das der dichter 
hineincorrigiert hatte. 


Fab. LXXXIV. Quelle ist Wfb. Es. 87. — 1 Dar Wiggert) Dat 
6 anderö dere 19 men) wen 21 ob geboren ‘tragen, nnd. beren’ oder 
gevoren in der hs. steht, ist zweifelhaft. 25 ben. 


Fab. LXXXV. Der erzählung liegt Avianus fab. 14 als quelle zu 
grunde. 4 de tucht fehlt 5 de tucht unde 11 unde sprak her — 


3 TEEN OR WEN RFRRUE SAFSESEN SOSRRTAEN 


185 


icht gi icht 16 vorvrowen 21 sire — witen 34 wolpen) wuluen 
5l vrowen 53 si) so. 


| Fab. LXXXVIL Quelle der erzählung ist Avianus fab. 29. — 
Ueberschr. Van eynem 2 ‘wie er verdient hatte Er hatte auch seine kleider 
im würfelspiel verloren. 4 nämlich würfel, deren drei zum spiele gehört 
hatten. Vgl. Pfeifferss Germ. 17, 189 sir. 7 her warff drye worffel 
uff das bret. — 8 Hiervor fehlen wie die reime zeigen zwei verse. 
22 ran) san 25 einen 33 dar) dat 36 einem papen d4se fehlt 
Bl. 54. 55 het, dagegen 65. 74 heit 51 mek 53 swet 66 bet 
92 bringet 93 de ‘wer’ — döt) dut 94 veide) beyde 96 des = de 
des ‘und die, welche das doch nicht zugestehen wollen, der habe ich 
leider viel gesehen. Möge ihnen daraus böses erwachsen? 


Fab. LXXXVIL Die erzählung ist eine freie umgestaltung von 
Avianus fab. 10. Oder liegt, wie der dichter glauben macht, daneben 
noch ein von ihm erlebtes oder ihm berichtetes begebniss vor? Überschr. 
eynem 3 deil 6. 33 ritter 13 he Wiygert) de 16 es scheint vlite 
zu fehlen. 21 ‘es schadete ihnen noch viele jahre Die hs. hat id 
schude om, was J. Grimm kl. schr. V, 261 so zu erklären sucht ‘es 
geschah ihm vor langer zeit, es ist schon eine alte geschichte, so dass 
bereits seiner kinder meldung erfolgen kann’ 28 vromet 35 manne 
hove Wiggert) hulpe 41 schawen 42 vrauwen 48 dar) dat 50 wo) 
wes ‘wie man auch auf ıhn stiess oder drängte 54 schowen 55 den 
yenne 62 ‘der hausherr, bei dem er in Erfurt wohnte 68 Also um 
die hälfte mehr, wie Walther v. d. Vogelw. das ihm von Gerhart Atze 
erschossene pferd schützt ‘ez was wol drier marke wert’, Gerh. 95, 20 
rühmt das maullier von seinem vater, er sei 2 mark wert gewesen; 
37, 2 und 48, 2 ist der preis nur 1 mark, — 71 entmote 79 nicht 
fehlt 84 de mit) van 85 dat) des 86 it fehlt 92 do) de 99 vo- 
gede unde. An dieser stelle ist unde sicher zu streichen, es braucht 
aber auch nicht zwischen ammechtman und vogede gestellt zu werden, 
weil im mnd. synonyma und homoionyma gern asyndetisch einander folgen, 
vgl. 39, 54 dat se echt stelet, rovet sunder schamen; Wfb. Es. prol. 3 
van sinne, witten hei was kloch; ds. 70, 25 hertogen, graven makede 
he. — 111 denne so 116 on) ju. 


Fab. LXXXVIIL Quelle ist eine paraphrase von Avianus fub. 16, 
Zur vergleichung folgt die aus Apologus Auiani 1494. 4°. Magna 
quercus stetit in alto monte et magnas atque fortes radices habuit, 
quae per ventum continue infestata extitit. vento autem cedere noluit, 
tandem impetus venti quercum in aquam prope montem fluentem 
illico deiecit, quae aqua quercum per diversos fluvios secum duxit. 
quercus vero veniens ad arundines sive cannas mirata fuit dicens. 
Quando tam fragilis et‘ debilis arundo vento resistere posset, cum 
(i. cur) ego resistere non potui, et tamen radices habui in profundum 
terrae fixas. Arundo respondit: tu superba ventum contemnens ei 


Niederdeutsche Denkmäler, I, 14 


e 


186 


resistere voluisti et ergo suam vim et potentiam ventus tibi ostendit. 
Sed ego cum ventus surgit, cedo et sic placans cum mobilitate mea 
eum decipio et ventum cum suo flatu transire permitto. Uktlias. 
Nemo debet potentioribus resistere sive eis contrariari, quia tales 
possunt eum laedere corpore et rebus, et ergo pauper non debet se 
opponere diviti vel potenti. Allegoria. Per quercum fortes et po- 
tentes huius mundi intelliguntur, qui se suis superioribus .‚subjicere 
nolunt, sed eis semper solent obsistere. Par cannam vero sive arun- 
dinem humiles intelliguntur, qui suis superioribus ex omni tempore 
bene cedunt et obediunt. — 9 ore) sine 15 eynen 19. 34. 36 mek 
42. 47 dek 55 wen) wur — wis fehlt 63 en wart) gewart 67 ot- 
modigen Vyl. sächs. weltchr. 115, 19. 20. 


. Fab. LXXXIX. 1 enemere 2 mek 9 einen — veng 11 kam 
40 ‘und vernahm diese wunderbare geschichte 50 eynem. 


Fab. XC. Quelle ist Wfb. Es. 89, vgl. Romulus app. 20. — 
2 bewile 14. 18. 24 dek 23. 47.48.56 mek 40 have ek 47 ‘mir 
nah bis auf einen schrit! 52 eyne 54 di 61 stöt) stont 72 eynen 
74 gearvet ‘erhält erbtum’ s. nınd. wich. s. v. geervet. 


Fab. XCl. Andere fassungen derselben fabel sind Boner 74, 
Meon II 127. -— 2 geverde Wiggert) gewar 14 do he) onse 15 was 
he 17 des mels) noch mer 19 'fär sie beide alleın war es schon zu 
wenig 20. 71 eyne 31 rauwen 32 ‘ungetreulich, arglistig” 33. 51 
nach 37 sik Wiggert) ss 38 rowen 41. 84 dek 54 ek fehlt 57 mek 
59 entfenk 61. 62 mik 73.74 himmel 77 do hadde ek 89 en fehlt 
90 untruwe) de truwe. 


Fab. XCII. Andere fussungen verzeichnet J. Grimm im Reinhart 
s. COLXV, vgl. unten zu v. 115. — 1 eynem 8 putte fehlt 16 eyne 
24 to der weden ‘zur weide d. ı. strange’, um gehängt zu werden 52 
het 54 mit fehlt — one 55 al ein vlet vullen) also eyn vlus wullen 
‘so fett ist er, dass man einen vollen. bach mit ihm ganz zuschütten, 
füllen kann. 61 utbringe 64 dek 79.95 mek 87 nach 91 dusse 
93 wart 113 untfenk 114 venk 115 Vyl. dieselbe erzählung im 
R. V., der v. 5604 (= FRein. 6483 Martin) fast wörtlich mit Gerhard 
übereinstimmt: Alsus geit de werlt up unde nedder. Dat is nu so 
der werlde lope So geit it ok uns beiden to hope. De ene vorneddert, 
de ander vorhoget, Darna ein islik heft vele doget. So is nu der 
werlde state. 118 eyne armoyt. 


Fab. XCHI. Zu grunde liegt der erzählung Avianus fab. 5. — 
2 dar 48. 55 juk 60 mere fehlt 63 vorstan 71. 73. 83. 90 eynö 
8l eyne 87 dorplige. 


Fab. XCIV. Quelle ist eine paraphrase von Avianus fab. 6. — 
Die einleitenden 5 verse werden begreiflich, wenn man annimmt, dass 


Pd 


187 


der dichter unter oder für leute gedichte hat, die das wort pogge 
nicht kannten und denen es erst erklärt werden muste. ‘pogge und 
frosch sind ein und dasselbe, nur durch die Farbe unterscheiden sie 
sich. Zu erwähnen ist hierzu, dass man im mittelalter zwei arten 
frösche unterschied, den wald- und den sumpffrosch. Die graue farbe 
des einen wird vom dichter als grund angegeben, warum der frosch in 
der fabel vom fuchse als krank angeschen wird. Dass schreiber oder 
leser einer hs., aus welcher die Magdeburger mittelbar oder unmittelbar 
geflossen ist, in der tat das wort pogge unbekannt gewesen ıst, beweist 
auch der zusatz in der hs. ein utse, sicher nichts, als eın in den text 
geratenes glossem zu pogge. Nd. gegenden, wo pogge ungebräuchlich 
ist, gibt es mehrere. Vilmar sagt in seimem idiotikon (s. v. höpper), 
dass es an der Diemel nur selten gehört wird. Ganz unbekannt ist es 
im fürstentum Halberstadt und nördlich davon nach Braunschweig zu, 
ebenso in Westfalen da, wo die sprache holländ. charakter anzunehmen 
beginnt, auch südlich der Lippe findet sich, wie mir mitgeteilt wird, 
pogge nicht. Dagegen ist es im osnabräckschen (Lyra s. 26), Lippischen 


(Mundarten 6, 362) und — was für die frage nach der heimat des 
dichters beachtungswert ist — im mindenschen und westlich davon be- 
kannt. — In der hs. lautet der anfang der fabel 1 Eyn pogge eyn 


vtze unde eyn 2 Vorsch is alleyn 3 De han ik beyde wol gesen 
4 Gron is de pogge de pogge blek 10 Die frösche liegen im winter- 
schlafe 15 ich he icht 31 In Montpelier war eine durch ihre ärzte 
berühmte universität 36, 57 mek 40 vrunden 54 of) up 59 vor- 
waren 60 ju) mek 66 orgenale, dieses sonst nicht belegte wort ist 
wol aus urinale sc. vas entstelli. 70 ju) gik 75 juk 91 venk 
109 leyen. 


Fab. XCV. Quelle ist Freidank, der von Gerhard Vorw. 52 und 
24, 51 mit namen genant ist und bei dem sich 141, 1—4 folgender- 
massen die fabel findet: Swer den mül wil frägen Von sinen hoehsten 
mägen So nennt er & den &hein Dan vater oder friunde dehein. 
Vgl. Grimm z. Reinhart COLXIII. — 1 ‘im mährchen 22 mek 
23 wete des 29 nach 32 ‘und zwar’ 35 se fehlt 40 so schut one 
so dem mule mit dem vosse dede. 


Fab. XCVI. Fast wort für. wort ist entlehnt aus Wfb. Es. 
88 (Rom. app. 67), dessen abweichungen ich mit W bezeichne, nur v. 
19—24 sind eigen. — 1 bi @ an W 2 sproch eyn duve W. 4 als 
sie dar vill dicke W 4 du fellt W 7 des du mich wal berichten 
soldest W 8 spriken @ dissen sproche woldest W 9 lest @ 
sammelst W 10 sint ich dar vuir ne vanensach W 11 off alsodan 
huiss W 13 so sprach zo em du sachst all wair W 14 hastu ouch 
vl W 16 unde @ doch W nu @ noch W 17 ne de batz dar 
cleidet aff W 18 dem wulve sie dit weder gaff. 


Fab. XCVII. vergl. zu fab. LXX, lautet an dieser stelle Van 
der waselen überschrieben: 


188 


Men leset dat ein wasel were 
De was voroldet also sere 
Dat se der muse nicht enkunde 
Beraken mer unde begunde 
5 Dar na waken wen eyn iunck mus ou’ se lep 
Dat se de hasteliken grep 
Eyn oltmus dut van or gesach 
Wo se an dö mele lach 
Unde welker drogene dat se plach 
10 Mit der kunst nacht unde dach 
Se sprak olde def unde drogerynne 
Dat du an oldere dyne synne 
Sus hest an drogene gelaten 
Dat du motest sin vorwaten 
15 De jungen machstu bedregen 
Min achte ek din dan ene vlegen 
Sequitur moralitas 
Beter is bewile kunst wenne macht 
So han ek ok so gedacht 
20 Dat ek drogene mot misseprisen 
Beyde an dö dummen unde an d&@ wisen. 


Fab. XCVII. Qucle ist eine paraphrase von Avianus fab. 3. — 
Ueberschr.. sinem) dem 2 feng 5 do) dat 8 wane dat dek 11 dek 
13 nergen 21 dich 22 mich. 


Fab. XCIX. Zur vergleichung mit fab. XX folgt hier der hand- 
schriftliche text. Van dö deue vnde hunde. 
Eyn rike man hadde enen hunt 
Do quam eyn def to ener stunt 
An synen hof unde eyn deil mit not 
Eyn brot he dem hunde bot 
5 Do sprak de hunt bat we‘ ek dot 
Denne ek vntruwe also grot 
An mynö heren beginge 
Ek we‘ des wert de mek henge 
Eft ek vor eyn brot vorhele 
10 Dat me mynö heren stele 
Wet’ dusent brotwert edd’ dar boven 
We scholde mek denne loven 
Scholde ek mıyn& heren vorlesen 
Leuer wolde ek kesen 
15 Den hunger sunder ende 
Min here ok dat ovele bewende 
Dat he mek hedde so gut gewesen 
Mer icht gy willen genesen 
So maket iu snel vt dö houe 


189 


20 Et en sy denne dat ek doue 
Ik kundiget mynö heren - 
De schal gik bi wane wol vorveren 
De def sprake beyde dat ek rede 
Eyn clene noch myd vrede 
25 De hunt de rep de defi de vlo 
Ouer eyne want de was ho 
Dat he enlop des was he vro 
Dat brot blef in d& houe do 
Dat was om by der want entvallen 
30 Sus is id by dö truwen alle 
Sequitur moralitas 
Detruwe it beter denne golt 
God is den truwen luden holt 
Dat is bewant unde is gut 
35 Wat men truwen luden dout 
Want eyn truwe man dar besteyt 
Wur vntruwe sinen heren sleyt. 


Fab. 6. Gerhards erzählung ist eine freie umgesialtung von 
Avianus fab. 22. — 3 mildecheyde 8 overslän ‘beim lesen eines buches 
überschlagen, übergehen’ 19 he se sach 34 ‘dass du dein gut uns 
gebest, das möge Gott dir an’s herz legen? 55 ‘wenn ich einen heller 
ausgebe und ihn nicht in der erde vergrabe 61 mör en) merken 79 ju) 
gik 82 beyde 87. 122 mek 100 Wan dek 107 ‘wir bestimmen ohne 
jede billigkeit die gabe 108 eyner 119 ‘ohne dich 135 sune Oder 
ıst sinne zu bessern ? 


Fab. CI. Quelle ist der bei Grimm Reinh. 397—409 abgedruckte 
Poenitentarius s. Asinarius. Vgl. unten zu v. 108 und 218. — 2 ik) 
icht — wone) were 5 int 7. 73. 191 nach 17 ‘niemand ist mir an 
gier gleich 18. 113, 116. 219 «. ö. mek 24 herte 26 iuk 30 vil 
na 33 eyne 52 on) gy 61 houde 67 men slecht) manslacht 68. 
74. 89. 145 u. ö. dek 76 än) in 79 hestu) daranne 82 nämlich 
busse 84 begonde to vorbermen 101 deyl 103 pleget 104 seget 
106 en noch 108 vgl. Poenit. v. 111 ff. In campo iaceo quasi vere 
mortuus, artus Corporis extendens, sum velut esca recens: Advolitat 
cornix, et motis garulla pennis Assilit, et rostro mortua membra 
trahit.... Ad linguam transit, haec dependendo silescit.... Gallinam 
vidi pullus ter quinque sequentes ... Arripio matrem, deglutio . turba 
misella Clamitat urgente frigore, morte, fame, Jam milvus rapturus 
eos cupit etc. — 127 vorderven unde vorheren 132 brunsberen 
137 anega 138 mach) nach — sta 139 umme) unde 148 'so wahr 
ich bin’ 160 ‘und mit hörnerschall jagen sie dich auf’ vgl. Poenit. 177. 
— 172 unrechte) vil rechte 185 truwe)twe, vgl. Poenit. 249 Gaudeo, 
quod sit adhuc tantum pietatis in orbe nämlich, weil er verhütet 
habe, dass die küchelchen, v. 120, durch frost und hunger umkämen 


190 


oder von der weihe geraubt würden. — 178 dar fehlt 216 junkvrowe 
Vgl. Poenit. 278 ut domicella sedet. — 218 Vgl. Poenit. 291 ff. 


Sum piger et tardus, ad sepem frango sacellum Ut cadat in luteum 
pulchra farina solum, Prataque depopulor non propria. gramina calco, 
Patris perminxi sacpius ossa mei. — 223 me mek 238 gantze 
247 cruces 267 alsus) sint — deven) denne 264 Der wolf meint, 
dass der escl einer anklage auf raub und dem tode am galgen. nicht 
entgehen könne, Damit derselbe jedoch von so schimpflichem tode ver- 
schont und sein geschlecht vor schande bewahrt bleibe, will er ihn 
lieber auffressen. Vyl. Poenit. 341. — 279 meysten 313 wort) wor 
315 hoyden. 


Fab. CII. Quelle ist Wfb. Ls. 93 (bei Hoffmann s. 17) vgl. 
Rom. app. 72. — 1 Im wuldeckschen werden noch heut zu tage die 
waldmarken, waldparcellen word genannt. 5 Dieser vers dankt seine 
entstehung dem worte underdän in v. 4., entweder, weil der dichter mit 
jenem worte den dann untadelhaften vers schliessen und einen neuen 
vers als reim zu v. 8 spüter einschieben wolte, oder, weil der schreiber 
der vorlage, übersehend, dass kesen : wesen reimt, den v. 5 eingeflickt 
hat. — 10 ‘die alten, weisen bäume’ 17 ein se fehlt. 19. 23. 47 ju) 
gik 24 weik 25 seik 50. 51. 62 mek 350 bocken 51 se en) unde 
62 Weil die walnuss aufgeschlagen, aufyeknackt werden muss, um ihren 
kern zu erhalten. 63 tom) dem — de) dat 67 Diese stelle ist in 
der einleitung besprochen. 72 macht 73 set 79 jene) yne 80 de) dat 
94. 101 eynen 95 brämber) brammer 96 en kande) bekande 111 
vorhoyden 125 van mek er 126 icht) nicht 127 eyn mach 128 to 
fehlt 135 schapen Die stelle bezieht sich auf die wahl Iuprechts von 
der Pfalz zum könige von Deutschland, der im gegensatz zu seinen vor- 
gängern nicht aus königlichem geschlechte stummte. Vgl. die einleitung. 
. 145. 146. 151. 154. 155 dek 156 dat he vare 159 gantsem 160 
hagedorne 161 entfeng. 


Fab. CIII. Quelle ist Wfb. Es. 70 (bei Hoffmann s. 49). — 
1 liget 2 holt 'aufenthal®? 8 deil 23 nach. 25 mogent) mager 
26. 96 alle 55. 60. 79 dek 75 ‘die insignien der königlichen würde 
sind nicht von anfang an, nicht aus Gottes gnade deine tracht, bestimmt 
von dir getragen zu werden’ Die hs. bietet gedechte, was das mnd. 
wich. als ‘das denken’ erklärt ‘daran dachtest du anfanys nich’. Vgl. 
über häufige auslassung des r s. 165. — 76 van) an 85 clegen. 

Unter der letzten fubel steht der bekannte versus memortalis 
Ysopus est herba esopus dat bona verba und darunter in den dafür 
üblichen abkürzungen et sic est finis. 


Wortlese. 


Te Eee ee SV u www 


Achte beratung 100. 98; an be- 
stimmten tagen und orten ge- 
haltenes gericht 4, 17; die bei- 
sitzer, schöppen desselben, übertr. 
diejenigen welche dem königlichen 
throne am nächsten sitzen 57, 33, 

achterbliven unterbleiben 76, 2. 

achtersprake verläumdung 77, 35. 

al, alle all, ganz, jeder; neutr. 
allet 26, 4; allent 67, 36. 

al bereits, schon 2,52. 498,1, 90,5; 
obgleich 3, 98. 50, 32 u. 6. 

allein, allein dat obgleich 89,31.91,48. 

almeistich grösstenteils 74, 9. 

altes vollständig 24, 24. 

amis buhler 830, 54, 

ammecht beruf 100, 38. 

ammechtinan anımann, verwalter 
87, 99. 93, 64. 72. 90. 

ammer eimer 92, 9. 10.20 u. ö. 

anbleken anbellen 81, 78. 

anbote amboss 73, 13. 

angest gefahr 17, 25. 91, 4; angst 
2, 45. 31,43. 74,16 u. ö. 

anken stöhnen 51, 1. 18. 

ankliven, ankleven beginnen 28 63. 
64.55. 71, 29. 86, 85. 89, 46. 

sik anlaten sich einlassen, gegenteil 
von ablassen 66,15. 72,31. 94, 108. 
Yw. 105. 65, 66. 


annamen annehmen 101, 91. 

änt ente 46, 19; gen. ände 13, 
26; plur. ende 101, 134. 146. 

äntvogel schwimmvogel 89, 9. 

anvogen zufügen 10, 115. 

antworden antworten; überantwor- - 
ten 32, 26. 

apinne, apin äffen 40,1,45. 85, 27. 

arn adler 11, 3. 14 u. Ö.; gen. 
arndes 21, 26. 

arnen ernten 56, 41. 

artbere erdbeere 101, 86. 

arzedie medicin als heilmittel 80,59; 
als wissenschaft 24, 27. 72, 21. 
80, 5 n. 6. 

afbreken (jemandes vermögen) ab- 
bruch tun 2, 60. 30, 3 

afbreker betrüger, dieb 58, 42. 

aventure abenteuer 61, 24. 

afweien wegwchen 87, 72. 108, 


‚afwischern abfliegen 89, 26. 


in den bachten auf den hinteren57,34. 

baden baden 21, 9; für baten 
'helfen’ 28, 242? 

bagen rühmen, prahlen 95, 31. 87. 

bannere bannerträger 49, 146. 209. 

bannere, banre f. Banner 49, 102. 
178. 205. 

bederve bieder 28, 67. 29, 1 u. ö, 

bederven gebrauchen können 1, 15. 


192 


bedevart gän wallfahrten 91, 1. 

bedregen, bedrugen betrügen 29, 
114. 78,12. 90, 17 u. ö. 

begän begehen, bestehen ; bestatten 
27, 51. 

behagel stark und hübsch, anmutig 
40, 15, 

behande, behende geschickt, fein, 
listig, bei der hand. s. zu Vw. 8. 

beholt behältniss, wohnstätte 13, 14, 
63, 17. 

behoven bedürfen 56, 27.50. 92, 46. 

beiden warten 4, 32. 99, 23. 

bein biene 49, 165. 252. 

bejagen verfolgen 10, 87. 90. 

beke m. und. f., bach 2,1. 3, 32. 
29,72. 94, 48. 98,1 u. Ö. 

beker becher 29. 13. 

bemisch böhmisch 102, 67. 

beneden unter 48, 9. 88, 83. 

beraden uusrästen 10, 58. 

beraken einhüllen 70, 5. 82, 18. 


berät überlegung, bedenkzeit 80, 50. 


berede bereit 12,51. 25, 37. 89, 
1u 6. 

bereden, bereiden bezahlen 4, 831. 

beren sich geberden 67, 50. 

berinen berühren 28, 47. 

beschedenliken genau, deutlich 26,3. 

bescheren (vom schicksal) zuteilen 
833,45. 102, 121. 

beseggen verklagen 23, 89. 

besenden botschaft senden zu Jemand 
68, 4. 

beslagen, beslän im netze fangen 
17, 12, 55, 81, 74, 35. 

besmen besen 101, 284. 


besitten ehelich zusammen leben 
a7, 29, 

besoken versuchen 10, 48. 41, 9. 
42,29 u. u. Ö. 


 bestricken bestricken 67, 27. 

betanen anfressen 101, 57, 

betesch bissig 81, 54. 

 betucken beirügen 102, 109. 

bevellen zu fall bringen 2,65. 65, 98. 
96. 


bever bieder 81, 10. 

bewaren verhüten, 
65, 52 u. 6. 

bewenden gut oder schlecht an- 
kommen 1, 26. 20, 16. 33. 

beweren sich verwickeln 26, 82. 

bewerken einhüllen 55, 83. 

biholden herbergen 3, &. 

bilken billiger weise 50, 15. 

binden ? 83, 12. 

blas brennendes stück holz 11, 27. 

blat zunge 28, 31. 

blide vergnügt 31, 35. 49, 241. 
100, 69, 

blitschop vergnügen 15, 4. 

blixem blüz 27, 174. 176. 178. 

bluwen durchbleuen 73, 22. 

bogen biegen 57, 13. 


hüten 83, 41. 


(wei) 


bogenschote bogenschuss 
öl, 28. 
bolt, bolde trotzig, kühn, rasch 


59, 25. 62. 61, 20. 

borde börde, bezirk 27, 31. 85, 15. 
39, 3. 40, 47. 46, 58. 92, 5. 
101, 47. | | 

borderen buhurdiren 87, 51. 

borge bürge 27, 118. 

borst brust 15, 23. 

bot gebot 15,42. 83, 31. 63, 27; 
to bode zu diensten 2,17. 88, 31. 
90, 29 u. Ö. | 

bot endchen band, garn 3, 102. 
17, 13. 

bote busse, strafe 65, 76. 101, 141. 
92, 113 u. ö.; heilung 23, 20. 
24,31. 72,4. ; 

böt = bote 10, 41. 27, 11. 

boten heilen 89, 49. 55. 75. 

brake erdspalt 81, 65. 

bräm, brämdorn ein strauch (pfrie- 
men, spartium, scop. L.?) doch 
schwerlich der brombeerstrauch 
26, 33, 102, 129, 163. | 

breidel zaum 59, 3, 62. 

breken brechen; gelübde brechen 
39, 75; feuer löschen 11, 45; 
durchbrechen 25, 31. 


193 


brink hügel 53, 56. 

broke geldstrafe 65, 76. 

broke bruch, stelle wo ein fluss 
das ufer durchbricht 88, 15. 

bromese bremse 100, 148. 

bunge pauke, trommel 63, 18. 33. 

bunger trommler 63, 14. 

bunt pelzwerk 54, 53. 

da da 90, 34. 98, 2. 

dach tag; gerichtstag und versamm- 
lung 27, 126. 

dagen tag werden 93, 52; auf- 
schieben, vertagen 51, 26. 

dan, danne, denne lagerstätte 55, 
8. 68,2. 69, 34. 71,18. 80, 43. 

ane dank ohne dank 3, 30; gegen 
eigenen oder fremden wunsch 
14, 2. 16, 4. 29, 65. 56, AR. 

de vor compar., desto 65, 39. 70, 
32. 75, 15. 9, 18. 

degedinge verhandlungen 80, 27. 
95, 29. 102, 109. 

degelikes Zäglich 100, 71. 

degere sein genau, mit sorgfalt 
sehen 12, 3. 

delinge teilung 37, 35. 

denen ausdehnen 63,18. 75,10. 15. 

derven verderben 84, 18. 35, 10. 
57, 68. 

dest vorausgesetzt dass 36, 62. 47, 
34; desto 13, 36 u. ö. 

. det volk 80, 63. 94, 738, 

‚dicht dichtung Vw. 67. 

en a Vw. 1. 11, 55. 57. 15, 4 

; breit, groß 81, 65. 

äik eich 6, 11. 28. 

dilde niedrig (von stand oder ge- 
sinnung) 8, 28. 65, 14. 129. 
81, 9. 82, 36. 

dingen besahlen 53, 72. 
dink ding, sache; gericht, proceß 

90:97} 

dobeler wüärfelspieler 86, 1. 

doch ‘taugt’ für docht siche 2. 
36, 16. 

dogen erleiden 102, 65 u. ö, 

dol übermut 50, 31. 


Niederdeutsche Denkmäler, IE, 


domen schwelgen 73, 17. 

dön, done m. und f. art und weise 
60, 48. 61, 78. 85, 45. 103, 73. 

dön tun; geben, reichen 4,10. 87, 
62 


doren betören 80, 8. 

doren, praet. dorste, wagen 18, 22. 
102, 141; 2. pers. sing. dornstu 
102, 145. 

dorewaten durchstossen 59, 37, 

dörliken Zöricht 22, 11. 

dorperheit, -hede ungebührlichhei 
8, 65. 27, 112 u. ö,. 

dort dort 98, 27. 

dorven, praet, dorfte, drochte, 
brauchen 8, 97. 28, 47 u. 6. 

doven lärmen 20, 12. 65, 87. 101, 
160; mit doppelsinn taub und 
stumm machen’ steht es 48, 18. 

döfheit tobsinn 15, 27. 

döw tau 3, 68. 

draf irab 87, 29. 86, 16. 

dregen, dragen tragen 2, 10. 63, 
10. 73, 11 u. ö. 

dregen, drogen, drugen trügen 83, 
154. 189. 12, 30. 30, 13. 94, 75 
u. ö. 

dreien drehen 58, 33. 

drie, dries dreimal 57, 59. 80, 50. 

drinden, drinten anschwellen 81, 3. 
45, 14. 

drogene betrug 2, 14. 25,18. 30, 
IEU 6. 

drogener betrüger 23, 31. 

drogenersche betrügerin 70, 13. 

drösle drossel 79, 20. 

droven trübe sein 2, 24. 

ducke albernes frauenzimmer, dutte 
40, 45. | 

dul dumm 36, 2. 

dunne dünn 76, 13. 

dure teuer; hoch und teuer (ver- 
sichern u. dgl.) 39, 87. 42, 17; 
knapp, rar 27, 104. 

duvarn tauberich 46, 19. 

duve diebstahl, gestohlenes gut 54, 
52. 56, 29. 64, 52 u. Ö, 


15 


194 


düfröf raub, besonders nächtlicher, 
11, 15. 65, 106. 


dwagen, »praet. dwöch, waschen 
34, 6. 
dwäs, dwase narr, tor 54, 28. 388. 


65, 72. 
dwelen herumirren 25, 55. 
dwerwint wirbelwind 88, 10. 

e gesetz 18, 1. 
echt abermals, ferner 2, 45. 3, 115. 

13, 45. 47 u. ö. 
echte ehelich 7, 1. 14; ehelich ge- 

boren 95, 16. 
ecker eichel 10, 22. 
edder oder 8, 13 u. ö,. 
edebere storch 94, 85. 93. 
edelichede adel, vortrefflichkeit 100, 

128. 
mit eden spreken beschwören 86, 18. 
eft, efte oder 41, 53; wenn 96, 21. 
egen, eignen, zugehören 56, 59. 
ei, eich e& 41, 29. 31. 46. 54. 
eia interjechion ‘ach’ 3, 118. 44, 6. 

101, 25. 
eins, enes einmal, einst 3, 2. 72, 

1; einmal 50, 12. 
einvoldich, einfach, schlicht 16, 75. 
eislich, eislik häßlich, grausig 34, 

1. 85, 32. 
ek eiche 88, 1. 
eldervader großvater 17, 14. 
elende fremd, fern der heimat 101, 

259. 
elre, eller 33, 13. 
emete ameise 56, 1. 23. 62, 
enberen, entbehren 73, 7. 
enbreken, mangeln 33, 4. 


3. 9. 


endeliken bestimmt, sicherlich 92,79. 


enket genau 95, 36. 

ennöch = genöch genug 60, 49. 
67, 11. 101, 106. 

entholt aufenthali 6, 6. 

entreden ausreden, entschuldigen 
80, 38. 

entseggen ausreden 53, 100. 

entswigen verstummen 13, 42. 

entucken wegreißen 29, 59. 


entvrochten fürchten 53, 100. 

entvrouwet entsetzt £7, 75. 

entwegen, gedenken 3, 20. 

enware = geware gewahr 6, 21. 

enwiten iadeln 27, 6. 

erbogen rühmen 75, 29. 

ere, erre zornig, ärgerlich 2, 87. 
28, 6. 7; Ärger 29, 42. 

erlik ärger bereitend 27, 91. 

erliken zornig 2, 50. 

erren ärgern 14, 18. 

erwenden abwenden 7, 21. 

erzedie = arzedie 55, 36. 68. 94. 
82. 

eschen heischen 8, 45. 

ese (feuer-) esse 73, 23. 

eve multerschaf 22, 1. 

even passend, recht 33, 10. 

eventure abenteuer 39, 88. 

exe axt 33, 1. 10 u. ö. Ä 

gade genoße 101, 17; gatte 47, 27. 
60, 51. 

gader, to gadere zusammen 7, 40. 
49, 187 u. ö. 

galle Aniegeschwulst der pferde 59, 
68. 61, 106 

gar gahr 91, 48. 

gat loch 3, 40. 89, 27; after 35, 7. 

gän gehen, imp. gank 89, 14. 21. 
gink 67, 34. 69, 15. 

gast gast 94, 68. 

gastinne weiblicher gast 9, 22. 

gebere aussehen benehmen 27, 92. 
45, 5. 

gebrechte lärm, geschrei 16, 32. 

gedigen gedeihen £, 20. 

gedrechte Zracht, schmuck 103, 75. 

gedrogen trocknen 3, 74. 

gehat feind, gehäßig. 

gehogen gedenken. 23, 63. 

gehure angenehm Vw. 54. 

gein sagen; mit genit.: zugestehen 
55, 62. 101, 227. 

gek tor, narr 94, 74. 

gelät aussehen, benehmen 74, 16. 

geleide geleit, leitung 59, 4. 

gelingen gelingen 63, 21. 


195 


gellen vergällen 10, 94. 

gelusten gelüsten 8, 55. 

gemak raststätte, 10, 13. 

gemelicheit scherz Vw. 44. 

gemelik fröhlich Vw. 11. 49, 238. 

semode gemüt 71, 6. 

geraken greifen 71, 40. 

gerbe garbe 64, 29. 35. 

gereide zurüstung 59, 3. 

gereken sich ereignen 61, 121. 

gerochte geschrei 71, 27. 

geruken riechen 2, 22. 

gerunge begehren 43, 10. 

get geiß, Junge ziege 53, 18. 

getemen geziemen 7, 14. 

geve ohne schaden 72, 10, 

gevel geschick 16, 43. 

gevöch klug 55, 21. 

gevogen zutellen 79, 18. 

gliden gleiten 46, 55. 

gös gans 101. 134, 146. 

götliken freundlich, gern 75, 32. 

srelle siange, speer 53, 62. 101, 
78. 


grimmen zornig sein 29, 11. 

groven wachsen 20, 19. 

grunt, masc. u. fem., 5, 12. 18, 20, 

gruwen grauen 85, 36. 

gunstlike freundlich 9, 43. 

halsgolt goldenes halsgeschmeide 
103, 27. 

hän aufhängen 27, 139. 

handelen behandeln 9, 58. 382, 61. 

to hant sogleich 18, 38 u. ö. 

harde sehr 1, 7. 3, 17, 6,17. 8, 
86 u. 6. 

harm leid 10, 107. 

hart hirsch 6, 12. 61, 59. 

hat .feindlich 55, 44. 77, 18 u. ö, 

hät haß 3,35. 27,167. 28,23 u.ö. 

have besitz 100, 55, 

heil ein ausruf. 39, 52. 

heimeke heimchen 63, 1. 8. 

heket hecht 94, 12. 17. | 

- hel heil, ganz 81, 71; up ein h£l, 
auf einmal 87, 6. 

helpe hilfe 38, 21. 64, 11. 


helsen umarmen 36, 7. 

helve, stiel 33, 6. 9. 19. 

herde = harde 29, 17, 

herde Ahirt 22, 26. 23,7. 10 u. ö. 

herden erhärten 28, 28. 91, 52. 

heren überfallen 101, 308. 

hert hirsch 26, 2 u. ö. 

hert vogelheerd 74, 42; li 
86, 59. 

herte herz 28, 2. 

hertelik herzlich 16, 15. 

hertesör leid 14, 34. 

herteshorn, hertestwich, hirsch- 
geweih 84, 9. 14. 

hesene hesse, kniebug 65, 115. 119. 
123. 

hestliken Ahastig 3, 123. 

hetelik erbittert 54, 74. 55, 55. 

hevemoder hebamme 21, 5, 17. 

hinden hinten 24, 21. 

hinder hindernis 45, 10. 

hinder der hintere 49, 4. 

ho laut 53, 49. 

höchlik feierlich £, 30. 

höchtit fest, feierlichkeit 4, 80. 
100, 114. 103, 40, 

hode schutg 17, 18. 38, 16 u. ö. 

hogen erhöhen 65, 19. 

in hogen erfreut 28, 6. 7. 

hol höhle 10, 50. 71. 98. 47, 78 
u.ö.; after 49, 182. 145. 57, 37. 


"holt aufenthalt 3, 10. 103, 2; wald 


46, 42. 49, 2. 

hön huhn 27, 98. 55, 26. 

honen schädigen 101, 265. 

hönliken höhnisch 72, 2. 

höp haufen 49, 3. 

hoppe hopfen 49. 95. 

höpricken heugabel 29, 70. 

hör dreck 57, 17. 88, 48. 

horech schmutzig 15, 22. 

hornte hornisse 49, 166. 194. 

hose fell des fuchses 92, 30. 101, 
152. 

hof fürstlicher hof 57, 1. 5. 65, 3; 
versammlung daselbst 100, 1. 10, 

hovesch hübsch, höfisch 3, 5 


196 


hovescheit höflichkeit, anstand Vw. 


36. 3, 18. 
hovetman anordner beim turnier 
87, 38. 


hofwart hofhund 49, 82. 120. 

höw heu 49, 143. 

howen mähen 29, 23. 

hude heute 29, 100, 

huden Ahehlen 39, 86. 

hudevat fischkasten 39, 20. 66. 

hulen heulen 832, 47. 

hulpe, hilfe 27, 135. 

hüsman, hüslude bauer 34, 1. 65, 
21. 91, 1. 101, 308. 311. 

hutte hütte 74, 28. 

icht irgend, etwa 8,59. 64. 28, 55. 
90, 23. 30 u. ö.; wenn, ob 81, 
68. 82, 31. 86, 44. 68 u. Ö. 


ichte oder 81, 7. 


ichtes irgend ein 89, 70. 

ichteswan, -ne einstmals 13, 39. 
36, 1. 93, 89. 101, 27, 

idrus Üdpog 18, 39. 

iergen irgendwo Vw. 4. 82,55. 

ift wenn 3, 28. 77. 94, 4. 

ilen eilen 86, 9. 

isenbort goldammer 18, 27, 46, 18. 

islik, itlik jeglicher 48, 21 u. öÖ. 

janen mund aufsperren 8, 40. 

jarlank heuer 53, 42. 

jenen aufblasen 75, 9; bejenen, 
anblasen 55, 26. 

jenich irgend ein 8, 10. 55, 64. 

jeto jetet 2, 52. 3, 107. 8, 25. 

jo, ju, jemals, immer 3, 134. 18, 
28. 29 u. 6. 

to jodute ein ausruf 3, 106. 39, 52. 

jokelmore eine rübenart 88, 23. 

Jutto bereits 21,32. 47,66. 90 u.ö. 

ka dohle (lesart zu 12, 11. 12). 

kaitif schelm, schurke 15, 56. 

kal kahlköpfig 87,2. 6. 

kalewe glatze 50, 38. 22. 

kast6l schloß 27, 55. 

katte katze 3, 48. 90, 1 u. ö, 

kaf spreu, gebraucht als ver stärkung 
der negation 13,30. 58, 20. 63,22. 


kra krähe 58, 7. 12, 22. 


keren, praet. karde kehren 29, 10. 

kerge karg 283, 67. 57, 65. 

kerke kirche 77, 5. 

kerle dienstleute 53, 32. 91, 21. 

kesen wählen 100, I36. 

van kinde von kindheit an 47, 20. 

kindes kindlich 27, 27. 

kif zank 34, 16. 

klapen schwatgen 2, 38. 48. 51. 
57, 150. 

kla, kläw, klawe 12, 15, 40, 38. 
71, 8. 

kledinge kleidung 86, 13. 

kleien kratzen 108, 85. 

klemmen mit den krallen packen 
25, 83. 

klet kleid 15, 19. 23. 

knei Änie 86, 38. 

knein niederknieen 74, 13. 

knotter ge:sseler 55, 119. 

kogele kapuze 55, 121. 

kolde kälte 10, 6: kalt 86, 71. 

kolen, koilen kühlen 86, 68. 70.983. 

kolse geplauder 31, 44. | 

kolsen plaudern 31, a, 

kople band 3, 126. 

kore entscheidung 17, 17. 100, 91: 
wahl 36, 55. 

korten kürzen 47, 89, . 

kortliken bald 11, 17. 

kote kote, bauerhaus 86, 25. 

kotse bewohner einer kote 27, 37. 

koven stall 82, 49. 99,7. 

kracht kraft 102, 71. 

krage schlund 101, 130. Ä 

krän kranich 8, 11. 15. 23 u. 6. 

krank schwach Vw.65. 2,20. 14,22. 

krankheit schwäche 3, 108. 88,38. 

kreie krähe 58, 3. 30. 34. 101,114, 

kreken griechen(land) Vw. 2. 

krekesch griechisch Vw. 27. 

krich hader, zank 29, 81. 99. 84, 
13. 22; eifer, streit 3, 68.50, ©. 

kriten schreien 82, 38. 

kruke flasche 76, 7. 

krunsbere preisselbeere 101, 132. 


197 


krupen &kriechen 12, 6; »praeter. 
kröch 3, 113. 

kuken küchlein 101, 120. 

kulde kälte 9, 25. 

kumber not 23, 69, 18, 10. 

kundicheit anmassung 59, 56. 88,62. 

kunstich geschick 59, 69. 

lagen nachstellen 74, 10. 

laken tuch 40, 19. 

las lachs 39, 74. 88, 


laster spott, tadel 14, 24. 65, 81. 


lät benehmen, aussehen 10, 42. 94, 90. 

lat lässig 101, 218. 

laten lassen ; aussehen 101, 112. 

lecht hell 1, 4. 9, 40. 

ledich frei 16, 25. 

ledigere geschäftlos 62, 82. 

löfliken liebreich 29, 6 

legen lügen 28, 19. 46, 82. 53, 95 
u. Ö 


leger lager 1, 8. 

leide schlimm, leidig 3, 88. 17, 6. 
102, 155. 

leidehunt leithund 61, 54. 64, 

leiden böse werden 2, 33. 

leige leie 7, 40. 

lein Zehen, besitz, lohn 9, 59. 15.44 

lemede lähmung 61, 106. 

lenen verleihen 38, 10. 67; leihen 
4, 28, 41, 58. 

lenk compar. zu lank 9, 44. 86, 83; 
lenger 29, 70, 

ler wange 56, 18. 

leren lernen 94, 99. 

leschen erlöschen 86, 79. 

lest leist exostose beim pferde 26, 
25. 61, 106. 

let glied 26, a2. 72,5. 9. lit 3, 97. 

letlik häßlich 85, 29. 

letten hindern 57, 19. 

levede liebe 29, 41. 

lichte vielleicht 11, 13. 24, 5. 49 
u. ö. 

liste besatz 92, 82. 

lifaftich, lfhaftich leibhaftig. Vw. 
14. 91, 56. 

loderen in unordnung. sein 86, 89. 


loven loben 3, 58. 

lovede, lofte gelübde 32, 52. 49, 
65. 91, 40. 58. 

lucht luft 12, 15. 89, 22. 

lucke glück 7%, 50. 

lugen lügen 78, 11. 94, 76. I 

luttek klein, wenig 16, 8. 17, 28. 
47, 78. 49, 21 u. Ö. 

mäch, mage verwandier 86, 42. 
94, 87. 95, 32 u. Ö. 

mak bequemlichkeit 3, 57. 

malk jeder 79, 51. 

malsch verwegen, boshaft 55, 127. 

mane mähne 71, 9. . 

manen mahnen 8, 56. 38, 60. 

mank zwischen 23, 41. 87,49. 98, 
32. 

manklacht Klafter 49, 161. 

manlıken männlich 25, 32. 

march das mark 88, 76. 

mark, merke die mark 37, 2. 9. 
43, 2. 

market markt 87, 1. 63, 1. 

mart(e) marder 47, 41. 

mät = mate mässigung 36, 54. 

mate mässig, wenig 5, 2. 11, 52. 
24,47 u 6. 

mateliken mässıig 9, 30. 

mede lohn 8, 13. 26. 30 u. ö. 

medelön lohm 8, 51. 

megentit maienzeit 31, 40. 

meicheit verdruss 28, 66. 98, 14. 

meien bemühen 75, 13. 

meigen mähen 16, 17. 28, 14. 

melden anzeigen 56, 55. 

menele stachel 82, 3. 

menen gesinnt sein gegen jem. 88,52. 

mengen zwischen 29, 23. 

mönschop gemeinschaft 25, 49. 

mer, men aber 1,13. 20, 18. 21, 
21. 14, 31u. ö.; außer 65, 30. 

merren stören, hindern 26, 49. 

mes mist 82, 3. 17. 19. 28. 

mest messer 16, 17. 

mesterlin meisterchen 31, 45. 

mesterschaf meisterschaft 94, 41. 

metlik mäßig 65, 41. 


198 


midden mitten 64, 68. 

mildechede freigebigkeit 100, 3. 

mile meile 61, 15. 86, 14. 

min weniger 2, 41. 70, 18; minre 
19, 19; minner 14, 34. 

minne liebe 9, 24; als kosewort 
50, 38. 

miströst, missetröst schlechter trost 
58, 91. 72, 22. 

moden zu willen sein 7, 37; ver- 
muten 47, 79. 

modink nichtsnutz (scheltwort) 29, 
52. 50, 27. 56, 4. 56, 4. 92, 50. 

mogelike eifrig, gern 101, 159. 

mogent mächtig 103, 25. 

moien verdruss machen 8, 57. 59. 
14, 12. 48, 15. 

monk mönch 58, 45. 

mör moor 83, 19. 

morsel bissen 52, 5. 

mote begegnung 59, 13. 

mouwe ermel 86, 40. 

muke mauke (Fusskrankheit der 
pferde) 61, 106. 

na, vil na, vul na fast, beinahe 

. 86, 32. 15, 31, 22, 28. 31, 30 
u. öÖ. 

nanne kosewort. für die eltern 98,29. 

neden in hass bringen 35, 4. 

nein kein 3, 97. 

neren nirgend 8, 8. 25, 53. 

nese nase 81, 71. 85, 19. 

nesen genesen 38, 39. 

nest nesit 11, 17; des esels 72, 28; 
des baumes 102, 129. 

nesten nest machen 96, 3. 

newan niemals Vw. 14. 

niden hassen 28, 36. 

ninges neulich 28, 14. 

nochtan, nochten noch 28, 13; 
dennoch 82, 12.. 39; obwol 83, 
35, 

node ungern, kaum 21, 10. 27, 93 
46, 11. 47, 44 u. ö,. 

nogen genügen 18, 58. 43, 10. 

nomen nennen Vw. 69. 4, 13. 

nosen hindern 16, 40. 


noten zugesellen 15, 55. 54, 71. 
nu nun jetzt 11, 36 u. ö. 
nu nie 4,6. 41,48. 89,45. 94, 102. 


nucke tücke, laune 65, 86. 76,16. 


nut nutzen Vw. 58. 
nutten nützen 65, 103. 
ogenweide genussreicher anblick Vw. 


ök und, auch 

olden alt werden lassen 90, 6. 
olmech verrottet, mürbe 89, 28. 
ordöl urteil 102, 182. 


orlof genehmigung 65, 103 ; abschied 


98, 74. 

ors streitross 24, 1.6. 49, 199. 
225. 87, 58. 

ötmodich, ötmode demütig 88, 67. 
75. 

ötmodicheit demut 40, 57. 

of, oft, ofte oder Vw. 15. 57, 58 
u. ö.,; ob 33, 36; wenn 8, 16. 
24. 57, 56. 64, Bu.ö 

orgenale uringefäss 94, 65. 

orlige krieg 86, 92. 

ovelgeist Zeufel 91, 63. 

oven üben 25, 46. 

overgän überführen (vor gericht) 


4, 9; a begehen 102, 


174. 
overlank längst 60, 11. 
overluken hinübergiehen 3, 94. 
overslän überschlagen 100, 8. 
overswenge übermaß 57, 58. 
overvaren auslaßen 53, 51. 
palmweke palmwoche 101, 3. 


pant pfand 58, 60. 87, 92; netz 


47, 63. 
panter panter 69, 7. 71, 2. 
päpheit geistliche dinge 94, 103. 
pelegerne pilgrim 101, 240. 


petze friedenskuss bei der ‘messe 


583, 52. 78. 82 u. ö. 

pils pelz 2, 40. 44, 

sik pinen sich bemühen, 
auf 38, 128. 7, 26. 49. a24. 

pipen pfeifen 62, 28. 

plengen lügen und trügen 86, 80. 


ausgehen 


199 


plichten verbunden sein, beipflichten 
Vw. 68. 69, 63. 

plöch pflug 87, 8. 94. 

pogge frosch 75, 1. 94, 1. 3 u. Ö. 

pöl pfuhl 45, 3. 8. 

pote junge pflanze, sproß 101, 57. 

proven prüfen 24, 51. 25, 45. 65, 
/2 U 6. 

puls puls 94, 66. 

pute ein scheltwort 28, 51. 

putte brunnen 92, 1. 8. 91. 

quäs frass 46, 2. 

quät böse 87, 86. 88, 49. 89, 52. 

quek vieh 89, 6. 93, 8. 12. 21. 
101, 66. 

quit frei von sirafe 38, 50. 64, 19. 

quiten einlösen 87, 92. 

rake wolbefinden 55, 86. | 

raken treffen 50, 12. 94, 64. 83, 2. 

ramen zielen auf etwas, beabsich- 
tigen 16, 14. 

rappolt ein schimpfwort 85, 83. 

raschop vorrat 27, 60. 

rast rast 13, 25. 

raven, plur. revene rabe 54, 1.8.16. 

recken recken 24, 14. 

rede fertig, bereit 33, 35. 

reden vorbereiten 3, 61. 

reise weg 61, 14. 

reke, rekel grosser bauernhund 49, 
82. 122. 

reken darbieten 39, 88. 101. 198. 

ret schlf 88, 14, 16. 27. 76. 

reten schreien 36, 47. 

revbarbar rabarber 49, 12. 

reven unsinnig sein 8, 49. 28, 65. 
50, 35. 

richte gericht 36, 15. 38, 46. 65, 29. 

richten in ordnung bringen 64, 24. 

riken reich machen 8, 21. 

river bach 65, 125. 

roch roch geschrei des raben 13, 39. 

rochte geschrei 53, 65. 71, 20. 93, 
75. 101, 88. 

rode rüde, hund 15, 12. 20, 28. 

roke geruch 71, 25. 102, 18. 

rokelose sorglos, ohne weiteres 9, 49. 


roken geruhen, sorgen um 10, 26. 
55, 34. 62, 14. 


‚romen rühmen 35, 27, 


roredrank abführender trank 49, 9. 

roren rühren 3, 97; den schilt ro- 
ren den kampf annehmen 49, 59. 
234. 

roten faulen 57, 69. 

rouwen ruhen 27, 102. 

rugge rücken 16, 54. 

rusch binse, schilf 74, 27. 

ruwe reue, schmerz 27, 54. 35,9. 
73. 21 U. Ö. 

ruwe rauh, zottich 4, 19. 

ruwen schmerzen 100, 52. 

sabel zobel 87, 63. 

sachte geräuschlos, bescheiden 87,112. 

sachten besänftigen Vw. 64. 

sade sättigung 20, 14. 

saden sättigen 10, 32. 100, 146. 

sagen erzählen 89, 1. 103, 70; seg- 
gen 46, 16 u. Ö. 

sake streüsache 47, 47. 

sälde wolergehen 74, 50. 

sän sogleich 54, 5. 

sappel kranz 87, 43. 

schapekoven schafstall 65, 68. 

scharf scherflein, heller 100, 54. 

schat schatz 3, 42. 

schedelik schaden hervorrufend 50, 
31. 

schein geschehen, präs. schut 64,20; 
prät. schude 47, 3. 

schelden schelien 9, 46. 

schelle schale Vw. 75. 12, 7. 

scheme schatten, gestalt 5, 8. 16. 
2,2 u ö. 

schemede scham 87, 76. 

schemeliken beschämt 87, 88. 91. 

schemen schämen 81, 91. 

schenden in unehre bringen 24, 38. 

schentliken mi# schande 54, 62. 

schere scheere 28, 46. 56. 

schere bald 10, 32. 21, 29. 102, 68. 

schevelink, ein schimpfwort 95, 30. 

schipnisse. gestalt 33, 3. 

schipper schöpfer 79, 2. 6. 84, 4, 13. 


200 


schivelben eine fußkrankheit der 
pferde 61, 105. 

schone schönheit 1, 17, 7, 15. 79,9. 
12.25 u. 06. 

schope schöffe 102, 135. 

schuben schieben, bewegen 28, 56. 

schulen verborgen sein Vw. 75. 84, 
2. 96, 12. 

schür ort, der vor regen u. dgl. ge- 
schützt ist 56, 12. 

schürheit schlauheit, bosheit 91, 86. 

scopen schaffen 17, 18. 

scrigen schreien 16,30. 27, 71. 29, 67. 

scrichte geschrei 27, 72. 

scrin schrank 103, 17. 

scroden, scraden schneiden 3, 18. 
28, 57. 34, 7. 

sege sieg 25, 19. 39. 

segede sense 28, 21. 45. 

segen sähen 17, 2. 

sein sehen; prät. sach, sagen 4, 11. 
28; imp.sich 38, 12. su 1, 12 4.6. 

sek krank 65, 97. 94,4 u. ö, 

selden, selsen selten 77, 36. 100, 74. 

serpent schlange 18, 59. 


‚sere, ser schmerz, krankheit 77, 7. 


15, 36. 49, 7. 30 u. ö, 

ser krank 23, 14. 55, 2. 59, 69 u. ö,. 

sibbe verwandt 69, 8. 

side niedrig 102, 39. 95, 34. 

sint darauf, später 54, 63. 76, 11. 
89, 22. 94, 86; sintemal 8,54. 96, 10. 

sledorn schlehe 33, 15. 

slinden verschlingen 8, 3. 101, 131. 

slindich gefräßig 91, 83. 

slingen sich winden 90, 60. 

sliten schleissen, stören, aufheben 
16, 34. 27, 5. 

smaheit schmach, schmähung 2, 10. 
18. 

smal schlank 71, 12. 

smawort schmähwort 65, 77. 

smelik schmählich 57, 52. 

smide geschmeide 87, 17. 

achten uppen snat es genau neh- 
men 3, 37 (snat bedeutet das ab- 


streichen des getreides vom schef- . 


fel, wenn kein gehäuftes mass 
gegeben wird). 

snellich, snelliken schnell 55, 75. 
65, 113. 100, 132. 

snellichede schnelligkeit 6, 40. 

snigge schnecke 12, 5. 23. 

snode schnöde, erbärmlich 54, 49. 
102, 155. 

somlik mancher 35, 24. 

solt sold, lohn 63, 16. 70, 26. 

sorichvolt besorgt 33, 7. | 

sot narr 36, 49. 61, 93. 77, 29. 

spat spat (pferdekrankheit) 26, 25. 

spelman spielmann, gaukler 15, 23. 
4A, f 

spet spieß 53, 62. 79. 

spiker speicher 10, 57. 73. 81. 

spliten zerreißen 72,11. 93,58. 102, 51 

spör spur 26, 28. 

sporen nachspüren 47, 94. 61, 59. 

spotter spölter 40, 27. 

sprike reisig 96, 2. 

stade haltbar 33, 19. 

to stade zu ruhe 31, 25. 

stake stange 71, 39. 65. 

stalen stählen 73, 13. 

stallen pissen 101, 227. 

stän stehen; imp. stant 24, 25. 69, 
45; prät. stöt 90, 61. 

stät stelle 4, 48 u. ö,. 

stede stets 33,28: dauerhaft 102,70. 


'stedeliken beharrlich, stets 41, 7. 


101, 168. 

stedes stels 74, 54. 

stel gestell 81, 47. 

steken stecken 8, 5. | 

sterken stark machen 33, 66. 47. 

sterven töten 41, 41. 

stichten stiften Vw. 25. 

stilliken still, heimlich 80, 18. 

stilnisse Zeil der messe (die wand- 
lung 53, 51. 

stokarn stossadler 3, 122. 94, 85. 

stöt sioss 6, 26. 

stöt einzäunung für frei herum- 
laufende pferde 61, 25. 

stolt der stolg 59, 26. 


201 


storm stürmischer streit 100, 123. 

stoven herumstieben, -wirbeln 48,19; 
stöf zerbiß 16, 56. 

strak stark 57, 11. 

strecken strecken 24, 13. 32, 41. 

strede schritt 90, 47. 

streien streuen 74, 14. 

streken schwärmen, 
47, 62. 

stricketes ein kleidungsstück der 
frauen 49, 20. 

striken = streken 103, 33. 

stuke baumstumpf 56, 8. 89, 28. 

sturen einhalt tun 59, 66. 101, 59. 

suchten seufzen 27, 129. 

suke krankheit 27,30. 80, 3.14 u. ö. 

suke, die gesäugten jungen? 21, 28. 

sumlich, somelik mancher 1,23. u. ö. 

sunder ausyenommen 94, 34. 

sunderliken besonders, abgesondert 
87, 65. 

sunt "gesundheit 80, 21. 

supent Zrank 86, 63. 

süroget boshaft blickend 74, 29, 

swade schwade (die reihen, in denen 
gemähtes heu liegt) 28, 21. 

swale schwalbe 17, 3. 

swemmen, swommen, swummen 
schwimmen 3, 82. 95. 104. 105. 
89, 31. 

sweten schwitzen 74, 17. 77, 21. 

. sweven schweben 25, 30. 

swigen schweigen 28, 62. 25, 12. 

swindicheit list 101, 111. 

swingen fliegen 11, 50. 

tacke zacken, enden des. hirsch- 
geweihes 84, 15. 

tale rede 31, 41. 

tam zahm 49, 80. 93, 4. 

tan zahn, plur. tene 53, 76; tande 
16, 55. 85, 21. 

taverne wirtshaus 56, 65. 

tegen gegen 89, 21. 

tein ziehen 63, 31. 83,43 ; beziehen 
101, 280; sek tein sich (über 
seinen stand) erheben 75, 24; 
etwas auf sich beziehen 14, 36. 


einherziehen 


Niederdeutsche Denkmäler, IH, 


16, 64; sich bemühen, erstreben 
1, 21. 

tein, teine zehn 50, 11. 30, 54. 

telt zeligang des pferdes 87, 29. 

temen geziemen 39, 62. 

t& zehe 101, 294. 

guder tere gutgeartet 71, 44. 

teve hündin 9, 48. 

tigen, besichtigen 101, 99. 

to = teve 9, 1. 3. 11. 59. 

to zu; to verne 2u sehr 27,2. 

tobreken zerbrechen ; feuer löschen 
11, 27; tobroken abgearbeitet 
63, 8. | 

töch list 18, 12. 89, 57. 

togen zeigen 3, 75. 65, 20. 

tohant sogleich 41, 44. 45 u. Ö. 

tornen zürnen 17, 19. 23, 31. 

toschudden zuschütten 92, 55. 

tosetten zusetzen, angreifen 
6, 16. 


tospliten zerreißen 4, 49. 103, 86. 


touw dus tau, garn 74, 6. 
träch träge 62, 32. 63, 3. 
trächliken träge, langsam 68, 5. 
trane träne 75, 18. 

trecken ziehen 6, 5. 32, 18. 


“ truwen traun, gewiss 11, 14. 


trüt lieb 91, 61. 
tuk list 24, 10. 
turen schleppen (von matten beinen ) 
twär zwar 58, 48; tware in wahr- 
heit 81,2. 
twevelt doppelt 100, 105. 
twich geweih 84, 18. 
twiden (einen wunsch) erfüllen 
18, 9. 100, 158. 
twie zweimal 69, 68. 84, 15. 
twien hadern 91, 44. 96, 23. 
umbehende unklug 50, 25. 
umbedoret nicht betört 94, 54. 
umbereit nicht bereit 3, 81. 
umbevän umhüllen 55, 82. 
umbilk gegen recht und billigkeit 
. 101, 75. 
ummedön besiegen 25, 27. 
16 


202 


ummegän umgehen mit etw. 1, 11; 
loskommen 101, 285. 
ummescheten sich überschlagen 
15, 20. 
unbevunden unerfahren, 74, 2. 
undät untat 4, 59. 27, 9. 
underscheit unterschied, wahl Vw. 
61. 7,6. 13, 2. 26, 51. 32, 23. 
25. 583, 36. 
undervoget untervogt 18, 45. 
underwegen unterwegs 3, 127. 10, 4. 
undult unruhe, leidenschaft 27,33. 
162. 84, 4. 
uneren beschimpfen 65, 28. 
ungedult = undult 79, 1. 
ungegeten nüchtern 39, 44. 
ungehört unerhört 2, 82. 
ungehovet derbe, unhöfisch 49, 286. 
ungehure böse, nicht geheuer 28, 70. 
86, 77. 
ungelucke unglück 29, 61. 
ungetruwen ungetreulich 91, 32. 
ungeval, ungevel unfall, unglück 
16, 35. 72, 12. 
ungevlomet wnabgeschuppt 
fischen) 39, 34. 
ungevöch, ungevoge ungebührlich, 
unyebühr, unfug 2, 63. 3, 121. 
15, 45. 18, 14. 27, 105. 111. 38, 
44. 36, 86. 84, 19. 95, 3 u. Ö. 
ungevöchte ungebührlichkeit 36, 66. 
ungewegen unbedacht 49, 242. 
unlange nicht lange 27,82. 
unmacht ohnmacht 14, 3.10. 15, 84; 
schwäche 2, 58. 
unmaten ausserordentlich übermäßig 
8, 38, 60, 3. 
unmennige, wenige 16, 27. 
unnutte unnütz, 9, 55. 
unrouwe, unruhe 27, 34. 


(von 


unsälde unglück, beschwerlichkeit 


29, 2. 86, 24. 102, 149. 
unsalichliken unselig , 

| 18, 43. 

unsinnich unverständich 15, 26. 

unstade, unstede unbeständig, 30,1. 
27, 161. 164. 


schlimm 


unstede unbeständigkeit 10, 104. 
untdön erschrecken 49, 44. 86, 41. 
unteren entehren 65, 78. 77, 27.34. 
unterven das erbe wegnehmen 27.83, 
untheten verheißen 38, 61. 
untliven entleiben, töten 65, 53. 
75, 20. 90, 22. 
untmoten begegnen 15, 21. 39, 50. 
59, 6. 67,1. 
untreden ausreden 36, 3. 
untschulen enischlüpfen 10, 80. 
untscreken erschrecken 16, 5. 
untseggen aufsagen 61, 8. 
untsitten entkommen 10, 80. 
untstoven auseinander treiben 49, 
215. 
untvoren entführen 61, 60; fürchten 
14, 27. 
untvrochten fürchten 53, 17. 
untwaken erwachen 38, 4, 
untwischen unterdes 89, 58. 
unvaste unbeständig 27, 171. 
unvelich unsicher 49, 49. 
unvorschuldes unverschuldet 21, 48. 
unvorwändes unvermutet 17, 11. 
unwerndes unerwartet? 10, 10. 
unwille feindschaft 78, 1. 


‘ unwis nicht gewiss, unsicher 5, 19. 
'unwitlik unbekannt 87, 98. 


unwitliken ohne jemandes wissen 
92, 19. 

upboren aufheben, erlegen 47, 95. 

updringen herauskommen 19, 4. 

upheven beginnen 46, 39. 55, 58, 

uptucken fälschlich behaupten 2,31. 


ute aussen 9, 29. 


ütlapen aufschlürfen #5, 8. 
ütluken herausziehen 76, 8. 
ütspliten aufschlitzen 93, 50. 
ütwech ausweg 91, 28. 
valsch falschheit 8, 65. 9, 4. 
vanden besuchen 68, 7. 
vare farbe 13, 43. 
vasten fastenzeit 101, 1. 
vederwant beitstück 27, 104. 
veide fehde, streit 2, 32. 28, 87. 
27, 17. 53, 3. 


203 


veile verkäuflich 59, 23. 
velich sicher 31, 34. 81,3. 
vellen erlegen 53, 64. 


fer stolz, schön, hehr 27,37. 31,2. 
40, 3. 31. 56,17. 57,48. 71,12. 


87, 52. 

verde genosse 47, 19. 

vere fern 71, 22. 

verken ferken: 55, 84. 81, 24. 

verkenmoder saw 21,1. 

verne weit, fern 3, 49. 26, 27. 32, 
17. 71,1 u. ö. ; so verne insofern 
85, 28. 

verse ferse 49, 223. 

versma verachtung 34,5. 

viant, vient, vigent feind 3, 131. 
6,42. 33, 47. 94, 40 u. ö. 

villen das fell abziehen 29, 51. 54, 
4. 42. 53, 88. 

vilt file, pergament 49, 149. 188, 

vinne, ein scheltwort, 70, 18. 

vimmen getreidemandeln 64, 23. 

vinger, vingerlin ring 103, 18. 28. 
74 


fisike arzneikunst 55, 22. 

vle bitte, flehen 7, 27. 

vledermüs fledermaus 25, 16. 40. 

vlegenquast fliegenwedel 55, 123. 

vlein fliehen 84, 26 u. Ö. 

vleliken fehentlich 3, £6. 

vlet bach, fuß 2, £. 24. 3,1. 78 
u. Ö. 

vleten schwimmen 29, 79; fließen 
5, 20. 75, 18 u. 6. 

vlitliken fleissig 41, 22. 68, 20. 
74, 53. 92, 18. 

vlöt, vlüt Aut 2, 29. 5, 12. 

vöch fug und recht 11, 10. 86,86. 
41, 10. 100, 107 u. ö. 

vöcheit klugheit 9, 63. 36, 85. 46, 
81. 50, 19; kunst Vw. 10. 

voden nähren, erziehen 7,38. 10, 
2. 84,17. 39, 12.13 u. ö. 

voge klein 16, 66. 18, 17. 42. 81. 
53, 98. | 

voge klug 3, 53. 9, 60. 11, 53 
u. Ö. 


vogen gebühren 16, 72. 59, 20. 

voider fuder (mass) 8, 32. 

volge beistimmung 46, 77. 

volgich folgsam 31, 20. 

volt horde, eingezäunter raum 65, 68. 

vorarret verirrt 89. 51. 

vorbagen berühmen 86, 48. 

vorbolgen erzürnt 59, 32. 

vordät frühere taten 52, 36. 

vordenken im verdacht haben 80, 28. 
85, 47. 

vordomen verdammen 2, 23. 58. 
4,14 u. ö. 

vordragen ertragen, geschehen lassen 
36, 43. 

vordrenken ertränken 39, 69. 

vorduren vergehen 59, 64. 

vore vorn, zuvor 23, 2. 9, 4. 10 
u. Ö. 

vore furche 74, 26. 

vorelegen vorlügen 46, 76. 

voren führen 12, 14, 13, 14. 

vorenen einigen 37, 12. 

voreschen in erfahrung bringen 
101, 204. 

vorgadern versammeln 49, 91. 

vorgelden bezahlen 46, 52. 

vorgeven ums leben bringen 26, 16; 
aufgeben 89, 56. 

vorgoden gütlich aufnehmen 88, 68. 

vorheren überwältigen 33, 46. 61,12. 
81, 15. 

vorhoden, vorhoiden hüten 9, 62. 
80, 62. 

vorke heu- oder mistgabel 64, 38. 

vorkeren zum vorwurf machen 18, 28. 

vorkesen aufgeben 108, 12. 

vorklokenäberlisten, betrügen 97,84. 

vorkrigen bei einem wortwechsel zum 
schweigen bringen 28, 29. 61. 
100, 122. 

vorladen beschweren, überladen 57, 
44, 101, 166. 

vorlasuret mit blauer farbe bemalt 
59, 63. 

vorlegen aufgeben, preisgeben 32,63. 

vorlenen verleihen 56, 64. 


204 


vorlichtliken geringschätzen 34, 19. 

vorloven durch gelübde entsagen 
65, 57. 

vorsluken verschlucken 40, 20. 

vormoden ermüden 61, 80; arg- 
wöhnen 102, 171. 

vorolden alt werden 70, 2. 

vorplegen vormachen 39, 63. 103, 42. 

vorquicken erquicken, lebendig 
machen 94, 29. 

vorrätnis, vorrötnis verrat 25, 47. 
65, 66. 

vorreden durch reiten elend ge- 
worden 24, 1. 

vors, vorsch frosch 3, 4. 15. 23. 
18, 7 u. ö. 

vorschalt verdorben 52, 15. 

vorschapen missgeschaffen, häßlich 
48, 18, 50. 52, 15. 86, 35. 

vorschapnisse missgestalt 40, 22. 

vorschinen durch den sonnenstrahl 
versengen 7, 23. 

vorseken verläugnen 36, 17, 55, 39. 

vorsinnen besinnen 54, 30. 81, 85. 
85, 28. 

vorslinden verschlingen 94. 983. 

vorsnellen beirügen 55, 186. 

vorspreken verzeihen 39,4. 64, 30. 

vorstän überstehen 88, 5. 

vorswinden 2u grunde gehen 84, 30. 

vort weiter 3, 88. 50,6, 98, 28 u. ö. 

vortien, vortigen verzichten, abstehen 
22,10. 28,57. 29,68. 81,6.50 u. ö. 

vortragen lässig sein, versäumen 
94, 38. 

vorveren erschrecken 20, 22, 24, 6. 
67, 51 u. ö. 

vorvrouwen erfreuen 85, 16. 

vorwandelen ändern 7, 33. 39, 92. 

vorwaten verfluchen 30, 12. 54, 46. 
58, 59 u. ö. 

vorwegen an gewicht schwerer sein 
84, 20. 92, 69. 

vorwerk ein im freien felde gelegenes 
ackergut 49, 17. 

vorwesselen verwechseln 85, 42. 

vorwinnen überstehen 8, 58. 9, 15. 


vorwort zugeständnis 69, 46. 

vorwiten tadeln 82, 34. 90, 55. 
98, AR. 

vrede friede 11, 42. 61, 7, 

vreden frieden geben 23,26, 51,27. 

vredelös ohne schutz 54, 39. 

vrent freund 18,52. 81,51. 94, 40. 

vreschen erfahren 27, 92. 185. 
41, 15 u. 6. 

vresen frieren 27, 95. 47, 14. 

vreveslik mutwillig 40, 7. 

vrie heirat 7, 20. 

vriliken frei, ohne Een 8,2. 

vro frühe 3, 62. 74, 39. 

vrochte furcht 8, 44. 

vrochten fürchten 67, 49. 

vrome nutzen, vortel Vw. 43. 92,85. 

vromen nätzen 37, 16. 57, 83. 

vuchte fichte 101, 26. 

vulbort zustimmung 40, 60._ 

vulkomen nicht durchaus nicht 
35,26. 

vullen füllen 92, 56; ausgleichen 
4, 34, 

vullen völlig 9,5. 10,9. 49, 152 u.ö. 

vullenvoren zu ende bringen 4, 16. 

vuren in feuer glühen 73, 23, 

wachten warten 9, 44. 20, 283. 
32, 42. 100, 94. 

waden waten 39, 31. | 

waken wachen, lauern 70, 6, 

walböm wallnussbaum 103, 55. 


walden prät. welt 32, 36. 74, 51. 


wandelbere veränderlich 60, 41. 

wandelen den vöt einen anderen 
weg einschlagen (bildi.) 39, 91. 

wanen glauben 8, 28. 

wanne, interject. des vorwurfs 98,8. 

want gewand 100, 85. 

wapen, ein ausruf, 3, 106. 39, 52. 

warde wache, anstand bei der jagd 
6,9. 61, 48. 

wärliken wahrlich 8, 20. 

wasele wiesel 70, 1. 

wedde pfand 27, 118. 

wedden wetten 67, 22. 

wede strang 92, 24. 


205 


wederkeren zurückkehren 3, 66; 
zurück, in den alten zustand 
bringen 18, 48. 

wederkomen abkommen von etw. 
83. 32. 

wederkrich widerspruch 29, 7. 

wedersate gegner 47, 46. 

wedewale pyrol, pfingstvogel 79, 20. 

wedewinde, ein strauch, 26, 34. 

weke woche 9, 19. 

weke geven nachgeben 28, 49. 

welp, welpen junges der tiere 9, 18. 


21, 22. 55, 88. 

wer weder, ob 29, 95. 58, 57. 
69, 60. 

werdicheit wärdevolles betragen 
27, 5 


werdinne wirtin 10, 14. 

were verteidigung 26, 38. 28, 41; 
ein ding zum schutz 3, 116. 

weren hindern 89, 57. 81, 46. 

werken, prät. wrachte zubereiten 
33, 18, 48; ein wild ausweiden 
6, 14. 

werliken wahrlich 8, 27. 

wermen erwärmen 21, 9. 

wernen (eine bitte) abschlagen 57, 
52. 82, 16. 

wernen warnen 10, 85. 65, 89. 

werren verwirren 36, 50. 

werschup wirtschaft 10, 43, 93. 

wert wirt 86, 13. 

wertlik weltlich 54, 68. 

werven streben 1, 16. 

wevel käfer 35,1.6. 49, 3.25 u. 6, 


wicht wicht 2, 7. 16, 88. 

wicken weissagen 17, 14. 20, 21. 

wide weit 32, 17. 

wige weihe 4, 19,42. 101,189 u. ö. 

wile, wilen einst 13, 11. 46, 27. 
49, 1u. ö. 

willich willig 9, 36. 10, 42. 

willekoren vor gericht gehen 87, 41. 

wilt das wid 16, 29. 

winkendie augen schließen 46,39.66. 

afwischeren abfliegen 89, 6. 

witenvorwerfen,tadeln 71, 43, 76,20. 

witlik bekannt, 102, 78. 

witte verstand, 18, 30. 

wlomen träbe sein 2, 24. 

wol wol, gut; obgleich 87, 68. 

woldich mächtig 6, 49.50. 65,135. 

wolp, wolpen = welp 9, 1. 8, 26. 
10,107, 53,14. 58,38. 11,9 u. ö. 

wormete gewürm 49, 179. 

wort waldparcelle, hain 102, 1. 

wrake rache, sirafe 58, 21. 77, 36. 

wreken rächen, strafen 16, 10. 68, 
88, 26 

wrenschen wiehern 59, 26. 

wret grausam, stark 3, 43. 24,2. 
29, 104. 49, 196, 216. 56, 51. 

wullen wolle von einem schafe 
nehmen 58, 9. 

zage, ein schimpfiwort, 10, 62. 22, 
25. 39, 45. 59, 16. 101, 14, 

zagel schwang 49, 122. 186. 67, 

28. 71,9 u 6. 

zire 2ierlich 85, 21. 

ziren zieren 59, 2. 


206 


Nachträge und berichtigungen. 


« 


Zur einleitung s. XXIX. Inzwischen ist der Poenitentiarius 
von E. Voigt in seinem soeben erschienenem buche ‘Kleinere lat. Denk- 
mäler der Thiersage' s. 81—106 von neuem herausgegeben worden. — 
s. XXXIV z. 13 lies auf denen wörter. 

Zum text. Lies Vw.40 van — 3,24 hüsvruwe — 3,25 güt — 
3, 91 enen — 4, 28 lenent — 5, 15 vorlös — 7, 42 sin — 9, 21 
u. ö. unde siatt und — 10, 17 schulle — 10, 70 hüsvrouwe — 
11, 13 ene — 16, 75 arm — 18, 38 tohant — 18, 41 sinen — 
18, 54 mede, — 19, 8 tilge it — 21, 5 hevemoder — 23, 34 sloge — 
25, 44 begunden — 30, 12 mote — 33, 23 gi — 34, 1 hüsman — 
35, 21 harde — 36, 42 juwen — 41, 46 do he — 41, 64 bliben — 
47,35 entruwen — 48, 22 se dorsten — 49, 169 tilge die kommata — 
55, 132 beide — 56, 63 vgl. die anmerk. — 61, 76. des — 
63, 23 do statt so — 63,31 men — 8.107 lies LXXI — 71,48 man — 
79, 24 tilge das komma hinter dure — 81,57 ofte wi — 82, 28 jo — 
84, 1 stolt — 85, 25 kint — 88, 73 wisheit — 91, 10 do se — 
94, 36 sin — 101,16 lantschade — 101, 147 vordomest — 101, 289 

dorch leve — 101, 311 wal — 102, 182 ordöl. 
| Zu den anmerkungen s. 166 z. 26 f. füge hinzu sein 102,69; 
tein 93, 12. — zu 46, 10 vgl. Kraneshals 278 er ingesinde heft erer 
ere — 2u 67, 3 Got holt ju ‘Gott behüte euch’ vgl. Wolfram Parz. 
138, 27. 554, 9. 


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